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29. Jahrgang Heft 6 Juni 2008

Editorial
Michael Lueb, Bielefeld


ADKA-Statement
ADKA-Statement


Interview - unsere beruflichen Partner über uns


Übersichten
Christian Raible, München/Berlin, Steffen Amann und Christiane Querbach, München
Auswirkungen auf Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit innerhalb eines Universitätsklinikums

Hintergrund: Eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung ist dann gewährleistet, wenn die so genannte 5-R-Regel erfüllt ist, so dass das richtige Arzneimittel, zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosierung und Arzneiform, beim richtigen Patienten, richtig angewendet wird. Fraglich ist, welche Auswirkungen eine neue Versorgungsform, die Unit-Dose-Versorgung, im Vergleich zur herkömmlichen Stationsversorgung auf die Zufriedenheit der Patienten und Mitarbeiter hat.

Zielsetzung: Das Hauptstudienziel war die Messung der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit, die sich bei unterschiedlichen Versorgungsformen ergeben.

Methode: In die prospektive, konsekutive Beobachtungsstudie mit Erhebungs- und Interventionsphase (von 06/2005 bis 12/2006) wurden jeweils 80 Patienten eingeschlossen. Die beiden Phasen fanden auf ausgewählten chirurgischen und internistischen Stationen des Klinikums rechts der Isar (MRI) statt. Als Zielparameter wurden die Patientenzufriedenheit mit einem weiterentwickelten, standardisierten Patientenfragebogen sowie die Erfahrungen, Erkenntnisse und Einschätzungen der Mitarbeiter mit Experteninterviews erhoben. Die Daten der Patientenzufriedenheitsbefragung wurden mit statistischen und multivariaten Verfahren analysiert. Zur Auswertung der Experteninterviews wurde die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring verwendet.

Ergebnisse: Demographische und medizinische Charakteristika der Patienten sind zwischen den Studiengruppen vergleichbar. Die Patientenzufriedenheit mit der Arzneimittelversorgung steigt von 79,3 % um 7,3 Prozentpunkte auf 86,6 % (p = 0,008). Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung zeigen ein heterogenes Bild. Die Beratungs- und Informationsleistungen der Klinikumsapotheker werden größtenteils positiv eingeschätzt. Bei der qualitativen und risikobezogenen Bewertung der Unit-Dose-Versorgung stehen positiven Aspekten wie der verbesserten Transparenz der Verordnung sowie der automatischen Kommissionierung der Arzneimittel in der Apotheke negative Aspekte wie die Gefahr einer weiteren Fehlerquelle durch die elektronische Verordnung und die Abhängigkeit von elektronischen Systemen und maschinellen Anlagen entgegen. Hauptkritikpunkt sind mangelnde Spontanität und Flexibilität sowie der hohe Koordinationsaufwand des neuen Systems. Die Ergebnisse der qualitativen Parameter fallen auf den chirurgischen Stationen besser aus als auf den internistischen Stationen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Studiendurchführung im universitätsmedizinischen Umfeld schränkt die Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf andere Leistungserbringer ein. Die Unit-Dose-Versorgung führte bei dieser Studie zu einer höheren Zufriedenheit der Patienten mit der Arzneimittelversorgung. Aufgrund der besseren Ergebnisse auf den chirurgischen Stationen sollte zunächst in diesem Bereich eine Unit-Dose-Versorgung implementiert werden. Die Entscheidungsträger sollten dabei von Beginn an die Mitarbeiter mit einbeziehen, so dass diese optimal mit dem neuen System arbeiten können.

Schlüsselwörter: Arzneimittelversorgung, Krankenhaus, Unit-Dose-Versorgung, Arzneimittelberatung

Unit-dose-system

Background: A high quality drug supply is guaranteed, if the so called „5-R-rule“ applies. This means that the right drug at the right time in the right dose is correctly applied to the right patient. It is questionable how a new form of drug supply, the unit-dose-system, will effect satisfaction of patients and employees in comparison to the normal ward stock system.

Aim: The major aim was to measure the satisfaction of patients and employees, resulting from different drug provision systems.

Method: Performing a prospective, consecutive observational study with a control and treatment phase (from 06/2005–12/2006). For each group 80 patients were included. The study was placed in selected surgical and internal wards of the Klinikum rechts der Isar (MRI) at the Technical University of Munich. Patient satisfaction, which was measured by a standardised questionnaire as well as the experiences, findings and estimations of the employees, which were surveyed using interviews with professionals, acted as parameters. Data retrieved by the patient questionnaires were analysed using statistical and multivariate methods. For the interpretation of the interviews with the professionals the qualitative content analysis according to Mayring was applied.

Results: Between the study groups, both the demographical and medical characteristics are comparable. The satisfaction of patients with the hospital pharmacy supply increases from 79.3 % by 7.3 percentage points to 86.6 % (p = 0.008). The results of the staff survey show a heterogeneous image. In most instances the consulting and information services of the hospital pharmacists were appraised as good. Positive aspects of the new supply organisation are e. g. improved transparency in prescription and automatic picking of the drugs in the hospital pharmacy. Negative aspects include the risk of new error source in the electronic prescription and the dependence on electronic systems. The lack of spontaneity and flexibility as well as the high efforts of coordination of the new system are the main critical points. On the surgical wards, the outcomes of the qualitative parameters are better than on the internal wards.

Discussion and conclusion: The implementation of the study in an academic hospital restricts the generalisability of the results to other suppliers. In this study the unit-dose-supply lead to a higher patient satisfaction with drug supply. Due to better results regarding all qualitative parameters on the surgical wards, the unit-dose-system should be implemented in these areas first. Decision-makers should integrate the staff from the first step of implementation onwards so that they can handle the new system in an efficient way.

Keywords: Drug supply, hospital, unit-dose-provision, pharmaceutical information

Krankenhauspharmazie 2008;29:207–17.



Wolfgang Lanzner, Haar
Interaktionen und Risiken bei Operationen minimieren

Das Management der Dauermedikation von Patienten mit chronischen Erkrankungen, die sich operativen Eingriffen unterziehen müssen, stellt eine Herausforderung dar. In der Psychiatrie übliche Arzneistoffe wie Antidepressiva, Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer können aufgrund ihrer Wirkungsmechanismen mit der in der Anästhesie üblichen Medikation interagieren und die Patienten einem erhöhten perioperativen Risiko aussetzen. Eine gründliche Arzneimittelanamnese und Berücksichtigung des individuellen Risikos kann die potenzielle Gefährdung des Patienten in der perioperativen Phase minimieren.

Schlüsselwörter: Perioperativ, Psychopharmaka, Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungstabilisierer, Anästhesie

Psychotropic long-term medication in the perioperative period

The management of the usual medication for patients with chronic illnesses who need to undergo surgery is a challenge. Drugs used in psychiatry as antidepressants, antipsychotics and mood stabilizers can interfere with the medication used in anesthesia and enhance the patient’s perioperative risk. A thorough anamnesis and considering the indiviual risk can help to minimize the potential hazard to the patient.

Keywords: Perioperative, psychotropic drugs, antidepressants, antipsychotics, mood stabilizers, anaesthesia

Krankenhauspharmazie 2008;29:218–23.



Tilman Schöning, Heidelberg
Monographie der Arbeitsgruppe Onkologie im ADKA-Ausschuss Klinische Pharmazie

Die in der Monographie erwähnten (Basis-)Dosierungen, Applikationen, Indikationen und Stabilitäten sind entsprechend dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Manuskripterstellung recherchiert. Sämtliche Therapieempfehlungen wurden gewissenhaft überprüft. Der Anwender des jeweiligen Arzneimittels ist jedoch gefordert, die Dosierungen, Kontraindikationen und sonstige Therapierichtlinien eigenverantwortlich gemäß dem Stand des medizinischen Wissens auf Richtigkeit zu überprüfen.

Krankenhauspharmazie 2008;29:225–6.



Bericht
Stefanie Walk, Heidelberg

Um meine Kenntnisse in klinischer Pharmazie zu vertiefen und um die Erfahrungen der Kollegen aus den USA für den weiteren Ausbau der Stationsarbeit in Heidelberg zu nutzen, habe ich vom 4. September bis zum 30. November 2007 ein dreimonatiges Praktikum in der Apotheke des Tufts-New England Medical Centers in Boston absolviert.

Krankenhauspharmazie 2008;29:227-9.



Serie

Auf einer Chemotherapie-Verordnung findet sich die Körperoberfläche 70 m2. Mit dieser Körperoberfläche errechnete der Verantwortliche eine 35fache Überdosierung von Doxorubicin.



Kongress
Abstracts der Kurzvorträge beim XXXIII. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 29. Mai bis 1. Juni 2008

Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Abstracts der Poster, vorgestellt beim XXXIII. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 29. Mai bis 1. Juni 2008

Die Abstracts der Poster sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Referiert & kommentiert
Dr. Claudia Bruhn, Berlin
Neue Daten zu Bortezomib

Der Proteasomen-Inhibitor Bortezomib (Velcade®) ist derzeit zugelassen zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem multiplem Myelom nach mindestens einer vorangegangenen Therapie und Knochenmarktransplantation sowie für Patienten, die für eine Knochenmarktransplantation nicht infrage kommen. Seit dem Kongress der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta im Dezember 2007 gibt es neue Erkenntnisse zur Anwendung des Wirkstoffs bei Patienten über 65 Jahren in der Induktionstherapie vor Stammzelltransplantation und bei renalen Komplikationen.



Dr. Beate Fessler, München
Pegyliertes liposomales Doxorubicin plus Bortezomib verlängert die progressionsfreie Zeit

Die Zulassung für pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD, Caelyx®) wurde erweitert. Es kann nun in Kombination mit dem Proteasom-Inhibitor Bortezomib (Velcade®) zur Behandlung des progressiven multiplen Myeloms bei Patienten eingesetzt werden, die mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben und sich bereits einer Knochenmarktransplantation unterzogen haben oder dafür ungeeignet sind.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Überlebensvorteil mit Docetaxel plus Prednison alle 3 Wochen

Eine aktualisierte Auswertung der Phase-III-Studie TAX 327 zum Langzeitüberleben bei metastasiertem hormonrefraktärem Prostatakarzinom bestätigte, dass die Patienten länger überleben, wenn sie alle drei Wochen mit Docetaxel plus Prednison statt mit Mitoxantron plus Prednison behandelt werden. Eine Verringerung des PSA-Werts um mindestens 30 % könnte in Zukunft als ein Surrogatmarker für das Gesamtüberleben gelten. Diese Daten wurden auf einem von der Firma Sanofi-Aventis im Rahmen des 28. Deutschen Krebskongresses veranstalteten Satellitensymposium in Berlin im Februar 2008 vorgestellt.



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Oraler Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban

Mit Rivaroxaban steht der erste orale Faktor-Xa-Inhibitor kurz vor der Marktreife. In Phase-III-Studien verhinderte Rivaroxaban venöse Thromboembolien (VTE) nach orthopädischen Eingriffen erfolgreicher als Enoxaparin, bei gleichem Blutungsrisiko. Sein Einsatz in der Therapie von Venenthrombosen sowie zur VTE-Prävention bei internistischen/kardiologischen Erkrankungen wird in laufenden Phase-II- und -III-Studien untersucht. Das umfangreiche Entwicklungsprogramm wurde bei einem Symposium und einer Pressekonferenz der Firma Bayer Vital in Wiesbaden am 21. Februar 2008 vorgestellt.



Dr. med. Angelika Bischoff, Planegg
Rekombinante Faktorkonzentrate

Vor dem Jahr 1990 gab es zur Therapie der Hämophilie A und B ausschließlich Konzentrate plasmatischer Gerinnungsfaktoren. Danach wurden rekombinante Präparate eingeführt und in der Folgezeit fortlaufend verbessert. Aktuelle Daten wurden auf einem von der Wyeth Pharma GmbH veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Wiesbaden im Februar 2008 vorgestellt.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Neuroleptika helfen nicht bei aggressivem Verhalten geistig behinderter Menschen

In einer randomisierten, doppelblinden Studie zeigte der Einsatz niedrig dosierter Neuroleptika zur Behandlung aggressiven Verhaltens bei Menschen mit geistiger Behinderung keinen signifikanten Nutzen gegenüber Plazebo. Der Plazebo-Effekt spielte in dieser realitätsnah durchgeführten Studie nach vier Behandlungswochen eine so große Rolle, dass er kaum von einer Arzneitherapie zu übertreffen sein dürfte.



Dr. Claudia Bruhn, Berlin
Sunitinib in klinischen Studien

Sunitinib (Sutent®) ist seit 2006 zur Behandlung von fortgeschrittenen Nierenzellkarzinomen und gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) nach Versagen vorangegangener Therapien zugelassen. Gegenwärtig laufen klinische Studien zum möglichen Einsatz des Wirkstoffs bei weiteren Tumorarten, darunter beim metastasierten Mammakarzinom. Dieses Studienprogramm wurde im Rahmen eines von der Pfizer Pharma GmbH beim 28. Deutschen Krebskongress veranstalteten Satellitensymposiums in Berlin im Februar 2008 vorgestellt.