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30. Jahrgang Heft 3 März 2009

Interview - unsere beruflichen Partner über uns


Übersichten
Nicole Kubitz, Neuss, Alice Kasprzik und Reinhard Rychlik, Burscheid

Thema: Kosten inadäquater empirischer Antibiotika-Therapie bei hospitalisierten Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen in Europa und Nordamerika. Methodik: Die Literaturrecherche für diese systematische Übersichtsarbeit erfolgte mit den Suchkriterien Kosten, Therapie, Antibiotika, Studie sowie Europa/Nordamerika und wurde über Verknüpfungen und Qualifier weiter eingeschränkt. Ergebnis: Unabhängig von den jeweiligen Studienländern führten inadäquate empirische Antibiotika-Therapien zu verlängerten Liegezeiten der Patienten um 0,49 bis 18,9 Tage. Die daraus resultierenden Mehrkosten für die Hospitalisierung wurden in zwei Publikationen berechnet und betrugen bis zu 2 411 Euro aus Krankenkassenperspektive für verlängerte Liegezeiten von bis zu 18,9 Tagen bzw. 6 282 Euro aus Krankenhausperspektive für eine verlängerte Liegezeit von 6 Tagen. Die Arzneimittelkosten für Antibiotika bei inadäquater Therapie waren mit 241 Euro bis 360 Euro angegeben, während sich die Kosten bei adäquater Therapie auf 117 Euro bis 533 Euro beliefen. Die Mortalitätsrate bei Patienten, die eine inadäquate Therapie erhielten, war im Vergleich zu Patienten mit adäquater Therapie um bis zu 12,9 % erhöht. Adäquate Antibiotika-Verschreibungen resultierten in einer Reduktion der Mortalität um 2,6 % (absolut) und 38 % (relativ). Ein Vergleich der einzelnen Studienergebnisse ist aufgrund der unterschiedlichen Studienländer, Erkrankungen und Einzelkosten nur bedingt möglich. Eine weitere Schwierigkeit stellen die zum Teil unterschiedlichen Definitionen für eine adäquate und inadäquate antibiotische Therapie dar. Schlussfolgerung: Der adäquate empirische Einsatz von Antibiotika gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen im Krankenhaus und auf der Intensivstation trägt dazu bei, direkte und indirekte Kosten zu senken. Zudem wird die Mortalitätsrate der Patienten reduziert.

Schlüsselwörter: Antibiotika, Therapie, Kosten, Liegezeit

Costs of inappropriate empiric antibiotic therapy

Purpose: Costs of inappropriate empiric anti-biotic therapy in seriously ill hospitalized patients in Europe and North-America.

Methods: The literature search for this systematic review was performed using the search terms costs, therapy, antibiotics, study and Europe/North-America and was further refined by additional combinations and qualifiers.

Results: Independent of the study countries inappropriate empiric antibiotic therapy resulted in a prolonged length of hospital stay of 0.49 to 18.9 days. The additional costs for hospitalization were calculated in two publications and were up to 2,411 Euro from a third party payer perspective for a prolongation of the length of hospital stay for up to 18.9 days and 6,282 Euro from a hospital perspective for a prolonged stay of 6 days respectively. Drug costs for antibiotics used inappropriately were between 241 Euro and 360 Euro, those for antibiotics used appropriately between 117 Euro and 533 Euro. Inappropriate antibiotic treatment was associated with up to a 12.9 % greater hospital mortality. Appropriate antibiotic prescriptions resulted in a 2.6 % absolute and 38 % relative reduction of mortality. The systematic review of the literature revealed limitations regarding comparability of the study results due to differences in study countries, diseases, calculated costs and the inconsistent definitions of appropriate and inappropriate antibiotic therapy.

Conclusion: The use of appropriate empiric antibiotics in seriously ill, hospitalized patients reduces not only direct and indirect costs, but also improves patients’ outcome.

Keywords: Antibiotics, therapy, costs, length of stay

Krankenhauspharmazie 2009;30:99–106.



Joachim Knauth, Ilmenau
Rolle der klinisch-pharmazeutischen Beratung am Beispiel einer Arzneimittelinteraktion

ACE-Hemmer nehmen unter den kardiologischen Medikamenten bezogen auf die Rate an Störwirkungen einen Spitzenplatz ein. Allein ihr Einsatz führte in den USA innerhalb eines Jahres zu 1,5 % sämtlicher therapiebedürftiger Neben- und Wechselwirkungen. Nach Veröffentlichung der RALES-Studie 2001, wonach Herzinsuffizienzpatienten besonders von der Kombination ACE-Hemmer plus Spironolacton profitieren, kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Spironolacton-Verschreibungen, verbunden mit einem vermehrten Auftreten von zum Teil lebensbedrohlichen Hyperkaliämien. Ursache hierfür waren vor allem Überdosierungen aufgrund fehlender Anpassung der Spironolacton-Dosis an eine eingeschränkte Nierenfunktion beziehungsweise die Abschätzung der Nierenfunktion ausschließlich unter Verwendung des Serumcreatinin-Werts als alleinigem Parameter. Im Rahmen seiner Beratungstätigkeit kann der Krankenhausapotheker aktiv dazu beitragen, Gefahrenpotenziale wie das der hier beschriebenen Interaktion zu erkennen beziehungsweise zu verhindern.

Schlüsselwörter: Herzinsuffizienz, Kombination ACE-Hemmer/Spironolacton, Hyperkaliämie, Nierenfunktion, Serumcreatinin-Wert

Risk of hyperkalemia due to combined therapy with ACE-inhibitor and spironolactone

A drug interaction as an example for the importance of pharmaceutical care

Among cardiovascular drugs, ACE-inhibitors are one of the most common drug classes implicated in adverse drug effects. In the USA it was estimated that the use of ACE-inhibitors results in 1,5 % of all treatment-requiring adverse drug effects annually. The publication of RALES in 2001, which demonstrated that spironolactone in addition to ACE-inhibition significantly improves outcomes in patients with severe heart failure, was associated not only with abrupt increases in the rate of prescriptions for spironolactone, but also with hyperkalemia-associated morbidity and mortality. Reasons therefor are inappropriately high doses of spironolactone, undetected renal dysfunction and poor monitoring or estimation of renal function. Within the pharmaceutical care provided, the clinical pharmacist can help to minimize the potential hazard to the patient.

Keywords: Heart failure, ACE-inhibitors, spironolactone, hyperkalemia, renal function, serum creatinine

Krankenhauspharmazie 2009;30:107–13.



Dr. Hans-Peter Lipp, Tübingen
Bessere Chancen mit neuer Darreichungsform

Lokale Therapien der oralen Candidose sehen üblicherweise die Anwendung von Miconazol-Mundgel oder Polyen-Antimykotika in Form von Suspensionen oder als Lutschtabletten vor. Mithilfe einer neuen galenischen Darreichungsform, einer mucoadhäsiven Buccaltablette, ist es erstmals möglich, trotz einer nur einmal täglichen Anwendung eine kontinuierliche Exposition des Azolantimykotikums über mehrere Stunden im Speichel zu gewährleisten. Untersuchungen bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren und vorangegangener Strahlen- und Chemotherapie lassen den Schluss zu, dass die neue Darreichungsform gut vertragen wird und vor allem bei Patienten mit multiplen Läsionen zu Studienbeginn klinische Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Mundgel bietet. Weitere Studien werden zeigen, inwieweit sich möglicherweise auch Vorteile gegenüber dem lokalen Einsatz der Polyen-Antimykotika ergeben.

Schlüsselwörter: Orale Candidose, mucoadhäsive Buccaltablette, Miconazol

Treatment of oral candidiasis – improved perspectives with a novel formulation

Conventional topical treatment regimens for oral candidiasis include miconazole-containing gel formulations and polyene antimycotic agents as suspension or lozenges. A mucoadhesive buccal tablet (MBT) containing miconazole represents a novel pharmaceutical formulation offering persistent salivary antifungal exposure although the drug is administered once daily. The miconazole-containing MBT was well tolerated in patients with head and neck cancer previously treated with chemo/radiotherapy and appeared to be especially advantageous in patients with multiple lesions. Whether this formulation may be superior to topical polyene antimycotics has to be proven by comparative trials.

Keywords: Oral candidiasis, mucoadhesive tablet, miconazole

Krankenhauspharmazie 2009;30:114–7.



Leitlinie
Leitlinie zur Qualitätssicherung

Krankenhauspharmazie 2009;30:119–26.



Bericht
Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Köln, 16. und 17. Januar 2009

„Informationen auf den Punkt gebracht“, so lautete das Motto des 1. Deutschen Kongresses für patientenorientierte Arzneimittelinformation, der unter der Leitung von Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff und Dr. Steffen Amann, beide München, am 16. und 17. Januar 2009 in Köln stattfand. Über 250 Teilnehmer, überwiegend aus Krankenhausapotheken, aber auch aus Universitätsinstituten, öffentlichen Apotheken und pharmazeutischer Industrie, diskutierten, wie die oft komplexe Information über Wirkungen, Nebenwirkungen, Anwendung und Nutzen eines Arzneimittels zielgruppengerecht an Ärzte, Pflegepersonal und nicht zuletzt Patienten vermittelt werden kann und welche Qualitätskriterien dabei zu beachten sind. Im Rahmen des Kongresses wurde die Leitlinie „Arzneimittelinformation aus der Krankenhausapotheke“ der ADKA vorgestellt, die im Dezember 2008 in Kraft getreten ist.

Krankenhauspharmazie 2009;30:127–32.



Serie

Acemetacin oder Acimethin, Uromethin oder Uromitexan, was ist gemeint? Ähnlich klingende Arzneimittelnamen können zu Verwechslungsfehlern führen.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wie wird optimal therapiert?

Die hohe Sterblichkeit bei septischem Schock ist eine große Herausforderung für die Therapie. Neuere Studienergebnisse sprechen dafür, dass es vor allem darauf ankommt, möglichst schnell eine Behandlung einzuleiten, das heißt eine antimikrobielle Therapie zu beginnen und den Kreislauf zu stabilisieren.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Neues 10%iges Immunglobulin-Präparat mit Lagerfähigkeit bei Raumtemperatur

In zwei zulassungsrelevanten Studien mit einem neuen intravenös applizierbaren 10%igen Immunglobulin-Präparat (Privigen®) konnte die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit sowohl bei Patienten mit einem primären Immundefekt als auch bei Patienten mit einer Immunthrombozytopenie gezeigt werden. Diese Daten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma CSL Behring am 12. September 2008 in München vorgestellt.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Therapie mit rekombinantem Gerinnungsfaktor VIIa

Die Blutungsstillung ist das vorrangige Ziel bei spontanen und durch operative Eingriffe bedingten Blutungen bei der erworbenen Hämophilie. Eingesetzt werden kann hierfür der rekombinante aktivierte Faktor VII (NovoSeven®). Zur Eliminierung der Autoantikörper kann das modifizierte Bonn-Malmö-Protokoll angewendet werden. Auf einer Fachpressekonferenz der Novo Nordisk Pharma GmbH anlässlich des Welthämophilietags 2008 wurden in Bonn im April 2008 diese Therapiestrategien vorgestellt und diskutiert.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
20 Jahre klinische Erfahrung mit Kogenate®

Prognose und Lebensqualität für Patienten mit Hämophilie haben sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend gebessert. Seit 1994 steht Kogenate® und seit 2000 das Nachfolgeprodukt Kogenate® Bayer (rekombinanter Blutgerinnungsfaktor VIII) für die Prophylaxe und Therapie der Hämophilie A zur Verfügung. Anlässlich des Welthämophilietags 2008 wurde im Rahmen einer von Bayer Healthcare/Bayer Vital veranstalteten Fachpressekonferenz in Bonn am 17. April 2008 über die Entwicklung und Konzepte in Forschung und Behandlung der Hämophilie informiert.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Überliefertes Ritual oder evidenzbasierte Präventionsmaßnahme?

In einer Studie bei 106 Patienten wurde die antiseptische Wirksamkeit einer 0,2%igen Chlorhexidin-Lösung vor einer Zahnextraktion untersucht. Im Zeitraum von 30 Sekunden bis 1 Stunde nach der Anwendung der Mundspülung konnte die Prävalenz für eine Bakteriämie durch die Chlorhexidin-Mundspülung im Vergleich mit Plazebo signifikant gesenkt werden.



Bettina Christine Martini, Legau
Erhöht Clopidogrel die Nutzbarkeit neu angelegter Dialysezugänge?

Die Entwicklung einer Thrombose nach Anlage eines Dialysezugangs ist eine mögliche Ursache, warum der Zugang nicht oder nicht mehr genutzt werden kann. In einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie wurde untersucht, ob eine Prophylaxe mit Clopidogrel die Thromboserate reduziert. Die Thromboserate konnte zwar signifikant verringert werden, dies äußerte sich aber nicht in einer insgesamt besseren Nutzbarkeit der neu angelegten Zugänge.



Dr. med. Kirsten Westphal, München
Zwölf Monate Clopidogrel als Rezidivprophylaxe

Wer einen Herzinfarkt überlebt hat, ist noch lange nicht auf der sicheren Seite. Dies gilt insbesondere für Patienten nach Nicht-ST-Hebungsinfarkt. Für einen wirksamen Rezidivschutz wird in den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) eine konsequente plättchenhemmende Therapie mit Clopidogrel über zwölf Monate empfohlen. Über ein optimales Akutmanagement des akuten Koronarsyndroms diskutierten Experten auf einem von Bristol-Myers Squibb veranstalteten Symposium im Rahmen der 32. Herbsttagung und 19. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK), im Oktober 2008 in Hamburg.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Inhalative Analgesie bei Kindern mit Lachgas-Sauerstoff

Das medizinische Lachgas-Sauerstoff-Gemisch (50 : 50) (LivopanTM) ist zur inhalativen Analgesie bei der Behandlung kurzzeitiger Schmerzzustände von leichter bis mittlerer Intensität indiziert. In verschiedenen Anwendungsbeobachtungen, die im Rahmen der 104. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin am 12. September 2008 in München vorgestellt wurden, konnte die gute Wirksamkeit und Sicherheit des Analgetikums bei Kindern gezeigt werden.



Helga Vollmer, München
Nutzen und Risiko in Prävention und Therapie

Chronischer Mangel an Selen ist mit einem erhöhten Risiko bestimmter Krebserkrankungen, kardiovaskulärer Erkrankungen sowie entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen assoziiert. Im Rahmen eines von Dr. Loges veranstalteten Workshops im April 2008 in Hamburg diskutierten hochrangige Experten Nutzen und Risiken von Selen in der Prävention und Therapie.