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32. Jahrgang Heft 11 November 2011

Übersichten
Christiane Groth-Tonberge, Johanna Feuchtinger und Egid Strehl, Freiburg
Eine retrospektive Untersuchung auf kardiologischen und herzchirurgischen Stationen

Stürze zählen zu den häufigen unerwünschten Ereignissen während des Aufenthalts in einer Klinik. Auch Arzneimittel gelten als sturzbegünstigend. Doch welche Arzneimittelgruppen sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung? Diese Frage war Gegenstand einer retrospektiven Untersuchung, welche die Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit der Pflegeorganisation auf zwei herzchirurgischen und drei kardiologischen Stationen vornahm. Dabei wurden Stürze, die sich in den Jahren von 2006 bis 2009 ereignet haben, auf einen möglichen Zusammenhang mit Arzneimitteln betrachtet.

Schlüsselwörter: Sturzrisiko, Arzneimitteltherapiesicherheit, unerwünschte Arzneimittelwirkung

How drugs influence falls of patients in clinical daily routine – a retrospective investigation on cardiological and heart surgery wards

Falls are common adverse events during hospital stay. Drugs encourage the risk of falling. Thus a retrospective study was carried out between 2006 and 2009 on two heart surgery and three cardiological wards by the pharmacy of the university hospital of Freiburg, Germany, and the care organisation, to investigate which drug groups are probably associated with falling.

Key words: risk of fall, drug safety, adverse event

Krankenhauspharmazie 2011;32:565–72.



Werner Speckner, Eberhard Müller und Thomas Neubauer-Gartzke, Weiden
Ein Pilotprojekt für Qualitäts- und Budgetsicherung im Klinikum Weiden

Die Art der Thromboseprophylaxe bei chirurgischen Eingriffen spielt sowohl für das Qualitätsmanagement als auch für das Arzneimittelbudget chirurgischer Kliniken eine wichtige Rolle. Im Rahmen eines Pilotprojekts in der Klinik für Gefäßchirurgie und der Klinik für Unfallchirurgie im Klinikum Weiden wurden die Präparate für die Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin vom Mehrdosenbehältnis auf Fertigspritzen umgestellt sowie der monatliche Verbrauch und die Kosten mit einer Kontrollphase verglichen. Darüber hinaus wurde der Einfluss auf die Prozess- und Versorgungsqualität betrachtet. In beiden Kliniken ließen sich die Verbrauchsmengen bei konstant bleibenden monatlichen Kosten reduzieren. Durch die Umstellung auf Fertigspritzen entstand somit kein wirtschaftlicher Nachteil. Für Patienten und Pflegepersonal führte der neue Standard zu einer höheren Qualität der Arzneimittelversorgung und zu mehr Sicherheit.

Schlüsselwörter: Thromboseprophylaxe, Mehrdosenbehältnis, Fertigspritze, Monatsverbrauch, Heparin

Switch of the antithrombotic prophylaxis with low-molecular-weight heparin from multidose vial to ready-to-use syringes – Pilot project for quality and budget assurance in the Klinikum Weiden, Germany

Perioperative antithrombotic prophylaxis plays a major role in the quality management and the drug budget of surgical clinics. In this context the switch of low-molecular-weight heparin from multidose vials to ready-to-use syringes was documented in a pilot project taking place in the Departments of Vascular Surgery and Traumatological Surgery at the Klinikum Weiden, Germany. As main endpoints the monthly consumption and the regarding costs were evaluated. Additional attention was payed to the amelioration of the process and supply quality. As a result the consumption quantities (daily doses) were reduced and the monthly costs in both departments remained almost unchanged. The switch to ready-to-use syringes did not turn out into an economic disadvantage but realized a progress in quality – mainly for the patients and the nursing staff – by a particularly practical and secure antithrombotic prophylaxis that in consequence was recommended as a new standard in both departments.

Key words: antithrombotic prophylaxis, multidose vial, ready-to-use syringe, monthly consumption, heparin

Krankenhauspharmazie 2011;32:573–7.



Alexandra Göbel und Egid Strehl, Freiburg
Seine physiologische Bedeutung und sein zunehmend wichtig werdender klinischer Einsatz

Noch immer wächst das medizinische Wissen über das essenzielle Spurenelement Selen stetig. Für den minimalen täglichen Bedarf und die bedenklichen oberen Grenzdosen von Selen gibt es inzwischen weitgehend zuverlässige Erkenntnisse. Auch die biologischen Funktionen von Selen sind größtenteils bekannt. Um auch die therapeutischen Effekte von Selen komplett ausschöpfen zu können, kommt es nicht nur auf die adäquate Dosierung, sondern auch darauf an, Selen in chemischen Verbindungen zu applizieren, die physiologisch nutzbar sind. Seit kurzem ist das speziell zur parenteralen Gabe besonders geeignete Natriumselenit in Deutschland in GMP-konformer Qualität verfügbar.

Schlüsselwörter: Selen, Toxizität, Dosisfindung, biologische Funktionen, Intensivpatient, Anionenradikale, Arzneistoffqualität

Selenium: Physiology and clinical practice

Medical knowledge about the essential micro element selenium is still continuously expanding. There is reliable expertise concerning the minimum daily intake, critically large doses, biological functions and those pathological conditions, in which the mineral is particularly involved by cellular regulation processes. Apart from an adequate dosage for critically ill patients it is very important to apply selenium in physiologically well usable chemical modifications in order to utilize the full potential of its therapeutic effects. Natriumselenit that is especially suitable for the parenteral use is recently available in Germany in GMP conformal quality.

Key words: Selenium, toxicity, dose evaluation, biological functions, intensive care patient, anionic radicals, drug quality

Krankenhauspharmazie 2011;32:578–82.



Bericht
Almut Weygand, Wiesbaden
Workshop im Rahmen des 36. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. am 13. Mai 2011 in Berlin

Im Rahmen des Workshops stellten Ralph Heimke-Brinck, Erlangen, und Dr. Sebastian Herbig, Essen, die für den Apothekenalltag relevanten Arzneibuchvorschriften für die Sterilherstellung vor. Die Referenten erläuterten die rechtlichen Grundlagen und Bestimmungen der Arzneibücher und griffen für die Herstellung steriler Arzneiformen relevante Monographien heraus. In einer praktischen Gruppenarbeit berechneten die Teilnehmer die maximale Endotoxinkonzentration für verschiedene Arzneistofflösungen und wählten geeignete Packmittel für diese aus.

Krankenhauspharmazie 2011;32:583–4.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Im Krankenhaus kommt es immer wieder zu Verwechslungen von Präparaten. Diese können im interdisziplinären Team durch Fehleranalyse und den daraus abgeleiteten Vermeidungsstrategien deutlich reduziert werden kann. Als häufige Ursachen werden in der Literatur mündliche Verordnungen und Sound-alikes beschrieben [1–4].



Ausschreibung

Gestiftet von der Firma Amgen GmbH



Gestiftet von der Firma Nycomed: Ein Unternehmen der Takeda Gruppe

Zum zweiten Mal verleiht die ADKA den Promotionspreis für Krankenhauspharmazie. Die Firma Nycomed GmbH stiftet diesen Preis im Rahmen ihrer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.



Prof. Dr. Roland Radziwill, Fulda

Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum 10. Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet. Mit diesem Preis soll ein innovatives Projekt der Krankenhauspharmazie gewürdigt werden. Der Innovationspreis ist mit 10 000 Euro dotiert. Die Satzung steht als PDF-Datei zum Download bereit.



ADKA intern
Aufruf für Poster und Kurzvorträge

„Der Nutzen der Krankenhausapotheke für die individuelle Arzneimitteltherapie“ lautet das Thema des 37. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 10. bis 13. Mai 2012 in Mainz. In Plenarvorträgen, Seminaren, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmern/Tagungsteilnehmerinnen weiter erarbeitet.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Claudia Becker, Singapur
Seltene schwerwiegende Nebenwirkungen nach Chemotherapie

In einem Review wurden kürzlich seltene schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen beschrieben, die im Zusammenhang mit einer Chemotherapie beobachtet wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Apixaban erhöht die Blutungsrate

Der direkte Faktor-Xa-Hemmer Apixaban, zusätzlich zu einer Standardtherapie gegeben, erhöht bei Hochrisikopatienten nach einem akuten Koronarsyndrom die Zahl schwerer Blutungsereignisse, ohne gleichzeitig das Auftreten kardiovaskulärer ischämischer Ereignisse zu reduzieren. Dies ergab die APPRAISE-2-Studie.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Rivaroxaban vergleichbar wirksam wie Warfarin

Der direkte Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban (Xarelto®) kann Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Patienten mit Vorhofflimmern ähnlich gut vorbeugen wie Warfarin bei vergleichbarer Rate schwerer bzw. klinisch relevanter Blutungen. Intrakranielle und tödliche Blutungen waren mit Rivaroxaban signifikant seltener als mit Warfarin. Dies ergab die Phase-III-Studie ROCKET-AF mit über 14 000 Patienten.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Erhaltungstherapie mit Pemetrexed

In einer Phase-III-Studie konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) eine Erhaltungstherapie mit Pemetrexed zu einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens führt, falls Pemetrexed bereits Teil der Initialtherapie war. Die Ergebnisse dieser Studie wurden am 5. Juni 2011 auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
R-CHOP 14 nicht besser als R-CHOP 21

Die Ergebnisse einer randomisierten Phase-III-Studie mit 1 080 Patienten mit neu diagnostiziertem diffusem, großzelligem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom zeigen, dass eine Therapie mit R-CHOP 14 im Vergleich zu R-CHOP 21 weder das Gesamtüberleben noch das progressionsfreie Überleben verbessert. Diese Daten wurden im Rahmen des US-amerikanischen Krebskongresses (ASCO) 2011 in Chicago präsentiert.



Dr. Jutta Zwicker, Stuttgart
Zuverlässiger Marker zur Abschätzung der Nierenfunktion

Bisher orientieren sich Apotheker und Ärzte vor allem am Serumcreatininwert, wenn sie die Dosis von Arzneimitteln bei niereninsuffizienten Patienten anpassen. Teurer als die Serumcreatininbestimmung ist die Methode mit dem Marker Cystatin C, jedoch kann diese relativ neue Methode in bestimmten klinischen Situationen zuverlässigere Anhaltspunkte liefern. Dies war unter anderem Thema eines Seminars, das am 14. Mai 2011 im Rahmen des 36. ADKA-Kongresses in Berlin stattfand.

Mit einem Kommentar von Dr. Jörg Brüggmann, Chefapotheker der Zentralapotheke des Unfallkrankenhauses Berlin



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau