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31. Jahrgang Heft 10 Oktober 2010

Editorial
Prof. Dr. Irene Krämer, Mainz
Der tragische Unfall in der Universitätsmedizin Mainz


Interview - unsere beruflichen Partner über uns


Übersichten
Pamela Kantelhardt, Kassel, Jürgen Wachsmuth, Ulm, und Gesine Picksak, Hannover

Zur Vermeidung von Medikamentenverwechslungen werden Spritzen mit aufgezogenen Arzneimitteln durch farbige Selbstklebeetiketten oder andere mehr oder weniger geeignete Methoden gekennzeichnet. Diese Kennzeichnungssysteme können sehr unterschiedlich sein. Anhand einer Umfrage zum aktuellen Stand der Spritzen-Kennzeichnung soll gezeigt werden, wie groß der Handlungsbedarf für eine Vereinheitlichung von Etiketten zur Reduktion von Verwechslungen ist. Standardisierte Farben für Etiketten zur Kennzeichnung von Spritzen in der Anästhesie wurden im Jahr 2008 mit der DIN ISO-Norm 26825 festgelegt. Seit 2009 existiert hierzu eine Ergänzung für den Bereich der Intensivmedizin.

Schlüsselwörter: Etiketten, Kennzeichnung, DIN ISO 26825

Clear identification of syringes by coloured labelling in anaesthesia and intensive care units

A clear identification of syringes used in anaestesia and intensive care units could help to avoid a mix-up of medications. Therefore coloured labelling is recommended for syringes used in anaestesia by DIN ISO 26825 since 2008. In Germany there is a wide range of practised labeling of syringes. By the results of a survey the German Society of Hospital Pharmacists (ADKA) wanted to figure out the necessity of a germanwide commendation for coloured labelling also for intensive care units and for additional drugs.

Key words: Coloured labeling, identification of syringes, DIN ISO 26825.

Krankenhauspharmazie 2010;31:436–42.



Ernst Pallenbach, Sabine Arbabi, Wolfgang Zieger und Matthias Fellhauer, Villingen-Schwenningen
Grundlagen und Erfahrungsbericht

Nach aktuellen Schätzungen gibt es in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Medikamentenabhängige. Vor allem die Abhängigkeit von Benzodiazepinen ist aufgrund der angstlösenden und schlaffördernden Wirkung dieser Arzneimittel sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich weit verbreitet. Die Dauereinnahme ist mit vielen Nebenwirkungen und Risiken verbunden. Nur wenige Patienten begeben sich in eine spezifische Entzugstherapie; im Suchthilfesystem gibt es kaum Behandlungsangebote, insbesondere für die besonders betroffene Gruppe der älteren Menschen. Der Apotheker und seine Beratungskompetenz werden beim Benzodiazepin-Entzug bisher kaum genutzt, obwohl der Umgang mit betroffenen Patienten zum Berufsalltag eines jeden Offizinapothekers gehört. Auch Krankenhausapotheker und Ärzte müssen sich an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zunehmend dieser bislang zu wenig beachteten Problematik stellen.

Schlüsselwörter: Benzodiazepine, Entzugstherapie, klinisch-pharmazeutische Betreuung

Clinical-pharmaceutical care of the detoxification from benzodiazepines

According to current estimations there are more than 1.5 millions of medication-dependent people in Germany. Benzodiazepines are anxiolytic and soporific; thus dependency from benzodiazepines is common – both in the outpatient and in the inpatient setting. Permanent taking is associated with many adverse events and risks. Only few patients decide to take part at a withdrawal therapy; there exist only few offers for detoxification therapies in Germany, especially for older persons, who are most notably concerned. Parmacists are hardly involved in the withdrawal therapy although they are faced with such patients in their daily routine in the pharmacy. Hospital pharmacists and physicians have to face up themselves to this problem at the interface of outpatient and inpatient care.

Key words: Benzodiazepines, detoxification, clinical-pharmaceutical care.

Krankenhauspharmazie 2010;31:443–50.



Berichte
Dirk Keiner, Suhl, und Nils Keiner, Rüsselsheim

Vom 19. bis 20. Juni 2010 fand in Berlin der 3. Deutsche Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie statt. Die große Zahl präsentierter Vorträge nationaler und internationaler Experten trugen zu einem intensiven Erfahrungsaustausch zu allen Bereichen der Arzneimittel- und Patientensicherheit im Krankenhaus bei. 300 Kongressteilnehmer informierten sich in Vorträgen, Workshops und Posterbeiträgen über vielversprechende Aktivitäten und Ergebnisse aus zahlreichen Projekten. In diesem Bericht sind einige thematische Schwerpunkte des Kongresses zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit zusammengefasst.

Krankenhauspharmazie 2010;31:451–7.



Steffen Amann, München
Bericht vom 15. EAHP-Kongress 2010 in Nizza (Frankreich)

Nizza im März klingt sehr verlockend; die Realität war allerdings kalt und verregnet. Dies machte es den Teilnehmern jedoch noch leichter, sich auf die spannende Agenda des 15. Wissenschaftlichen Kongresses der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP), der vom 24. bis 26. März 2010 in Nizza (Frankreich) stattfand, zu konzentrieren.

Krankenhauspharmazie 2010;31:458–9.



Serie

Bei der Stationsbegehung sammelt der Apotheker falsch gelagerte Noradrenalin- und Adrenalin-Flaschen ein und entsorgt diese. Er informiert die leitende Pflegekraft darüber nur unzureichend. Eine Nachbestellung der entsorgten Arzneimittel erfolgt somit nicht. Folglich stehen die Medikamente für die nächste Notfallbehandlung nicht für die Patientenversorgung zur Verfügung.



Aktuelles aus der Rezeptur
Dr. Eckard Wiegrebe, Regensburg

Handelsübliches Tacrolimus-Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung wird in Glasampullen zu 5 mg angeboten. In der Klinik übersteigen die Dosierungen jedoch selten 2 mg, so dass der Rest verworfen werden muss. Durch die Eigenherstellung von Tacrolimus-Konzentrat und Abfüllung in Vials zur Mehrfachentnahme können Kosten eingespart werden.



ADKA intern
Dr. Myga Brakebusch, München

Bericht zum Seminar beim 35. Wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. vom 29. April bis 1. Mai 2010 in Freiburg; die Moderation des Seminars erfolgte durch Pamela Kantelhardt, Kassel, und Dr. Claudia Langebrake, Hamburg. Nachdem die Datenbank „DokuPIK“ beim ADKA-Kongress 2009 in Darmstadt vorgestellt worden war, lag beim diesjährigen Seminar der Schwerpunkt auf den Möglichkeiten der Auswertung bestimmter Fragestellungen und auf der Auswertung der Ergebnisse der letzten 12 Monate, das heißt seit Inbetriebnahme der Datenbank. Auch Fragen, die sich aus der jüngsten User-Befragung ergeben haben, wurden diskutiert.



Regina Spreng, München
Update Therapiekonzepte

Bericht zum Seminar beim 35. Wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. vom 29. April bis 1. Mai 2010 in Freiburg; die Moderation des Seminars erfolgte durch Dr. Werner Kropf, Klingenmünster, und Dr. Sanjiv Sarin, Andernach.



Dr. Christina Zorn, Wetzlar

Bericht zum Seminar für Interessenten und Anwender beim 35. Wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. vom 29. April bis 1. Mai 2010 in Freiburg; die Moderation des Seminars erfolgte durch Dr. Claudia Mildner, Mainz, und Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff, München.



Referiert & kommentiert
Bettina Christine Martini, Legau
Pazopanib – neuer Tyrosinkinase-Hemmer bei Nierenzellkarzinom

Der Multi-Tyrosinkinase-Hemmer Pazopanib (Votrient®) erweitert das Spektrum therapeutischer Optionen bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Nierenzellkrebs. Im Vergleich zu Plazebo konnte das progressionsfreie Überleben unter Pazopanib signifikant verlängert werden. Die Studiendaten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie wurden bei einem von der Firma GlaxoSmithKline veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der Gemeinsamen Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie im Juni 2010 in München vorgestellt. Am 15. Juni 2010 wurde Votrient® in Europa zugelassen.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Einflussfaktoren für die Teilnahmezustimmung

Die Rekrutierung von Patienten für klinische Prüfungen ist oft schwierig und erfolgt daher nicht immer gemäß dem durch das Studienprotokoll vorgegebenen Zeitplan. Die Gründe für die oftmals ablehnende Haltung der Patienten sind noch nicht gut untersucht. In einer Erhebung mit 62 Patienten zeigte sich, dass für die meisten potenziellen Studienteilnehmer eigene Vorteile, die sich aus der Teilnahme ergeben, wichtig sind. Auch die Einladung von Familienmitgliedern oder Freunden als wichtige Ratgeber bei der Entscheidung könnte die Motivation zur Studienteilnahme stärken. Mögliche Nebenwirkungen durch die Prüfmedikation spielten eine untergeordnete Rolle.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, und Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart
Weniger Harnwegsinfektionen durch Antibiotikaprophylaxe

Nach längerer Liegedauer von transurethralen Harnwegskathetern muss mit dem Auftreten symptomatischer und asymptomatischer Harnwegsinfektionen gerechnet werden. Studien auf Intensivstationen haben gezeigt, dass die Bakteriurierate mit jedem zusätzlichen Liegetag eines Katheters durchschnittlich um etwa 3 % steigt, so dass nach 10-tägiger Liegedauer etwa 30 % der Katheterträger eine – zunächst symptomlose – mikrobielle Besiedlung des Blasenharns aufweisen [1]. Nach dem Ziehen des Katheters können Dysurie, Pollakisurie und Tenesmen bestehen bleiben. In diesen Fällen ist eine antibiotische Therapie angezeigt. Die vorliegende Studie zeigte, dass eine Antibiotikaprophylaxe vor Entfernung des Katheters das Auftreten von Harnwegsinfektionen reduzierte.



Dr. Andreas Ziegler, Großhabersdorf
Die Renaissance des Lachgas

Eineinhalb Jahre nach der Markteinführung von Livopan® in Deutschland berichteten Experten anlässlich der 59. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (SGKJ) vom 19. bis 21. März 2010 in Marburg von ihren Erfahrungen mit dem inhalativen Arzneimittel. Die Berichte belegen, dass die Fertigmischung aus je 50 % Distickstoffmonoxid (N2O) und Sauerstoff (O2) eine schnelle Schmerzlinderung bei kurzzeitigen, mäßig schmerzhaften Prozeduren gewährleistet. Die mittelstarke analgetische und leicht beruhigende Wirkung setzt bereits nach zwei bis drei Minuten ein und macht den Einsatz vor allem bei Kindern attraktiv.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rehydrierung verhindert Nierenversagen

Die häufigsten Ursachen der Rhabdomyolyse sind Traumata, Immobilisation und Medikamente. Ab einem Creatinkinase-Wert > 5 000 I. U./l besteht die Gefahr für ein Nierenversagen. Um ein solches zu verhindern, empfiehlt sich eine großzügige Rehydrierung, wobei eine Diuresemenge von 200 ml/Stunde angestrebt werden sollte. Eine Indikation für eine prophylaktische Hämofiltration bzw. Hämodialyse besteht nicht. Dies war Thema eines Vortrags im Rahmen der Wiener Intensivmedizinischen Tage im Februar 2010.