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28. Jahrgang Heft 12 Dezember 2007

Editorial


Übersichten
Anja Klein und Irene Krämer, Mainz
Eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie

Compliance mit der immunsuppressiven Therapie spielt eine entscheidende Rolle für den langfristigen Erfolg einer Organtransplantation. Strategien zur Förderung der Compliance von organtransplantierten Patienten sind daher von besonderem Interesse. Im Rahmen der vorgestellten Arbeit wurde erstmals in Deutschland ein Konzept zur pharmazeutischen Betreuung lebertransplantierter Patienten erarbeitet und dies mit wissenschaftlichen Methoden auf seine Effektivität überprüft. Methode: Um den Nutzen pharmazeutischer Beutreuung zu belegen, wurde das Projekt als prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie durchgeführt, in die 50 Patienten eingeschlossen wurden. Hauptziel der Studie war die Untersuchung des Einflusses einer 12-monatigen pharmazeutischen Betreuung von lebertransplantierten Patienten auf die Compliance mit der immunsuppressiven Therapie. Zur Messung der Compliance wurden MEMS® (Medication event monitoring systems) herangezogen. Weitere direkte und indirekte Methoden zur Messung der Compliance dienten zur Verifizierung der mittels MEMS® gemessenen Compliancedaten. Sekundäre Zielparameter der Studie waren der Einfluss der pharmazeutischen Betreuung auf das Patientenwissen zur Arzneimitteltherapie und die Patientenzufriedenheit mit dem pharmazeutischen Betreuungsservice. Des Weiteren wurde das Auftreten von arzneimittelbezogenen Problemen untersucht. Ergebnisse: Die pharmazeutische Betreuung lebertransplantierter Patienten führte zu einer signifikanten Steigerung der Compliance mit der immunsuppressiven Therapie im ersten Jahr nach der Transplantation. Die mittlere Dosing-Compliance der Interventionsgruppe betrug 90 % (77–100 %), die der Kontrollgruppe 81 % (57–99 %) (p = 0,015). Nur zwei Patienten (10 %) der Interventionsgruppe, aber neun Patienten (43 %) der Kontrollgruppe wiesen eine Dosing-Compliance von < 80 % auf (p = 0,032). Blutspiegel von Patienten der Kontrollgruppe lagen deutlich häufiger im subtherapeutischen Bereich als Blutspiegel von Patienten der Interventionsgruppe. Im Rahmen eines standardisierten Interviews zur Arzneimitteltherapie erzielten Patienten der Interventionsgruppe durch besseres Wissen deutlich höhere Punktzahlen als Patienten der Kontrollgruppe. Die pharmazeutische Betreuung wurde von den Patienten gern angenommen und äußerst positiv bewertet. Insgesamt wurden im Studienzeitraum 162 arzneimittelbezogene Probleme (6 Probleme/Patient) identifiziert, was auf ein hohes Maß an Medikationsproblemen bei dieser Patientengruppe hindeutet. Diskussion: Das erarbeitete Konzept zur pharmazeutischen Betreuung erwies sich als erfolgreich und gut in die Routine integrierbar. In einem Folgeprojekt soll die etablierte pharmazeutische Betreuung fortgeführt und auf Offizinapotheken ausgedehnt werden. Damit soll eine sektorübergreifende pharmazeutische Betreuung der Transplantationspatienten initiiert werden.

Schlüsselwörter: Pharmazeutische Betreuung, Compliance, Immunsuppression, Lebertransplantation, prospektive, randomisierte Studie.

Influence of a pharmaceutical care program on liver transplant patients‘ compliance with immunosuppressive therapy

A prospective, randomized, controlled trial

Compliance with the immunosuppressive therapy plays a major role in the long-term success and outcome of organ transplantation. Thus, strategies to promote compliance in post-transplant care are of particular interest. Within the scope of the foregoing work, a concept for pharmaceutical care of organ transplant patients has been developed for the first time ever in Germany and tested for feasibility and benefit using scientific methods.

Methods: A prospective, randomised, controlled trial was initiated in which 50 patients in total were involved. The main objective was to examine the influence of a 12-month long pharmaceutical care on liver transplant patients‘ compliance with the immunosuppressive therapy. To measure compliance, MEMS® (medication event monitoring systems) were used, which are currently regarded as being the gold standard in compliance measurement. Further direct and indirect methods of measuring compliance served to confirm the electronic compliance data. Secondary outcome parameters of the study were the influence of pharmaceutical care on the knowledge of the patients regarding their drug therapy, the satisfaction of the patients with the pharmaceutical care service provided and the occurrence of drug-related problems.

Results: The results of the study show that pharmaceutical care for liver transplant patients leads to a significant increase in compliance with the immunosuppressive therapy. The mean dosing compliance of the intervention group was 90 % (77–100 %) in comparison to 81 % (57–99 %) in the control group (p = 0.015). Only 2 patients (10 %) of the intervention group, but 9 patients (43 %) of the control group showed a dosing compliance < 80 % (p = 0.032).

Furthermore, the knowledge of the patients regarding their drug therapy was considerably increased in the intervention group. The additional pharmaceutical care was well accepted by the patients and extremely positively evaluated. During the study period, 162 drug-related problems were identified by the hospital pharmacist.

Discussion: The designed concept of pharmaceutical care proved to be successful and easily integratable in the daily routine. In a project following this study, the established pharmaceutical care will be continued and carried out together with local pharmacists.

Keywords: Pharmaceutical care, compliance, intervention study, immunosuppressive therapy, liver transplantation

Krankenhauspharmazie 2007;28:458–68.



Sabrina Oefler, Goslar, und Silke Lauterbach, Kassel
Sondengängigkeit, Teilbarkeit, Einnahmehinweise

Die Applikation von Arzneimitteln ist elementarer Bestandteil des klinischen Alltags. Gerade solche alltäglichen Handlungsabläufe sollten kontrolliert, nach korrektem Schema ablaufen, um die größtmögliche Sicherheit für den Patienten zu gewährleisten. Hierbei bietet ein schnell zugängliches tabellarisches Nachschlagewerk eine hervorragende Hilfestellung.

Schlüsselwörter: Teilbarkeiten, Einnahmezeitpunkt, Chronopharmakologie

Special druglist for the daily clinical routine

The application of drugs is an elementary part of the clinical routine. These very everyday procedures should follow a correct pattern to ensure the utmost safety for the patients. A quickly accessible tabular reference book offers an excellent support.

Keywords: Divisibility, time of application, chronopharmacology

Krankenhauspharmazie 2007;28:469–71.



Georg Rosenbaum, Petra Bröker, Sabine Ludwig und Susanne Meseke, Münster

Die Lagerung von Arzneimitteln im Krankenhaus wird konventionell alphabetisch nach der Bezeichnung der Handelsnamen durchgeführt. Ein Wechsel in der Präparatebezeichnung führt oftmals schon bei einem Aut-idem-Austausch zu Irritationen bei Ärzten und Pflegepersonal, bei einem Aut-simile-Austausch des Wirkstoffs und damit der Präparatebezeichnung wird die Sicherheit der Medikation zusätzlich verkompliziert.

Schlüsselwörter: Wirkstoffbezogene Arzneimittellager, Krankenhaus, Korb-Modul-System

Krankenhauspharmazie 2007;28:472–3.



Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Überlegungen zu Pharmakoökonomie und Qualitätssicherung am Beispiel intraabdominaler Infektionen

Die Einführung der DRG zwingt die Krankenhäuser zu einer Prozessoptimierung, um die erforderliche Reduktion des individuellen Basisfallwerts zu erreichen. Ein wichtiges Instrument zur Prozessoptimierung wird dabei die Etablierung klinischer Behandlungspfade sein. Mit Hilfe dieser Behandlungspfade wird und muss es gelingen, Kosten und Qualität der Behandlung zu beschreiben und sicherzustellen. Als Teil der Behandlungspfade werden im Bereich der Arzneimittel Therapiestandards bzw. -leitlinien zu entwickeln, etablieren und evaluieren sein. Dies wird eine wichtige Tätigkeit des Krankenhausapothekers als Arzneimittelfachmann sein. Im vorliegenden Artikel werden Kriterien und Möglickeiten beschrieben, den Einsatz der im Handel befindlichen Carbapeneme in hauseigenen Therapiestandards zu regeln.

Schlüsselwörter: Intraabdominale Infektionen, Carbapeneme, Ertapenem, Pharmakoökonomie, Qualitätssicherung

Guideline-adapted therapy of infections with carbapenems – considerations about pharmacoeconomics and quality assurance at the example of intra-abdominal infections

The introduction of the DRG system in Germany forces the hospitals to establish a process optimization in order to achieve the necessary reduction of the median costs of treatment. An important instrument for this process optimization will be the introduction of clinical pathways. With the aid of these quality and costs of the treatment will be described and guaranteed. As a part of the clinical pathways guidelines of drug therapy have to be developed, established and evaluated. This will be an important duty of the hospital pharmacist as a drug specialist. In the present article criteria and possibilities for a guideline to use and differentiate the carbapenems are described.

Keywords: Intra-abdominal infections, carbapenems, ertapenem, pharmacoeconomics, guideline

Krankenhauspharmazie 2007;28:474–80.



Fragen aus der Praxis
Bundesverband deutscher Krankenhausapotheker ADKA e.V. Ausschuss Arzneimittelinformation und Kommunikation und Arbeitsgruppe FAQ der ADKA-Aminfo-Datenbank


ADKA intern
Aufruf für Poster und freie Vorträge

„Die Krankenhausapotheke in der Verantwortung für die sektorübergreifende Arzneimittelversorgung“ lautet das Thema des 33. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 29. Mai bis 1. Juni 2008 in Lübeck. In einem Plenarvortrag, Impulsreferaten, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmer(inne)n weiter erarbeitet.



Holger Hennig, Stuttgart
Ausschreibung ADKA-Kongressreisen

„Reisen bildet“, weiß der Volksmund, und dieser Effekt ist als sicher anzunehmen, wenn der Zugewinn an Bildung nicht nur Nebeneffekt, sondern vornehmlicher Grund der Reise ist. Dies sollte umso mehr dann gelten, wenn ein(e) Apotheker(in) zu einem großen Fachkongress reist, wie beispielweise den Meetings der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) oder der American Society of Health-System Pharmacists (ASHP).



Referiert & kommentiert
Pamela Reissner, Kassel
Was können wir von Europa lernen? Gesundheitssysteme im Vergleich

Auf Einladung des Deutschen Pharmazeutinnen-Verbandes (DPV) trafen sich auch im Jahr 2007 wieder Kolleginnen aus insgesamt zehn Ländern. In Hamburg beschäftigten sich die Pharmazeutinnen vom 21. bis 23. September 2007 mit Themen rund um die Zukunft der Frau im Gesundheitssystem. Vertreten waren Deutschland, Norwegen, die Niederlande, Österreich, Slowenien, Estland, Polen und Griechenland; auch nahmen wieder zahlreiche Kolleginnen aus Großbritannien teil sowie eine außereuropäische Kollegin aus den USA. Insgesamt war es mit über 60 Teilnehmerinnen wieder ein gut besuchter Kongress.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Gutes Ansprechen auf die Gabe von Ofatumumab

Bis zu 63 % der Behandelten sprachen in einer Phase-I/II-Studie auf die Gabe des rekombinanten humanen Anti-CD20-Antikörpers Ofatumumab an. Die eingeschlossenen Patienten mit follikulärem Lymphom hatten auf vorangegangene Behandlungsversuche nicht angesprochen oder ein Rezidiv erlitten. Bei 12 von 16 Patienten, die eine komplette Remission erreichten, dauerte das Ansprechen auch über das 12-monatige Follow-up noch an. Gute Ergebnisse liegen auch zur Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie vor. Diese Daten wurden in von GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltungen im Rahmen der 12. Jahrestagung der European Hematologic Association in Wien am 7. Juni 2007 vorgestellt.



Dr. Barbara Bornkessel, Bremen
Überlebensvorteil durch mTOR-Inhibitor Temsirolimus

Mit Temsirolimus kommt vermutlich Anfang 2008 ein weiteres zielgerichtet angreifendes Medikament zur First-Line-Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms auf den deutschen Markt. Grundlage der bereits vorliegenden FDA-Zulassung und des europäischen Zulassungsantrags sind unter anderem die Ergebnisse einer großen Phase-III-Studie, in der systemisch nicht vorbehandelte Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom und schlechter Prognose einen Überlebensvorteil durch den mTOR-Inhibitor hatten. Daten hierzu wurden auf einem von der Firma Wyeth veranstalteten Medienseminar am 6. Juli 2007 in München vorgestellt.



Dr. Barbara Bornkessel, Bremen
Bevacizumab bei weiteren Tumorentitäten zugelassen

Die Angiogenesehemmung mit Bevacizumab (Avastin®) hat sich innerhalb weniger Jahre von einem innovativen Therapieansatz beim kolorektalen Karzinom (CRC) zu einem entitätsübergreifenden Behandlungskonzept entwickelt. Nach der 2005 erteilten Zulassung zur First-Line-Therapie des fortgeschrittenen CRC folgten im März 2007 die EU-weite Zulassung beim metastasierten Mammakarzinom und im August 2007 die Zulassung zur First-Line-Therapie des fortgeschrittenen Nicht-Plattenepithel-NSCLC. Als weitere Indikation zeichnet sich die Behandlung systemisch nicht vorbehandelter Patienten mit metastasiertem klarzelligem Nierenzellkarzinom ab.



Dr. Susanne Heinzl
Bewährt bei Anämie in der Onkologie

Der Nutzen einer Epoetin-Behandlung von onkologischen Patienten mit Anämie bei nicht-myeloischen malignen Erkrankungen ist vielfach belegt. Mit dieser Therapie kann die Lebensqualität gesteigert und der Bedarf an – risikoreichen – Bluttransfusionen gesenkt werden. Der größte Zuwachs an Lebensqualität wird bei einer Anhebung des Hämoglobin-Werts von 11 auf 12 g/dl erreicht, die Therapie sollte also nicht zu spät, das heißt nicht erst bei sehr niedrigen Hämoglobin-Werten einsetzen.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Können mit antimikrobiell beschichteten Kathetern Infektionen vermieden werden?

Die mit einer transurethralen Harnwegskatheterisierung verbundene Infektionsgefahr ist ein Standardthema jedes Hygieneunterrichts. Ein optimales, aseptisches Vorgehen bei der Katheterinsertion und eine tägliche, sorgfältige Meatuspflege können dieses Problem leider nur teilweise beeinflussen. Pro Liegetag eines transurethralen Katheters steigt die Rate asymptomatischer Bakteriurien um etwa 3 %; nach drei Wochen weisen somit bereits 60 bis 70 % der Katheterträger eine Bakterien- oder Pilzbesiedlung des Blasenharns auf. Nur bei einer Minderzahl der Patienten treten allerdings klinische Symptome einer Harnwegsinfektion mit Fieber, Schmerzen in der Harnröhre und dem Gefühl des Harndrangs trotz frei durchgängigem Katheter auf. Um den Prozess der Kolonisation des Kathetermaterials und der mikrobiellen Besiedlung des Blasenurins zu verlangsamen, wurden in den 1980er und 1990er Jahren verschiedene Kathetermaterialien mit antiinfektiven Zusätzen oder Katheter mit antiseptischen Beschichtungen entwickelt. Die Effektivität dieser meist teureren Katheter wird allerdings immer wieder kontrovers diskutiert – die meisten Kliniken kaufen sie daher noch nicht ein.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Prävention: Übersicht über aktuelle Studien seit 2002

Technische Neuentwicklungen in der Vermeidung von Venenkatheter-assoziierten Infektionen zeigten enttäuschende Ergebnisse. Antibiotika-beschichtete zentralnervöse Katheter zeigten in mehreren Studien einen signifikanten infektionspräventiven Effekt.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Vancomycin-induzierte Immunthrombozytopenie

Wenn unter der antibiotischen Therapie mit Vancomycin schwere Blutungen auftreten, weisen Vancomycin-abhängige antithrombozytäre Antikörper auf eine medikamenteninduzierte Thrombozytolyse hin.



Dr. med. Anneke Vonend, Bochum
HIV
Fortschritte in der Impfstoffentwicklung?

Die Entwicklung eines klassischen, einer Infektion vorbeugenden Impfstoffs bleibt erklärtes Ziel der HIV-Forschung. Trotzdem muss über den Einsatz anderer Impfstoffe, die die Erkrankung nur verzögern, nachgedacht werden.



Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin häufigste Todesursache

Nach Ergebnissen der Todesursachenstatistik starben im Jahr 2006 in Deutschland insgesamt 821 627 Personen (385 940 Männer und 435 687 Frauen). Dies waren 8 600 Sterbefälle und damit 1,0 % weniger als im Jahr 2005.



Dr. med. Anneke Vonend, Bochum
Viele Arzneistoffe reduzieren CRP-Serumspiegel

Das C-reaktive Protein (CRP) spielt eine Rolle in der Pathogenese kardiovaskulärer Erkrankungen. In einer großen Übersichtsarbeit wurde die Wirkung von Arzneistoffen, die zur Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen eingesetzt werden, auf die CRP-Konzentration im Blut analysiert. Es zeigte sich, dass viele Arzneistoffe die CRP-Konzentration im Serum senken. Der klinische Nutzen der CRP-Reduktion ist allerdings noch unklar.