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30. Jahrgang Heft 9 September 2009

Übersichten
Norbert Marxer, Darmstadt
Herstellung und Anwendung als patientenkontrolliertes Schmerzmittel

Fentanyl beziehungsweise sein Salz Fentanyldihydrogencitrat eignet sich neben der transdermalen und transmukosalen Applikation auch für eine Absorption über die Nasenschleimhaut. Es wird die Herstellung zweier Stärken eines Nasensprays beschrieben und die Anwendung in der Palliativmedizin und bei chirurgischen Patienten in einem Krankenhaus der Maximalversorgung erläutert.

Schlüsselwörter: Fentanyl Nasenspray, Durchbruchschmerz, Palliativmedizin, Herstellung

Fentanyl-containing nasal spray

Intranasal fentanyl delivered with a spray bottle at doses of 50 and 200 μg respectively is effective as a patient-controlled demand-adapted analgesic. It gives physicians and nurses an easy to use opioid for rapid onset of postoperative pain relief and palliation of carcinoma-related breakthrough pain.

Key words: Fentanyl, nasal spray, breakthrough pain, palliative care, manufacturing

Krankenhauspharmazie 2009;30:437–40.



Gabriele Halsen, Köln, und Irene Krämer, Mainz

Bei Tätigkeiten mit Arzneimitteln muss der Apotheker die Gefährdungen für die Beschäftigten ermitteln und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festlegen. Zum Gefährdungspotenzial von monoklonalen Antikörpern gibt es bisher wenig Informationen. Ziel dieser Arbeit war es daher, auf Grundlage des aktuellen, international verfügbaren Wissensstands die monoklonalen Antikörper der ATC-Klasse L01XC nach den Kriterien des Gefahrstoffrechts zu bewerten. Im Ergebnis sind alle monoklonalen Antikörper fruchtschädigend, Gemtuzumab Ozogamicin ist zusätzlich erbgutverändernd. Die Exposition ist – von Unfallereignissen abgesehen – nur durch inhalative Aufnahme gegeben. Mit diesen Angaben kann der Arbeitgeber die für den Arbeitsschutz erforderlichen Maßnahmen nach Gefahrstoffverordnung und Mutterschutzverordnung treffen. Die Vorgehensweise und das Konzept zur Ableitung der Bewertungen werden umfassend dargestellt und diskutiert.

Schlüsselwörter: Monoklonale Antikörper, antineoplastische Arzneistoffe, berufliche Exposition, Gefährdungsbeurteilung, Schutzmaßnahmen

Assessing the risk of handling monoclonal antibodies used in anticancer therapy (ATC category L01XC)

A list of hazardous drugs that require safe handling and the usage of adequate protective measures should be posted in every pharmacy department that provides cytotoxic drug preparation. At the moment there is little knowledge of the occupational risk posed by monoclonal antibodies approved for anticancer therapy. The aim of this publication was to evaluate the occupational risk of monoclonal antibodies which are assigned to the ATC code L01XC. As a result all monoclonal antibodies in question were categorized as substances with developmental toxicity. In addition gemtuzumab ozogamicin was categorized as mutagenic. With regard to the high molecular weights and the proteinogenic nature of monoclonal antibodies the route of exposure is limited to inhalation for healthcare workers, except in the case of an accident. Employers should implement necessary administrative and engineering controls and employees should follow the standards in order to avoid occupational exposure. Literature research and the evaluation procedure are described in detail.

Keywords: Monoclonal antibodies, antineoplastic agents, occupational exposure, hazard, protection measures

Krankenhauspharmazie 2009;30:441–53.



Christoph Winnefeld, Luxembourg, und Egid Strehl, Freiburg

Korruption als das Ausnutzen von anvertrauter Macht zum persönlichen Nutzen verursacht auch in Deutschland jedes Jahr hohe volkswirtschaftliche Schäden. Sie untergräbt das Vertrauen der Wirtschaftssubjekte untereinander und schwächt das Ansehen des Rechtsstaats. Dieser Beitrag beleuchtet, wie mangelnde Transparenz das deutsche Gesundheitswesen für Korruption lukrativ und angreifbar macht. Um effiziente und zielgerichtete Maßnahmen zur Korruptionsprävention – auch in Krankenhausapotheken – ergreifen zu können, werden Schwachstellen aufgezeigt, die für korrupte Handlungen und Missbrauch potenziell anfällig sind. Es lässt sich feststellen, dass struktureller Korruption im deutschen Gesundheitswesen allein mit Gesetzen, reformerischen Maßnahmen, größeren Ermittlungsanstrengungen und besserer Strafverfolgung nicht beizukommen ist. Plädiert wird daher für eine Kultur, die Korruption im Medizinbereich ächtet und Korruptionsprävention als gesellschaftliche Aufgabe versteht.

Schlüsselwörter: Korruption, Gesundheitswesen, Krankenhausapotheke, Korruptionsprävention

Prevention of corruption in the German public health sector – a critical survey

Corruption can be defined as abuse of entrusted power for private gain and causes severe economic loss in Germany every year. Equally, it undermines faithful acting between economic agents and weakens the reputation of the constitutional state. This article demonstrates how the lack of transparency makes the German public health sector worthwhile and vulnerable for corruption. In order to take efficient and precise measures for the prevention of corruption in dispensaries weak points are identified that potentially are prone to corruption and abuse. In summary it can be observed that structural corruption in the German public health service cannot be banned alone by laws, reforms, enforced investigations or better criminal prosecution. Prevention of corruption as a social task and a culture of outlawing corruption in the health sector are needed more than ever.

Keywords: Corruption, public health sector, dispensary, prevention of corruption

Krankenhauspharmazie 2009;30:455–8.



Dieter Lünstroth, Singen

Sonderbestellungen über den Großhandel stehen in vielen Kliniken nicht selten unter den ersten drei Plätzen der ABC-Analyse und machen zum Teil bis zu 6 % des gesamten Arzneimittelumsatzes aus. Das zeigen zum Beispiel die ABC-Analysen der Krankenhäuser Singen, Radolfzell und Überlingen in den Jahren 2005 bis 2008. Angesichts immer knapper werdender Budgets sollen in dieser Übersicht Möglichkeiten gezeigt werden, wie man diese Kosten reduzieren kann.

Schlüsselwörter: Arzneimittelanamnese, zentraler Schrank für Sonderbestellungen, Sonderbestellungen

Reduction of special drugs in hospital pharmacies

Special drugs, which are ordered via wholesale, are much more expensive than drugs which are bought from pharmaceutical companies. Therefore every hospital pharmacy should try to decrease the use of those drugs. This may be possible i. e. with a drug anamnesis just in the beginning of the patients’ hospitalization, special lockers for those drugs and education of doctors and nurses concerning costs of drugs.

Krankenhauspharmazie 2009;30:459–62.



Berichte
Frauke Nagel, Bielefeld
4. bis 7. Juni 2009 in Darmstadt


Dr. Steffen Amann, München
3. Ingelheimer Klinikapotheker-Symposium bei Boehringer Ingelheim, 8. und 9. Mai 2009

Zum dritten Mal kamen Krankenhausapotheker aus ganz Deutschland zum Klinikapotheker-Symposium nach Ingelheim, um sich über pharmapolitische und krankenhausspezifische Themen auszutauschen. Unter dem Titel „Tue Gutes und rede darüber“ stellten die Vortragenden konkrete und realisierte Beispiele der klinisch-pharmazeutischen Zusammenarbeit in der Arzneimitteltherapie vor. Zentrale Themen der Veranstaltung waren in diesem Jahr die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und ihre Optimierung durch das neue Fehlerberichtssystem DokuPIK sowie durch die tägliche zentrale Arzneimittelanamnese. Organisatoren der zertifizierten Veranstaltung waren erneut der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. und die Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG.



Serie

Von einer chirurgischen Station kommt für eine Patientin mit rhagadiformem Hand- und Fußekzem nach dermatologischem Konsil die Bestellung über Silbernitrat-Lösung „zum Tauchen“ der Hände und Füße.



Referiert & kommentiert
Dr. Hans-Peter Lipp, Tübingen
Neue Tumor- und Supportivtherapeutika und komplementäre Verfahren in der klinischen Onkologie

Unter dem Motto „Fortbildungsreihe für die Klinikapotheke“ fand in der zweiten Jahreshäfte 2008 jeweils eine Veranstaltung in Frankfurt a. M. und in Hamburg statt, in der die wichtigsten neuen Therapieoptionen in der Behandlung von soliden Tumoren, Lymphomen und Hämoblastosen, die dazugehörigen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Supportivtherapie und alternative Therapieansätze, beispielsweise spezielle Ausrichtungen in der Ernährung, vorgestellt und diskutiert wurden.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Differenzialtherapie bei nicht vorbehandelten Patienten

Die Einführung von Nucleos(t)idanaloga hat die Therapiemöglichkeiten bei der chronischen Hepatitis B wesentlich bereichert. In mehreren klinischen Studien konnte Tenofovir (Viread®) seine sehr hohe antivirale Potenz und seine gute Verträglichkeit belegen, so das Fazit eines im Oktober 2008 von der Firma Gilead im Rahmen der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Kein primärpräventiver Effekt bei japanischen Typ-2-Diabetikern

In einer großen japanischen Multicenterstudie mit Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 ohne kardiovaskuläre Erkrankungen blieb die primärpräventive Gabe von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure über median 4,37 Jahre ohne Effekt auf die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse.