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33. Jahrgang Heft 11 November 2012

Übersicht
Heike Reinhardt, Barbara Metzke, Josefina Udi, Martina Kleber und Monika Engelhardt, Freiburg
Stellenwert der subkutanen Bortezomib-Gabe
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Das multiple Myelom ist eine Knochen- bzw. Knochenmarkerkrankung, gekennzeichnet durch die Proliferation klonaler Plasmazellen. Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter. Diese Tatsache – und der Anstieg der Lebenserwartung generell – führen zu einer größer werdenden Zahl älterer Patienten mit dieser Erkrankung. In den letzten Jahren hat sich die Myelom-Therapie grundlegend verbessert, unter anderem durch die Einführung innovativer Substanzen wie Bortezomib, Thalidomid und Lenalidomid, die Optimierung der Stammzelltransplantation und der Supportivmaßnahmen. Heutzutage können auch älteren Patienten effektive, moderne und gut verträgliche Therapien angeboten werden. Für diese Patienten gilt aber, dass die Therapien dem individuellen körperlichen Allgemeinzustand angepasst werden sollen, damit Toxizitäten möglichst vermieden werden. Um ältere und häufig komorbide Myelom-Patienten mit modernen Substanzen und deren Kombinationen zu therapieren, sind insbesondere Arzneimittel zur oralen oder subkutanen Applikation relevant. Dieser Artikel bietet eine Übersicht über innovative Therapieoptionen des multiplen Myeloms und hebt insbesondere die seit 20. September 2012 in Deutschland zugelassene subkutane Bortezomib-Gabe hervor. Zusätzlich werden erste am Universitätsklinikum Freiburg erhobene Daten zur subkutanen Bortezomib-Gabe vorgestellt.

Schlüsselwörter: Onkologie, multiples Myelom, Bortezomib, subkutan

Subcutaneous administration of bortezomib and its place in current myeloma therapy

Multiple myeloma (MM) is a disease of the bone and bone marrow characterized by the proliferation of clonal plasma cells, occurring more frequently with increasing age. This fact – together with our increase in life expectancy – results in a growing population of elderly patients suffering from this disease. Multiple myeloma treatment strategies have changed significantly over the last years mostly due to the introduction of innovative substances (such as bortezomib, thalidomide and lenalidomide), the optimization of stem cell transplantation and a notable improvement of supportive care measures. Nowadays, effective, modern and well-tolerated treatment options can be offered also to older myeloma patients. For this patient group, it is important to adapt therapies to the general condition and comorbidities in order to avoid treatment related toxicities. To achieve the latter goal, oral and subcutaneous (s. c.) routes of administration are of increasing significance also for anti-MM agents, including the use of subcutaneously applied bortezomib. The present article is an overview of modern myeloma treatment with special focus on the s. c. bortezomib application. Furthermore, we have analyzed our initial data on the s. c. use of bortezomib at our University Medical Center Freiburg, Germany.

Key words: oncology, multiple myeloma, bortezomib, subcutaneous

Krankenhauspharmazie 2012;33:467–74.



Christiane Groth-Tonberge, Georg Häckh, Egid Strehl und Martin Hug, Freiburg

Mit der vorliegenden Untersuchung wurde überprüft, wie sich ein elektronisches Verordnungssystem auf die einzelnen Schritte des Medikationsprozesses auswirkt. Zu diesem Zweck analysierten Mitarbeiter der Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg auf einer Station mit papierbasierter Verordnung und auf einer Station mit elektronischer Verordnung ärztliche Verschreibungen von festen oralen Fertigarzneimitteln und die daraus resultierenden Bereitstellungen von Arzneimitteln für den Patienten. Dabei ermittelten sie, wie häufig unvollständige ärztliche Verordnungen vorkamen und wie häufig es bei der Bereitstellung zu Abweichungen von der Verordnung bzw. von Vorgaben des Herstellers kam. Im Einzelnen wurden zwölf Qualitätsmerkmale zur Beurteilung des Medikationsprozesses herangezogen. Auf der Station mit papierbasierter Verordnung wurden insgesamt 1 155 Medikationen überprüft und dabei 647 (56 %) Abweichungen gefunden, auf der Station mit elektronischer Verordnung waren es 1 855 überprüfte Medikationen, bei denen 720 (38 %) Abweichungen festgestellt wurden. Auffälliges Einzelergebnis war eine hohe Abweichungsrate von 43 % bei der Identität des bereitgestellten Fertigarzneimittels nach elektronischer Verordnung, während diese Art der Abweichung auf der anderen Station nur 10,4 % betrug. Die Untersuchung hat somit gezeigt, dass die Einführung einer elektronischen Verordnungssoftware die Risiken für Medikationsfehler bei der ärztlichen Verschreibung zwar senken kann, dass sich dadurch aber nicht zwangsläufig die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht, da es an anderen Stellen des Medikationsprozesses zu neuen Risiken kommen kann.

Schlüsselwörter: Medikationsfehler, Arzneimitteltherapiesicherheit, elektronisches Verordnungssystem, CPOE

Does computerized physician order entry (CPOE) improve medication safety?

It is generally assumed that computerized physician order entry (CPOE) significantly improves medication safety. However, recently conflicting results have been reported in the literature [1, 4, 5, 6]. Aim of the present study was to investigate the effect of the implementation of CPOE on the individual steps of the medication process. For this purpose incomplete prescriptions and the number of deviations from the physician`s prescription and specifications of the manufacturer were identified on two wards (ward A = handwritten prescription, ward B = computerized prescription). For this study only oral drugs were considered. Twelve criteria to judge the medication process have been included. On ward A a total of 1,155 and on ward B a total of 1,855 medications were checked. During the investigation we found 647 (56 %) deviations on ward A and 720 (38,8 %) on ward B. Differences regarding the identity of administered product and the physician`s prescription were 10,4 % on ward A versus 43,8 % on ward B.

Our study demonstrates that implementation of CPOE does generally decrease the number of medication errors caused by inaccurate prescription. The medication safety however is not increased necessarily.

Key words: Medication safety, prescribing error, computerized physician order entry, CPOE.

Krankenhauspharmazie 2012;33:476–9.



Originalarbeit
Redaktion KPH


Ausschreibung
Gestiftet von der Firma Amgen GmbH


Gestiftet von der Bayer Vital GmbH

Zum 4. Mal wird der Autorenförderpreis von der Firma Bayer gestiftet, ein Preis insbesondere für junge Autoren, der mit 2 000 Euro dotiert ist. Die Arbeit soll sich mit einem Thema aus dem Bereich der Krankenhauspharmazie befassen. Der Preis wird anlässlich des 39. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA e. V. im Jahr 2014 verliehen.



Gestiftet von der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG

Zum dritten Mal verleiht die ADKA den Promotionspreis für Krankenhauspharmazie. Takeda stiftet diesen Preis im Rahmen ihrer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.



Prof. Dr. Roland Radziwill, Apotheke und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG
Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum 11. Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet. Mit diesem Preis soll ein innovatives Projekt der Krankenhauspharmazie gewürdigt werden. Der Innovationspreis ist mit 10 000 Euro dotiert. Die Satzung steht als PDF-Datei zum Download bereit.



ADKA intern
Aufruf für Poster und Kurzvorträge

„Versorgungssicherheit und Arzneimittelqualität“ lautet das Thema des 38. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 30. Mai bis 1. Juni 2013 in Dresden. In Plenarvorträgen, Seminaren, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmern weiter erarbeitet.



Zum zweiten Mal verleiht der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. im Rahmen seines Wissenschaftlichen Kongresses 2013 in Dresden die Ausbildungsprojektpreise „Diplom“ und „PJ-Projekt“. Als Preis erhält der Ersteller der Arbeit einen Büchergutschein im Wert von 100 Euro sowie die Teilnahme am Wissenschaftlichen Kongress.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Simone Reisdorf, Erfurt
Indikation zu eng gefasst?

In einer internationalen randomisierten, kontrollierten, offenen Studie wurde das Outcome von Schlaganfallpatienten mit oder ohne systemische Lyse mit rekombinantem Gewebeplasminogenaktivator (rt-PA, Alteplase) untersucht. Dabei wurden fast nur Patienten eingeschlossen, die die strengen Indikationskriterien nicht erfüllten, beispielsweise Patienten über 80 Jahre. Es zeigte sich für die mit Alteplase Behandelten zwar eine signifikante Steigerung der initialen Blutungskomplikationen, doch nach einem halben Jahr war der Anteil der Patienten, die am Leben und hinsichtlich ihrer Alltagsfähigkeiten unabhängig waren, in beiden Gruppen nahezu gleich.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Simone Reisdorf, Erfurt
Kein sicheres Zeitfenster für ambulante antithrombotische Dreifachtherapie

Die dreifache ambulante Gerinnungskontrolle mit einem Vitamin-K-Antagonisten, Acetylsalicylsäure und Clopidogrel steigert die Wahrscheinlichkeit tödlicher und nichttödlicher schwerwiegender Blutungsereignisse. Das spricht auch bei Patienten mit hohem thromboembolischem Risiko für ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis unter Dreifachtherapie. Diese Ergebnisse zeigte eine Kohortenstudie mit 11 480 dänischen Patienten, die unter Vorhofflimmern litten, wegen eines akuten Myokardinfarkts oder einer elektiven perkutanen Koronarintervention hospitalisiert und nach ihrer Entlassung mit verschiedenen antithrombotischen Regimen weiterbehandelt wurden. Ein sicheres therapeutisches Zeitfenster für die antithrombotische Dreifachtherapie konnte in dieser Studie nicht identifiziert werden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Studien bei schwangeren Frauen

Schwangerschaft ist in den meisten klinischen Studien ein Ausschlusskriterium. Weil jedoch viele Frauen in der Schwangerschaft Arzneimittel einnehmen, werden zunehmend auch Studien mit Schwangeren durchgeführt. So wurden in den letzten zwei Jahren 264 Studien registriert, in denen schwangere Frauen untersucht werden.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Einsparung von parenteralen Breitspektrumantibiotika

Unter dem Begriff „Antibiotic Stewardship“ wird eine fortlaufende, fallbezogene Infektions- und Antibiotikaberatung durch klinische Pharmazeuten und/oder Infektiologen verstanden. Ziel dieser Beratung ist es, den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren und damit den Resistenzdruck auf Hospitalismuserreger zu verringern.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Antidot bei Arzneimitteltoxizitäten

Intravenöse Lipidemulsionen sind nach zahlreichen Fallberichten eine rasch wirksame und gut verträgliche Behandlungsalternative bei Arzneimittelintoxikationen. Insbesondere bei systemischen Toxizitäten von Lokalanästhetika, aber auch bei Überdosierung von Betablockern, Calciumkanalblockern und einer Reihe von Psychopharmaka wurden günstige Ergebnisse berichtet.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Hydroxyethylstärke 130/0,42 versus Ringer-Acetat-Lösung

Die schwere Sepsis und der septische Schock sind durch ein diffuses Kapillarleck charakterisiert. Das intensivmedizinische Management erfordert deshalb eine rasche intravenöse Volumensubstitution. Eine aktuelle klinische Studie, die sogenannte 6S-Studie, untersuchte die Nebenwirkungen und Therapieergebnisse bei Volumensubstitution mit Hydroxyethylstärke 130/0,42 einem neu entwickelten halbsynthetischen Kolloid, im Vergleich zu der kristallinen Ringer-Acetat-Lösung.



Notizen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen