Suche / Archiv


Erweiterte Suche

33. Jahrgang Heft 10 Oktober 2012

Übersicht
Holger Petri, Bad Wildungen

Die Okklusion einer Ernährungssonde ist eine häufige Komplikation in der enteralen Ernährungstherapie. Rasches Handeln und der Einsatz einer geeigneten Spüllösung tragen zu einer erfolgreichen Rekanalisation der Sonde bei. Lässt sich die Verstopfung mit Wasser nicht erfolgreich beheben, gilt eine Suspension von alkalisierten Pankreasenzymen als die wirksamste Spüllösung. Die Zentral-Apotheke der Wicker Kliniken, Bad Wildungen, hat ein Notfallset (Abb .1) zusammengestellt, das im Fall der Verstopfung einer Ernährungssonde auf der Station zum Einsatz kommen kann. Im Notfallset enthalten sind Kapseln mit Pankreas-Pulver und Natriumhydrogencarbonat-Ampullen. Das Set wurde zur Erprobung an neun Stationen verteilt. Die Pflegekräfte wurden gebeten, jedes Ereignis, das den Gebrauch des Sets notwendig machte, in einem Berichtsbogen zu dokumentieren und der Apotheke zu melden. Die Auswertung der in einem Zeitraum von sechs Monaten eingegangenen Berichtsbögen deutet auf die Wirksamkeit dieser Intervention hin. Bei allen sechs perkutanen Sonden sowie bei einer der drei transnasalen Sonden konnten die Verstopfungen mithilfe des Notfallsets der Krankenhausapotheke behoben werden.

Schlüsselwörter: Ernährungssonde, Okklusion, Pankreas-Pulver, Notfallset.

Krankenhauspharmazie 2012;33;432–36.

Emergency set to resolve occluded enteral feeding tubes

Tube occlusion is a common complication of enteral nutrition. For resolving clogs successfully it is important to act as soon as possible and to have appropriate irrigants. If water does not work using powder of pancreatic enzymes suspended in hydrogen carbonate solution is considered to be the best method. In the hospital pharmacy of the Wicker Kliniken, Bad Wildungen (Germany), an emergency set, containing pancreatic enzymes capsules and sodium bicarbonate ampoules, was developed. The set was distributed to nine wards where it should be tested under real life conditions. The ward staff was asked to document any clogging for which the emergency set was used. The evaluation of their reports, which were sent to the hospital pharmacy during six months suggests the efficacy of this intervention. All percutaneous tubes (n = 6) and one of three transnasal feeding tubes could be suspended regardless the cause of clogging.

Key words: Enteral feeding tube, occlusion, pancreatic enzymes, emergency set



Originalarbeit
Ludwig Höllein, Würzburg, Edith Bennack, Köln, und Ulrike Holzgrabe, Würzburg

Logo_wiss-beg.eps

Die Bereitstellung von Noradrenalin-haltiger Notfallmedikation nimmt im Aufgabenbereich der Krankenhausapotheke eine wichtige Rolle ein. Nicht nur Fertigarzneimittel, sondern auch daraus hergestellte, individuell zu verabreichende Verdünnungen werden in der Rezeptur unter aseptischen Bedingungen hergestellt und gelagert. Da Adrenalinderivate im Allgemeinen kein gutes Stabilitätsverhalten zeigen, stellt die Dauer der Haltbarkeit und damit die Erhaltung der pharmazeutischen Qualität eine zentrale Frage dar. Untersuchungen der Apotheke des Klinikums Köln-Hohenlind und der Universität Würzburg bestätigen, dass Noradrenalin-haltige Rezepturen nur bei sachgemäßer Herstellung und Lagerung auf Vorrat angefertigt werden können.

Schlüsselwörter: Noradrenalin, Krankenhausapotheke, Verdünnung, mikrobielle Stabilität, Analytik

Stability, quality and analytic of individual dilutions from norepinephrine injectibles

Preparation of emergency medication from commercially available epinephrine and norepinephrine injection solutions plays an important role in the daily workflow of many hospital pharmacies. As it is a common practice to prepare individual dilutions under aseptic conditions and as epinephrine derivatives show a limited stability, shelf life and pharmaceutical quality of the respective preparations are of general interest. Studies conducted by the pharmacy of the hospital in Cologne-Hohenlind and the University of Würzburg, Germany, confirm that dilutions from proprietary products (e. g. Arterenol®) can be prepared in advance if stored properly.

Key words: norepinephrine, hospital pharmacy, dilution, microbial stability, analytics.

Krankenhauspharmazie 2012;33:427–31.

Korrekturhinweis in Heft 11/2012



Mandy Gutknecht, Hamburg, Sabine Framke, Lübeck, und Michael Baehr, Hamburg
Ergebnisse einer Querschnittstudie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Logo_wiss-beg.eps

Mit einer kontrollierten Befragung von Ärzten, Pflegenden und Patienten wurde der Nutzen einer patientenbezogenen Arzneimittelversorgung im Unit-Dose-System untersucht. Die Befragung gliederte sich in drei Komplexe: 1. Fragen zu Kriterien, die die Arzneimitteltherapiesicherheit beschreiben (Hauptzielkriterium), 2. Fragen zur grundsätzlichen Bewertung der Unit-Dose-Versorgung, 3. Frage nach der besseren Versorgungsform (konventionell oder Unit Dose). Die ersten beiden Fragenkomplexe sollten von allen Teilnehmern der Interventions- (Anwendung der Unit-Dose-Versorgung) und der Kontrollgruppe (Versorgung auf dem klassischen Weg) beantwortet werden. Die Beantwortung der dritten Frage setzte voraus, dass die Befragten Erfahrungen mit beiden Versorgungsformen haben. Im Ergebnis konnte hinsichtlich des Hauptzielkriteriums kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen ermittelt werden. Die Situation bezüglich der Arzneimitteltherapiesicherheit beider Versorgungsformen wurde im Mittel über alle abgefragten Parameter von Mitarbeitern und Patienten in der Interventions- und Kontrollgruppe als insgesamt positiv bewertet. Die Auswertung des zweiten Fragenkomplexes ergab, dass die Befragten in der Interventions- und Kontrollgruppe die Unit-Dose-Versorgung deutlich positiv bewerteten. Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Befragung im Unit-Dose-System arbeiteten, schätzten dessen Nutzen höher ein als Mitarbeiter, die auf dem klassischen Weg versorgten. Insbesondere Personen des Pflegedienstes gaben an, dass das Unit-Dose-System die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöhe. Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung Erfahrungen mit beiden Systemen hatten, wurden gefragt, welche Versorgungsform ihrer Meinung nach die bessere sei. Dabei wurde die Unit-Dose-Versorgung deutlich als die bessere Versorgungsform bewertet. Bemerkenswert ist, dass die Bewertung von Mitarbeitern und Patienten in der Interventionsgruppe deutlich besser ausfällt als in der Kontrollgruppe. Dass die Befragten in Interventions- und Kontrollgruppe die Arzneimitteltherapiesicherheit gleich einschätzen, das Unit-Dose-System aber dennoch hinsichtlich der Arzneimitteltherapiesicherheit als das bessere System bewerten, scheint zunächst ein Widerspruch zu sein. Neben verschiedenen störenden systematischen Effekten muss eingestanden werden, dass eine Befragung weniger zum Bestimmen von Fehlerhäufigkeiten geeignet ist als eine klassische Beobachtungsstudie. Werden systematische Einflüsse, etwa die Unkenntnis eines der beiden Systeme, ausgeblendet, wird die Überlegenheit der Unit-Dose-Versorgung jedoch offenbar: Sie überzeugt durch Zeitersparnis, eine erhöhte Sicherheit, niedrigeren Arbeitsaufwand und Übersichtlichkeit.

Schlüsselwörter: Arzneimittelversorgung, Arzneimitteltherapiesicherheit, Unit-Dose-System, Unit-Dose-Versorgung

Does a patient-based drug supply increase patient safety? Results of a cross-sectional study at University Medical Center Hamburg-Eppendorf

In a controlled study doctors, nurses, and patients were asked to assess the benefit of a patient-based unit-dose drug supply. The survey covered three issues: I. questions about criteria which describe patient safety (primary endpoint), II. questions about the general assessment of the unit-dose system, III. the determination of the best way of drug supply (traditional or unit-dose). All participants, both in intervention and control group, were asked to answer questions in block I and II. Only participants with experience in both forms were asked to determine the drug supply they were in favor of. With regard to the primary endpoint the results of the study showed no statistically significant difference between the groups. In total, all requested parameters regarding patient safety were assessed generally positive for both supply forms by employees and patients in intervention as well as in the control group. The analysis of the second block showed that participants in intervention and control group rated the unit-dose system clearly positive. Employees who worked with the unit-dose system at the time of the survey regarded its benefit as higher than those who were supplied in the traditional ward stock system. Especially nurses stated that they felt the unit-dose system would increase patient safety. Persons who had experiences with both systems at the time of the survey judged the unit-dose system clearly to be the better form of drug supply. It is particularly notable that in block II and III patients and employees who had been working with the unit-dose supply evaluated this form as clearly better than participants of the control group. This seems to be a contradiction because no significant difference between both systems was found in block I. Yet one explanation could be that questioning is less suitable than an observational study in determining medication safety. However if the bias “lack of experience in both systems” is eliminated the superiority of the unit-dose supply becomes apparent: It convinces with time saving, higher safety, lower amount of work and clarity.

Key words: patient safety, unit-dose system

Krankenhauspharmazie 2012; 33: 437–48.



Lesermeinungen
Dr. Albrecht Beer

Das Editorial ist erschienen in Krankenhauspharmazie 2012;33:343.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Claudia Becker, Zürich
Risiko für Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö erhöht?

In einer Metaanalyse wurde ein um 70 % erhöhtes Risiko von Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö im Rahmen einer Therapie mit Protonenpumpenhemmern berichtet.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Carbapeneme oft die einzige Therapieoption

Transrektale Prostatabiopsien gehören zu den häufigsten invasiven Eingriffen im männlichen Urogenitalbereich. Eine zwar seltene, aber im Einzelfall gefährliche Komplikation ist die postpunktionelle Bakteriämie und Sepsis. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diese meist durch Ciprofloxacin- und/oder Cotrimoxazol-resistente Escherichia-coli-Stämme verursacht wird. Carbapeneme sind damit in vielen Fällen die einzige Therapieoption.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Metaanalyse zu den Langzeiteffekten unterschiedlicher Therapieprotokolle

Zur adjuvanten Therapie des frühen Mammakarzinoms werden unterschiedliche Regime eingesetzt. Mithilfe einer großen Metaanalyse wurden mögliche Unterschiede im Hinblick auf die Wirksamkeit ausgewählter Therapieprotokolle untersucht. Die besten Ergebnisse wurden mit Taxan- plus Anthracyclin-haltigen Regimen erzielt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Verringertes Risiko durch Doxycyclin

Bei Patienten unter Ceftriaxon-Therapie senkte eine zusätzliche Gabe von Doxycyclin das relative Risiko für eine Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) signifikant um 27 % pro Therapietag.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Randomisierte Studie zeigt keinen Effekt bei Antibiotika-assoziierter Diarrhö

Antibiotika-assoziierte Diarrhöen treten unter einer länger dauernden Antibiotikatherapie in 20 bis 50 % der Fälle auf. Zur Prävention wird im klinischen Alltag gern der probiotische Hefepilz Saccharomyces boulardii eingesetzt. Eine neue randomisierte Studie zeigte jedoch keinen nachweisbaren Effekt einer solchen Behandlung.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Vorschau auf die neue Leitlinie der „Surviving Sepsis Campaign“

In diesem Jahr veröffentlicht die „Surviving Sepsis Campaign“ ihre neue Leitlinie für die Behandlung der schweren Sepsis und des septischen Schocks. Eine Vorschau auf diese Leitlinie wurde bei einem Symposium im Rahmen des 11. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin am 27. April 2012 in Köln gegeben.



Marianne E. Tippmann, Ober-Mörlen
Bortezomib bietet neue Perspektiven für den älteren Tumorpatienten

Etwa zwei Drittel aller Tumoren werden bei Patienten über 65 Jahre diagnostiziert. Mit steigender Lebenserwartung wird die Inzidenz der Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe weiterhin zunehmen – eine Situation, auf die die Onkologie noch nicht ausreichend vorbereitet ist. Beim multiplen Myelom ist man hier schon einen Schritt weiter. Als erster Proteasom-Inhibitor hat Bortezomib (Velcade®) maßgeblich zu einem grundlegenden Wandel in der Myelom-Therapie beigetragen. Über neue Perspektiven für ältere Tumorpatienten berichteten die Experten eines Satellitensymposiums, das Janssen-Cilag am 10. Mai 2012 im Rahmen des 37. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA ausrichtete.



Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Zu beachten sind zahlreiche Arzneimittelinteraktionen

Die Therapien von Patienten mit Infektionen mit humanen Immundefizienzviren (HIV) weisen zahlreiche Wechselwirkungen auf. Diese sind bedingt durch die spezielle HIV-Therapie selbst, aber auch durch die medikamentöse Behandlung von Begleiterkrankungen, wie sie insbesondere bei älteren Patienten zunehmend auftreten. Auf welche Arzneimittelinteraktionen besonders zu achten ist, welche erwünscht und welche unerwünscht sind, wurde bei einem von MSD veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 11. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin am 26. April 2012 in Köln aufgezeigt.



Notizen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen