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29. Jahrgang Heft 11 November 2008

Editorial
Klaus Tönne, Berlin
Der EuGH und die Krankenhausversorgung


Interview - unsere beruflichen Partner über uns


Übersichten
Gisela Hofmann, Christian Rapke, Günther Scherbel und Hans-Werner Stedtfeld, Nürnberg
Ein Projekt der Apotheke des Klinikums Nürnberg mit Unterstützung der Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung, München

Anhand von Fallbeispielen wird gezeigt, wie es möglich ist, mit Unterstützung von Pharmaziepraktikanten die pharmazeutische Betreuung von stationären, unfallchirurgischen und orthopädischen Patienten zu verbessern.

Schlüsselwörter: Pharmaziepraktikant, Patientensicherheit, Medikationsfehler

Pharmaceutical support of trauma patients utilizing the appointment of pharmacy interns

On the basis of case reports we demonstrate the improvement of the pharmaceutical support of in-patients utilizing the appointment of pharmacy interns.

Keywords: Pharmacy intern, patient safety, medication errors

Krankenhauspharmazie 2008;29:478–82.



Jürgen Barth, Gießen
Oraler ErbB2/ErbB1-Rezeptor-Tyrosinkinaseinhibitor

Seit einigen Jahren halten niedermolekulare Verbindungen (small molecules) Einzug in die Onkologie. Es handelt sich um sogenannte „ATP-Mimetika“, die die ATP-Bindungsstelle von Tyrosin- oder Serin/Threoninkinasen blockieren. Durch die Blockade dieser Rezeptor- oder zytosolischen Kinasen werden Signaltransduktionswege im Idealfall vollständig unterbrochen, mindestens jedoch im Sinn einer antitumoralen Wachstumsminderung (Tumorkontrolle) beeinflusst. Mit Lapatinib steht ein dualer Inhibitor zweier wichtiger tumoraler Wachstumspromotoren zur Verfügung: Lapatinib hemmt die Tyrosinkinasefunktion der Rezeptoren HER1 (ErbB1) und HER2 (ErbB2) aus der Familie der epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (EGFR). In dieser Übersicht soll die Bedeutung von Lapatinib im Gesamtbild der Entwicklung und Differenzierung im Rahmen der neueren, molekularbiologisch zielgerichteten Therapie von Brustkrebs aufgezeigt werden.

Schlüsselwörter: ATP-Mimetika, ErbB1, ErbB2 (HER2), niedermolekulare Tyrosinkinaseinhibitoren, Lapatinib, Trastuzumab

Lapatinib

For the last several years low molecular weight substances – ”small molecules“ - catch on in oncology. The so called ”ATP-mimetics“ block the ATP binding site of tyrosine kinases and also of serin/threonine kinases. By blocking receptor or cytosolic kinases, signal transduction pathways are completely blocked in the ideal case, at least affected, in the sense of a tumor growth reduction (tumor control). Regarding the development in the study landscape, the principles of receptor inhibition by extracellular attacking antibodies and intracellular acting small molecules can be perceived. Different receptors are target structures of new therapeutic principles and are combined incrementally. With lapatinib a dual inhibitor of two important tumor growth promoters is available. Its importance in the development and differentiation in the context of newer, molecular biological targeted therapy of breast cancer will be provided by this review.

HER2 over expression is a marker, not the cause of a derailing proliferation control. Several, or a lot of genetic and physiological changes in a HER2 positive cell contribute to the phenotype “breast cancer cell”. Resistance to trastuzumab is frequent, because there are a lot of causes for enhanced proliferation. Further receptors seem to be involved. Newer substances can disturb the cross talk between the different receptors, interfere with the signal transduction pathway of HER2 but also with receptors associated with the HER2 receptor. Lapatinib causes the inhibition of two receptors (HER1 = ErbB1 and HER2 = ErbB2) and acts as a tyrosine kinase inhibitor very close to the top of a signal transduction cascade.

Keywords: ATP-mimetics, ErbB1, ErbB2 (HER2), low molecular weight tyrosine kinase inhibitors, lapatinib, trastuzumab

Krankenhauspharmazie 2008;29:483–96.



Bericht
Jochen Kotwas, Berlin

Die Europäische Vereinigung der Krankenhausapotheker (EVKA/EAHP) führte ihren 13. Kongress vom 27. bis 29. Februar 2008 in Maastricht, Niederlande, durch. Etwa 1 700 Teilnehmer aus 34 Ländern nahmen an dem Ereignis teil. Neben Krankenhausapothekern aus fast allen europäischen Ländern nahmen auch Kollegen aus dem Iran, Israel, Thailand und den USA teil. Erstmals waren Krankenhausapotheker aus Serbien und der Türkei bei dem Kongress anwesend.

Krankenhauspharmazie 2008;29:498–501.



Serie

Eine Patientin wird akut auf die Intensivstation verlegt. Sie hat einen Kalium-Wert von 6,7 mmol/l. Dieser resultierte aus der Gabe eines hochdosierten Kalium-Brausepräparats. Aufgrund der Niereninsuffizienz und der dadurch bedingten Flüssigkeitsrestriktion wurde der Patientin das Kalium-Brausepräparat oral „zum Lutschen“ verabreicht.



Ausschreibung

Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum siebten Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet, ein Preis für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Klinischen Pharmazie, der mit 10 000 Euro dotiert ist. Er wird durch den Ausschuss Klinische Pharmazie verliehen.



Leserbrief

Zum Beitrag von Panknin HT. Infusionsfilter: Gibt es neue wissenschaftliche Hinweise zu ihrem Nutzen? Krankenhauspharmazie 2008;29:97–105:



Referiert & kommentiert
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Identifizierung von Risikofaktoren

Iatrogene Erkrankungen stellen ein ernst zu nehmendes Problem dar und sind mit zusätzlichen Behandlungskosten sowie hoher Morbidität und Sterblichkeit verbunden. In einer Studie aus Portugal konnte gezeigt werden, dass die Identifizierung von Risikofaktoren für iatrogene Erkrankungen möglich ist. Zu diesen zählen beispielsweise die Anzahl eingenommener Arzneimittel.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Impfung – Wunschtraum oder greifbare klinische Realität?

Nosokomiale Infektionen sind weltweit ein zunehmendes Problem. Im Lauf eines Krankenhausaufenthalts treten im Mittel bei 3 bis 5 % aller Patienten derartige unerwünschte Komplikationen auf. Zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen haben selbstverständlich Hygienemaßnahmen höchste Priorität, dennoch können Impfungen gegen einige Erreger in Zukunft möglicherweise zusätzlichen Schutz bieten.



Dr. Luise Mansel, Haimhausen
Initiale Therapie mit Tigecyclin wirksam und sicher

Eine sehr frühe und wirksame Antibiotika-Therapie bessert die Überlebenschancen schwer kranker Patienten mit Infektionen. Gegen die zunehmende Gefahr der Entwicklung multiresistenter Erreger werden neue Wirkstoffe und neue Strategien verwendet. Ein Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, der Glycylcycline, ist das seit zwei Jahren verfügbare Tigecyclin (Tygacil®). Das Antibiotikum wirkt bakteriostatisch gegen ein breites Erregerspektrum, das viele multiresistente Problemerreger einschließt. Es tötet einen Teil der Erreger ab, unterdrückt aber zusätzlich – anders als bakterizide Substanzen – über die Inhibition der Proteinsynthese die Bildung von Virulenzfaktoren und wirkt so einer krankheitsverschlechternden Stimulation des Immunsystems entgegen. Anwendungsdaten zu Tygacil® wurden bei einem Pressegespräch von der Firma Wyeth am 20. Mai 2008 in München vorgestellt.



Dr. med. Nana Mosler, Leipzig
Pemetrexed auch in der Erstlinientherapie

Pemetrexed (Alimta®) ist seit dem 8. April 2008 in Europa auch zur Erstlinientherapie des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) zugelassen: Pemetrexed kann in Kombination mit Cisplatin bei Patienten mit einem Nicht-Plattenepithelkarzinom eingesetzt werden. Aktuelle Daten zur Therapie mit Pemetrexed wurden bei der von der Firma Lilly veranstalteten Einführungs-Pressekonferenz in Bad Homburg am 6. Mai 2008 präsentiert.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Dronedaron: nebenwirkungsärmere Alternative zu Amiodaron?

Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen traten unter Dronedaron verglichen mit Plazebo signifikant weniger Episoden von Vorhofflimmern auf. Während der Episoden war die Herzfrequenz in der Dronedaron-Gruppe niedriger als in der Plazebo-Gruppe. Die Studienergebnisse lassen außerdem auf ein im Vergleich zu Amiodaron günstigeres Sicherheitsprofil schließen.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Glatirameracetat zeigt frühe und lang anhaltende Wirkung

Für die Therapie der schubförmigen multiplen Sklerose stehen Beta-Interferone und Glatirameracetat zur Verfügung. In der PreCISe-Studie konnte gezeigt werden, dass eine Frühtherapie mit Glatirameracetat die Entwicklung einer klinisch definierten multiplen Sklerose verzögert. Darüber hinaus konnte in vergleichenden Studien kein signifikanter Unterschied in der Wirksamkeit dieser beiden Basistherapien dokumentiert werden, so das Fazit einer von den Firmen Sanofi-Aventis und TEVA veranstalteten Pressekonferenz in Bühl im Juli 2008.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neue Daten vom ASCO 2008

Neue zielgerichtete Therapien gewinnen in der Onkologie in allen Bereichen immer mehr an Bedeutung. Im Zusammenhang mit dieser teilweise kostspieligen Therapie wird jedoch der Bedarf an einer personalisierten Behandlung immer größer. Dies waren auch die zentralen Themen auf der diesjährigen Tagung der American Society of Oncology (ASCO), die Anfang Juni 2008 in Chicago stattfand. Ergebnisse dieser Tagung wurden bei einer Pressekonferenz der Firma Roche Pharma AG am 2. Juli 2008 in Köln vorgestellt und diskutiert.