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39. Jahrgang Heft 1 Januar 2018

Editorial
Rudolf Bernard, München


Originalarbeit
Chelsey Collins, Bettina Stollhof und Irene Krämer, Mainz

In Deutschland bereiten viele Krankenhausapotheken Mischinfusionslösungen zur parenteralen Ernährung mit einem Mischinfusionsgerät zu. Aus einer 2016 durchgeführten Umfrage in deutschen Krankenhausapotheken wurde deutlich, dass Handlungsbedarf besteht, um die Zubereitung der parenteralen Ernährung mit einem Mischinfusionsgerät sicherer und effizienter zu gestalten. Basierend auf den „Guidelines on the Safe Use of Automated Compounding Devices for the Preparation of Parenteral Nutrition Admixtures“ der American Association for Health System Pharmacists wurden Empfehlungen für den sicheren Umgang mit einem Mischinfusionsgerät erarbeitet. Dabei wurden der aktuelle Stand des Wissens und der Technik sowie die aktuellen Gesetze, Verordnungen und Leitlinien berücksichtigt. Im Rahmen eines Anwendertreffens für Mischinfusionsgeräte mit spezialisierten Apothekern und PTA aus deutschen Krankenhausapotheken wurden diese Empfehlungen vorgestellt, diskutiert, gegebenenfalls redigiert und per Abstimmung konsentiert. Die Empfehlungen sollen den Herstellern und Nutzern von Mischinfusionsgeräten als Grundlage für den qualitätsgesicherten Einsatz von Mischinfusionsgeräten zur Zubereitung von parenteraler Ernährung dienen und eine bestmögliche Versorgung der Patienten gewährleisten.

Die Empfehlungen basieren auf den ASHP-Guidelines (American Society of Health-System Pharmacists) on the Safe Use of Automated Compounding Devices for the Preparation of Parenteral Nutrition Admixtures [1] vom Jahr 2000 und wurden an den aktuellen Wissensstand und die in Deutschland gültigen Regularien und gesetzlichen Regelungen angepasst. Die Inhalte wurden von einer ausgewählten Gruppe von Anwendern aus deutschen Krankenhausapotheken konsentiert.

Schlüsselwörter: Parenterale Ernährung, aseptische Herstellung, Mischinfusionsgerät, Empfehlung

Krankenhauspharmazie 2018;39:2–10.

Recommendation for the safe use of compounders for the preparation of parenteral nutrition in Germany

In many hospital pharmacies in Germany parenteral nutrition admixture are prepared with automatic compounding devices. In 2016 a survey was conducted to gather information about the characteristics of compounding parenteral nutrition in Germany. With the results of this survey it became clear that there are certain aspects which need to be addressed in order to optimize compounding of parenteral nutrition and make it more efficient. Based on the guidelines of the American Association for Health System Pharmacists on the Safe Use of Automated Compounding Devices for the Preparation of Parenteral Nutrition Admixtures, recommendations were drafted on the safe use of automated compounding devices for Germany. The recommendation contains the current state of knowledge and information from current laws, regulations and guidelines. The recommendation was introduced to and discussed with a panel of German pharmacists and pharmacy technicians specialized in compounding parenteral nutrition with an automated compounding device. The participants were asked about their opinions on the individual statements in the recommendation. The discussion of the recommendations allowed for an adaptation and a final draft of the recommendation. The recommendation is meant to provide a basis for users and automated compounding device manufacturers for the use of automated compounding devices to assure the quality of parenteral nutrition in patient care.

Key words: Parenteral nutrition, aseptic preparation, automated compounding device, guidelines



Übersicht
Sun Hee Kim, Bettina Stollhof und Irene Krämer, Mainz

Bei einigen Tumortherapeutika wird in den Fach- und Gebrauchsinformationen die Verwendung eines In-Line-Filters während der Applikation vorgeschrieben. Die Angaben zur Auswahl des geeigneten Filters sind nicht immer eindeutig. Um die Auswahl valide durchführen zu können, wurden die Anforderungen an die Materialeigenschaften der Filtersysteme für das jeweilige Arzneimittel und die Eigenschaften von ausgewählten, auf dem deutschen Markt verfügbaren Filtern analysiert. Aus dem Abgleich der Anforderungen und Eigenschaften der Filtersysteme resultierte eine Positivliste geeigneter Filtersysteme für die jeweiligen Arzneimittel. Zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit wird die Konnektion oder das Beipacken eines geeigneten Filtersystems zu der applikationsfertigen Zubereitung in der zentralen Zytostatikazubereitung empfohlen.

Schlüsselwörter: Tumortherapie, Parenteralia, In-Line-Filter, Applikation

Krankenhauspharmazie 2018;39:11–18.

Evaluation and handling of in-line IV infusion filters for parenteral administration of anticancer drug products

For several anticancer drug products in-line IV infusion filters are to be used during administration. For these medicinal products the specifications of suitable filter systems were retrieved from the product information. Of note, for seven in-line filter systems which are available on the German market, characteristic features were compiled, e. g. pore size, type of filter membrane, absence of certain materials, protein binding capacity and dead volume. Suitable filter systems were identified for the individual medicinal product by matching the requirements and the specifications of the in-line-filters. Medication safety can be increased by enclosing or connecting the right in-line filter system to the right ready-to-administer antineoplastic preparation in the pharmacy-based centralized cytotoxic preparation unit.

Key words: antineoplastic medicinal products, in-line IV filter systems, administration



Bericht
Bericht von Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Symposium zum 60-jährigen Jubiläum der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen

Am 8. Januar 1957 erhielt die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg die Erlaubnis zur Inbetriebnahme einer eigenen Universitäts-Apotheke. Zur Feier des 60-jährigen Jubiläums hatte die Apotheke unter Leitung von Prof. Dr. Frank Dörje zu einem wissenschaftlichen Symposium eingeladen, zu dem sich am 10. Oktober 2017 rund 160 Gäste aus ganz Deutschland im Hörsaalgebäude des Universitätsklinikums einfanden. Im Mittelpunkt des Symposiums standen aktuelle Fragen der klinischen Forschung aus Sicht der Ärzte, der pharmazeutischen Industrie und nicht zuletzt der Krankenhauspharmazie. Die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen hat umfangreiche Herstellungserlaubnisse für klinische Prüfpräparate und kann daher die klinische Forschung wirkungsvoll unterstützen.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

Die drei selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Duloxetin, Milnacipran und Venlafaxin unterscheiden sich in ihrer Affinität zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu den Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.



Serie
Dr. Jane Schröder, Dipl.-Pharm. Anne-Kathrin Stier, Dresden, und Dr. Gesine Picksak, Hannover, für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Das falsche Ketamin …

Ein Tierarzt reklamiert, dass ihm ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ketamin vorliegt, das keine Wirksamkeit gezeigt hat. Es stellte sich heraus, dass es zu einer Verwechslung des Arzneistoffs durch ein Sound-alike gekommen ist.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Kopfposition ohne Einfluss auf Behandlungserfolg oder Nebenwirkungen

Eine flache oder erhöhte Lagerung des Kopfes beeinflusst den Blutfluss im Gehirn. Ob sie sich auch auf den Therapieerfolg nach akutem Schlaganfall auswirkt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Eine großangelegte Studie zeigte keine signifikanten Unterschiede.



Dr. Jutta Zwicker, Dresden
Adalimumab wirksam bei pädiatrischen Patienten

 Mit einem Kommentar der Autorin

In einer Phase-III-Studie zeigte Adalimumab bei pädiatrischen Patienten mit schwerer Psoriasis vulgaris gute Wirksamkeit. Eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Methotrexat wurde jedoch nur in einem der beiden Wirksamkeitsendpunkte erreicht. Von der Studie gehen keine neuen Sicherheitssignale aus.



Dr. Alexander Kretzschmar, München
Ocrelizumab wirksam bei schubförmigen und primär progressiven Verläufen

Der selektive humanisierte monoklonale Anti-CD20-Antikörper Ocrelizumab wurde im Rahmen des klinischen Phase-III-Entwicklungsprogramms in den beiden Studien OPERA I und OPERA II bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose (RRMS) sowie in ORATORIO bei Patienten mit primär progressiver multipler Sklerose (PPMS) untersucht.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
GnRH-Antagonist Elagolix zur Symptomlinderung

In zwei klinischen Studien wurden Wirksamkeit und Sicherheit des GnRH-Antagonisten Elagolix untersucht. Elagolix linderte Dysmenorrhoe und nichtmenstruelle Unterleibsschmerzen, hatte allerdings auch unerwünschte Auswirkungen auf Knochen und Fettstoffwechsel.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neuer Antikörper zur Blutungsprophylaxe bei Hämophilie A

Eine Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Emicizumab senkte die Blutungsrate bei Patienten mit Hämophilie A und Hemmkörpern gegen Faktor VIII (Inhibitoren) um 87 % im Vergleich zu Patienten ohne diese Prophylaxe. Dies ergab die offene Phase-III-Studie HAVEN 1.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau