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28. Jahrgang Heft 4 April 2007

Übersichten
Maria Bergner, Ina-Maria Klut und Holger Knoth, Dresden
Eine Analyse zur Entlassungsmedikation

Der Arztbrief ist das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Klinikarzt und niedergelassenem Arzt. Er soll dazu beitragen, die weitere medizinische Betreuung nach der Klinikentlassung nahtlos zu sichern. Ist eine weiterführende medikamentöse Therapie erforderlich, haben die Kliniken die Vorgaben des Fünften Sozialgesetzbuchs für die empfohlene Entlassungsmedikation zu beachten. In einer Analyse von Arztbriefen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus (UKD) wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfang die Vorgaben des Gesetzgebers bei der Dokumentation der Entlassungsmedikation Beachtung finden. Ausgehend von diesen Ergebnissen wird eine Empfehlung zur Erstellung des Medikationsteils im Arztbrief gegeben.

Schlüsselwörter: Arztbrief, Entlassungsmedikation, Fünftes Sozialgesetzbuch § 115c

The medical discharge letter – an analysis of the medication at point of discharge

The medical discharge letter is most important in the communication between the hospital and the general practitioner. It assures continuation of medical care after hospital discharge. Is further drug therapy required, doctors in hospital have to follow the legislation set by the SGB V regarding the discharge medication.

An analysis of medical discharge letters of the Carl Gustav Carus University Hospital was carried out assessing to which extent legislations for the documentation of discharge medication was followed. A recommendation for prescribing medication on medical discharge letters were developed on the basis of this analysis.

Keywords: Medical discharge letter, discharge medication, SGB V § 115c

Krankenhauspharmazie 2007;28:117–21.



Anna Markert, Nina Chevalier, Véronique Thierry und Monika Engelhardt, Freiburg

Um die immer komplexer werdende Tumortherapie mit bestmöglicher Patientensicherheit durchführen zu können, benötigen Hämatologen und Onkologen, Internisten, Apotheker und alle sich mit Chemotherapie-Regimen beschäftigende Kollegen: a) eine Standardisierung von Therapien und diagnostischen Maßnahmen, beispielsweise als umfassende Protokollsammlung, wie es das so genannte „Blaue Buch“ darstellt, b) ein einwandfreies Sicherheitssystem mit mehrfacher Kontrolle, einschließlich eines Fehlermanagements (als gut funktionierende, engmaschige Qualitätskontrolle) und c) eine ständige Evaluation, Aktualisierung und Erweiterung der bestehenden Daten. Ein solches System – mit enger Kooperation zwischen Arzt und Pflege, den Apothekern, Qualitätsbeauftragten und dem „Good-Clinical-Practice“(GCP)-Team – trägt im Universitätsklinikum Freiburg seit 1994 zur Optimierung der Patientenversorgung bei.

Schlüsselwörter: Patientensicherheit, Qualitätskontrolle, Fehlermanagement, Standardisierung, Aktualisierung, das „Blaue Buch“

Optimized therapy-application and -control through a GCP facility

To make cancer therapy as safe as possible, it is necessary for hematologists, oncologists, internal medicine practitioners, the pharmacy and everybody else, who is involved in the treatment of tumor patients to have: a) standardized therapy-protocols and diagnostic pathways (for example a comprehensive collection of chemotherapy-protocols, such as the so called “Blue Book”), b) a dedicated quality assurance team and efficient safety system for all control- and management-issues to detect medical errors and c) a continuous evaluation, update and expansion of the existing data collection. Such a system – in close cooperation between medical doctors, nurses, the pharmacy, “Good-Clinical-Practice”(GCP)-team and quality control experts – is essential for the improvement of cancer care and has successfully been implemented into the daily patient management within our hematology/oncology department since 1994.

Keywords: Patients safety, quality assurance, management of medical errors, standardization, continual update, the “Blue Book”

Krankenhauspharmazie 2007;28:122–8.



Michael Baehr, Hamburg
Ergebnisse des Pilotprojekts in Hamburg

Im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) wurde ein Jahr lang ein Medikationssystem getestet, mit dem die Arzneimittelversorgung von der Verordnung bis zur Applikation ganzheitlich abgebildet werden sollte. Ziel war es, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen und die Prozesskosten in der Arzneimittelversorgung zu erniedrigen. Kernstück des Systems war eine Verordnungssoftware, die mit einem Unit-Dose-System verbunden war. In einer Vorstudie wurde der Ist-Prozess intensiv untersucht und einem Soll-Prozess gegenübergestellt. Unter den seinerzeit angenommenen Soll-Prozessabläufen wurde eine Einsparmöglichkeit von 10 % der Gesamtprozesskosten prognostiziert [1]. Nach Abschluss des einjährigen Pilotprojekts zeigt die Analyse der Daten, dass die gesteckten Ziele mit der gewählten Soft- und Hardwarekonstellation nicht erreicht werden konnten. Über die Projektzeit wurden jedoch wertvolle Erkenntnisse zum Versorgungsprozess und die Anforderungen an Soft- und Hardware gewonnen, die bei weiteren Projekten zur Realisierung einer zukunftsweisenden Arzneimittelversorgung helfen werden. Durch den Ausgang dieses Pilotprojekts wird der grundsätzliche Ansatz nicht in Frage gestellt.

Schlüsselwörter: Scan for Safety, Arzneimittelversorgung, Pilotprojekt

Krankenhauspharmazie 2007;28:129–31.



Hartmut Lode, Berlin, und Susanne Heinzl, Stuttgart*
Neues Breitspektrum-Antibiotikum zur Therapie komplizierter Infektionen

Tigecyclin ist ein Glycylcyclin-Antibiotikum, das von den Tetracyclinen abgeleitet ist. Es wirkt wie die Tetracycline bakteriostatisch und erfasst ein breites Spektrum grampositiver und gramnegativer, auch multiresistenter Erreger. Eine Wirkungslücke besteht bei Pseudomonas aeruginosa. Bei den pharmakokinetischen Parametern ist die lange Halbwertszeit von 42 Stunden auffallend, dennoch wird das Antibiotikum aus Verträglichkeitsgründen nach einer initialen Dosis von 100 mg zweimal täglich in einer Dosierung von 50 mg infundiert. Da das Glycylcyclin vorwiegend über die Galle und die Fäzes ausgeschieden wird, ist bei ausgeprägten Leberfunktionsstörungen eine entsprechende Dosisanpassung erforderlich. Bislang ist Tigecyclin zur Behandlung von komplizierten intraabdominalen und Haut- und Weichgewebeinfektionen zugelassen. In diesen Indikationen konnte in Phase-III-Studien eine vergleichbare Wirkung wie mit Imipenem/Cilastatin oder Vancomycin plus Aztreonam erreicht werden. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit und Erbrechen. Fazit: Auf der Basis der bisherigen Daten und der nicht ganz niedrigen Tagestherapiekosten sollte dieses neue, innovative Antibiotikum möglichst gezielt bei Patienten mit Risikofaktoren für die genannten resistenten Erreger und auf der Basis von Resistenzergebnissen bei schweren nosokomialen Infektionen eingesetzt werden.

Tigecycline – new glycylcycline antibiotic

Tigecycline is a first-in-class glycylcycline antibiotic. The derivative of the tetracyline family was designed to overcome common bacterial tetracycline resistance mechanisms. Tigecycline has a broad in vitro activity against gram-positive and -negative bacteria, including multi resistant bacteria (i. e. MRSA, VRE, ESBL-producing Escherichia coli and Klebsiella spp.).

In this article pharmacodynamics, pharmakokinetics and clinical data are summarized.

Keywords: Tigecycline, pharmacodynamics, pharmakokinetics, difficult-to-treat infections

Krankenhauspharmazie 2007;28:132–5.



Egid Strehl und Ulrike Strehl, Freiburg
Break-even-Analyse, Conjoint-Analyse, Opportunitätskosten


Serie
Arbeitsgemeinschaft Medikationsfehler der ADKA e.V.

Ein Patient mit zerebraler Tuberkulose soll aufgrund neu aufgetretener epileptischer Anfälle auf Carbamazepin und Phenytoin als Antiepileptika eingestellt werden.



ADKA intern
Hubert Schneemann, Essen, für die „Arbeitsgruppe Tarifrecht“ der ADKA
Öffentlicher Dienst bei Bund, Ländern und Kommunen

Mit dem Inkrafttreten des TVöD-K (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst; Dienstleistungsbereich Krankenhäuser) im Bereich der kommunalen Arbeitgeber zum 1. August 2006 und dem TV-L (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder) zum 1. November 2006 ist das öffentliche Dienstrecht des Bundes, der Länder und der Kommunen auf eine neue und moderne Basis gestellt. Die „Arbeitsgruppe Tarifrecht“ der ADKA informiert Sie über die wesentlichen Inhalte des jetzt geltenden Tarifrechts und weitergehende Fundstellen zum Thema sowie über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe zur Abbildung der Belange der Krankenhausapotheker in dem neuen Tarifumfeld.



Referiert & kommentiert
Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Nutzen für ältere Patienten mit Multimedikation

Chronisch kranke Patienten über 65 Jahre, die mehrere Medikamente auf Dauer einnehmen müssen, profitieren von einer umfassenden pharmazeutischen Betreuung, bestehend aus regelmäßiger Beratung und Schulung sowie individueller Verblisterung ihrer Medikamente. In einer kontrollierten, randomisierten Studie mit Patienten einer militärischen Versorgungseinrichtung in Washington D.C. wurde die Bedeutung von Apothekern bei der Verbesserung der Compliance dieser älteren, multimorbiden Patienten gezeigt.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Botulismus nach kosmetischen Botulinumtoxin-Injektionen

Im November 2006 hat ein Arzt in den USA sich selbst und drei weiteren Personen ein nicht für den Einsatz beim Menschen zugelassenes Botulinumtoxin-A-Präparat injiziert und so vier lebensbedrohliche Botulismus-Fälle erzeugt.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Therapie mit CSE-Hemmern sollte bereits im Krankenhaus eingeleitet werden

Die meisten Patienten mit einem ischämischen zerebrovaskulären Ereignis, die bereits im Krankenhaus mit CSE-Hemmern behandelt wurden, führten diese Therapie auch drei Monate nach ihrer Entlassung noch fort. Neben der guten Therapietreue wurden durch den frühen Einsatz von CSE-Hemmern die LDL-Cholesterol-Spiegel gesenkt und Cholesterol-Richtwerte häufiger erreicht.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Subkutanes unfraktioniertes Heparin ebenso wirksam wie niedermolekulares Heparin

Bei Patienten mit einer akuten venösen Thromboembolie scheint unfraktioniertes Heparin, in einer fixen Dosierung subkutan verabreicht, ebenso wirksam und sicher zu sein wie niedermolekulares Heparin. Der Vorteil dieser Verabreichungsmethode liegt darin, dass sie ambulant durchgeführt werden kann und somit Kosten spart.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Gastrointestinales Blutungsrisiko verschiedener Behandlungsregime

Bei der antithrombotischen Behandlung setzt sich immer mehr die Anwendung einer Kombination mehrerer Wirkstoffe durch. In einer dänischen, bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie wurde gezeigt, dass bei diesen Kombinationstherapien vermehrt mit schweren Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt gerechnet werden muss.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Gramnegative Erreger wieder auf dem Vormarsch

Nosokomiale Septikämien scheinen wieder vermehrt durch gramnegative Erreger hervorgerufen zu werden, so das Ergebnis einer Studie zur Ätiologie dieser Infektionen in einem Krankenhaus der Universität Pennsylvania. Dieser Befund ließ sich weder auf eine übermäßige Zunahme bestimmter gramnegativer Erreger zurückführen noch konnte ein Zusammenhang mit antimikrobiellen Resistenzen gezeigt werden.



Dr. Susanne Heinzl
Problemlöser auf der Intensivstation?

Die Bedrohung durch multiresistente Erreger für Patienten auf der Intensivstation konnte in den letzten Jahren durch eine Reihe neuer Antibiotika verringert werden. Ein Beispiel hierfür ist das breit wirksame Glycylcyclin-Antibiotikum Tigecyclin (Tygacil®), das grampositive und gramnegative Erreger erfasst, allerdings nicht gegen Pseudomonas aeruginosa wirksam ist.