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31. Jahrgang Heft 3 März 2010

Übersichten
Hans-Peter Lipp, Tübingen

Das myelodysplastische Syndrom (MDS) umfasst eine heterogene Gruppe von Knochenmarksstörungen. In diesem Zusammenhang spielt die intratumorale Hypermethylierung definierter Promotorregionen im Fortschreiten der Erkrankung eine wichtige pathobiochemische Rolle. Mit Azacitidin kommt erstmals ein epigenetischer Therapieansatz zur Anwendung, mit dem die Transkription von Tumorsuppressorgenen wieder vorangebracht werden kann. Die Ergebnisse der AZA-001-Studie bestätigten eindrucksvoll die klinische Wirksamkeit des DNS-Methyltransferase-Inhibitors bei Hochrisiko-Patienten mit MDS, da nicht nur das Gesamtüberleben verbessert, sondern auch die Anzahl an Transfusionen deutlich reduziert werden konnte. Der Wirkstoff ist zur subkutanen Applikation zugelassen, kann aber auch bei Bedarf intravenös verabreicht werden. Allerdings sind weitergehende Untersuchungen zur Optimierung der physikalisch-chemischen Stabilität von Azacitidin wünschenswert.

Schlüsselwörter: Azacitidin, MDS, epigenetische Therapie, AZA-001, Anwendung, Stabilität

Azacitidine – epigenetic treatment of myelodysplastic syndrome (MDS)

Intratumoral hypermethylation of defined DNA promotor regions has revealed to be of pathobiochemical importance and prognostic value in patients with Myelodysplastic Syndrome (MDS) resulting in a heterogenous spectrum of bone marrow disorders. Azacitidine represents an anticancer drug with epigenetic activity based on its inhibitory potency on DNA methyltransferase. According to the AZA-001 study results, which included high-risk MDS patients, overall survival and time to AML transformation was increased, whereas the demand for transfusions was significantly reduced by azacitidine compared to conventional regimens. Azacitidine has been approved for subcutaneous administration, but may be used intravenously in selected patients. Studies regarding physico-chemical drug stability are limited and should be expanded.

Key words: Azacitidine, MDS, epigenetic therapy, AZA-001, administration, stability

Krankenhauspharmazie 2010;31:89–98.



Ingo Stock, Brühl bei Köln

Invasive, durch Pilze verursachte Infektionskrankheiten sind aufgrund ihrer weiten Verbreitung und Schwere ihres Krankheitsbildes von besonderer medizinischer Relevanz. Sie gehen bei immunkompromittierten und immunkompetenten Patienten mit einer hohen Letalität einher. Invasive Candidosen und Aspergillosen sind weltweit die häufigsten invasiven Pilzerkrankungen. In den letzten Jahrzehnten wurde in vielen Regionen der Welt eine stark steigende Zahl von Patienten mit invasiven Mykosen und auch Veränderungen im Erregerspektrum dieser Erkrankungen beobachtet. Hierbei traten zuletzt insbesondere solche Pilze vermehrt auf, die gegenüber häufig eingesetzten Antimykotika nur wenig empfindlich oder resistent sind. Zudem kommen Erkrankungen durch Pilze wie Cryptococcus neoformans, Zygomyceten, Fusarien und Scedosporien, die bis vor wenigen Jahrzehnten nur sehr selten schwere Mykosen verursachten, zunehmend häufig vor. Eine Erfolg versprechende Therapie invasiver Mykosen erfordert eine rasch einsetzende spezifische Behandlung mit hoch wirksamen Antimykotika. Für die antimykotische Therapie invasiver Mykosen sind Amphotericin B, verschiedene Azole, Echinocandine und Flucytosin verfügbar. Die Einführung der Echinocandine Caspofungin, Anidulafungin und Micafungin in die antimykotische Therapie sowie die Zulassung der neuen Azole Voriconazol und Posaconazol stellen einen großen Fortschritt für die Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen dar.

Schlüsselwörter: Invasive Pilzerkrankungen, Mykose, Candidose, Aspergillose, Pneumocystis-Pneumonie, Kryptokokkose, Zygomykose, Fusariose, Scedosporiose, antimykotische Therapie, Amphotericin B, Azole, Fluconazol, Voriconazol, Posaconazol, Echinocandine, Caspofungin, Anidulafungin, Micafungin, Flucytosin

Invasive mycoses – pathogens, epidemiology and antimycotic therapy

Invasive infectious diseases due to fungi (mycoses) are severe, world-wide distributed diseases. They are associated with high lethality in immunocompetent and immunocompromised hosts. Invasive mycoses caused by Candida yeasts (candidosis, Anglo-American usage: candidiasis) and Aspergillus moulds (aspergillosis) are the two most frequent invasive fungal diseases. During the last decades, in several regions of the world an increasing number of patients suffering from invasive mycoses and an altered distribution of fungi causing these diseases have been observed. Fungi resistant or less susceptible to frequently prescribed antimycotic drugs are emerging. In addition, diseases due to previously “rare” fungi such as Cryptococcus neoformans, Zygomycetes, Fusarium and Scedosporium species, are increasing. Promising treatment of invasive mycoses requires immediate initiation of antimycotic therapy using highly effective drugs. For antimycotic therapy of invasive mycoses, amphotericin B, several azole antimycotics, echinocandins and flucytosin are available. The introduction of the echinocandins caspofungin, anidulafungin and micafungin into antimycotic therapy as well as the approval of the new azoles voriconazole and posaconazole represent an extraordinary progress for the treatment of these life-threatening diseases.

Keywords: Invasive fungal infections, mycosis, candidosis, aspergillosis, Pneumocystis pneumonia, cryptococcosis, zygomycosis, fusariosis, scedosporiosis, antimycotic therapy, amphotericin B, azoles, fluconazole, voriconazole, posaconazole, echinocandins, caspofungin, anidulafungin, micafungin, flucytosine

Krankenhauspharmazie 2010;31:101–117.



Serie

Ein Patient verliert Blut. Ursache war ein aus der Infusionsflasche herausgerutschtes Infusionsbesteck.



Aktuelles aus der Rezeptur
Dr. Sebastian Herbig, Maya Petrova, Dr. Hubert Schneemann, Essen

Eine Methode zur Herstellung von Mupirocin-Nasensalbe 2 % und ihre Prüfung mit Hilfe eines Agar-Diffusionstests werden beschrieben.



Referiert & kommentiert
Dr. Corinna Schraut, Ulm
Haben Glucocorticoide Einfluss auf die Letalität?

Während bei Erwachsenen mit bakterieller Meningitis eine begleitende Gabe von Glucocorticoiden die Sterblichkeit senkt, konnte in einer retrospektiven Studie kein Vorteil für Kinder nachgewiesen werden.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin und Prof. Dr. med. Mathias Trautmann, Stuttgart
Hautdesinfektion mit Octenidin senkt das Infektionsrisiko

Venenkatheter-assoziierte Infektionen gehören nach wie vor zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Sie können den betroffenen Patienten durch die Notwendigkeit erneuter Katheteranlagen, zusätzliche Antibiotikatherapie und verlängerte Liegedauer beeinträchtigen. In den letzten Jahren wurden daher zahlreiche Ansätze zur Vermeidung Venenkatheter-assoziierter Infektionen wissenschaftlich evaluiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rivaroxaban ist Enoxaparin überlegen

Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe ist für Patienten nach elektiver Knie- beziehungsweise Hüftgelenkersatzoperation unverzichtbar, da sie ein sehr hohes Risiko für thromboembolische Komplikationen aufweisen. Mit Rivaroxaban (Xarelto®) steht der erste orale direkte Faktor-Xa-Inhibitor für diese Patienten zur Thromboembolieprophylaxe zur Verfügung. Im Direktvergleich mit Enoxaparin zeigte die Substanz eine überlegene Wirksamkeit bei vergleichbarem Sicherheitsprofil, so das Ergebnis eines von der Firma Bayer Vital veranstalteten Journalisten-Workshop, der vom 7. bis 8. Mai 2009 in Hornbach stattfand.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Entecavir wirksamer als Adefovir

Die gefürchtetste Komplikation der chronischen Hepatitis B ist die Leberzirrhose beziehungsweise das hepatozelluläre Karzinom. Bei dekompensierter Leberzirrhose ist Interferon kontraindiziert, so dass für die antivirale Therapie nur Nukleosid-Analoga zur Verfügung stehen. Nach den Ergebnissen einer neueren Studie ist Entecavir bei solchen Patienten effektiver als Adefovir. Die Ergebnisse dieser Studie wurden bei einem Pressegespräch der Firma BristolMyersSquibb im Rahmen des 60th Annual Meeting of the American Association for the Study of Liver Disease (AASLD) im November 2009 in Boston präsentiert.