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28. Jahrgang Heft 2 Februar 2007

Übersichten
Wolfgang Kröger und Swantje Eisend, Northeim

Die Apotheke des Albert-Schweitzer-Krankenhauses (ASK) Northeim versorgt ihre Patienten seit Jahren mit Unit-Dose. Im Rahmen dieser Versorgung werden Hausmedikation und zusätzlich neu angesetzte Arzneimittel überprüft, die medikamentöse Therapie optimiert und eventuelle Medikationsfehler minimiert, bevor die Medikamente zum Patienten gelangen. In einem aktuellen Projekt hat die Apotheke Patiententelefone eingerichtet, wodurch den Patienten die Möglichkeit geboten wird, sich direkt bei einem Apotheker über ihre Medikation zu informieren.

Schlüsselwörter: Unit-Dose, Patiententelefon, Hotline, Compliance

Optimized supply with unit dose by a hotline for patients

The pharmacy of the ASK Northeim-Uslar gGmbH gained many years of experience in unit dose and expanded the supply beyond delivering only individual medication by including results of therapeutic drug monitoring or supply with medical products. A new component is the involvement of the patient by installation a hotline. With this hotline we provided the possibility for the patient to inform himself about his medication in direct contact with a pharmacist. In this way we guarantee a better compliance of the patient by raising appreciation for his medication.

Keywords: Unit dose, patients telefone, hotline, compliance

Krankenhauspharmazie 2007;28:39–42.



Karen Schäfer, Roberto Frontini und Karen Nieber, Leipzig
Ergebnisse einer Patientenbefragung zur Haus- und Klinikmedikation

Eine Patientenumfrage im Universitätsklinikum Leipzig zur Medikation innerhalb und außerhalb der Klinik zeigte, dass die Kommunikation zwischen Patient, Arzt und Apotheker unzureichend ist. Im Bereich der Informationsübertragung und Dokumentation der Medikation besteht Nachholbedarf.

Schlüsselwörter: Klinische Pharmazie, Arzneimittelanamnese, Patientenbefragung, Arzneimittelsicherheit

Data quality of home medication lists: results of an in-patients survey

In an in-patients-survey home medication data available from patients’ documents in hospital was compared to oral reports about the medication given by the patients. The appearing discrepancy shows that documentation of medication has to be optimized.

Keywords: Clinical pharmacy, home medication, patient safety, survey

Krankenhauspharmazie 2007;28:43–6.



Bernadette Paeßens, Barbara Lippert, Birgit Ehlken, Karin Berger, Steffen Amann, Rudolf Bernard und Angela Ihbe-Heffinger, München
Behandlungsmuster und Kosten

Mit diesem Pilotprojekt werden die Behandlungsmuster und Kosten bei der Neueinstellung von onkologischen Patienten mit mäßig starken bis starken, nicht akuten Schmerzen auf transdermale Opioid-Analgetika im Krankenhaus beschrieben. Methoden: Hierzu wurde in 6 onkologischen Teileinheiten eines interdisziplinären Tumortherapiezentrums eine prospektive Querschnittserhebung durchgeführt. Als Datenquellen dienten die Krankenakte des Patienten und ein vom Patient auszufüllendes Tagebuch. Der Einschluss erfolgte konsekutiv, der Beobachtungszeitraum betrug 4 Wochen ab der ersten Pflasterapplikation. Direkte medizinische Kosten für die Einstellung am Klinikum wurden pro Patient und Tag aus der Perspektive des Leistungserbringers (Krankenhaus) ermittelt. Ergebnisse: Von 30 eingeschlossenen und 28 auswertbaren Patienten wurden 4 (14 %) primär wegen der Schmerztherapie am Klinikum (stationär, teilstationär oder ambulant) aufgenommen. Insgesamt hatten 8 Patienten (29 %) vorher noch keine Opioid-Therapie erhalten. Bei 20 Patienten (71 %) wurde die Pflasterstärke zu Beginn der Therapie entsprechend der Herstellerangaben gewählt. Insgesamt bekamen 54 % der Patienten (n = 15) Laxanzien und/oder Antiemetika zum Management der Opioid-Nebenwirkungen. Die Pflastertragezeit betrug im Mittel über den 28-tägigen Beobachtungszeitraum 3,1 Tage (Min/Max: 2,5/3,6) pro Applikation. Aus Sicht des Krankenhauses betrugen die Kosten für die Einstellung der transdermalen Schmerztherapie im Mittel etwa 54 Euro pro Aufenthaltstag und Patient, davon waren durchschnittlich 46 Euro (85 %) Basiskosten für den stationären/teilstationären Aufenthalt, 8 Euro (15 %) Kosten für die Schmerztherapie und weniger als 1 Euro Kosten für Prophylaxe und Therapie von Nebenwirkungen der Opioid-Therapie. Schlussfolgerung: Die Neueinstellung auf ein Opioid-Schmerzpflaster erfolgt in den beobachteten onkologischen Einheiten überwiegend parallel zur Tumorbehandlung. Die Prophylaxe der Opioid-bedingten Obstipation im klinischen Alltag scheint verbesserungswürdig. Die Kosten der Neueinstellung waren insgesamt gering, wobei der größte Anteil durch die Basiskosten für den stationären/teilstationären Aufenthalt verursacht wurde.

Schlüsselwörter: Transdermale Opioide, Fentanyl, Buprenorphin, maligner Schmerz, Kostenanalyse

Initiation of transdermal opioid therapy in cancer patients with moderate or severe malignant pain – Treatment patterns and costs in a German university hospital

Objectives: To describe treatment patterns and determine direct medical costs of initiating transdermal opioid systems in cancer patients with moderate or severe malignant pain. The study was conducted to test the feasibility of a pharmacoeconomic investigation in the selected patient group. Direct medical costs per patient and hospital day were calculated from the hospital provider perspective.

Methods: Observational, prospective cross-sectional study in 6 units (wards, day clinics) of a university hospital. A 4 week observation period started with initiation of the transdermal opioid therapy. Data were obtained from medical charts and patient diaries. Costs for hospital stay were only included when the pain therapy was the only reason for hospital admission.

Results: 28 consecutive patients with solid tumours were evaluated (most frequently gastrointestinal [43 %], urologic [29 %] and thoracic [18 %] tumours). 12 patients completed patient diaries. Participants had a mean age of 61.5 years (range: 38–81), 71 % were female and 29 % were opioid-naiv. 6 patients died during the observation period. In 71 %, selected doses were in accordance with conversion rates given by the manufacturers. Mean patch wearing-time was 3.1 days (range: 2.5–3.6). Average length of stay from first patch application to hospital discharge was 5.7 days. 39 % of the patients received anti-emetic prophylaxis or treatment and 29 % laxatives to manage opioid side-effects. From the hospital provider perspective mean direct costs were 54 Euro per patient per day. Costs for hospital stay accounted for the largest portion (46 Euro, 85 %). Costs of pain therapy averaged out 8 Euro (15 %), 4 Euro (42 %) were analgesic costs and 4 Euro (51 %) application costs. Daily adverse-event management accounted for 1 Euro per patient.

Conclusions: Costs for the hospital stay to initiate transdermal opioid therapy were the major cost driver from hospital provider perspective. Although constipation and emesis prophylaxis is recommended by pain management guidelines, in clinical practice a substantial portion of patients did not receive adequate prophylaxis.

Keywords: Transdermal opioids, fentanyl, buprenorphin, malignant pain, cost analysis

Krankenhauspharmazie 2007;28:47–53.



Silke Lauterbach, Kassel

Die Zubereitung von Infusionen erfordert von den Pflegekräften viel Zeit, Sorgfalt und Können. Ein neues Infusionsbesteck, das Intrafix® SafeSet, erleichtert die Anwendung im Arbeitsalltag, macht den Prozess der Infusion sicherer und schafft freie Zeitressourcen für die Patientenversorgung.

Schlüsselwörter: Infusionssystem, Infusionsprozess, Qualitätssicherung, Kosten

Krankenhauspharmazie 2007;28:54–8.



Serie
Arbeitsgemeinschaft Medikationsfehler der ADKA e.V.

Unvollständig übertragene Hausmedikationen führen in einem Fall zu einem Aussetzen der Therapie und in einem weiteren Fall zu einer Unterdosierung.



ADKA intern
Aufruf für Poster und freie Vorträge

„Die Krankenhausapotheke in der Verantwortung für die gesamte Medikationskette im Krankenhaus“ lautet das Thema des 32. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 26. bis 28. April 2007 in Weimar. In einem Plenarvortrag, Impulsreferaten, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmer(inne)n weiter erarbeitet.



Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg; bearbeitet von Hubert Schneemann, Essen
Die ADKA-Vorstandssitzung vom 30. November bis 1. Dezember 2006 in Berlin aus Sicht des Schriftführers


Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch
Überlebensvorteil mit Docetaxel

Patienten mit inoperablen, lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren profitieren von eine Chemotherapie mit Docetaxel, Cisplatin und Fluorouracil vor der Bestrahlung: Das progressionsfreie Überleben war im Vergleich zur Gabe von Cisplatin und Fluorouracil signifikant verlängert. Bei gleichzeitig besserem Allgemeinzustand der Patienten zeigte sich eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens. Die aktuelle Datenlage zum Einsatz von Docetaxel bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren wurde auf einem von Sanofi-Aventis veranstalteten Satelliten-Symposium im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Leipzig am 5. November 2006 präsentiert.



Dr. Annemarie Musch
Vorteil durch Kombination unterschiedlicher Wirkungsprinzipien?

Die Kombination von Lipidsenkern mit unterschiedlichem Wirkungsmechanismus (CSE-Hemmer Simvastatin plus Cholesterol-Resorptionshemmer Ezetimib) führte zu einer effektiveren Lipidsenkung als die Gabe eines einzelnen lipidsenkenden Arzneistoffs (CSE-Hemmer Atorvastatin). Dies kann insbesondere bei der Therapie von Hochrisiko-Patienten, zu denen auch Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zählen, von Vorteil sein, da so möglicherweise mehr Patienten die angestrebten Zielwerte für eine effektive Risikoreduktion kardiovaskulärer Ereignisse erreichen können. Die aktuelle Datenlage wurde in einem von MSD Sharp & Dohme veranstalteten Symposium im Rahmen der 32. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Kopenhagen im September 2006 präsentiert.



Dr. Annemarie Musch
Intrathekale Therapie mit Ziconotid

Für die intrathekale Therapie von Patienten mit starken chronischen Schmerzen steht seit August 2006 ein neues Analgetikum zur Verfügung: Ziconotid (Prialt®) hemmt die Verarbeitung und Weiterleitung von Schmerzen im Rückenmark durch eine Blockade spannungsabhängiger neuronaler Calciumkanäle.



Dr. Claudia Bruhn, Berlin
Schmerztherapie ohne Obstipation

Eine der häufigsten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Opioiden ist die Obstipation. Seit Oktober 2006 ist eine fixe Kombination aus Oxycodon und dem Opioid-Antagonisten Naloxon zugelassen, mit der diese unerwünschte Wirkung verhindert werden kann.



Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Erhöhtes Risiko durch niedermolekulares Heparin bei schwerer Niereninsuffizienz?

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz wird zwar empfohlen, die Dosis von niedermolekularem Heparin (LMW-Heparin) anzupassen und zu kontrollieren, doch fehlt eine Basis für diese Empfehlung. Eine Metaanalyse ergab jetzt ein erhöhtes Blutungsrisiko für nicht dialysepflichtige Patienten mit einer Creatinin-Clearance von 30 ml/min oder weniger, die mit therapeutischen Dosen von Enoxaparin (Clexane®) behandelt wurden.



Prof. Dr. Matthias Trautmann, Stuttgart
Zwei neue Substanzen bei Clostridium-difficile-Colitis?

Mit Nitazoxanid und Tolevamer werden derzeit neue Wirkstoffe zur Therapie einer Antibiotika-induzierten Diarrhö aufgrund einer Besiedelung mit Clostridium difficile untersucht. Beide Wirkstoffe scheinen eine vergleichbare Wirkung wie die Standardmedikation mit Vancomycin oder Metronidazol zu haben.