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30. Jahrgang Heft 11 November 2009

Übersichten
Mareike Kunkel und Irene Krämer, Mainz
Einsatz von bebilderten Medikationsplänen am Krankenbett

Die Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus kann durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden. Außer Acht gelassen wird häufig die Einbindung des Patienten, der im Mittelpunkt der Behandlung steht. Mit einem individuellen Medikationsplan, auf dem die verordneten Arzneimittel mit Farbfoto abgebildet sind, kann der Patient im Krankenhaus in den Prozess der Arzneimitteltherapie eingebunden werden. Wie die hier vorgestellte Patientenbefragung zeigt, wird der Medikationsplan mit den fotografischen Abbildungen der oralen Arzneiformen vom Patienten sehr gut angenommen und fördert die Eigenverantwortung und Patientenzufriedenheit. Der Beitrag des Medikationsplans zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit und Arzneimittelcompliance muss in weiteren Studien untersucht werden.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Medikationsplan, Farbfoto, Patienteninformation

Improving medication safety by patient empowerment – illustrated medication schedules during hospital stay

Today in hospitals various actions are taken to improve medication safety. However the patients themselves are often not involved in activities designed to improve the medication administration process. In this project, patients were empowered by the provision of individualized medication schedules including coloured photographs of the oral medication. Thereby patients were more easily able to take an active part in identifying their drugs and appropriate drug intake during their hospital stay. A survey conducted among patients enabled with illustrated medication schedules showed a high degree of acceptance and patient satisfaction. Further studies are necessary to evaluate the impact of illustrated medication schedules on medication safety and patient compliance in hospitals.

Keywords: Medication schedule, medication safety, coloured photographs, patient information.

Krankenhauspharmazie 2009;30:527–34.



Egid Strehl, Freiburg
Was Apotheker über Periodic Safety Update Reports wissen sollten

Periodic Safety Update Reports (PSURs; „regelmäßige aktualisierte Berichte über die Unbedenklichkeit von Arzneimitteln“) sind eines der Werkzeuge von praktizierter Pharmakovigilanz. Pharmakovigilanz–Aktivitäten haben zum Ziel, den Patienten vor vermeidbaren Risiken durch Arzneimittel zu schützen. Von zentraler Bedeutung ist hierbei der ständige Informationsaustausch zwischen den Verantwortlichen, nämlich den Behörden und dem Zulassungsinhaber. Praktisch geschieht dies beispielsweise entweder durch eine Einzelfalldokumentation einer schwerwiegenden Nebenwirkung oder eines beobachteten erheblichen Missbrauchs (15-Tage-Bericht = engl. „expedited reports“) oder durch periodische Berichte wie PSURs. Da beim „expedited reporting“ aber eine ganze Reihe von Sicherheitserkenntnissen zu Arzneimitteln nicht berücksichtigt wird, beispielsweise keine schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Erfahrungen mit dem Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit, Erkenntnisse bei Langzeitanwendung und Überdosierung und ebenso wenig Informationen zu fälschlich verordneten bzw. falsch applizierten Arzneimitteln (medication errors), ist dem „expedited reporting“ ein Informationsaustausch gegenüber zu stellen, der zusammenfassende Bewertungen abgibt, somit alle verfügbaren Daten erfasst, ein einheitliches Format verwendet und so all diejenigen Aspekte abdeckt, die im „expedited reporting“ unberücksichtigt bleiben. Aus solchen Überlegungen heraus entstand das Format der Periodic Safety Update Reports (PSURs), die inzwischen seit über 10 Jahren erstellt und kontinuierlich verbessert werden.

Schlüsselwörter: Periodic Safety Update Report, 15-Tage-Bericht, expedited report, Pharmakovigilanz

PSURs

PSURs are an instrument of already practiced pharmacovigilance. The aim of PSURs is to protect patients from avoidable drug risks as far as possible. A continuous exchange of informations between the regulatory agencies and the marketing authorisation holders is of central interest.Put into practice, this means either documentation of an individual severe adverse reaction or a substantial misuse that has been observed or has been known by the means of expedited reports or periodical reports like PSURs. However, expedited reports do not provide a number of findings that have already been made e. g. severe adverse drug reactions, gained experience when the drug is used during pregnancy and lactation, insights into long-term application and overdosing as well as when the drug is wrongly prescribed and medication errors. This is why expedited reports have to be supplemented by PSURs; which have been useful and continuously ameliorated already over a period of ten years.

Keywords: Periodic safety update report, expedited report, pharmacovigilance.

Krankenhauspharmazie 2009;30:536–8.



Petra Büsse, Duisburg
Erfahrungsbericht aus der Chirurgie im Katholischen Klinikum Duisburg

In der sich verändernden Struktur des deutschen Gesundheitswesens verändern sich auch die Aufgaben für Krankenhausapotheker. Neben den rein versorgenden Tätigkeiten spielt die Orientierung zum Patienten hin eine immer größere Rolle. Der Krankenhausapotheker kann bei der Arbeit auf Station seine Fachkenntnisse über Arzneimittel und deren Anwendung zur Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit für die Patienten und zur Unterstützung von Ärzten und Pflegepersonal durch verschiedene Aktivitäten einbringen. Einige dieser Arbeitsmethoden werden in diesem Beitrag detaillierter vorgestellt. Ergebnisse der Stationsarbeit werden präsentiert und der Nutzen eines Stationsapothekers und klinisch-pharmazeutischer Interventionen diskutiert.

Schlüsselwörter: Apotheker auf Station, Stationsarbeit, Arzneimitteltherapiesicherheit, klinisch-pharmazeutische Interventionen

Clinical pharmacy on surgical wards – a report from the hospital Katholisches Klinikum Duisburg

The tasks of a hospital pharmacist in Germany are changing according to the changes within the German health system. Besides purely supplying medicinal products, the orientation towards patients is becoming more and more important. The clinical pharmacist working on wards is contributing to an improved drug therapy safety and is supporting physicians and nurses with his expert knowledge on medicines and their application. Of different possible ways to achieve this, some are presented here in more detail. Results of the clinical ward work are shown and the impact of a clinical ward pharmacist and clinical-pharmaceutical interventions is discussed.

Keywords: Ward pharmacist, ward pharmacy, drug therapy safety, clinical-pharmaceutical interventions

Krankenhauspharmazie 2009;30:539–47.



Bericht
Anette Bergmann und Rosanne Kirchberg, Heidelberg
Roche-Workshop vom 6. Mai 2009

Am 6. Mai fand in Mannheim der Südwestdeutsche Roche-Workshop für Krankenhausapotheker zum Thema „Auswirkungen der aktuellen Gesetzgebung auf die Krankenhausapotheke“ unter der Moderation von Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Chefapotheker der Apotheke des Universitätsklinikums Heidelberg, statt. Als Referenten waren eingeladen Ralf Heyder, Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), Ursula Ungerer, Juristin bei der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft e.V. (BWKG) und Dr. Götz Baumann, Leiter der Abteilung „Future Product Development“ bei der Roche Pharma AG.



Serie
AG Arzneimitteltherapiesicherheit
Verletzung verursacht durch Blisterverpackung

Ein Patient bekam stationär seine Medikamente gestellt. Ein feuchtigkeitsempfindliches Präparat wurde im abgeteilten Einzelblister in die Dosette gepackt. Der Patient schluckte die Tablette mit Blister.



ADKA intern
Klaus Tönne, ADKA-Geschäftsführer, Berlin

Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (AKDA) e. V. bietet Mitgliedern seit 2006 eine Rechtsberatung als Dienstleistungsangebot an.



Aufruf für Poster und freie Vorträge

„Pharmazeutische Betreuung am Krankenhausbett als Gewinn für den Patienten“ lautet das Thema des 35. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 29. April bis 1. Mai 2010 in Freiburg. In einem Plenarvortrag, Impulsreferaten, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmer(inne)n weiter erarbeitet.



Ausschreibung
Roland Radziwill, Apotheke und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG
Innovationspreis 2010 im Bereich Klinische Pharmazie

Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum 8. Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet, ein Preis für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Klinischen Pharmazie, der mit 10 000 Euro dotiert ist. Er wird durch den Ausschuss Klinische Pharmazie verliehen.



Referiert & kommentiert
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Verbreitung von Clostridium difficile – ein zunehmendes Problem in Kliniken

Durchfallerkrankungen, verursacht durch Clostridium difficile, stellen weltweit ein zunehmendes Problem dar. Aus den USA, Kanada sowie einigen westeuropäischen Ländern wurde eine dramatische Zunahme von C.-difficile-assoziierten Infektionen innerhalb und außerhalb von Krankenhäusern berichtet.



Birgit-Kristin Pohlmann, Nordkirchen
Langzeitdaten bestätigen Imatinib als Standard für die Erstlinientherapie

Imatinib gilt als Standardtherapie für die Erstlinientherapie bei Patienten mit einer neu diagnostizierten chronisch-myeloischen Leukämie (CML) in chronischer Phase, inklusive Kinder. Außerdem ist Imatinib zugelassen für die Behandlung von CML-Patienten in der akzelerierten Phase und Blastenkrise. Die 7-Jahres-Daten der IRIS-Studie (International randomized trial comparing interferon alpha versus STI571) wurden am 15. Januar 2009 in Frankfurt auf einem Pressegespräch der Firma Novartis Oncology diskutiert und untermauern die Wirksamkeit von Imatinib als Standardtherapie für die Erstlinienbehandlung von CML-Patienten. Nach sieben Jahren waren noch 86 % der Patienten am Leben.



Dr. Alexander Kretzschmar, München
Neue Optionen für risikoadaptierte Strategien

Bei der Antibiotikatherapie auf Intensivstation ist heute eine Resistenzentwicklung wesentlicher Faktor für ein Therapieversagen. Zur flexiblen, risikoorientierten Antiobiotikatherapie gehören auch gezielter Einsatz und rationaler Umgang mit neuen Substanzen. Auf dem 19. Symposium Intensivmedizin und Intensivpflege in Bremen wurde das Glycylcyclin Tigecyclin als eine „neue Waffe“, auch gegen die steigende Zahl multiresistenter Erreger, vorgestellt. Glycylcycline können zwei wichtige Resistenzmechanismen, Effluxpumpen und ribosomale Schutzmechanismen, umgehen.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Therapie des Status epilepticus

Der Status epilepticus ist eine Notfallsituation und bedarf einer umgehenden und schnell wirksamen Therapie. Es sollte nach einem Notfallmangementplan gemäß dem Stufenschema mit i. v. Antiepileptika therapiert werden. Die aktuelle Pharmkotherapie des Status epilepticus wurde bei einem Satellitensymposium im Rahmen der 26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin diskutiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Von-Willebrand-Faktor-Konzentrat: hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit

Die von-Willebrand-Erkrankung betrifft ungefähr 1 % der Bevölkerung und gehört somit zu den häufigsten vererbbaren Blutgerinnungsstörungen. Für die notwendige Substitution stehen bisher nur Kombinationspräparate, die den von-Willebrand-Faktor (vWF) und den Faktor VIII enthalten, zur Verfügung. Eine zusätzliche Faktor-VIII-Gabe ist jedoch meist nicht nötig. In absehbarer Zeit wird ein vWF-Präparat (Willfact®) verfügbar sein, das durch eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit charakterisiert ist, so das Fazit eines von der Firma LFB GmbH im Rahmen der 53. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostase-Forschung e. V. im Februar in Wien veranstalteten Pressegesprächs.