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33. Jahrgang Heft 12 Dezember 2012

Editorial
Pamela Kantelhardt, für den Ausschuss Arzneimitteltherapiesicherheit


Der Herausgeber interviewt
Die Rolle der Forschung in der Krankenhausapotheke

Sehr geehrter Herr Professor Fürtig,

Sie waren vor der deutschen Wiedervereinigung ein engagierter Repräsentant der Krankenhauspharmazie im Osten. Auch den Kollegen im Westen war Ihr Einsatz wohlbekannt. Ihre Leistung, vor allem als Direktor der Universitätsapotheke in Rostock, ist in verschiedenen Laudationes der Krankenhauspharmazie dokumentiert. Ich habe Sie jüngst nach der Geschichte der Universitätsapotheken in der ehemaligen DDR befragt, nach deren Forschungsaktivitäten und danach, was Ihrer Einschätzung nach für den Weg der Krankenhausapotheken in die Zukunft wichtig ist.



Übersicht
Pamela Kantelhardt, Mainz

Medikationsfehler gehören zu den häufigsten medizinischen Behandlungsfehlern: Bis zu jede fünfte Medikation ist fehlerhaft, jede vierzehnte ist für den Patienten potenziell gefährlich [1–5]. Viele dieser Fehler wären vermeidbar, wenn die Ursachen feststellbar wären, sie daraufhin ausgeschaltet werden könnten oder Mechanismen zur zuverlässigen Fehlerdetektion existierten. Der folgende Text gibt einen Einblick in die Methodik der effizienten Analyse und zeigt auf, wie sich Fehler vermeiden lassen.

Schlüsselwörter: Medikationsfehler, Fallanalyse, Patientensicherheit, Fehlervermeidung

Learning of patient safety: How to analyse medication errors and how to avoid them

Medication errors, one of the most common errors in patient treatment, endanger patient safety. In literature one to five medications are wrong and also every fourteenth is dangerous. Much of them are preventable by knowing there causes and by modifying processes. This text gives an overview of error analysis and how to avoid them.

Key words: patient safety, medication error, avoid of error, analysis of errors

Krankenhauspharmazie 2012;33:506–10.



Christine Clark, Rossendale, Lancashire, United Kingdom

Pharmacists have for many years claimed to have an interest in medication safety and many hospital pharmacies had introduced measures to ensure that medicines were used safely. Examples include steps to ensure that accidental overdoses were avoided and that selection or picking errors were prevented. Such measures were usually local and depended largely on the interests of individual pharmacists. In some hospitals medication errors were implicitly viewed as “a pharmacy problem” and not usually a matter of concern for senior managers. However, in 2001, when the National Patient Safety Agency (NPSA) was established – with its task to improve patient safety in the NHS in England and Wales – there was formal recognition of the role of the pharmacist in medication safety. When this body was formed, the special place of medicines in the patient safety arena was officially recognised and a senior pharmacist was appointed as Head of Medicines’ Safety. Early work by the NPSA showed that medication-related incidents were second most common type of adverse incident experienced by patients in the National Health Service (NHS). Since that time there have been numerous developments in this field and the role of the pharmacist has matured and strengthened. This article traces the growth of the medication safety movement and identifies some of the landmarks in its progress.

Key words: Patient safety, high-risk medicines, near-miss, pharmacy practice, injectable medicines

Krankenhauspharmazie 2012;33:511–3.



Liat Fishman, Daniela Renner und Christian Thomeczek, Berlin
Implementierung einer international standardisierten Handlungsempfehlung in Deutschland im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten WHO-Projekts „Action on Patient Safety: High 5s“

Die Aufnahme in ein Krankenhaus, Verlegungen innerhalb des Krankenhauses oder die Entlassung eines Patienten – all das sind Schnittstellen der Arzneimittelversorgung, bei denen gehäuft Medikationsfehler auftreten können. „Medication Reconciliation“ – der systematische Abgleich der Arzneimittelverordnung mit der Medikationsanamnese – hat sich als ein effektives, evidenzbasiertes Verfahren erwiesen, um Medikationsdiskrepanzen zu reduzieren. Der vorliegende Beitrag beschreibt das von der Weltgesundheitsorganisation initiierte Projekt „High 5s“, mit dessen Hilfe eine standardisierte Handlungsempfehlung zu „Medication Reconciliation“ in deutschen Krankenhäusern implementiert werden soll.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Medikationsfehler, Medication Reconciliation, Patientensicherheit, Versorgungsübergänge

Medication Reconciliation: Assuring medication accuracy at transitions in care

Hospital admission, internal hospital transfers and hospital discharge are interfaces of care at which medication errors often occur. „Medication Reconciliation” has been demonstrated to be an effective, evidence-based procedure to reduce such medication discrepancies. The following article describes the international „High 5s” project, which was initiated by the World Health Organization and is facilitating the implementation of a standardized operating protocol for „Medication Reconciliation” in German hospitals.

Key words: Interfaces of care, medication errors, medication reconciliation, medication safety, patient safety

Krankenhauspharmazie 2012;33:514–8.



Anita Dumler, Stefanie Ursula Walk-Fritz und Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg

Ein Überprüfen der Medikation stellt die adäquate Arzneimitteltherapie bei Übergängen im Behandlungsprozess sicher. In größeren Versorgungszentren ist die Medikationsüberprüfung jedoch eine Herausforderung: Nicht nur geeignete personelle Ressourcen werden dafür benötigt, auch der zeitlich-logistische Ablauf muss optimiert werden. Elektronische Hilfsmittel, die den gesamten Prozess der „Medication Reconciliation“ begleiten und mit verschiedenen klinisch genutzten Software-Anwendungen kompatibel sind, sollen die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllen.

Schlüsselwörter: Medikationsüberprüfung, Arzneimittelanamnese, Schnittstellen, elektronische Verordnungsunterstützung

Medication reconciliation – impact of computerised decision support systems

Medication reconciliation ensures correct drug therapy at interfaces of the treatment process by scrutinizingly comparing the current medication against pre-admission, transfer and discharge drug therapy. Its efficient implementation is particularly challenging in a larger healthcare institution such as a university hospital: Qualified staff is essential; moreover, the process has to be optimized in terms of logistics and time; most notably, adequate electronic applications are needed. These firstly should be able to accompany the entire medication reconciliation process, secondly, be compatible with different clinical IT applications and, lastly, meet the needs of all parties.

Key words: Medication reconciliation, drug history taking, seamless care, clinical decision support systems

Krankenhauspharmazie 2012;33:519–23.



Gesine Picksak, Hannover, und Alexander von der Straten, Melsungen
Ein wichtiger Beitrag für mehr Patientensicherheit

Medikationsirrtümer aufgrund unzureichender, unleserlicher, falscher oder fehlender Kennzeichnung sind häufig; sie können bei allen Berufsgruppen vorkommen, die am Medikationsprozess beteiligt sind. Es ist daher sehr wichtig, potenzielle Gefahren rasch zu erkennen und zu beheben. So lässt sich das Risiko verringern, dass Medikamente verwechselt werden und es zu Fehlmedikationen kommt. Das farbliche Kennzeichnen von Medikamenten nach einem einheitlichen Standard kann entscheidend dazu beitragen, die Behandlungsqualität zu verbessern und die Patientensicherheit während des Krankenhausaufenthalts zu erhöhen.

Schlüsselwörter: Kennzeichnung, Patientensicherheit, Arzneimitteltherapiesicherheit

Colour coding of drugs: an important contribution for patient safety

Misapprehension of drugs due to inadequate, unreadable, wrong or missing labels is common. All professional groups which take care for medication are affected by these problems. Therefore it is very important to recognize a potential danger and to correct it. Thus mixing up of drugs and thereby wrong medications can be reduced. The colour coding of drugs following a consistent standard can mainly contribute to improve treatment quality and enhance patient safety during hospital stay.

Key words: colour coding, patient safety, drug safety

Krankenhauspharmazie 2012;33:524–6.



Serie
Blutegel vertragen keinen Alkohol

Im OP werden gelieferte Blutegel zum Transport versehentlich in das Gefäß mit Ethanol 96 % überführt. Alle Blutegel denaturieren, der Apotheker muss im Nachteinsatz neue Blutegel zur dringend benötigten Therapie ausliefern.



Aktuelles aus der Rezeptur

In den USA und Großbritannien sind spezielle lokalanästhetische Mischungen zur Oberflächenanästhesie sehr verbreitet und werden für den Verschluss von Hautwunden bei pädiatrischen Patienten mit Erfolg eingesetzt [1]. Um eine Infiltrationsanästhesie bei der Wundnaht unkomplizierter traumatischer Verletzungen bei Kindern zu vermeiden, wurde in der Vergangenheit häufig eine oberflächenanästhesierende Lösung aus Tetracain, Adrenalin und Kokain (TAC-Lösung) eingesetzt. Nachteilig sind hierbei das Auftreten systemischer unerwünschter Wirkungen, die bestehende Möglichkeit des Missbrauchs der Kokain-Komponente und die hohen Kosten [2, 3]. Eine sichere, wirkungsvolle und dabei kostengünstige Alternative bietet die Lidocain-Adrenalin-Tetracain-(LAT-)Lösung, die in der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz für die Patienten der Klinik für Kinderchirurgie hergestellt wird.



Ausschreibung

Gestiftet von der Firma Amgen GmbH



Gestiftet von der Bayer Vital GmbH



Gestiftet von der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG



Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH



ADKA intern
Aufruf für Poster und Kurzvorträge

„Versorgungssicherheit und Arzneimittelqualität“ lautet das Thema des 38. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 30. Mai bis 1. Juni 2013 in Dresden. In Plenarvorträgen, Seminaren, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmern weiter erarbeitet.



Zum zweiten Mal verleiht der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. im Rahmen seines Wissenschaftlichen Kongresses 2013 in Dresden die Ausbildungsprojektpreise „Diplom“ und „PJ-Projekt“. Als Preis erhält der Ersteller der Arbeit einen Büchergutschein im Wert von 100 Euro sowie die Teilnahme am Wissenschaftlichen Kongress.



Dr. Norber Marxer, Ludwigshafen

Im Rahmen des 37. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. 2012 in Mainz stellten die Referenten Dr. Otto Frey, Heidenheim, und Dr. Donald Ranft, Leipzig, Strategien zur patientenindividuellen Antibiotikatherapie vor.



Referiert & kommentiert
Christiane Groth-Tonberge, Freiburg
Evidenzbasierte Methoden fehlen

Bisher kann keine Interventionsmethode zur Reduktion von Medikationsfehlern auf Intensivstationen als geeignetes Modell empfohlen werden, da hinsichtlich Qualität und Evidenz der vorliegenden Studien Bedenken bestehen.



Christiane Groth-Tonberge, Freiburg
Spärliche Studienlage zum klinischen Outcome

Es gibt nur wenige qualitativ hochwertige Studien, die die Effektivität verschiedener Strategien zum Medikationsabgleich bei Behandlungsübergängen untersucht haben und die damit verbundenen langfristigen Auswirkungen für den Patienten im Fokus hatten. Weitere differenziertere Untersuchungen sind notwendig, gerade auch im Hinblick auf die ökonomischen Folgen für das Gesundheitswesen.



Dr. Claudia Becker, Zürich
Therapeutisches Drug-Monitoring bei kritisch kranken Patienten

Bei Therapien mit Beta-Lactam-Antibiotika erfolgte bisher nur selten ein therapeutisches Drug-Monitoring (TDM). Studien zeigen jedoch einen Nutzen bei kritisch Kranken. Trotz der bei diesen Patienten sehr variablen Pharmakokinetik kann mittels TDM sichergestellt werden, dass die Serumkonzentration des Antibiotikums möglichst lange über der minimalen Hemmkonzentration liegt.



Elisabeth Höppe, München
Verbessert das therapeutische Drug-Monitoring den Behandlungserfolg?

Das therapeutisches Drug-Monitoring im Rahmen einer Voriconazol-Therapie kann Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Wirkungen vermindern und damit den Behandlungserfolg verbessern. Das zeigte eine randomisierte, Untersucher-verblindete, kontrollierte Studie des Seoul National University Hospital.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Mehr Sicherheit durch andere Strukturen

Die medikamentöse Tumortherapie ist ohne Frage eine Herausforderung im Hinblick auf die Arzneimitteltherapiesicherheit, denn nicht selten kommt es zu Medikationsfehlern, unerwünschten Arzneimittelwirkungen oder Wechselwirkungen. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) trägt diesem Aspekt Rechnung und bot während des Deutschen Krebskongresses 2012 mehrere Symposien zum Thema Onkologische Pharmazie an. Thema eines dieser Symposien war, wie die Arzneimitteltherapiesicherheit in der Onkologie verbessert werden kann.



Notizen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen