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33. Jahrgang Heft 8 August 2012

Editorial
Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg


Der Herausgeber interviewt
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Sehr geehrte Frau Müller, sehr geehrter Herr Dr. Müller,

Sie beide absolvierten erst vor wenigen Jahren eine Hälfte Ihres Pharmaziepraktikums in großen Krankenhausapotheken und bekamen dabei Einblicke in die Aufgaben und die darüber hinaus gehenden Aktivitäten von Klinikapothekern. Sie entschieden sich dann jedoch für die Offizinpharmazie. In Ihrer eigenen öffentlichen Apotheke werden Sie jedoch immer wieder an die Arzneimitteltherapie in Kliniken erinnert, beispielsweise wenn Ihnen von Patienten Verschreibungen ausgehändigt werden, die sie bei der Entlassung aus dem stationären Aufenthalt mitbekommen haben. Uns Krankenhausapotheker interessiert Ihre Vorstellung darüber, wie die Schnittstelle „stationär – ambulant“ im Bereich der Arzneimitteltherapie am effizientesten funktionieren könnte.



Übersichten
Christof Schaefer und Corinna Weber-Schoendorfer, Berlin

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Die meisten akuten und chronischen Erkrankungen sprechen weder gegen das Austragen einer Schwangerschaft noch rechtfertigt es eine Schwangerschaft oder Stillen, dass der Schwangeren eine notwendige Behandlung vorenthalten wird. Da viele Schwangerschaften ungeplant entstehen, sollte bei jeder Therapie bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter von einer möglichen Gravidität ausgegangen werden und Arzneimittel mit ausreichender Dokumentation ihrer Verträglichkeit für das Ungeborene bevorzugt werden. Für die meisten Erkrankungen gibt es Medikamente, bei denen die klinischen Erfahrungen gegen nennenswerte entwicklungstoxische Risiken sprechen. Doch auch sie sind nicht selten mit Warnhinweisen versehen, die vor einem Einsatz bei Schwangeren warnen. Dieser Artikel skizziert den aktuellen Kenntnisstand zu potenziell problematischen Medikamenten, wie Antihypertensiva, Antiepileptika, Psychopharmaka, Cumarin-Antikoagulanzien, Retinoide, spezielle Antibiotika und immunmodulatorische Substanzen und gibt Therapieempfehlungen zu häufigen Erkrankungen.

Schlüsselwörter: Schwangerschaft, Teratogenität, Fetotoxizität, Stillen, Arzneimitteltherapie, Risikobewertung

Update on drug therapy during pregnancy and lactation

Most acute and chronic diseases do not require termination of a pregnancy nor is pregnancy or breastfeeding a reason to withhold necessary drug therapy. As many pregnancies are unplanned, any drug treatment during reproductive age should consider the occurence of a pregnancy. Wherever possible, only medicinal drugs with sufficient documentation in pregnant women not indicating developmental toxicity should be chosen. There are acceptable drugs for the majority of diseases, although many of them are labeled as contraindicated during pregnancy. This article provides an overview on prenatal risks of antihypertensives, antiepileptics, psychopharmaceuticals, coumarin derivatives, retinoids, selected antibiotics and immunomodulating drugs and provides treatment recommendations for the most common diseases.

Key words: Pregnancy, teratogen, fetotoxicity, breastfeeding, drug therapy, risk assessment

Krankenhauspharmazie 2012;33:347–54.



Michael Baehr und Peter Gocke, Hamburg

Damit Patienten im Krankenhaus erfolgreich behandelt werden können, müssen für die Therapie wichtige Informationen schnell und vollständig verfügbar sein. Zukünftig wird daher die Digitalisierung sämtlicher Prozesse ein wesentliches Qualitätsmerkmal für Krankenhäuser sein. Mit dem „Electronic Medical Record Adoption Model“ hat HIMSS Analytics ein System zur Bewertung des Grades der Digitalisierung von Krankenhausprozessen in acht Stufen (0–7) geschaffen. Der Medikationsprozess nimmt dabei einen herausragenden Stellenwert ein, denn die vollständige elektronische Abbildung und ein papierloser Arzneimittelversorgungsprozess gehören zu den Voraussetzungen, um die höchste Stufe erreichen zu können. Dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurde 2011 der „Stage 7 Award“ zuerkannt. Entscheidend war dabei, dass dort mit dem Unit-Dose-System eine vollständig elektronische Arzneimittelversorgung ermöglicht wurde.

Schlüsselwörter: HIMSS, elektronische Patientenakte, geschlossener Medikationsprozess, Unit-Dose-Versorgung, Barcodeverifizierung, klinische Pharmazie

Electronic drug supply – a quality feature of hospitals

Quick and complete access to all patient related information is essential for the success of treatment of hospital patients. In the future the comprehensive implementation of electronic and paperless processes will be a quality feature for hospitals. The „Electronic Medical Record Adoption Model“ developed by HIMSS Analytics evaluates hospitals in eight stages (0–7) concerning the degree of digitalisation their patient record environment. Hereby, the medication process is most significant because amongst others the implementation of a complete paperless medication process is required for stage 7. In 2011, the University Medical Center Hamburg Eppendorf (Germany) achieved stage 7 in this process. The established closed loop medication administration process covering physician order entry, pharmacy validation, unit-dose supply and paperless documentation played a major role to reach this stage.

Key words: HIMSS, electronic medical record adoption model, closed loop medication administration, unit-dose-supply, barcoding at point of care, clinical pharmacy

Krankenhauspharmazie 2012;33:356–60.



Interview
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin

Das Aufziehen von Medikamenten aus Durchstechampullen ist eine klassische Aufgabe des medizinischen Assistenz- und Pflegepersonals. Leider gibt es immer wieder Unklarheiten bei Detailfragen, insbesondere zur Aufbewahrung angebrochener Behältnisse und zur Verwendung von sogenannten Spikes. Eine neue Richtlinie des Robert Koch-Instituts hat kürzlich viele Fragen geklärt. Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, führte dazu ein Interview mit Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene am Klinikum Stuttgart.

Krankenhauspharmazie 2012;33:361–3.



Bericht
Susanne Heinzl, Reutlingen

Die Erhaltungstherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ist mittlerweile Therapiestandard, auch wenn sie in den S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie von 2010 [1] noch nicht erwähnt ist. Für die Erhaltungstherapie mit Fortsetzung der Erstlinientherapie kommen Pemetrexed (Alimta®) und Bevacizumab (Avastin®) infrage, während sich für die Erhaltungstherapie mit Regimewechsel Erlotinib (Tarceva®) eignet, da es unabhängig von der Histopathologie und unabhängig vom EGFR-Mutationsstatus wirksam ist. Alternativ kann auch hier Pemetrexed bei Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinomen eingesetzt werden, wenn es nicht zuvor in der Erstlinientherapie verwendet wurde. Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorgehensweisen und aktuelle Daten wurden beim Seminar „Erhaltungstherapie beim Lungenkarzinom“ während des 53. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin von Dr. Christian Schulz, Regensburg, und Dr. Florian Fuchs, Erlangen, präsentiert und diskutiert.

Krankenhauspharmazie 2012;33:364–6.



ADKA intern
Aufruf zur Postereinreichung

Unter dem Leitthema „Der Apotheker als Wissensmanager – mehr Sicherheit für Arzt und Patient“ findet am 11. und 12. Januar 2013 in Köln der 3. Kongress für Arzneimittelinformation statt.



Stephanie Stareprawo, Halle

Zu einem „sportlichen“ Workshop lud der Ausschuss Arzneimittelinformation des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. anlässlich seines 37. Wissenschaftlichen Kongresses 2012 in Mainz ein. Routinierte Trainer bildeten die Teilnehmer des Workshops an fünf verschiedenen Stationen aus und vermittelten Arzneimittelinformationen, Recherchequellen und Möglichkeiten zur Dokumentation.



Danny Brell, Erfurt
Was der Krankenhausapotheker darüber wissen sollte

In einem Workshop zum Thema „Therapeutisches Drug-Monitoring von Psychopharmaka“ im Rahmen des 37. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. erläuterten Prof. Christoph Hiemke, Mainz, und Dr. Otto Dietmaier, Weinsberg, welchen Nutzen ein therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) in der Psychiatrie hat. Anhand der Konsensus-Leitlinie für TDM in der Psychiatrie der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP) wurden gemeinsam mit dem Publikum zahlreiche Fallbeispiele besprochen und der Umgang mit der Leitlinie sowie die Herangehensweise an die Auswertung von Blutspiegelkonzentrationen von Psychopharmaka veranschaulicht.



Dr. Steffen Amann, München
Bericht der Europa-Delegierten

Einmal im Jahr kommen die Vertreter der nationalen Mitgliedsverbände der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) zur Vollversammlung (General Assembly), dem höchsten Entscheidungsorgan der EAHP, zusammen. In diesem Jahr fand die Versammlung vom 14. bis 17. Juni in Budapest statt. Sowohl die Sitzungen als auch das Rahmenprogramm waren von den ungarischen Kollegen perfekt organisiert.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Nephrotoxizität geringer als vermutet

Multiresistente gramnegative Erreger spielen vor allem auf der Intensivstation eine immer größere Rolle. Da Neuentwicklungen auf dem Antibiotikasektor nicht in Sicht sind, greifen Intensivmediziner immer häufiger zu Altsubstanzen wie Tetracyclin, Fosfomycin oder Colistin. Letzteres fristete wegen seiner vermeintlich hohen Nebenwirkungsrate lange ein Schattendasein. Umso mehr überrascht das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse. Sie zeigt, dass die Erfolgsquote einer Colistintherapie überwiegend gut und die Nephrotoxizität relativ gering ist.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Azithromycin erhöht kardiovaskuläres Risiko

Eine fünf Tage dauernde Therapie mit Azithromycin (z. B. Zithromax®) erhöht das Risiko für einen kardiovaskulären Tod. Im Vergleich zu Amoxicillin wurden 47 zusätzliche kardiovaskulär bedingte Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen mit Azithromycin beobachtet. Bei hohem kardialem Risiko stieg die Zahl jedoch auf 245 zusätzliche Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen. Dies ergab eine Analyse der Daten von Patienten aus dem Tennessee-Medicaid-Programm.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erhöhtes Risiko für akutes Nierenversagen

Cotrimoxazol (Trimethoprim/Sulfamethoxazol) kann bei hospitalisierten Patienten im mittleren Alter bei einer Therapie über mindestens sechs Tage das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöhen. Bei Therapieabbruch normalisiert sich die Nierenfunktion wieder. Dies ergab eine retrospektive Analyse der Patientenakten einer Klinik in Houston, Texas (USA).



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Jutta Redlin, München
Medikamentöse Therapie bei Non-Hodgkin-Lymphomen

Am 27. März 2012 trafen sich auf Einladung der Firma Mundipharma GmbH die onkologisch tätigen Krankenhausapotheker sowie die pharmazeutisch-technischen Assistenten aus dem Großraum München zur ersten Fortbildungsveranstaltung des Jahres 2012, die in Kontinuität zum ehemaligen Münchner onkologischen Stammtisch steht.



Marianne E. Tippmann, Ober-Mörlen
Leitlinienkonformes Management noch unzureichend

Als erster Neurokinin-1-Rezeptorantagonist hat Aprepitant (Emend®) maßgeblich zu einer verbesserten Prävention des Chemotherapie-induzierten Erbrechens beigetragen. Sein zusätzlicher Nutzen bei hoch emetogenen, aber auch bei moderat emetogenen Zytostatika-Regimen hat dazu geführt, dass Aprepitant in allen internationalen Leitlinien zur Antiemese fest verankert ist. Aber: Noch werden die Empfehlungen im klinischen Alltag nur äußerst unzureichend umgesetzt, waren sich die Experten eines Satellitensymposiums einig, das MSD am 10. Mai 2012 im Rahmen des 37. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA ausrichtete.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Reduktion der Ribavirin-Dosis bei Anämie verringert Heilungsrate nicht

Statt eine therapieassoziierte Anämie, die sich unter einer Boceprevir-haltigen Tripeltherapie entwickelt, mit Erythropoetin zu behandeln, kann auch die Ribavirin-Dosis reduziert werden – ohne Auswirkung auf die Heilungsrate. Diese Studienergebnisse, die auf dem 47th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver (EASL) in Barcelona/Spanien [1] vorgestellt wurden, bestätigten die Ribavirin-Dosisreduktion als Mittel der Wahl bei einer Anämie unter einer HCV-Tripeltherapie.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau