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27. Jahrgang Heft 12 Dezember 2006

Übersichten
Klaus F. Bodmann, Hildesheim
Stellenwert bei hospitalisierten Patienten

Seit dem Jahr 2002 steht Ertapenem, das nach den Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) als Carbapenem der Gruppe 2 klassifiziert wird, neben den Carbapenemen der Gruppe 1 (Imipenem und Meropenem) für die klinische Anwendung in Deutschland zur Verfügung. Ertapenem verfügt wie Imipenem und Meropenem über eine hohe Wirksamkeit gegen gramnegative und grampositive Erreger, einschließlich anaerobe Erreger, und ist stabil gegenüber vielen Beta-Lactamasen, einschließlich AmpC und Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL). Ertapenem ist strukturell dem Meropenem ähnlich und verfügt wie dieses über Stabilität gegenüber Dehydropeptidase-1. Von den Carbapenemen der Gruppe 1 (Imipenem und Meropenem) unterscheidet sich Ertapenem durch eine schwächere Wirksamkeit bei Pseudomonas aeruginosa, anderen Nonfermentern und Enterokokken, die als klinisch nicht ausreichend eingestuft wird. Aufgrund der langen Halbwertszeit ist eine einmal tägliche Dosierung möglich. Ertapenem ist umfassend in klinischen Vergleichsstudien geprüft worden. Hauptindikationen sind Infektionen in der Chirurgie, Pneumonien, gynäkologische Infektionen und Infektionen des diabetischen Fußes. Von deutschen und internationalen Experten und Fachgesellschaften wird Ertapenem für die Therapie intraabdominaler Infektionen, schwerer ambulant erworbener Pneumonien, früher nosokomialer Pneumonien sowie bei gynäkologischen Infektionen und Infektionen des diabetischen Fußes empfohlen, wenn nicht mit Pseudomonas aeruginosa als ursächlichem Erreger gerechnet wird.

Schlüsselwörter: Ertapenem, In-vitro-Aktivität, klinische Studien, Surveillance in Deutschland

Ertapenem in antiinfective therapy

Ertapenem like imipenem and meropenem has broad-spectrum antibacterial activity against many Gram-negative and Gram-positive bacterial pathogens including anaerobes and is characterized by high stability against beta-lactamases (including ESBLs and AmpC) with the exception of the class of metallo-beta-lactamases. Ertapenem shares similar structural features with meropenem including its stability to dehydropeptidase-1. Differences between carbapenems group II (ertapenem) and group I (imipenem and meropenem) are limited in vitro activities against Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter spp. and enterococci. The extended half-life of ertapenem allows for once daily dosing. Clinical trials confirmed clinical success in patients with complicated intra-abdominal infections, pneumonia, acute pelvic infection and diabetic food infections. Ertapenem treatment is recommended in these indications by German and international experts and scientific societies.

Keywords: Ertapenem, in vitro activity, clinical trials, surveillance study

Krankenhauspharmazie 2006;27:517–24.



Martin Wernitz und Siegfried-Karl Veit, Berlin

Die Häufigkeit von Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus(MRSA)-Isolaten ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Betrug der MRSA-Anteil gemessen an allen Staphylococcus-aureus-Isolaten im Jahr 1990 noch 1,7 %, so waren es 2004 bereits 22,6 %. Die Bedeutung der Infektionen durch MRSA ist durch die eingeschränkten Therapieoptionen, durch eine erhöhte Morbidität, im Fall einer MRSA-Sepsis einer erhöhten Letalität und durch die hohen Zusatzkosten begründet. Der Kostenfaktor Antibiotika-Therapie bei MRSA-Infektionen wird in diesem Artikel im Zusammenhang mit den Gesamtzusatzkosten dargestellt. Anschließend werden unterschiedliche antibiotische Therapieoptionen unter Kostenaspekten diskutiert.

Schlüsselwörter: MRSA, Kosten, Pharmakoökonomie, Antibiotika-Therapie

MRSA from the pharmacoeconomic perspective

This review demonstrates the costs associated with antimicrobial therapies as a proportion of the total costs associated with MRSA infections. It points out that the drug acquisition price is only one of several cost-factors that have to be considered to obtain the total costs for the antibiotic therapy for the treatment of an MRSA infection. It summarises the pharmacoeconomic studies of antimicrobials used for the therapy of MRSA infections.

Keywords: MRSA, economic, costs, pharmacoeconomic

Krankenhauspharmazie 2006;27:525–31.



Mathias Goyen, Hamburg
Erstes intravaskuläres Kontrastmittel für die MR-Angiographie Übersicht über das klinische Entwicklungsprogramm

Gadofosveset (Vasovist®) ist ein Gadolinium-haltiges, intravaskuläres Kontrastmittel (KM) für die Magnetresonanz(MR)-Angiographie. Es ist seit Oktober 2005 in der Europäischen Union für die kontrastmittelverstärkte MR-Angiographie zur Darstellung von Gefäßen im Abdominalbereich oder in den Extremitäten bei Patienten mit vermuteter oder bekannter Gefäßerkrankung zugelassen. Seit März 2006 liegt in der Schweiz eine Zulassung für die Ganzkörper-MR-Angiographie vor. Gadofosveset bindet reversibel an humanes Serumalbumin und bewirkt dadurch eine verlängerte intravaskuläre Signalanhebung im Vergleich zu herkömmlichen extrazellulären MR-Kontrastmitteln. Vor Zulassung in der Europäischen Union wurde die Wirksamkeit der Gadofosveset-verstärkten MR-Angiographie in vier Multicenter-Phase-III-Studien bei Patienten mit bekannter oder vermuteter arterieller Gefäßerkrankung im Vergleich zur nicht-KM-verstärkten MR-Angiographie getestet. In diesen Studien zeichnete sich Gadofosveset im Vergleich zur nicht-KM-verstärkten MR-Angiographie durch eine statistisch signifikante Verbesserung der Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit der Diagnose bei Patienten mit Gefäßpathologien im Bereich der Becken-/Iliakal- und Nierengefäße aus, sowie durch eine statistisch signifikante Verbesserung der Spezifität und Genauigkeit der Diagnose bei Patienten mit Gefäßpathologien im Bereich der Fußarterien. Gadofosveset wurde in allen Studien gut vertragen, die überwiegende Mehrzahl der aufgetretenen Nebenwirkungen war schwach oder moderat in ihrer Ausprägung.

Schlüsselwörter: Gadofosveset, Vasovist®, intravaskuläre Kontrastmittel, Magnetresonanzangiographie

Gadofosveset. The first intravascular contrast agent for MR angiography – clinical development overview

Gadofosveset is a gadolinium-based magnetic resonance (MR) imaging agent designed to image the blood pool. It is approved for use with abdominal and peripheral magnetic resonance angiography in the European Union (Switzerland: approval for whole-body MR angiography). Vasovist reversibly binds to albumin providing extended intravascular enhancement compared to existing extracellular magnetic resonance contrast agents. Prior to approval in the European Union the use of gadofosveset-enhanced MR angiography was compared with non-enhanced MR angiography in four open-label, multicenter studies in adults with known or suspected arterial disease. Significant improvements in the accuracy and specificity of diagnosis were seen with gadofosveset in patients with aortoiliac disease in two studies. Sensitivity was also improved, with all three readers in one study, and two out of three readers in the other study, showing significant improvements with gadofosveset use. Significant improvements in sensitivity, specificity, and accuracy were also seen with gadofosveset in a renal artery disease study. Specificity was significantly improved in patients with pedal artery disease across all readers, with accuracy and sensitivity significantly improved in two out of three and one out of three readers. Gadofosveset was generally well tolerated in clinical trials, with most adverse events being mild or moderate in severity.

Keywords: Gadofosveset, vasovist, intravascular contrast agent, magnetic resonance contrast agent, magnetic resonance angiography

Krankenhauspharmazie 2006;27:532–7.



Susanne Schiek, Jena, Helmut Renz und Steffen Amann, München
Führt fehlendes Mischen zu dramatischen Konzentrationsunterschieden?

Bei der intravenösen Verabreichung von Elektrolytkonzentraten und anderen Arzneimitteln in einer Trägerlösung muss eine gleich bleibende Konzentration über die gesamte Infusionsdauer gewährleistet sein. Dies ist bei Arzneistoffen mit geringer therapeutischer Breite von besonderer Bedeutung. In einem Experiment wurde am Beispiel von Kaliumchlorid als Zusatz zu isotonischer Kochsalz-Lösung überprüft, in welchem Ausmaß durch fehlendes Mischen oder zu langes Hängen gefährliche Konzentrationsunterschiede entstehen können. Ausreichendes Mischen nach Zugabe stellt bei dem untersuchten Beispiel eine kontinuierliche Applikation in der gewünschten Konzentration sicher. Selbst die normale Handhabung führt bereits zu einer weitgehenden Durchmischung. Nur bei Zugabe der Kaliumchlorid-Lösung in die bereits hängende Flasche kam es zu einem starken Konzentrationsgefälle, das Patienten gefährden kann. Entmischung ist bei normalen Standzeiten auf Station nicht zu erwarten.

Schlüsselwörter: Infusionslösungen, Konzentrationsgradient, Elektrolyte

Adding drugs to infusion bottles – Does incomplete mixing lead to a dangerous concentration gradient?

If concentrated electrolyte solutions or other drugs with a small therapeutic index are added to a carrier media, an equal concentration throughout the whole infusion period has to be guaranteed. In an experiment with high dose potassium chloride (KCl) added to isotonic saline solution we examined whether incomplete mixing or hanging over 48 hours leads to a dangerous variety of concentration. Even the normal handling (adding KCl to the infusion bag before hanging) causes a sufficient mixing and distribution of the electrolyte concentrate. But KCl added to the already hanging infusion bag leads to an enormous concentration gradient, which can endanger patients. Whereas demixing needs not to be expected during the normal handling period on the ward.

Keywords: Infusion solutions, concentration gradient, electrolytes

Krankenhauspharmazie 2006;27:538–40.



Serie
Arbeitsgemeinschaft Medikationsfehler der ADKA e.V.

Die Schnittstellenproblematik stationär-ambulant am Beispiel unerwünschter Arzneimittelwirkungen



Fragen aus der Praxis
Wertigkeit von Streptokokken-Schnelltests?

Frage eines Arztes: „Immer wieder liest man über die hohe Spezifität von Streptokokken-Schnelltests. Mich interessiert, ob diese Spezifität sich auf den Nachweis von Streptokokken im Rachen oder auf die Verursachung einer vorliegenden Infektion bezieht – sprich: Wie ist das Ergebnis bei gesunden Streptokokken-Trägern bei zum Beispiel einer Infektionserkrankung durch Adeno-Viren? Ferner interessiert mich, wie die Spezifität für beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A ist. Was ist mit der Kreuzreaktion auf Staphylokokken? Werden gesunde Streptokokken-Träger im symptomfreien Intervall erfasst? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Tests?“



ADKA intern
Aufruf für Poster und freie Vorträge

„Die Krankenhausapotheke in der Verantwortung für die gesamte Medikationskette im Krankenhaus“ lautet das Thema des 32. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 26. bis 28. April 2007 in Weimar. In einem Plenarvortrag, Impulsreferaten, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmer(inne)n weiter erarbeitet.



Klaus Tönne, ADKA-Geschäftsführer, Berlin
Die Krankenhausapotheke als Arbeitsplatz

Die AKDA bietet Mitgliedern seit Januar 2006 eine Rechtsberatung als Dienstleistung an.



Referiert & kommentiert
Arndt Krödel, namo Leipzig
Clevere Behandlungen?

Mit den intelligenten Strategien der zielgerichteten Therapie sind bedeutende Fortschritte bei verschiedenen Tumorerkrankungen gelungen. Tyrosinkinase-Inhibitoren und monoklonale Antikörper stehen für einen Paradigmenwechsel. Gleichwohl wurde auch die Chemotherapie weiterentwickelt. Neue Daten vom ASCO 2006 wurden auf einer Pressekonferenz von Roche in Köln im Juni 2006 präsentiert.



Arndt Krödel, namo Leipzig
Docetaxel: Patienten überleben länger mit besserer Lebensqualität

Nach Ergebnissen einer Metaanalyse führt die Gabe von Docetaxel im Vergleich zu Vinca-Alkaloiden zu einem längeren Überleben bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom. Signifikante Vorteile zeigten sich ebenfalls in Bezug auf die Toxizität. Zudem hat sich Docetaxel auch in der Second-Line-Therapie bewährt. Aktuelle Daten vom ASCO 2006 wurden auf einer Pressekonferenz von Sanofi-Aventis im Juni 2006 präsentiert.



Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Cetuximab zusätzlich zur Radiotherapie verbessert Ergebnis

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren in lokoregional fortgeschrittenen Krankheitsstadien erhöht die Gabe des EGFR-Blockers Cetuximab zusätzlich zur Standard-Radiotherapie die Zeit der Krankheitskontrolle, das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben signifikant. Die Toxizität der Radiotherapie wird durch die zusätzliche Cetuximab-Gabe nicht erhöht.



Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Konzepte zur Chemoprävention

In der Chemoprävention eines Prostatakarzinoms haben sich Vitamin E, Lycopin und Selen – Letztere aber wohl nur bei Männern mit sehr niedrigen Serumspiegeln – in epidemiologischen und klinischen Studien als wirksam erwiesen. Methodisch saubere prospektive Studien zum Nachweis fehlen jedoch. Nichtsteroidale Antiphlogistika scheinen ebenfalls eine Schutzwirkung zu haben. In einer prospektiven Studie erwies sich der 5-Alpha-Reductasehemmer Finasterid als chemopräventiv wirksam, die Substanz erhöhte allerdings die Häufigkeit invasiver Tumoren. Der 5-Alpha-Reductasehemmer Dutasterid wird derzeit in einer prospektiven Doppelblindstudie untersucht.



Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Beschäftigung in deutschen Krankenhäusern leicht gestiegen

Im Jahr 2005 waren umgerechnet auf die volle tarifliche Arbeitszeit rund 810 000 Personen in deutschen Krankenhäusern beschäftigt. Das sind 0,5 % mehr als im Jahr zuvor. Während die Zahl der Vollkräfte im ärztlichen Dienst um 3,1 % auf 121 000 gestiegen ist, wurden im nichtärztlichen Dienst mit 688 900 Vollkräften 0,1 % mehr gegenüber 2004 gezählt. Es ist anzunehmen, dass Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse im Krankenhaus zurückgegangen sind.



Dr. Annemarie Musch
Gute Behandlungsergebnisse mit Tigecyclin in der klinischen Praxis

Das Glycylcyclin Tigecyclin (Tygacil®) ist zur Therapie komplizierter intraabdominaler sowie von Haut- und Weichgewebeinfektionen zugelassen. In einem von der Wyeth Pharma GmbH veranstalteten Pressegespräch in Heidelberg am 29. August wurde eine erste Zwischenbilanz zur bisherigen klinischen Anwendung des neuen Antibiotikums gezogen und der Stellenwert seines Einsatzes in der Behandlung dieser komplizierter Infektionen besprochen.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Ist die Ära der billigen Antiinfektiva vorüber?

Die derzeitige Situation auf dem Antiinfektiva-Markt ist einerseits durch zunehmende Resistenzentwicklungen, andererseits durch immer geringere Investitionen in die Entwicklung neuer Substanzen und diagnostischer Technologien gekennzeichnet. Da das gegenwärtige Wirtschaftsmodell nicht in der Lage ist, angemessen auf die Probleme zu reagieren, sollte die Politik dieses Thema aufgreifen und in die öffentliche Diskussion bringen.



Yvonne Haagen, Tübingen
Zertifikatskurs „Clinical Pharmacy“ zum zehnten Mal an der Universität Tübingen

Klinische Pharmazie wird in Krankenhausapotheken, öffentlichen Apotheken und Universitäten ein immer wichtigeres Berufsfeld für Apotheker. Für Pharmazeuten, die eine intensive und praxisorientierte Fortbildung auf diesem Gebiet suchen, wird seit zehn Jahren der vierwöchige Zertifikatskurs „Clinical Pharmacy“ am Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen angeboten. Am 18. September 2006 wurde der Kurs zum zehnten Mal eröffnet.



Pamela Reissner, Lübeck
Treffen der Europäischen Pharmazeutinnen in Berlin vom 13. bis 15. Oktober 2006

Auf Einladung des Deutschen Pharmazeutinnenverbandes kamen auch dieses Jahr wieder Pharmazeutinnen aus insgesamt elf Ländern angereist, um die Zukunft der Frau im Gesundheitssystem auszuloten.



Dr. Alexandra Göbel und Dr. Beate Lubrich, Freiburg
Eine interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung etabliert sich

Bestärkt durch das überaus positive Echo nach der Premiere des Freiburger Schmerztags im vergangenen Jahr, war für die Veranstalter eine Neuauflage der Veranstaltung in Jahr 2006 eine logische Konsequenz. Auch dieses Mal stand der chronische Schmerzpatient im Fokus der Vorträge.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Frühe Revaskularisierung verbessert die Überlebensrate

Bei Herzinfarkt mit kardiogenem Schock wird eine frühe Revaskularisierung (perkutane koronare Intervention [PCI], Bypass-Operation) empfohlen. Die Sterblichkeit könnte weiter gesenkt werden, wenn diese Empfehlungen in der klinischen Praxis konsequenter umgesetzt würden.