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29. Jahrgang Heft 12 Dezember 2008

Interview - unsere beruflichen Partner über uns
Elisabeth Reger, Freiburg


Übersichten
Hans-Peter Lipp, Tübingen
Fortschritt in der individualisierten, zielgerichteten Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms

Mit Panitumumab steht seit wenigen Monaten ein voll humaner, monoklonaler Antikörper zur Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms zur Verfügung, der gegen die extrazelluläre Domäne des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGF-Rezeptor) gerichtet ist. Im Vergleich zu Cetuximab weist Panitumumab keine murinen Anteile in der Antikörperstruktur mehr auf, was eine deutlich geringere Inzidenz an Überempfindlichkeitsreaktionen zur Folge hat. Retrospektive Analysen der Phase-III-Studie zeigten, dass nur Patienten mit K-ras-Wildtyp von der zielgerichteten Therapie profitieren. Dieser Erkenntnisgewinn ist auch auf das strukturverwandte Cetuximab übertragbar, unabhängig davon, ob eine Mono- oder Kombinationstherapie zugrunde gelegt wurde. Sehr wahrscheinlich werden in Zukunft noch weitere molekulare Marker hinzukommen, um die Theranostik, die enge Verzahnung von Diagnostik und Therapie, zu optimieren, während die alleinige Ausrichtung auf die dermatologische Toxizität als Parameter für die Therapiesteuerung in den Hintergrund treten wird.

Schlüsselwörter: Panitumumab, K-ras-Wildtyp, K-ras-Mutationen, prädiktive Faktoren, Supportivtherapie

Panitumumab: Progress in individualized, targeted therapy of metastatic colorectal cancer

Panitumumab has been recently approved for the treatment of metastatic colorectal cancer. It represents the first human monoclonal antibody in clinical oncology. Similarly to cetuximab, it binds to the extracellular domain of the EGF-receptor, however, based on its human structure, the incidence of hypersensitivity reactions is low. Retrospective analyses of phase III study results revealed only patients with K-ras wild-type to benefit from this targeted therapy, which meanwhile could be translated to cetuximab, irrespective whether the antibody was given as a monotherapy or in combination. Currently additional molecular markers (e. g. PTEN) are under debate to optimize theranostics, whereas dose escalation solely based on dermatologic toxicity is out of concern.

Keywords: panitumumab, K-ras wild-type, K-ras mutations, predicting factors, supportive management.

Krankenhauspharmazie 2008;29:524–34.



Christiane Groth-Tonberge und Egid Strehl, Freiburg
Eine Untersuchung auf drei Stationen der Inneren Medizin eines Krankenhauses der Maximalversorgung

Nach einem Klinkaufenthalt erhält der Patient mehr und teurere Medikamente als vor der Einweisung ins Krankenhaus! Diese Aussage steht seit Langem im Raum. Ziel der vorgestellten Erhebung war es herauszufinden, ob diese Aussage immer zutrifft und wie sich die Tagestherapiekosten für einen Patienten gegebenenfalls ändern.

Für diesen Zweck haben vier Studenten für zwei Wochen im Frühjahr 2008 ein Pilotprojekt im Rahmen des Wahlpflichtfachs klinische Pharmazie auf drei Stationen der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg durchgeführt und dabei von insgesamt 83 Patienten jeweils die Aufnahme-, die Klinik- und die Entlassmedikationen untersucht.

Insgesamt wurde eine Steigerung der Anzahl der Arzneimittel bei Entlassung gegenüber der Aufnahme um 19 % festgestellt, was mit einer durchschnittlichen Tagestherapiekostensteigerung von 6,62 Euro pro Patient einherging.

Gleichzeitig zeigte sich, dass eine der drei Stationen, bei einer nur geringen Steigerung der Anzahl der Arzneimittel bei Entlassung um 3 %, eine Senkung der Tagestherapiekosten um 8,13 Euro pro Patient erzielen konnte.

Schlüsselwörter: Medikationsänderungen, ambulante/stationäre Schnittstelle, sektorübergreifende Versorgung, Medikationsfehler

What happens to the ambulant medication of patients in hospitals? – An investigation of three wards for internal medicine of a hospital belonging to the maximum supply

After an inpatient stay, a patient receives several and more expensive medicinal products than before. This was a long lasting statement. The aim of this investigation was to clarify whether this statement is true and whether the daily therapy costs for the patient will change.

Due to this purpose four students conducted a pilot project at three wards for internal medicine at the university hospital of Freiburg. They investigated the medication of 83 patients at their arrival, during treatment and at their release. The project lasted two weeks and took place in spring 2008.

Altogether, the results show an increase of 19 % regarding the number of medicinal products at the release compared to the number at the time of arrival. This is accompanied by an increase of the average costs concerning daily therapy by Euro 6.62 per patient.

Simultaneously, one of these three sectors was able to decrease the daily therapy costs by Euro 8.13 per patient by increasing the number of pharmaceuticals by only 3 % at the release.

Keywords: Change in medication, interface between ambulatory and hospital care, over-sectoral supply, medication error

Krankenhauspharmazie 2008;29:536–40.



Bericht
Wolfgang Wagner, Düsseldorf

19 Apotheker waren der Einladung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der Deutschen Gesellschaft für KatastrophenMedizin e. V. (DGKM) gefolgt und nahmen am 10. und 11. Juni 2008 als Gäste im Bundesministerium des Innern, Bonn, an der 1. Fachtagung Notfall- und KatastrophenPharmazie teil. Das umfangreiche Tagungsprogramm wurde geleitet von Pharmazieoberrat Dr. Bernhard Preuss (BBK) und Herrn Wolfgang Wagner (DGKM) sowie begleitet vom Vizepräsidenten der DGKM e. V. Dr. med. Sigurd Peters.

Krankenhauspharmazie 2008;29:541–4.



Serie

Auf einer pädiatrischen Station wurde orale Midazolam-Lösung aus der Tropfflasche versehentlich intravenös verabreicht. Ursache des Fehlers war ungeeignetes Applikationsmaterial in Form einer Spritze, die gewöhnlich für die Applikation intravenöser Zubereitungen verwendet wird.



Referiert & kommentiert
Dr. Christoph Müller-Löbnitz, Forchheim
Interdisziplinäre Herausforderung

Invasive Pilzinfektionen bei chirurgischen, immunsupprimierten und/oder neutropenischen Patienten sollten nach den Prinzipien der Tarragona-Strategie behandelt werden: Je nach individueller Risikoklassifikation und epidemiologischer Situation erhält der Patient so schnell wie möglich die wirksamste Therapie, bis die mikrobiologische Bestätigung möglicherweise eine Deeskalation erlaubt. Welche Konsequenzen diese Strategie für die tägliche Praxis der antimykotischen Therapie hat, wurde auf dem von der Gilead Sciences GmbH veranstalteten Expertenforum „Interdisziplinäre Herausforderungen beim Einsatz von Antimykotika – Ausblick 2008“ in Frankfurt im Januar 2008 diskutiert.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, und Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart
Eine kürzere Therapiedauer führt zur Kostensenkung mit gleichem Ansprechen

Bei Patienten im Klinikum Freiburg wurden die Therapieleitlinien für die Behandlung nosokomialer und ambulant erworbender Pneumonien verändert. Die Therapiedauer wurde etwa um die Hälfte reduziert. Dadurch konnten die entsprechenden Antibiotika-Kosten gesenkt werden, ohne dass die Patienten schlechter auf die Theraie ansprachen.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Kombinationstherapie mit Erlotinib

In der aktuellen S3-Leitlinie zur Behandlung des exokrinen Pankreaskarzinoms spiegelt sich der hohe Stellenwert der Kombinationstherapie mit Erlotinib wider, so das Fazit eines Pressegesprächs der Roche Pharma AG in München im Mai 2008. Die Kombination von Gemcitabin und Erlotinib, die zu einem signifikanten Überlebensvorteil gegenüber der Standardtherapie, der Gemcitabin-Monotherapie, bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom führte, erhielt den höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrad.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Probiotika nicht bei Patienten mit akuter Pankreatitis einsetzen

In einer randomisierten, doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie erhöhten Probiotika bei Patienten mit schwerer akuter Pankreatitis die Letalität. Dieses Ergebnis war überraschend, da im Gegenteil eine Senkung der Letalität durch eine geringere Rate an infektiösen Komplikationen erwartet wurde. Während die Rate infektiöser Komplikationen jedoch in beiden Gruppen gleich war, erlitten mehr Patienten, die mit Probiotika behandelt wurden, eine tödlich verlaufende Darmischämie.



Helga Vollmer, München
Mit NO-Inhalation Hirnschäden reduzieren?

Verlaufen die nächsten Tests zur Inhalation von Stickstoffmonoxid (NO) zusätzlich zur gängigen Sauerstoffgabe erwartungsgemäß, dürfte dies die Therapie des Schlaganfalls revolutionieren. Als therapeutisches Zeitfenster für Lyse oder Reperfusion stehen dann statt der bisherigen drei wahrscheinlich bis zu zwölf Stunden zur Verfügung. Aktuelle Daten zur NO-Inhalation wurden im Rahmen der von Linde Gas Therapeutics veranstalteten 107. Gesprächsrunde der Münchner Medizin-Journalisten in München am 17. Juni 2008 vorgestellt.



Dr. Corinna Schraut, Berlin
Makrophagen-Regulator aus Russland