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26. Jahrgang Heft 5 Mai 2005

Übersichten
Hans-Peter Lipp, Tübingen
Einsatz von Calcium- und Magnesium-Salzen

Oxaliplatin-assoziierte akute Neurotoxizität ist durch Symptome wie das rasche Einsetzen von Dys- und Parästhesien gekennzeichnet, die sich durch gleichzeitige Kälteeinwirkung erheblich verstärken können. Immer wieder werden auch spontane Muskelkontraktionen im Bereich der Extremitäten oder im Kieferbereich beobachtet. Der Pathomechanismus, der diesen akuten sensorischen Neuropathien zugrunde liegt, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt, schließt jedoch sehr wahrscheinlich die Bedeutung von Oxaliplatin-Metaboliten ein. In diesem Zusammenhang könnte Oxalat-Ionen, die im Körper aus dem Platin-Komplex Oxaliplatin freigesetzt werden, eine besondere Rolle zukommen: Oxalsäure kann in experimentellen Systemen Parästhesien auslösen, die auf einer Erhöhung der Nervenerregbarkeit und einer Beeinflussung von Ionenkanälen durch Chelatisierung von Calcium- und Magnesium-Ionen beruhen. Eine französische Arbeitsgruppe propagiert seit längerem die Infusion von Calcium/Magnesium-Verbindungen zur Reduktion der Oxaliplatin-assoziierten Neuropathien und verweist dabei auch auf ermutigende retrospektiv erhobene Studienergebnisse. Um ein einheitliches Vorgehen voranzubringen, ist es empfehlenswert, analog den gewählten Studienbedingungen bis auf weiteres Calciumgluconat und Magnesiumsulfat-Heptahydrat (jeweils 1 000 mg als Zusatz in z. B. 100 ml Glucose 5 %) zu verwenden, zumal sich diese Mischung über mindestens 24 Stunden als ausreichend physikalisch-chemisch stabil erwiesen hat.

Schlüsselwörter: Oxaliplatin, Neuropathie, Calcium, Magnesium

Acute neurotoxicity during oxaliplatin-based chemotherapy – administration of calcium/magnesium containing infusions

Oxaliplatin-associated acute neurotoxicity includes symptoms like a rapid onset of cold-induced distal dysesthesia and/or paresthesia. Sensory symptoms may be accompanied by cold-dependent muscular contractions of the extremities or the jaw. The underlying pathomechanism has not yet been clearly elucidated, but may involve a specific interaction of oxaliplatin metabolites, e. g. oxalate, with ion channels located in the cellular membrane. In experimental systems, oxalate has been identified as an important inducer of peripheral nerve excitability based on its chelating activity on calcium and magnesium ions. As a consequence, a French study group has recently suggested to use calcium (Ca2+) and magnesium (Mg2+) containing infusions to ameliorate oxaliplatin-related acute neurotoxicity based on encouraging retrospective study analysis. However, preparation of Ca2+ and Mg2+ infusion has not yet been clearly standardized because a broad spectrum of Ca2+ and Mg2+ containing formulations are commercially available. In conclusion, the use of calcium gluconate (1 g) and magnesium sulfate heptahydrate (1 g) renders a physico-chemically compatible solution (e. g. in 100 ml dextrose 5 %) for at least 24 hours reflecting the current procedure used in ongoing prospective study conditions.

Keywords: Oxaliplatin, neuropathy, calcium, magnesium

Krankenhauspharmazie 2005;26:153–9.



Markus L. Lampert und Barbara Bär, Bruderholz
Untersuchungen zur Stabilität einer Magistralrezeptur

Das Hand-Fuß-Syndrom stellt eine häufige, therapielimitierende Nebenwirkung zytostatischer Chemotherapien dar. Die Behandlung beinhaltet eine Dosisreduktion des Zytostatikums sowie symptomatische Maßnahmen zur Entzündungshemmung. Topisch werden dabei hochpotente Glucocorticoide mit oder ohne Zusatz von Dimethylsulfoxid angewendet. Die hier untersuchte Mischung einer Zubereitung von Betamethason-17-valerat (Betnovate®-Creme, GlaxoSmithKline AG) mit gleichen Teilen Dimethylsulfoxid ergibt eine galenisch und chemisch über mindestens drei Monate ausreichend stabile Formulierung, die einfach herzustellen ist.

Schlüsselwörter: Hand-Fuß-Syndrom, Zytostatika-Nebenwirkungen, Glucocorticoide, topisch, Dimethylsulfoxid, Magistralrezeptur

Topical application of a glucocorticoid-dimethyl sulfoxide mixture in the treatment of hand-foot-syndrome

The hand-foot-syndrome (palmar-plantar erythrodysaesthesia) is a common and limiting side-effect of cytotoxic chemotherapies. Its treatment consists of a dose reduction of the cytotoxic agent and symptomatic measures to reduce inflammation. Topically high potency-glucocorticoids, optionally in combination with dimethyl sulfoxide, are used.

The mixture of a preparation of betamethasone-17-valerate (Betnovate® Cream, Glaxo) with equal parts of dimethyl sulfoxide which we examined, results in a physically and chemically stable (for at least three months) formulation, which can be prepared in an easy way.

Keywords: Hand-foot-syndrome, cytostatic side effects, topical glucocorticoids, dimethyl sulfoxide, extemporaneous preparation

Krankenhauspharmazie 2005;26:160–2.



Peter Buchal, Konstanz

Die Einkaufs- und Distributionslogistik ist nach wie vor ein wichtiges Standbein der Krankenhausapotheke. Da von Seiten der Legislative bereits diskutiert wird, pharmazeutische Logistik von pharmazeutischer Beratung zu trennen, ist es wichtig, Distributionssysteme in den Krankenhausapotheken zu etablieren, die die Gefahr reduzieren, diesen Bereich an Dritte zu verlieren und damit die Einrichtung Krankenhausapotheke zu gefährden. Darüber hinaus gilt es, durch Mobilisierung von Personalressourcen die Leistungsfähigkeit zu steigern und dies auch für rein betriebswirtschaftlich denkende Personen außerhalb der Krankenhausapotheke sichtbar zu machen. Wenn Krankenhausapotheken im Gegensatz zum pharmazeutischen Großhandel und zur pharmazeutischen Industrie die Automatisierung nicht vorantreiben, besteht die große Gefahr, dass sie durch die Personalintensität als logistisch leistungsschwach und unwirtschaftlich wahrgenommen werden. Die Bedeutung einer Krankenhausapotheke am Stellenschlüssel festzumachen, gehört in den historischen, durch den BAT begründeten Zusammenhang und muss den heutigen Anforderungen angepasst werden. BatchFlow ist ein neues, halbautomatisches Kommissioniersystem, das sich für die Anforderungen in der Krankenhausapotheke eignet und bereits bewährt hat.

Schlüsselwörter: BatchFlow, Kommissionierautomat, Halbautomat, SAP/R3 MM, W-LAN, mobiler PC, Handheld

BatchFlow: a halfautomatic machine for batch dispensing

Logistic of procurement and distribution is an important column for hospital pharmacy and we run the risk of losing it. Legislature is almost discussing the separation of procurement and clinical pharmaceutical service. Therefore it is of great importance to establish automation in hospital pharmacy as well as pharmaceutical industry and wholesaler do it to open personal resources and to demonstrate efficiency. Otherwise hospital management will perceive us below average and mostly not efficient. BatchFlow is a half automatic machine for batch dispensing. It has already been proved in daily action.

Keywords: BatchFlow, automation, half automatic machine for batch dispensing, SAP/R3 MM, W-LAN, mobile PC, handheld

Krankenhauspharmazie 2005;26:163–7.



Dieter Temme, Hamburg*
Eine Gefährdung der Arzneimittelsicherheit?

Krankenhauspharmazie 2005;26:168–71.



Christoph Jansen, Düsseldorf*
Aufgabe des Apothekers: Welche rechtlichen Aspekte ergeben sich für Patienten, Krankenhausbetreiber und Apotheker?

Was bedeuten Patientensicherheit, Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf Unit-Dose für die Aufgaben des Apothekers?

Krankenhauspharmazie 2005;26:172–5.



Anton Plangger, Göppingen
Monographie der Arbeitsgruppe antiinfektiöse Therapie des Ausschusses Klinische Pharmazie der ADKA

Die in der Monographie erwähnten (Basis-)Dosierungen, Applikationen, Indikationen und Stabilitäten sind entsprechend dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Manuskripterstellung recherchiert. Sämtliche Therapieempfehlungen wurden gewissenhaft überprüft. Der Anwender des jeweiligen Arzneimittels ist jedoch gefordert, die Dosierungen, Kontraindikationen und sonstige Therapierichtlinien eigenverantwortlich gemäß dem Stand des medizinischen Wissens auf Richtigkeit zu überprüfen.

Krankenhauspharmazie 2005;26:176–7.



Serie
Arbeitsgemeinschaft Medikationsfehler der ADKA e.V.

Fehler bei der Abmessung kleiner Volumina führt zu zwei- bis dreifacher Überdosierung.



Bericht
Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Bericht vom 6. Sanofi-Aventis-Symposium für Krankenhausapotheker 2. Oktober 2004, Berlin

Das Symposium beschäftigte sich als Schwerpunkt mit dem Thema „Integrierte Versorgung – Rolle der Krankenhausapotheker?“ sowie mit aktuellen medizinischen Fragestellungen.

Krankenhauspharmazie 2005;26:179–83.



Referiert & kommentiert
Verweildauer in Krankenhäusern erstmals unter neun Tagen

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes ist die Verweildauer der Krankenhauspatienten und -patientinnen weiter gesunken: um 3,3 %, von 9,2 Tagen im Jahr 2002 auf durchschnittlich 8,9 Tage in 2003. Insgesamt gab es 17,3 Mio. Behandlungsfälle – rund 130 000 weniger als im Vorjahr. In den letzten Jahren war diese Zahl kontinuierlich gestiegen.



Annemarie Musch, Stuttgart
Neue Therapieoption – der Angiogenese-Hemmer Bevacizumab (Avastin®)

Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom profitierten von einer Erstlinienbehandlung mit Fluorouracil/Folinsäure/Irinotecan plus Bevacizumab (Avastin®): das mediane progressionsfreie Überleben und das mediane Gesamtüberleben wurden im Vergleich zur Kontroll-Gruppe signifikant verlängert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Neue Therapieoptionen – chronisch-myeloische Leukämie und primäre Thrombozythämie

Gute Langzeitergebnisse können bei Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie (CML) mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib (Glivec®) in der Erstlinienbehandlung erreicht werden. Bisher ungelöst ist das Problem der Imatinib-Resistenz; bestimmte Dosierungen sollten eingehalten werden, um sie zu verhindern. Mit neuen Tyrosinkinase-Inhibitoren könnte eine bestehende Resistenz durchbrochen werden. In der Behandlung von Patienten mit primärer Thrombozythämie ist und bleibt Hydroxycarbamid Standard der primären zytoreduktiven Therapie.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Anhebung des HDL-Cholesterol-Werts senkt koronares Risiko

Typisch für die Dyslipidämie beim Typ-2-Diabetiker sind niedrige HDL-Cholesterol-Werte, erhöhte Triglycerid- und LDL-Cholesterol-Werte. Mit Nicotinsäure-Derivaten (z. B. Niaspan) kann insbesondere der HDL-Cholesterol-Wert angehoben werden. Dies zeigen Daten, die auf einem von der Firma Merck veranstalteten Symposium beim europäischen Diabetes-Kongress im September 2004 in München vorgestellt wurden.



Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Verbesserte Überlebenschancen durch Kombination von Gemcitabin mit platinhaltigen Zytostatika

Die Kombination von Gemcitabin mit platinhaltigen Zytostatika verlängerte sowohl das Gesamtüberleben als auch die progressionsfreie Zeit bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom signifikant im Vergleich zu anderen Therapien mit platinhaltigen Zytostatika.