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29. Jahrgang Heft 3 März 2008

Übersichten
Claudia Langebrake* und Heike Hilgarth*, Hamburg
Optimierung der Patientenbehandlung

Im europäischen Vergleich mit durchschnittlich 0,93 Krankenhausapothekern pro 100 Betten nimmt Deutschland mit 0,31 Krankenhausapothekern pro 100 Betten den letzten Platz ein. In den USA arbeiten etwa zehnmal so viele Krankenhausapotheker wie in Deutschland, wobei ein Viertel als Stationsapotheker beschäftigt ist. Obwohl eindrucksvoll belegt werden kann, dass klinisch tätige Apotheker neben der Optimierung der Arzneimitteltherapie auch zu Kosteneinsparungen beitragen, sind in Deutschland bisher nur wenige Stationsapotheker tätig.

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sind im Oktober 2006 zwei Vollzeitstellen für klinische Pharmazeuten geschaffen worden, die ausschließlich für die patientennahe Betreuung ausgewählter Stationen zuständig sind und von den Kliniken finanziert werden. Den Hauptteil der täglichen Arbeit macht die Teilnahme an Stationsvisiten und -übergaben aus, bei denen vor Ort Beratungen und Interventionen zur Pharmakotherapie durchgeführt werden. Stetige Prozessanalysen bilden die Grundlage dafür, dass spezifische Standards entwickelt und Schnittstellenprobleme überwunden werden können.

Ziel dieses Projekts ist es, durch die Einbindung von Stationsapothekern und deren Fachwissen über Arzneimittel, die Pharmakotherapie unter rationalen und ökonomischen Gesichtspunkten zu optimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Schlüsselwörter: Klinische Pharmazie, Stationsapotheker

Clinical pharmacy at the University Medical Centre Hamburg-Eppendorf

In Europe, there is an average of 0.93 hospital pharmacists/100 beds. With only 0.31 pharmacists/100 beds Germany comes last. About ten times more hospital pharmacists are working in American hospitals, with about one quarter being ward based. Despite impressive evidence, demonstrating that clinical pharmacists do not only contribute to an optimized pharmacotherapy but also reduce costs, only a few ward based pharmacists are employed in German hospitals.

Since October 2006 the University Medical Centre Hamburg-Eppendorf employed 2 fulltime ward based pharmacists, fully funded by 2 medical departments. Ward rounds and medical handovers but also the resulting interventions and recommendations are the main focus in their daily clinical routine.

On the basis of constant analysis of procedures and practices the need for guidelines and standard operating procedures is identified and developed. Aim of the project is to establish the role of a clinical ward pharmacist and his pharmaceutical expertise intending to optimize pharmacotherapy and increase patient safety and quality of care.

Keywords: clinical pharmacy, ward pharmacist

Krankenhauspharmazie 2008;29:83–9.



Dirk Keiner, Rolf Pöhlmann, Damian Stefan, Suhl, und Carsten Möller, Katzhütte
Herstellung und klinische Empfehlungen bei oraler Mukositis

Mukositis – die Entzündung der Mundschleimhaut – ist eine der häufigsten Komplikationen der zytostatischen Chemo- und Radiotherapie. Mehr als 40 verschiedene Substanzen wurden bisher auf ihre Wirksamkeit in der Prävention und Therapie der Mukositis untersucht. Ausgehend von der komplexen Pathophysiologie der Mukositis wird der Einsatz von Benzydamin in dieser Indikation näher beleuchtet. Die Herstellung eines alkoholfreien 0,15 %igen Mundspülgels und dessen Analytik werden beschrieben.

Schlüsselwörter: Benzydamin, Mukositis, Mundspülgel, Herstellung

Alcohol-free benzydamine-mouthwash-gel

Manufacturing and clinical recommendations in oral Mucositis

Chemotherapy- and radiotherapy-induced oral mucositis represents a therapeutic challenge frequently encountered in cancer patients. More than 40 different substances were evaluated in terms of prevention and treatment of mucositis. The implementation of benzydamine is discussed based on the facts of the complex pathogenesis. An alcohol-free preparation is described in terms of manufacturing and analysis.

Keywords: Benzydamine, mucositis, mouthwash-gel, manufacturing

Krankenhauspharmazie 2008;29:90–6.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin

Inline-Mikrofilter fangen große Mengen potzenziell komplikationsträchtiger Mikropartikel aus Infusions- und Injektionslösungen ab, die ohne diese in den Kreislauf eingespült werden. Mögliche Folgen können ein respiratorisches Distress-Syndrom, Thrombosen und ein systemisches inflammatorisches Syndrom mit konsekutivem Multiorgandysfunktionssyndrom sein. Daher sollten heute Infusionsfiltern zum Therapiestandard einer Infusionstherapie gehören.

Schlüsselwörter: Infusionsfilter, Partikelanalyse, Schutzeffekte, Nutzen und Kosten

Infusion filters

Micro filters retain great amounts of micro particles in infusion and injection solutions, which would otherwise reach the circulation.

Possible consequences can be acute respiratory distress syndrome, thrombosis and systemic inflammatoric syndrome with a consecutive multiorgan dysfunction syndrome. Today the use of infusion filters should therefore be mandatory and seen as therapy standard of infusion therapy.

Keywords: Infusion filters, particle analysis, protection effects, use and costs

Krankenhauspharmazie 2008;29:97–105.



Monika Zerres, Bonn, und Veit Eck, Duisburg
Off-Label-Use

Der Arzneistoff Erythromycin findet wegen seiner Motilin-agonistischen Wirkung immer mehr Beachtung. Eine Auswertung der bislang vorhandenen Studien ergibt: Es liegen nicht viele Daten vor, die zeigen, dass Erythromycin gastrointestinale Motilitätsstörungen verhindern kann. Die Angaben für die Dosierung reichen von einmal täglich 70 mg bis dreimal täglich 200 mg.

Schlüsselwörter: Erythromycin, Prokinetikum

Motilin agonistic properties of Erythromycin

Off-label-use, results of studies

Erythromycin is in the focus for its prokinetic properties. Only few studies report, that erythromycin can prevent gastrointestinal motility disorder. The dose range is from 1 x 70 mg to 3 x 200 mg/day.

Keywords: Erythromycin, prokinetic use

Krankenhauspharmazie 2008;29:106–7.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, und Matthias Trautmann, Stuttgart

Der in mehreren probiotischen Präparaten enthaltene Hefepilz Saccharomyces boulardii ist nach neueren Erkenntnissen mit Saccharomyces cerevisiae, der Bäckerhefe, identisch. Die in der Vergangenheit wiederholt berichteten, teilweise klinisch schwer verlaufenden Fungämien durch S. cerevisiae bei Intensivpatienten können dadurch erklärt werden, dass bei diesen Patienten S.-boulardii-Präparate zur unterstützenden Therapie einer Clostridium-difficile-Kolitis eingesetzt wurden. Die Erreger dringen möglicherweise durch die Darmwand in die Blutbahn ein (Translokation), alternativ ist denkbar, dass sie durch Fehler bei der Händehygiene an die Zuspritzöffnungen zentraler Venenkatheter gelangen. S.-boulardii/cerevisiae-Präparate sollten bei Patienten mit zentralem Venenkatheter nicht eingesetzt werden.

Schlüsselwörter: Probiotische Therapie, Saccharomyces boulardii, Fungämie, Intensivpatienten

Krankenhauspharmazie 2007;29:108–10.



Serie

Aufgrund einer telefonischen Rücksprache mit einem Konsilarzt wird an fünf Folgetagen Vincristin verordnet anstelle von Prednisolon.



Referiert & kommentiert
Wolfgang Wagner, Düsseldorf
Pharmazeutisches Notfallmanagement

Die länderübergreifenden Krisenmanagementübungen (Exercise) „LÜKEX“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe haben zum Ziel, Schutzmaßnahmen für Katastrophenfälle weiter zu entwickeln und die Wirksamkeit von Krisenreaktionsmechanismen zu überprüfen. Die Übungen sollen belegen, dass auch im föderalistischen System bei Kooperationsbereitschaft der Beteiligten umfassende Krisenlagen unter Einsatz der Ressourcen von Bund und Ländern entschlossen und wirksam bewältigt werden können.



Martin Droßbach, Lüneburg
Vorteile von Levosimendan gegenüber Dobutamin?

In der SURVIVE-Studie zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Sterblichkeit bei der Behandlung der akut dekompensierten Herzinsuffizienz mit Levosimendan im Vergleich zur Gabe von Dobutamin.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Rekombinantes aktiviertes Protein C nicht besser als Plazebo

Bei Kindern mit einer lebensbedrohlichen Sepsis war die Infusion von Drotrecogin alfa (aktiviert) einer Plazebo-Infusion therapeutisch nicht überlegen. Dieses Ergebnis einer kontrollierten Studie steht im Widerspruch zu Studien bei Erwachsenen, in denen sich das rekombinante aktivierte Protein C als wirksam erwies und das deshalb auch in vielen Ländern eine Zulassung für diese Indikation besitzt.



Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Frühzeitiger Beginn einer Antibiotika-Therapie ist entscheidend

Der septische Schock ist die schwerste Manifestationsform einer systemischen Infektion. Sowohl gramnegative Stäbchenbakterien als auch grampositive Kokken und Pilze können einen Schock auslösen, wobei die Letalität je nach Erreger zwischen 30 % und 70 % schwankt. Die adäquate Therapie umfasst sofortige medikamentöse Kreislaufstabilisierung, Flüssigkeitssubstitution und Suche nach dem auslösenden Fokus. Gegebenenfalls muss dieser baldmöglichst durch einen chirurgischen Eingriff oder eine Punktion saniert werden. Unabhängig davon sollte sofort eine Antibiotika-Therapie begonnen werden. Wie schnell dies der Fall sein muss und welche Auswirkungen der Zeitpunkt des Therapiebeginns auf die Prognose hat, ist bisher nicht exakt untersucht worden.



Dr. Susanne Heinzl
Voriconazol und Sirolimus gleichzeitig geben?

Die Interaktionen zwischen dem Antimykotikum Voriconazol und dem Immunsuppressivum Sirolimus sind handhabbar.



Dr. med. Nana Mosler, Leipzig
Rituximab sichert Überleben und Heilung

Mit der Zulassung von Rituximab wurde die Therapie der Non-Hodgkin-Lymphome revolutioniert. Überleben und Heilung konnten als neue Behandlungsziele formuliert werden. Erst kürzlich konnte so beispielsweise gezeigt werden, dass Rituximab auch die Zyklendauer der Chemotherapien verkürzen und die Gefahr behandlungsassoziierter Todesfälle senken kann. Außerdem zeigte sich in Studien zur Therapie aggressiver Lymphome eine Verbesserung der Heilungsraten von etwa 10 % in allen Subgruppen. Der Einsatz von Etoposid wurde dadurch sogar verzichtbar.



Dr. Claudia Bruhn, Berlin
Epidemiologische Daten für mehr Therapiesicherheit

Krebspatienten sind durch ihre Erkrankung und die intensiven Therapien sehr anfällig für invasive Mykosen. Bei der Auswahl des Antimykotikums müssen verschiedene Faktoren – nicht zuletzt auch finanzielle Aspekte – berücksichtigt werden. Um auf diesem Gebiet mehr Therapiesicherheit zu gewinnen, eignen sich beispielsweise Daten aus Postmarketing-Studien und Fallregistern, von denen zwei hier beispielhaft vorgestellt werden sollen.