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33. Jahrgang Heft 6 Juni 2012

Editorial
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg


Dr. Matthias Fellhauer, Villingen-Schwenningen


Kongressbericht
Tanja Liebing, Stuttgart
Mainz, 12. Mai 2012

Im Rahmen des 37. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. fand am 12. Mai 2012 in Mainz die ADKA-Mitgliederversammlung statt. Bei der Präsidiumswahl folgte der bisherige 1. Vizepräsident, Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg, der bisherigen Präsidentin, Prof. Dr. Irene Krämer, die nun das Amt der 2. Vizepräsidentin innehat. Neuer 1. Vizepräsident ist Markus Müller aus Berlin. Pamela Kantelhardt, Mainz, wurde als Schatzmeisterin wiedergewählt. Neuer Schriftführer ist Dr. Jochen Schnurrer aus Hildesheim. Berichte über ausgewählte Vorträge, Seminare, Workshops und die Preisverleihungen folgen in der Juli-Ausgabe der Krankenhauspharmazie.



Der Herausgeber interviewt
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Sehr geehrte Frau Prof. Fischer, Sie haben in Biologie und Medizin promoviert und sich an der Universität von Evry, Frankreich, in Humangenetik habilitiert. 2010 wurden Sie als Ärztliche Direktorin an das Universitätsklinikum Freiburg berufen. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die Barrierefunktion der Epidermis sowie hereditäre Hauterkrankungen. Sie hatten während Ihrer Tätigkeit als Ärztin auf Station beruflich mit Arzneimitteln zu tun. Als Humangenetikerin werden Sie nun nicht mehr mit Arzneimitteln zur Patientenbehandlung aus der Klinikapotheke versorgt. Sie haben also mit uns Klinikapothekern derzeit keine Berührung. Wir hoffen daher, von Ihnen aufschlussreiche „Außenansichten“ über unseren Berufsstand zu erhalten. Diese können uns helfen, unsere Wahrnehmung durch Mediziner und andere im Gesundheitssystem tätige Akademiker, die nicht zu unseren unmittelbaren Kunden zählen, zu optimieren. Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie uns für die folgenden Fragen unvoreingenommen zur Verfügung stehen.



Übersichten
Elisabeth Höppe, Myga Brakebusch und Steffen Amann, München
Entwicklung eines Informationsposters zur Vermeidung von Dosierungsfehlern

Bei der Behandlung von HIV-Patienten im Krankenhaus gewinnen Begleiterkrankungen der HIV-Infektion und Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie (ART) zunehmend an Bedeutung. Bei einer Auswertung der Anlässe für pharmazeutische Interventionen in der Krankenhausapotheke Schwabing der Städtischen Klinik München GmbH fiel auf, dass mehrfach antiretrovirale Therapeutika nicht an die Nierenfunktion angepasst und in einem Fall Interaktionen nicht berücksichtigt worden waren. Ziel des hier dargestellten Projekts war es deshalb, geeignetes Informationsmaterial zu entwickeln, um solche arzneimittelbezogenen Probleme zu vermeiden. In einer tabellarischen Übersicht wurden vor allem die kritischen Punkte einer ART, wie Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz einschließlich verschiedener Dialyseverfahren sowie bei Leberinsuffizienz, Interaktionspotenzial und wichtige Hinweise zur Einnahme, Praktikabilität und schwerwiegenden Nebenwirkungen, zusammengestellt. Als Poster verschafft die Übersichtstabelle Pflegekräften und Ärzten aller Fachrichtungen einen raschen Überblick über die Besonderheiten der ART und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit.

Schlüsselwörter: antiretrovirale Therapie, Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, Interaktion, Dosisanpassung, Übersicht

Interactions and dosage adjustments in antiretroviral therapy – the development of an information poster to reduce dosage errors

Accompanying diseases and side-effects of antiretroviral therapy (ART) are of increasing importance in the treatment of HIV-infected patients. An evaluation of the causes of pharmaceutical interventions at the pharmacy of Schwabing hospital, Städtische Klinik München GmbH, revealed that dosages of AR therapeutics had not been adapted to kidney function in several cases, and in one case interactions had not been considered. The aim of this project was to develop effective measures to avoid these drug related problems. Therefore all relevant data were collected and made up to a poster that provides a quick survey of AR therapeutics, their interactions and necessary dosage adjustments in case of kidney or liver dysfunction to doctors and nurses of any specialization. This is considered to be an important step towards safer drug therapy.

Key words: Antiretroviral therapy, renal insufficiency, liver insufficiency, interactions, dosage adjustment, survey.

Krankenhauspharmazie 2012;33:275–8.



Stephanie Bomsien, Irena Utzinger, Klaus Gogröf und Helga Giraud, Bruchsal
Besondere Handlungsfelder in einer Klinik der Grund- und Regelversorgung – ein Projekt in Bruchsal

Der Arzneimittelmarkt wächst stetig und die Unklarheiten und Fragen zur Medikation im Stationsalltag nehmen zu. Wenn Apotheker in das therapeutische Team der Klinikstation integriert werden, können sie vor Ort zu einer deutlichen Verbesserung der Arzneimitteltherapie beitragen. Auch Arzneimittelkosten lassen sich dadurch in beträchtlicher Höhe einsparen. Die Vorteile der Arbeit von Stationsapothekern zeigt exemplarisch ein Projekt in den Bruchsaler Kliniken auf. Es wurde kürzlich mit dem ersten Platz beim Klinikverbund-internen Qualitätspreis und einem ersten Platz beim Qualitätsförderpreis Gesundheit Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Schlüsselwörter: Stationsapotheker, Apotheker auf Station, Arzneimitteltherapiesicherheit, pharmazeutische Beratung

Clinical pharmacist’s job on the ward – special field of action in a general hospital in Bruchsal (Germany)

The constantly growing drug market causes more and more ambiguities and questions when doctors are prescribing medications in the daily routine of the hospital ward. In addition a growing number of published data concerning adverse drug events emphasises that a pharmacist has to be part of the clinical team on the ward. He adjusts patients’ medication to the hospital’s drug list and can contribute substantially to an optimised drug therapy by checking for possible interactions, side effects, drug allergies, double prescribing and incorrect dosing. In our project most advices had to be given on interactions and drugs that required therapeutic drug monitoring such as gentamicin and digitoxin to find the right doses. A survey among nurses and physicians on acceptance and effectiveness of the pharmaceutical consultation demonstrated a high contentment in both professional categories. Additionally, during the first year of the project drug costs could be reduced by about 30.000 Euro on the surgical ward which comprises 117 beds. Notable results were achieved by this project which won the first price of the “Qualitätsförderpreis Gesundheit Baden-Württemberg 2010” and of an internal quality award of the hospital. In particular the project shows following favourable aspects: 1. benefit for nurses and physicians in terms of time and information, 2. improved overview of the whole drug therapy, 3. check of interactions for all ordered drugs, 4. reduction of drug costs.

Key words: clinical pharmacist, drug safety, pharmaceutical service.

Krankenhauspharmazie 2012;33:279–85.



Jan-Hendrik Erdmann, Tilman Schöning, Dominic Störzinger und Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg

Das antibiotische Armamentarium ist mehr und mehr ausgedünnt, neue Antibiotika mit neuen Angriffspunkten sind seit Jahren nicht mehr entwickelt worden. Es kommt in der antibiotischen Therapie deshalb verstärkt darauf an, vorhandene Antiinfektiva optimal und effizient zu nutzen. Eine Möglichkeit dazu ist die Verabreichung von zeitabhängig wirkenden Antibiotika wie den Beta-Lactamen als verlängerte oder kontinuierliche Infusion.

Schlüsselwörter: Beta-Lactam-Antibiotika, Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, kontinuierliche Infusion, t > MHK, t > MIC

Optimizing antibiotic treatment for beta-lactams using continuous infusion

The antibiotic armamentarium shrank over the last decades. This is because of drug resistance problems with antibiotics on the one hand and a missing development of antibiotics with new targets on the other hand. Hence, the key to successfull antibiotic therapy is an optimal and efficient use of antibiotics. The linking of pharmacokinetic and pharmacodynamic is of major influence, especially for severely sick patients. Research found that using β-lactam antibiotics the success is dependent on the time above the minimal inhibitory concentration (MIC) of the bugs. Therefore an extended or continuous infusion of the antibiotic is supposed to have the best outcome. The following article gives an overview on existing literature as well as specific hints for continuous infusion of β-lactam antibiotics.

Key words: Beta-lactam antibiotics, antibiotics, pharmacokinetics, pharmacodynamics, continuous infusion, prolonged infusion, t > MIC.

Krankenhauspharmazie 2012;33:286–90.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Rivaroxaban ist der Standardtherapie nicht unterlegen

Bei Patienten mit einer akuten symptomatischen Lungenembolie ist der direkte orale Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban einer Standardbehandlung aus Enoxaparin und Vitamin-K-Antagonist in Wirksamkeit und Sicherheit nicht unterlegen. In der randomisierten EINSTEIN-PE-Studie waren die Rate für erneute symptomatische venöse Thromboembolien und die Rate klinisch relevanter Blutungen unter beiden Therapieregimen vergleichbar.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Beta-Lactam-Antibiotikum plus Beta-Lactamase-Inhibitor wirksam?

ESBL-(Extended-Spectrum-Beta-Lactamase-)bildende Enterobakterien nehmen weltweit dramatisch zu. Definitionsgemäß sind diese Erreger resistent gegen Cephalosporine der dritten Generation. Unter den Beta-Lactamen im weiteren Sinn wurden bisher lediglich Carbapeneme als wirksam betrachtet. Eine neue Studienauswertung zeigt, dass auch Kombinationen aus Beta-Lactam-Antibiotikum plus Beta-Lactamase-Inhibitor klinisch wirksam sind, wenn sie bei der mikrobiologischen Empfindlichkeitsprüfung als „sensibel“ getestet wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Risiko für Oberschenkelhalsbruch erhöht

Die Dauereinnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht das Risiko für einen Oberschenkelhalsbruch. Gefährdet sind vor allem Frauen, die rauchen oder geraucht haben. Dies ergab eine Analyse der Daten der Nurses’ Health Study.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Wirkt Mannitol nephroprotektiv?

Beim Einsatz von Cisplatin soll durch ausreichende Hydrierung mit oder ohne gleichzeitige Gabe von Mannitol eine Nephroprotektion erreicht werden. Die Mannitol-Gabe ist jedoch nach den Ergebnissen einer aktuellen Literaturübersicht nicht gerechtfertigt.



Dr. Claudia Becker, Zürich (Schweiz)
Häufigkeit von Thrombozytopenien im Rahmen einer Chemotherapie

In einer niederländischen Studie wurde kürzlich das Auftreten von Thrombozytopenien im Zusammenhang mit einer Chemotherapie beschrieben. Bei etwa 20 % der Patienten mit einem soliden Tumor wurde eine Thrombozytopenie beobachtet. Bei über 50 % dieser Patienten lag Schweregrad 2 bis 4 und somit ein klinisch relevant erhöhtes Risiko von Blutungen vor. Therapieschemata mit Carboplatin, Gemcitabin oder Paclitaxel waren am häufigsten mit einer Thrombozytopenie assoziiert. Isolierte Thrombozytopenien traten vor allem nach Behandlungen mit Oxaliplatin oder Gemcitabin auf.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Was ist aus biopharmazeutischer Sicht zu beachten?

Für eine sachgerechte Beratung der Patienten zum Umgang mit oralen Zytostatika muss der Apotheker die Faktoren kennen, die das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Aufnahme des Arzneistoffs aus dem Verdauungstrakt beeinflussen. Während des Norddeutschen Zytostatika-Workshops, der vom 27. bis 29. Januar 2012 in Hamburg stattfand, wies Prof. Dr. Werner Weitschies, Institut für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie, Universität Greifswald, auf biopharmazeutische Aspekte bei der Therapie mit oralen Zytostatika hin.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau