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27. Jahrgang Heft 8 August 2006

Editorial
Klaus Tönne, Oberhausen und Berlin


Übersichten
Ilse Wurdack, Garching, Werner Kittlaus, Alenka Pecar und Rudolf Bernard, München
Praxisuntersuchungen auf einer Neugeborenen-Intensivstation

In Zusammenarbeit mit der Apotheke Innenstadt des Klinikums der Universität München wurden verschiedene Materialien, die zur parenteralen Ernährung und Medikation auf der Neugeborenen-Intensivstation der Haunerschen Kinderklinik München eingesetzt werden, untersucht. Dabei wurden zwei hauptsächliche Kontaminationsquellen für problematische Substanzen ermittelt. Aus PVC-Schläuchen, die den Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) enthalten, wird dieser vor allem durch die Fettemulsionen, die zur Ernährung und Vitaminversorgung eingesetzt werden, in erheblichem Umfang herausgelöst. Hier wurde eine DEHP-Konzentration von über 400 mg/l festgestellt. Aus Glasampullen werden vor allem durch alkalische oder Komplexbildner-haltige Lösungen bekanntermaßen Aluminiumionen herausgelöst. Am höchsten belastet war bisher eine Trometamol-Lösung aus der Glasampulle, die über 4 mg/l Aluminiumionen enthielt. Aus Polyurethan- und Polyolefin-Materialien, die den Weichmacher Tris-2-ethylhexyltrimellitat (TEHT) enthielten, wurden durch unpolare Lösemittel oder Fettemulsionen nur in geringem Umfang Stoffe gelöst. Auch aus Arzneiglasflaschen wurden deutlich weniger Aluminiumionen eluiert als aus Ampullen.

Schlüsselwörter: Neugeborene, Ernährung, Weichmacher, DEHP, BHT, Phthalate, Aluminium

Contamination of parenteral drug- and nutrition-solutiones by ingredients of primary packaging materials

In cooperation with the pharmacy of the Munich university hospital we investigated diverse materials used for parenteral nutrition and medication at the intensive care unit for new born babies.

Two sources of contamination with dangerous substances were found: PVC tubes containing the softener diethylhexylphthalate (DEHP). This substance is eluted by fatty emulsions for nutrition and vitamin supply. In a laboratory test we found that more than 400 mg/L DEHP could be eluted. From glass ampuls aluminium is eluted by alkaline solutions or complexing agents. The highest concentration of aluminium was found in a solution of Trometamol (trishydroxymethylaminomethane) containing more than 4 mg/L aluminium ions.

From other materials like polyurethane or polyolefins we eluted only low amounts of substances. The aluminium concentrations eluted from glass bottles were very low compared to glass ampuls.

Keywords: Newborn, nutrition, softener, DEHP, BHT, phthalate, aluminium

Krankenhauspharmazie 2006;27:334–9.



Werner Kittlaus, Alenka Pecar, München, und Christoph Sturm, Dachau
Status quo und Konsequenzen


Axel Dürrbeck, Johannes Passolt und Donald Ranft, Leipzig
Erfahrungen bei der Einführung einer computergestützten Dokumentation

Die seit Jahresbeginn 2005 dringend erforderliche vollständige, fallbezogene Dokumentation von zusatzentgeltfähigen Arzneimitteln ist manuell nicht mit vertretbarem Aufwand in der erforderlichen Qualität zu erbringen. Als Konsequenz wurde am Universitätsklinikum Leipzig der Einsatz eines PDMS (Patienten-Daten-Management-Systems) zunächst auf die Stationen ausgeweitet, die von der Zusatzentgeltabrechnung besonders betroffen sind. Im Rahmen dieses Prozesses hat die Apotheke auf die Schaffung einer gemeinsamen Arzneimitteldatenbank für das PDMS hingewirkt. Die Apotheke pflegt in dieser Datenbank administrative und medizinische Daten und wirkt bei der Erstellung und Überarbeitung von Therapiestandards mit. Die teilnehmenden Stationen profitieren durch die automatisierte Abrechnung der Zusatzentgelte von einer erheblichen Zeitersparnis. Ein zusätzlicher Dokumentationsaufwand konnte verhindert werden.

Schlüsselwörter: DRG, medizinische Informationssysteme, PDMS, Ökonomie im Gesundheitswesen

Documentation of DRG-relevant drug costs – a challenge for pharmacists! Experience in the introduction of computerized documentation

The complete, case-related documentation of DRG relevant drugs, which has been absolutely necessary since the beginning of 2005, cannot be attended manually in the required quality with justifiable efforts. As a consequence, the use of PDMS (Patients-Data-Management-System) was extended to the units particularly affected by the DRG charges at Leipzig University Hospital to start with.

In the course of this process, the pharmacy has worked towards the creation of a joint database for the PDMS. The pharmacy updates the administrative and medical data and is involved in the generating and reviewing of therapy standards.

The units participating profit from a considerable saving of time thanks to the automated accounting of the DRG. Additional documentation efforts have been prevented.

Keywords: Diagnosis-related groups, medical informatics applications, health care economics and organization

Krankenhauspharmazie 2006;27:342–4.



Tatjana Heinen-Kammerer, Inga Karig, Valeska Irrgang und Reinhard Rychlik, Burscheid

Infektionen mit multiresistenten Erreger nehmen in ihrer Häufigkeit seit einigen Jahren deutlich zu und sind mittlerweile die häufigste Komplikation bei Krankenhausaufenthalten. Die Behandlung der Patienten und die Vermeidung weiterer Infektionen stellen eine Belastung für Patienten und Krankenhauspersonal dar. Darüber hinaus werden zusätzliche Kosten generiert. Im Rahmen eines systematischen Literaturreviews wurden Prävalenz, Krankheitslasten und -kosten von Infektionen mit multiresistenten Erregern in Deutschland untersucht. Dabei offenbarte sich ein massiver Forschungsbedarf zu diesem Thema. Während Krankheitslasten in keiner Studie im Fokus standen, lagen vier Studien zu den Krankheitskosten von MRSA-Infektionen aus der Perspektive des Krankenhauses vor. Diese waren aufgrund der unterschiedlichen Settings (Peripher- oder Intensivstation) und der unterschiedlichen Zielparameter nur bedingt vergleichbar. Nur eine Studie wurde unter DRG-Bedingungen durchgeführt. Insgesamt variierten die Kosten aus Sicht des Krankenhauses je nach Quelle und Setting zwischen 355 Euro und 1 622 Euro pro Pflegetag. Dabei ist der größte Anteil an den in den Studien betrachteten Gesamtkosten auf die Isolierungsmaßnahmen, insbesondere die Bettensperrung zurückzuführen. Die Kosten für zusätzliche Arzneimittel/Therapien stellen hingegen einen vergleichsweise niedrigen Anteil von 2 % auf peripheren Stationen und 18 % auf Intensivstationen dar.

Schlüsselwörter: Krankheitslasten, Krankheitskosten, multiresistente Erreger, nosokomiale Infektionen, MRSA, VRE, MRSE, ESBL

Prevalence, burden and costs of infections with multiresistent microorganisms in Germany

In recent years there has been a noticable increase in the incidence rate of infections with multiresistent microorganisms. These infections have become the most frequent complication during hospitalization. The treatment of patients and the prevention of further infections represent a burden for patients and hospital staff. Furthermore, additional costs are generated.

Within the scope of this systematic review the prevalance, burden and costs of illness in Germany, caused by infections with multiresistent microorganisms, have been analyzed.

The results proved the need for a thorough research to be conducted on this topic. Four studies are available on the costs of illness due to MRSA-infections from the perspective of hospitals. On the other hand, the burden of illness was not the focus in any study. It was difficult to compare the four studies dealing with the costs of illness, due to differences in the settings (peripheral ward or intensive care unit) and outcomes. Only one study was conducted in accordance with the conditions for DRGs.

As a result the costs, from the perspective of the hospitals, varied between 355 Euro and 1,622 Euro per day, depending on the source and setting. The highest percentage of the total costs can be contributed to isolation measures, particularly the blocking of beds. However, in comparison the costs for additional drugs/therapy represent only a small portion with 2 % for the peripheral ward and with 18 % for the intensive care unit.

Keywords: burden of illness, costs of illness, multiresistent microorganisms, nosocomial infections, MRSA, VRE, MRSE, ESBL

Krankenhauspharmazie 2006;27:345–50.



Bericht
Bericht von Kathrin Krause, Schwedt
8. Apotheker-Workshop unterstützt von Janssen-Cilag, Aachen, 2. bis 4. Mai 2006

Bereits zum 8. Mal war es einer Gruppe deutscher Krankenhausapotheker möglich, während dieses Workshops, Einblicke und Erfahrungen der Krankenhauspharmazie in Holland zu sammeln. Das bewährte Team um Dr. Viktoria Mönch, München, und Dr. J.C. Kutsch-Lojenga, Arnheim, stellte mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung der Firma Janssen-Cilag ein interessantes und vielfältiges Programm zusammen.



Serie
Arbeitsgemeinschaft Medikationsfehler der ADKA e.V.

Als Medikationsfehler werden gewöhnlich vermeidbare Fehler bei der Anwendung von Arzneimitteln bezeichnet. Medikationsfehler können auf dem gesamten Weg von der Verordnung bis zur Anwendung entstehen, zum Beispiel durch fehlerhafte Dosierungen, Kommunikationsfehler oder unzutreffende Bezeichnung des Arzneimittels.



Referiert & kommentiert
Alexandra Göbel und Beate Lubrich, Freiburg
2. Freiburger Schmerztag für Krankenhausapotheker

Am 20. Oktober 2006 findet in Freiburg der 2. Freiburger Schmerztag für Krankenhausapotheker statt.



Dr. Brigitta Schreiber, München
Pankreaskarzinom – schwierig zu therapieren

Zum zwölften Mal trafen sich am 28. März 2006 die onkologisch tätigen Krankenhausapotheker und pharmazeutisch-technischen AssistentInnen aus dem Münchner Raum zu ihrem Stammtisch. Die Veranstaltung wurde freundlicherweise von der Firma Lilly Deutschland unterstützt.



Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart
Auswirkungen des Chinolon-Verbrauchs in Krankenhaus und Praxis auf die Resistenzrate

US-amerikanische Autoren fanden signifikante Korrelationen zwischen dem Verbrauch von Fluorchinolonen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses und nosokomialen Infektionen. Die Ergebnisse unterstützen die Forderung nach einer restriktiven und gezielten Verordnung dieser Antiinfektiva.



Dr. Susanne Heinzl
Neue Therapiestrategien bei zunehmenden Resistenzen

Veränderte Rahmenbedingungen im Krankenhaus erfordern neue Therapiestrategien. Krankenhausapotheker sollten sich beispielsweise mit der Erstellung von Therapie-Leitlinien, pharmakoökonomischen Berechnungen und der Darstellung des Nutzens einer qualitativ hochwertigen Arzneimitteltherapie beteiligen. Bei der Therapie mit Antibiotika ist als weitere Variable die Selektion resistenter Erreger zu berücksichtigen.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Chlorhexidin/Silbersulfadiazin-beschichtete Venenkatheter

In einer Studie wurde untersucht, ob der Einsatz von Chlorhexidin/Silbersulfadiazin-beschichteten Venenkathetern die Empfindlichkeit Koagulase-negativer Staphylokokken beeinflusst.



Erste Hilfe bei Unfällen mit ätzenden oder giftigen Stoffen


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Individuelle Schmerztherapie bei älteren Patienten

Die Therapie chronischer Schmerzen bei älteren Menschen sollte individuell und unter Berücksichtigung aller zur Verfügung stehenden Opioide erfolgen. Hydromorphon hat beispielsweise ein sehr geringes Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen. Aktuelle Daten wurden auf einem von Mundipharma veranstalteten Symposium im Rahmen des 17. Deutschen Interdisziplinären Schmerzkongresses in Frankfurt im März 2006 vorgestellt.



Monika Walter, München
Hohe Effektivität mit der Standarddosistherapie

Immunsupprimierte Patienten mit invasiven Aspergillosen oder anderen lebensbedrohlichen Schimmelpilzinfektionen sprachen in der AmBiLoad-Studie zu 50 % auf liposomales Amphotericin B (L-AmB) in der Standarddosierung (3 mg/kg/Tag) an. Durch eine initiale Hochdosistherapie konnten die Ansprechraten im Vergleich zur Standarddosierung nicht verbessert werden, wie bei einem von der Firma Gilead Sciences GmbH veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 32nd Annual Meeting of the European Group for Blood and Marrow Transplantation in Hamburg im März 2006 berichtet wurde.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin und Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart
Sanierung mit „Antibiotika-Block“

Unter „Antibiotika-Block“ versteht man, dass in einen Venenkatheter während einer Therapiepause, beispielsweise über Nacht, Antibiotika-Lösungen in hoher Konzentration in das Katheterlumen eingebracht werden. Bisherigen Ergebnissen zufolge ist dies eine Erfolg versprechende Methode zur Prävention von Katheter-assoziierten Infektionen.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Geiersterben durch Diclofenac

Die großzügige Antirheumatika-Vergabe an Menschen und Haustiere in Indien verursacht bei den kadaverfressenden Vögeln eine tödliche Eingeweidegicht durch Nierenversagen. Mit diesen Erkenntnissen erfährt die bisher zu wenig beachtete Rolle von Medikamentenrückständen in der Umwelt eine Fokussierung, die Veterinäre und Humanmediziner in allen Teilen der Welt betrifft.