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38. Jahrgang Heft 11 November 2017

Originalarbeit
Magdalena Gruber*, Simone Eisenhofer* und Dorothea Strobach, München

Colchicin wird bereits seit dem 6. Jahrhundert therapeutisch verwendet [4]. Heute wird es vor allem beim akuten Gichtanfall sowie off Label unter anderem bei Perikarditis und familiärem Mittelmeerfieber eingesetzt. Die Substanz hat eine enge therapeutische Breite, Intoxikationen sind sogar unter therapeutischen Dosen beschrieben. Eine aktuelle Meldung der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) über einen tödlichen Zwischenfall mit Colchicin nach versehentlicher Überdosierung war Anlass, die Arzneimitteltherapiesicherheit beim stationären Einsatz der Substanz zu überprüfen. Der Wirkstoff wird eher selten eingesetzt. Es besteht aber Informationsbedarf zu Fragen der Dosierung und relevanten Arzneimittelinteraktionen. Ein allgemeines Informationsblatt mit den wichtigsten therapeutischen Angaben wurde erstellt und die Hauptverbraucher aktiv informiert.

Schlüsselwörter: Colchicin, Arzneimitteltherapiesicherheit, Intoxikation

Krankenhauspharmazie 2017;38:497–501.

*Die Autorinnen sind gleichberechtigte Erstautorinnen

Safety of in-hospital use of colchicine

The therapeutic use of colchicine dates back to the sixth century. Today, its main indication is the therapy of acute gout flares as well as the off-label use to treat pericarditis or familial Mediterranean fever. Due to the substance’s narrow therapeutic window, intoxications are reported even with therapeutic doses. A recent notification of the German Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) on a fatal incident of a patient accidently overdosing colchicine prompted us to evaluate the safety of inpatient colchicine use. The drug is used rarely. Nevertheless, there seem to be questions concerning dosing and drug interactions. An information leaflet containing the main therapeutic facts was developed. Wards routinely using colchicine were actively informed.

Key words: Colchicine, drug safety, intoxication



Herbert Plagge, Basel, und Sonja Zeggel, Liestal, im Namen der GSASA, Schweizerischer Verein der Amts- und Spitalapotheker – Arbeitsgruppe Ökonomie und Versorgung
Ein Überblick

Arzneimittellieferengpässe tangieren im Spital nicht nur die Apotheker, sondern vor allem auch die Ärzteschaft, die Pflege und letztlich die Patienten. Neben spitalrelevanten Präparaten wie Zytostatika waren in den letzten Jahren vor allem auch Antibiotika und Impfstoffe betroffen. Vor dem Hintergrund der weiterhin aktuellen Lieferengpass-Problematik hat die Arbeitsgruppe Ökonomie und Versorgung der GSASA (Schweizerischer Verein der Amts- und Spitalapotheker) die Situation in der Schweiz für die Zeiträume 2014 und 2015 analysiert. Mithilfe eines Fragebogens wurde untersucht, inwieweit in Schweizer Spitalapotheken Lieferengpässe dokumentiert und die Daten ausgewertet werden. Ferner sollte anhand dieser Erhebung eine Übersicht über die Lieferengpass-Situation in den Schweizer Spitälern gewonnen werden.

Schlüsselwörter: Lieferengpässe, Arzneimittel, Versorgungssituation, Umfrage, Schweiz

Krankenhauspharmazie 2017;38:502–6.

Drug shortages in Swiss hospitals – an overview

Drug shortages do not only affect the hospital pharmacists but also the doctors, nurses and finally the patients. Many products which are crucial for the hospitals like cytotoxic drugs, antibiotics and vaccines are concerned. In the face of the persistent problems with drug shortages the working group for economics and supply of the GSASA (Swiss Association of Public Health Administration and Hospital Pharmacists) has analyzed the supply situation of medicinal products in Switzerland in the period from 2014 to 2015.

We investigated the situation by means of a survey. On the one hand, we wanted to know whether drug shortages are documented and analyzed in Swiss hospital pharmacies. On the other hand, we wanted to get an overview of the supply situation of medicinal products in the Swiss hospitals.

Key words: drug shortages, medicinal products, supply situation, survey Switzerland



Chelsey Collins und Irene Krämer, Mainz

Das Zubereiten von parenteraler Ernährung ist ein kritischer und risikoreicher Prozess, der bevorzugt in der Apotheke durchgeführt werden soll. 2016 wurde eine Statuserhebung zu verschiedenen Aspekten der Zubereitung parenteraler Ernährung in deutschen Krankenhausapotheken mithilfe einer Online-Umfrage durchgeführt. Ziel war, aktuelle Informationen über den Umfang, die Zubereitungsmethoden, die eingesetzten Mischinfusionsgeräte, die Ausgangslösungen und über den Einsatz von Verordnungs-/Herstellsoftware zu erhalten. Die Umfrage wurde per E-Mail in ADKA-intern an die ADKA-(Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker-)Mitglieder geschickt mit der Bitte, dass jede Apotheke nur einmal antwortet. An der Umfrage beteiligten sich 85 Krankenhausapotheken, wovon 76 parenterale Ernährung überwiegend für pädiatrische Patienten in standardisierter und patientenindividueller Zusammensetzung zubereiten. Von den 76 Apotheken benutzen 72 % ein Mischinfusionsgerät. In den meisten Fällen werden fünf bis zwölf Ausgangslösungen eingesetzt. Bei der Zufriedenheit der Anwender mit den Mischinfusionsgeräten, Verbrauchsmaterialien und Ausgangslösungen besteht ein deutliches Optimierungspotenzial. Etwa die Hälfte der Apotheken nutzt eine kommerzielle Herstellsoftware. In der Minderheit der Krankenhäuser wird eine elektronische Verordnungssoftware eingesetzt. Hier besteht Handlungsbedarf, um die Verordnung und Zubereitung der parenteralen Ernährung sicherer und effizienter zu gestalten. Es ist empfehlenswert, diese Prozesse mithilfe einer einheitlichen Leitlinie zu standardisieren.

Schlüsselwörter: Parenterale Ernährung, aseptische Herstellung, Mischinfusionsgerät

Krankenhauspharmazie 2017;38:507–12.

Evaluation of the current practices for the preparation of parenteral nutrition in Germany 2016

The aseptic preparation of parenteral nutrition is a process which is being implemented in many hospital pharmacies throughout Germany. The compounding of parenteral nutrition is critical and can be prone to errors. In order to locate areas of the preparation process which could be critical a national survey was conducted to identify which methods and products are used in hospital pharmacies. It focused on the current practices of parenteral nutrition compounding, use of specific products and opinions of the participants on their automated compounding devices and prescribing software. The survey was sent via email to hospital pharmacists through the mailing list of the national association of hospital pharmacists (ADKA). It was requested that only one reply be sent from each hospital pharmacy which prepares PN.

85 completed surveys were received. Around 89 % of the hospital pharmacies compound parenteral nutrition. 72 % of the pharmacies prepare parenteral nutrition with an automated compounding device. It was also found that almost 70 % still rely on fax to receive parenteral nutrition prescriptions. The national survey gives an overview of the status quo of parenteral nutrition preparation and shows the necessity to create standards in order to jointly optimize the process.

Key words: Parenteral nutrition, aseptic preparation, automated compounding device



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Arzneimittel und QT-Zeit-Verlängerung – ein unterschätztes Risiko?

Im Rahmen der regelmäßigen Stationsvisite fallen dem Apotheker bei Durchsicht der Medikation eines Patienten mehrere Arzneimittel auf, die potenziell zu einer QT-Zeit-Verlängerung führen können: Amiodaron, Melperon und Citalopram. Der Oberarzt der Abteilung veranlasst umgehend die Aufzeichnung eines Ruhe-EKGs, in welchem eine deutlich verlängerte QT-Zeit gemessen wird. Daraufhin werden Melperon und Citalopram abgesetzt, wodurch sich die QT-Zeit im Kontroll-EKG im Verlauf einer Woche wieder normalisiert. Auch wenn im vorliegenden Fall durch die verlängerte QT-Zeit keine klinisch auffälligen Herzrhythmusstörungen verursacht wurden, ist die Kontrolle der QT-Zeit mittels EKG unbedingt anzuraten, wenn Arzneimittel mit einem bekannten erhöhten Risiko für QT-Zeit-Verlängerungen eingesetzt werden.



Serie
Der Artikel wurde unter Einbeziehung von Diskussionsbeiträgen von Dr. Jörg Brüggmann, Berlin, Prof. Dr. Christoph Hiemke, Mainz, und Dr. Jochen Weber, Bad Wildungen, erstellt.
Das Interaktionspotenzial der Endothelin-Rezeptorantagonisten

Für die Bewertung des pharmakokinetischen Interaktionspotenzials der Endothelin-Rezeptorantagonisten ist die Affinität zum Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzym 3A4 von maßgeblicher Bedeutung. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu diesem Cytochrom-P450-Isoenzym dargestellt.



Dr. Christa Finkenzeller, München, und Dr. Gesine Picksak, Hannover, für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Look-alike-Gefahr durch einen Lieferengpass

Aufgrund eines Lieferengpasses von Trometamol-Ampullen muss die Klinikapotheke diese über den einzigen weiteren Anbieter beziehen. Bei diesem wird auch das in der Klinik gelistete Zinkpräparat zur parenteralen Anwendung eingekauft. Kurze Zeit später weisen Anwender aufgrund einer ähnlichen Primär- und Sekundärverpackung auf eine mögliche Verwechslungsgefahr beider Präparate hin.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Sabine Fischer, Stuttgart
Effektivität von Insulinpumpen versus Insulininjektionen

Insulinpumpen haben keine signifikante Auswirkung auf die Senkung des HbA1c-Werts im Vergleich zu mehrmals täglichen Insulininjektionen, wenn beide Gruppen zusätzlich ein intensives Training im Umgang mit Insulin erhalten. Dies zeigt die multizentrische REPOSE-Studie. Lediglich eine etwas größere Zunahme an Lebensqualität konnte durch Einsatz einer Insulinpumpe erreicht werden.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Dexamethason präoperativ bessert Übelkeit und Erbrechen nach gastrointestinalen Eingriffen

Besonders nach bauchchirurgischen Eingriffen leiden die Patienten häufig unter Übelkeit und Erbrechen. Eine Einzeldosis Dexamethason vor dem Eingriff senkt die Inzidenz und den Verbrauch weiterer Antiemetika.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Midostaurin verlängert Überleben bei FLT3-mutierter AML

Den Daten einer Phase-III-Studie zufolge verbessert der Multitarget-Tyrosinkinasehemmer Midostaurin in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie bei AML-Patienten mit FLT3-Mutation das Gesamtüberleben sowie das ereignisfreie Überleben signifikant.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Hohe Lebenserwartung durch Imatinib

Der Tyrosinkinaseinhibitor Imatinib ist auch noch nach einer elfjährigen Behandlungsdauer einer CML wirksam und nebenwirkungsarm. Dies zeigte sich in einer neuen Auswertung der vor 17 Jahren initiierten IRIS-Studie. Nach knapp elf Jahren sind noch rund 83 % der mit Imatinib behandelten Patienten am Leben.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Psychologische Interventionen nützlich bei Krebs in verschiedenen Stadien

Seit fast zwei Jahrzehnten wird zunehmend die Frage diskutiert, welche psychischen Belastungen und/oder psychische Störungen sich infolge einer Krebserkrankung entwickeln können, wie diese sich auf die Lebensqualität der Betroffenen und deren klinische Aspekte auswirken können und besonders, wie diese Patienten psychosozial betreut werden sollten. Während des amerikanischen Krebskongresses (ASCO) wurden zwei Studien vorgestellt, in denen der Nutzen von psychologischen Interventionen in der Krebstherapie gezeigt werden konnte, einmal bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs und einmal bei solchen mit neu diagnostiziertem Krebs.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Abirateron früher eingesetzt führt zu längerem Überleben

Für Männer mit lokal fortgeschrittenen oder hormonsensitiven metastasierten Prostatakarzinomen ist es lebensverlängernd, wenn der Androgendeprivationstherapie (ADT) Abirateron hinzugefügt wird. Das zeigte sich in zwei Studien, die während des 53. amerikanischen Krebskongresses in Chicago vorgestellt wurden.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Ausschreibung

Mit den Ausbildungsprojektpreisen „Diplom“ und „PJ-Projekt“ des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. sollen herausragende Projekt- und Diplomarbeiten ausgezeichnet werden. 2018 werden die beiden Preise bereits zum siebten Mal verliehen. Als Preis erhält der Ersteller der Arbeit einen Büchergutschein im Wert von 100 Euro sowie die Teilnahme am ADKA-Kongress 2018 in Stuttgart. Ersteller und Betreuer werden zusätzlich mit Urkunden ausgezeichnet.



ADKA intern
Aufruf für Poster und Kurzvorträge

„Patientenindividuelle Krankenhauspharmazie – Heute und Morgen“ lautet das Thema des 43. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 3. bis 5. Mai 2018 in Stuttgart. Das wissenschaftliche Komitee lädt ein, mit einem Poster oder Kurzvortrag das Programm aktiv mitzugestalten.