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29. Jahrgang Heft 9 September 2008

Interview - unsere beruflichen Partner über uns


Übersichten
Egid Strehl, Freiburg

Anwendungsbeobachtungen (AWBs) wurden in der Vergangenheit unzertrennlich mit Marketing in Verbindung gebracht [8]. Heute versuchen AWBs Boden in Richtung Wissenschaftsinstrument gut zu machen. Nach Daten der Techniker Krankenkasse werden in Deutschland jährlich etwa 930 Mio. Euro für AWBs aufgewendet. Zwei Drittel der Kosten gehen dabei zu Lasten der Krankenkassen, die jene Arzneimittel bezahlen müssen, die Gegenstand von AWBs sind. Das therapeutische Ziel ließe sich dabei aber auch mit anderen Medikamenten erreichen, die nur ein Drittel dieser Kosten verursachen würden [1, 9]. Da AWBs bevorzugt mit Präparaten durchgeführt werden, die dem Hersteller gute Gewinne bescheren, wird allgemein hin gerne von „gekauften Verordnungen“ gesprochen [2, 3]. Aus dieser Schmuddelecke sollen die AWBs mit einer Vielzahl von Maßnahmen zur Steigerung von Qualität und Seriosität nun herausgeführt werden. Doch darf man diesen Anstrengungen und Versprechungen tatsächlich vertrauen?

Schlüssselwörter: Anwendungsbeobachtungen, Wissenschaftsinstrument, Marketinginstrument, Medikamentenkosten

Krankenhauspharmazie 2008;29:381-5.



Annett Müller und Ulrike Georgi, Chemnitz

In der Klinikum Chemnitz gGmbH werden derzeit sieben Stationen durch drei Apotheker pharmazeutisch betreut. Von diesen gehören fünf Stationen der Klinik für Chirurgie und zwei Stationen der Frauenklinik an. Neben der Durchführung einer so genannten „Kurvenvisite“ wird dabei seit Mai 2005 auch die morgendliche klinische Visite regelmäßig durch einen Apotheker begleitet. Festgestellte Probleme bei der medikamentösen Therapie der Patienten, pharmazeutische Interventionen und deren Umsetzung werden regelmäßig dokumentiert und ausgewertet. Eine retrospektive Auswertung über einen Zeitraum von sieben Monaten wird in diesem Artikel vorgestellt.

Schlüsselwörter: Pharmazeutische Stationsbetreuung, Visitenbegleitung, pharmazeutische Interventionen

Pharmaceutical care on surgical and gynaecological wards at the hospital Klinikum Chemnitz gGmbH

Up to now pharmaceutical care has been established at seven wards at the hospital Klinikum Chemnitz gGmbH by three pharmacists. Five wards are surgical and two are gynaecological wards. Beside a daily check of the patients´ drug charts the pharmacists regularly attend ward rounds in the morning. Problems concerning the patients´ drug therapy, pharmaceutical interventions and their realisation by medical instructions are being recorded and analysed routinely. The results of a period of seven months are presented in this article.

Keywords: Pharmaceutical care, ward rounds, pharmaceutical interventions

Krankenhauspharmazie 2008;29:387–92.



Carina Hohmann, Fulda/Berlin, Roland Radziwill, Fulda, Christiane Eickhoff und Martin Schulz, Berlin

Mit dem Projekt „Pharmaziepraktikant auf Station“ (P-STAT 1) wurde erstmalig die Tätigkeit von Pharmaziepraktikanten auf Krankenhausstationen in Deutschland untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass Pharmaziepraktikanten dort sinnvoll eingesetzt und in den Stationsalltag integriert werden können. Das Nachfolgeprojekt P-STAT 2 hat zum Ziel, die patientenorientierte Ausbildung von Pharmaziepraktikanten auf Krankenhausstationen zu stärken. Gezeigt werden soll, dass der Einsatz von Pharmaziepraktikanten auf Station messbare Vorteile für die verschiedenen Berufsgruppen bietet, Kosten reduziert und die Qualität und Sicherheit der Arzneimitteltherapie erhöht und somit eine Maßnahme im Rahmen der Qualitätssicherung darstellt.

Schlüsselwörter: Pharmaziepraktikanten, Tätigkeit auf Station, Ausbildung, klinische Pharmazie

Pharmacy interns on the ward (P-STAT 2)

The pivotal study (P-STAT 1) represents a landmark for the implementation of pharmacy interns on medical wards in Germany. Working on wards offers interns an opportunity to extend their clinical knowledge and skills. The project demonstrated that activities of pharmacy interns on hospital wards in Germany are feasible and accepted in daily routine. The aim of the following study P-STAT 2 is to implement the education of pharmacy interns on hospital wards. It is hypothesized that their work on wards will reduce costs as well as improve quality in the medication use process.

Keywords: Pharmacy intern, hospital ward, education, clinical pharmacy

Krankenhauspharmazie 2008;29:393–6.



Berichte
Annika Sattler, Bielefeld
Aktuelles zum Thema Pharmakovigilanz, Signaldetektion und Risikokommunikation

Themenschwerpunkte der diesjährigen, zweitägigen Veranstaltung waren aktuelle und spezielle Aspekte der Pharmakovigilanz, Signaldetektion und Risikokommunikation, referiert von bekannten Vertretern aus Behörde, Industrie und Wissenschaft. Einschließlich des Gesellschaftsabends im Rostocker Stadthafen mit wunderbaren Eindrücken von der Hansestadt, war es eine rundum gelungene Veranstaltung.

Krankenhauspharmazie 2008;29:397-400.



Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg, Georg Engel, Greifswald, und Irene Krämer, Mainz

Seit 15 Jahren findet ein jährliches Treffen der leitenden Apotheker der Universitätsklinika Deutschlands statt, das einen Wissens-, Erfahrungs- und Ideenaustausch zu universitärer Krankenhauspharmazie zum Inhalt hat. Wie die Universitätsklinika für Hochleistungsmedizin, Lehre und Forschung stehen, so stehen die Universitätsapotheken für hochspezialisierte Pharmazie, Wirtschaftlichkeit in der Arzneimitteltherapie sowie Lehre und Forschung in Klinischer Pharmazie. Schon früh beschäftigten sich die Universitätsapotheker beispielsweise mit der Mitwirkung der Apotheke in klinischen Studien, was seinerzeit zur Veröffentlichung der „Heidelberger Resolution“ führte und immer noch ein viel diskutiertes Thema ist. Ständige Themen der Tagungen sind auch die Lehre in Klinischer Pharmazie und die Forschungsprojekte in Klinischer Pharmazie an den Universitätsapotheken sowie die Weiterentwicklung der Krankenhauspharmazie. Die vorteilhafte Verbindung von Forschung und Praxis in der Medizin an den Universitätskliniken hat ihre Analogie in der vorteilhaften Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis in der Pharmazie.

Krankenhauspharmazie 2008;29:401–2.



Frauke Nagel, Bielefeld
Zusammenfassungen der Workshops im Rahmen des XXXIII. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. in Lübeck am 29. Mai 2008


Serie

Ein Patient wurde aufgrund einer Netzhautblutung stationär aufgenommen. Aufgrund einer Sonderanforderung für Cilostazol (Pletal®) fiel der Zusammenhang zwischen der Hausarztmedikation und der Blutung als unerwünschte Arzneimittelwirkung auf.



Leserbrief
Barbara Zorn und Michael Jarnig, GE Healthcare Buchler GmbH & Co. KG, München

Zum Beitrag von Ascherl K. und Schweitzer E. Nephrogene systemische Fibrose durch Gadolinium-haltige MRT-Kontrastmittel? Krankenhauspharmazie 2008;29:141–4:



Referiert & kommentiert
Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Ferinject® – Eisenpräparat zur intravenösen Applikation

Ferinject® ist ein Eisenpräparat zur intravenösen Behandlung von Eisenmangelzuständen unterschiedlicher Genese. Das Präparat kann in der ambulanten Versorgung eingesetzt werden. Über die Therapie mit Ferinject® bei speziellen Patientengruppen wurde auf einer Pressekonferenz zum Thema „Ferinject® – Eine neue Option für die effektive Korrektur der Anämie in der ambulanten Versorgung“, veranstaltet von Vifor Pharma, im Rahmen des 114. Kongresses der DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin) in Wiesbaden am 30. März 2008 referiert.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Langwirksames Risperidon überzeugend in der Rezidivprophylaxe

Die Verhinderung von Rezidiven ist ein wesentliches Ziel der antipsychotischen Langzeittherapie von Patienten mit Schizophrenie. Die atypischen Antipsychotika sind in der Rezidivprophylaxe den typischen Antipsychotika überlegen. Da der Erfolg einer medikamentösen Behandlung der Schizophrenie maßgeblich von der Compliance der Patienten abhängig ist, stellt das atypische Depot-Neuroleptikum Risperdal Consta® aufgrund seiner gesicherten Applikation eine wirksame Alternative zur oralen Behandlung dar, so das Fazit bei einem von der Firma Janssen Cilag veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 33. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. in Lübeck vom 29. Mai bis 1. Juni 2008.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Geringer Überlebensvorteil durch adjuvante Chemotherapie

Patienten mit Kolorektalkarzinomen im Stadium II haben einen Überlebensvorteil durch eine adjuvante Chemotherapie mit Fluorouracil und Folinsäure nach kurativer Operation, so die Ergebnisse der QUASAR-Studie (Quick and simple and reliable). Dieser ist jedoch nur gering, und es sollte daher im Einzelfall im Arzt-Patienten-Gespräch geklärt werden, ob eine Chemotherapie tatsächlich sinnvoll ist.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
EGF-Rezeptor-Blockade

Krebszellen verfügen über unterschiedliche Mechanismen, die ihnen ein unkontrolliertes Wachstum ermöglichen. Dazu gehören unter anderem die vermehrte Bildung von Wachstumsfaktoren oder eine gesteigerte Produktion von Wachstumsfaktor-Rezeptoren. Beide Wege initiieren intrazelluläre Signale, die letztendlich zu einer verstärkten Zellproliferation, zur Angiogenese und zur Metastasierung führen. Da bei der Mehrzahl epithelialer Tumoren die Aktivierung von Wachstumsfaktoren und ihren Rezeptoren eine Rolle spielt, bietet sich eine Blockade der entsprechenden Rezeptoren an. Gegenwärtig werden vier EGFR-Antagonisten bei metastasierenden Tumorerkrankungen eingesetzt.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Telbivudin versus Lamivudin

Das Nucleosid-Analogon Telbivudin (Sebivo®) zeigt über einen Therapiezeitraum von einem Jahr bei HBeAg-positiven Hepatitis-B-Virus-Patienten ein besseres therapeutisches und histologisches Ansprechen als Lamivudin (Zeffix®). Bei HBeAg-negativen und HBeAg-positiven Patienten ergibt sich zusätzlich eine bessere HBV-DNS-Suppression und eine geringere Resistenzbildung.



Christine Vetter, Köln
Acetylsalicylsäure plus Dipyridamol ebenso effektiv wie Clopidogrel

Thrombozytenfunktionshemmer werden routinemäßig zur Sekundärprävention nach einem Schlaganfall eingesetzt. In der PRoFESS-Studie hat sich nun ergeben, dass die Kombination von 25 mg Acetylsalicylsäure (ASS) und retardiertem Dipyridamol in dieser Indikation Clopidogrel ebenbürtig ist. Die Ergebnisse der PRoFESS-Studie wurden bei der XVII. European Stroke Conference in Nizza am 14. Mai 2008 vorgestellt.



Dr. med. Nana Mosler, Leipzig
Telmisartan versus Ramipril: gleich wirksam, aber verträglicher?

Telmisartan (Micardis®) reduziert das Risiko für kardiovaskulär bedingten Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krankenhauseinweisung aufgrund von Herzinsuffizienz bei Risikopatienten ebenso stark wie Ramipril (z. B. Delix®), so das Ergebnis der ONTARGET-Studie. Diese Daten wurden bei einem von der Firma Boehringer Ingelheim veranstalteten Symposium im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden am 2. April 2008 vorgestellt.



Dr. med. Nana Mosler, Leipzig
Mit IONSYS® den Zeitaufwand verkürzen

Akute Schmerzen erschweren die postoperative Genesung und können zu längeren Klinikaufenthalten und damit höheren Kosten für Gesundheitsleistungen führen. Über die Bezahlbarkeit einer postoperativen Schmerztherapie im heutigen Gesundheitssystem und erste Erfahrungen beim Einsatz von IONSYS® wurde im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin zum Thema „Postoperative Schmerztherapie im Spannungsfeld zwischen Qualität und Kosten – Erste Erfahrungen mit IONSYS® im klinischen Alltag“, veranstaltet von der Janssen-Cilag GmbH, in Nürnberg am 28. April 2008 berichtet.



Reimund Freye, Baden-Baden
Erste Daten für nasal applizierbares Fentanyl

Als Bedarfsmedikation bei Durchbruchschmerzen wird ein schnell anflutendes Opioid mit kurzer Wirkungsdauer benötigt. Eine Option ist die transmukosale Gabe von Fentanyl. In Entwicklung ist außerdem eine nasale Applikationsform, die anscheinend weitere pharmakokinetische Vorteile hat. Aktuelle Daten hierzu wurden auf einem von der Firma Nycomed veranstalteten Symposium im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtags in Frankfurt am 6. März 2008 präsentiert.



Dr. med. Kirsten Westphal, München
Mehr Lebensqualität für Patienten mit Hämophilie

Die Hämophilie hat in Deutschland viel von ihrem Schrecken verloren. Betroffene können heute ein weitgehend normales Leben führen, betonte Dr. Robert Klamroth, Berlin, im Rahmen einer von der Firma Wyeth veranstalteten Pressekonferenz zum Welt-Hämophilietag 2008 am 17. April 2008 in Berlin. Zu verdanken ist dies der seit Langem hohen Behandlungsqualität. Pharmakovigilanz-Untersuchungen liefern umfassende Informationen zur Sicherheit eines Präparats und leisten einen wichtigen Beitrag, um die Therapiestandards zu halten oder noch weiter zu verbessern.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Höhere Remissionsrate durch frühzeitige Therapie mit Infliximab

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die frühzeitig mit Infliximab behandelt wurden, war verglichen mit Patienten, die erst im weiteren Krankheitsverlauf Infliximab erhielten, die Remissionsrate erhöht. Bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis zeigte eine frühzeitige Infliximab-Therapie im Vergleich zu Plazebo eine bessere Wirksamkeit. Diese Daten wurden bei einer von der Firma Essex veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden am 31. März 2008 präsentiert.