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29. Jahrgang Heft 5 Mai 2008

Interview - unsere beruflichen Partner über uns
Rüdiger Strehl, Tübingen


Übersichten
Thilo Bertsche, Stefanie U. Walk, Markus G. Pruszydlo, Jens Kaltschmidt, Torsten Hoppe-Tichy und Walter E. Haefeli, Heidelberg

Da in Krankenhäusern die Anzahl der verfügbaren Arzneimittel deutlich geringer ist als im ambulanten Sektor, ist eine Medikationsumstellung bei stationärer Aufnahme besonders häufig. Während der Behandlung im Krankenhaus werden Therapien fortgeführt, abgesetzt oder neu begonnen. Häufig ist beabsichtigt, die Medikation auch nach Entlassung fortzuführen, sodass auf Medikamente des ambulanten Markts umgestellt wird. Dies kann zu neuen Problemen in der Arzneimitteltherapie führen. Weiterhin sind besondere gesetzliche Vorgaben zu beachten. Strategien zur Schnittstellenbetreuung sollten Konzepte beinhalten, um häufige Probleme zu lösen, und Unterstützung bei komplexen Fragen anbieten. Elektronische Verordnungsoberflächen für den Arzt mit klinischen Entscheidungshilfen für die Medikationsumstellung können bei der Entscheidungsfindung in Standardsituationen helfen. Zusätzlich kann ein Apothekerkonsil elektronisch für komplexe Fälle angefordert werden.

Schlüsselwörter: Versorgungssektor, ambulante Versorgung, Krankenhäuser, Algorithmen, pharmazeutischer Service (Krankenhaus), medizinische Verordnungssysteme, klinische Entscheidungshilfe

Seamless care drug therapy – strategies for quality improvement

Because the number of available drugs in hospitals is notably smaller than in the ambulatory care sector a medication switch is particularly frequent when patients are admitted to hospital. While being treated in hospital therapies are continued, terminated, or newly initiated. The medication is often intended to be continued also after discharge and therefore switched to the ambulatory market. This can result in new drug-related problems. Moreover, specific regulatory frameworks have to be taken into account. Strategies for seamless care should include concepts to solve the most frequent problems and to offer support for complex questions. Computerized physician order entries with clinical decision support systems for the medication switch can help in decision-making for standard situations. Additionally, a pharmacist consultation can be ordered electronically for complex cases.

Keywords: Health care sector, ambulatory care, hospitals, algorithms, pharmacy service (hospital), medical order entry systems, clinical decision support systems

Krankenhauspharmazie 2008;29:163–6.



Sandra Junghanns, Schweinfurt
Ein Vergleich von Entlassungsmedikationen des Krankenhauses und Weiterverordnungen im niedergelassenen Bereich

Die Apotheke des Diakonie-Klinikums Schwäbisch Hall gGmbH überprüfte 2005 die hauseigenen Arztbriefe im Bereich der Entlassungsmedikation auf Form und Vollständigkeit ihrer Angaben. Die untersuchten Klinikempfehlungen wurden mit den Weiterverordnungen niedergelassener Mediziner verglichen. Das besondere Interesse galt hierbei den Gründen für mögliche Änderungen in der Patientenmedikation.

Ziel dieser Arbeit war es, Probleme in der Kommunikation zwischen den Ärzten und bei der Umsetzung von Klinikempfehlungen zu identifizieren sowie Lösungen zu deren Überwindung zu finden.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapie, Krankenhausentlassung, Arztbrief, Entlassungsmedikation, § 115c Sozialgesetzbuch V

Pharmacotherapy between inpatient and outpatient health care

A comparison of the hospital discharge medication and follow-up prescriptions of ambulant physicians

In 2005 the pharmacy of the Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall gGmbH examined discharge letters for form and completeness regarding discharge medication. A comparison between drug recommendations in the letters and the prescriptions of ambulant physicians was carried out to find changes in medication and their causes.

The objective of this analysis was to identify problems which resulted from the discharge medication and lacks of communication between hospital and ambulant physicians.

Keywords: Pharmacotherapy, hospital discharge, discharge letter, discharge medication, SGB V § 115c

Krankenhauspharmazie 2008;29:167–73.



Bericht
Dirk Keiner, Suhl

Vom 29. November bis 30. November 2007 fand im World Conference Center in Bonn, auch besser bekannt als alter Plenarsaal, der 2. Deutsche Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie sowie die 2. Jahrestagung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. statt. Die große Zahl präsentierter Vorträge von nationalen und internationalen Experten, vor allem aus den USA, Kanada und England, trugen zu einem intensiven Erfahrungsaustausch zu allen Bereichen der Arzneimittel- und Patientensicherheit im Krankenhaus bei. Die 300 Kongressteilnehmer konnten sich darüber hinaus in Workshops, freien Vorträgen sowie 24 Posterbeiträgen über viel versprechende Aktivitäten und Ergebnisse aus zahlreichen Projekten informieren. Nachfolgend sind einige thematische Schwerpunkte zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit genannt.

Krankenhauspharmazie 2008;29:175–80.



Serie

Eine Patientin kam mit schweren Verätzungen im vaginalen Bereich in die Klinik. Verursacht wurden diese durch die vaginale Anwendung von Alendronsäure. Die Patientin hat die „für Osteoporose nach den Wechseljahren“ verordnete Alendronsäure fälschlicherweise mit ihren „für die Wechseljahre“ verordneten, mittlerweile abgesetzten Estrogen-Ovula verwechselt.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Länger rezidivfrei durch zusätzliche adjuvante Paclitaxel-Therapie

Der HER2-Status der Tumoren von nodal-positiven Brustkrebspatientinnen ist nicht nur ein prognostischer Faktor für das Ansprechen auf eine Trastuzumab-Therapie. Auch konnte bei HER2-positiven Tumoren ein besseres Therapieergebnis durch zusätzliche Paclitaxel-Gabe nach adjuvanter Doxorubicin-Cyclophosphamid-Therapie erzielt werden, unabhängig vom Estrogenrezeptor-Status. Die rezidivfreie Überlebensrate war signifikant höher als ohne zusätzliche Paclitaxel-Therapie.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Idraparinux als Alternative zur Standardtherapie?

Bei Patienten mit tiefer Venenthrombose zeigte Idraparinux, einmal wöchentlich subkutan über drei oder sechs Monate verabreicht, eine ähnliche Wirksamkeit wie Heparin und anschließende Gabe eines Vitamin- K-Antagonisten. Bei Patienten mit einer Lungenembolie hingegen war Idraparinux weniger wirksam als die Standardtherapie. Unter einer Langzeitbehandlung war das Risiko für schwerwiegende Blutungen erhöht.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Catecholamine – welche sind am besten geeignet?

Bei Patienten mit septischem Schock ergab sich bei der Wirksamkeit und Sicherheit kein Unterschied zwischen einer kombinierten Anwendung von Noradrenalin und Dobutamin und der alleinigen Gabe von Adrenalin.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf Holzgerlingen
Transporter und ihre molekularen Mechanismen

Als Multidrug-Resistenz wird die Resistenz gegen viele chemisch unterschiedliche Verbindungen bezeichnet, darunter beispielsweise Antibiotika und zytostatische Chemotherapeutika. Verantwortlich für diese Resistenz sind zelluläre Transporter, die Nährstoffe in die Zelle hinein und Schadstoffe aus den Zellen heraus transportieren. Obwohl der bekannteste Transporter, das P-Glykoprotein, bereits vor 30 Jahren gefunden wurde, wurden bisher nur mäßige klinische Erfolge bei der Überwindung oder Umgehung der Multidrug-Resistenz erzielt. Neue Daten liefern Einblicke in die Funktionsweise verschiedener Transporter und wecken Hoffnung auf zukünftige Eingriffsmöglichkeiten.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Catecholamin-produzierende Phagozyten steigern die Immunantwort

In experimentellen Studien fanden Forscher jetzt heraus, dass Phagozyten nach Kontakt mit immunstimulatorisch wirksamen Substanzen eigenständig Catecholamine wie Adrenalin und Noradenalin produzieren, freisetzen und wieder abbauen können. Dadurch sind die Phagozyten in der Lage, inflammatorische Effekte zu verstärken.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Biologie und klinische Bedeutung

Drei Jahrzehnte nach der Entdeckung der Leukotriene und ein Jahrzehnt nach der ersten Entwicklung von Arzneistoffen, die in ihren Syntheseweg eingreifen, ergeben sich neue und oft unerwartete Einblicke in die Biologie und klinische Bedeutung dieser Lipidmediatoren. Neben der nachgewiesenen Beteiligung der Cysteinyl-Leukotriene am Asthma bronchiale wird inzwischen deutlich, dass diese Verbindungen multifunktionelle Mediatoren sind, die viele biologische Antworten beeinflussen und wahrscheinlich auch eine Rolle bei anderen Erkrankungen wie Schlaganfall und Krebs spielen.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Neuer Immunmodulator: Fingolimod (FTY720)

Wenn sich die Resultate aus Phase-II-Studien bestätigen, wird das oral applizierbare Lysolipid FTY720 (Fingolimod) ein viel versprechendes Therapeutikum für die schubförmig verlaufende multiple Sklerose werden.



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Erfahrungen mit i. v. Levetiracetam

Bei refraktärem Status epilepticus ist die i. v. Gabe eines Antikonvulsivums eine mögliche Option. Für die i. v. Gabe ist unter anderem Levetiracetam (Keppra®) verfügbar. Die vorliegenden Erfahrungen mit dieser Substanz wurden bei einem Satellitensymposium der Firma UCB im Rahmen der 25. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin diskutiert.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Orale Prophylaxe mit Dabigatran

Der orale direkte Thrombin-Inhibitor Dabigatran (Pradaxa®) wurde in Europa am 27. März 2008 zur Primärprävention venöser thromboembolischer Ereignisse bei Erwachsenen nach einer elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation zugelassen. Dabigatran ist seit Mitte April 2008 im Handel verfügbar.