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34. Jahrgang Heft 1 Januar 2013

Editorial
Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff und Dr. Steffen Amann, Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V., Kongressleitung des 3. Kongresses für Arzneimittelinformation


Übersichten
Birgit Hiller, Heidelberg
Eine Erhebung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum

Im Jahr 2010 führte der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums eine Befragung zum Thema Selbstmedikation durch. Zielgruppe waren 659 Patienten, die sich an den telefonischen Informationsdienst gewandt hatten. 338 Patienten verwendeten zum Zeitpunkt ihres Anrufs Mittel, die nicht von ihrem Arzt verordnet oder empfohlen worden waren. Dagegen verzichteten 321 auf jegliche Selbstmedikation. An der Spitze der insgesamt 620 genannten Produkte standen Vitamine, Mineralien und weitere Nahrungsergänzungsmittel. Es folgten als Arzneimittel zugelassene, aber rezeptfreie Phytotherapeutika und homöopathische Mittel, weitere OTC(Over the counter)-Arzneimittel wie etwa Laxanzien und Schmerzmittel, schließlich nannten die Befragten noch Tees, Säfte und Diätprodukte sowie Enzympräparate, denen eine krebsspezifische Wirkung oder eine Linderung von Therapienebenwirkungen zugeschrieben wird. Besonders hoch war der Anteil der Selbstmedikation bei brustkrebskranken Frauen. Bei der weiteren Auswertung ließen sich jedoch deutliche Unterschiede in der tatsächlichen Anwendung identifizieren: Während ein Teil der Befragten angab, am Vorabend ein „Aspirin“ oder „ausnahmsweise ein Abführmittel“ eingenommen zu haben, nutzten andere Krebspatienten eine Kombination der Vitamine A, C und E plus Zink und nahmen dazu noch ein Multivitamin-Multimineralstoffpräparat. Männer mit Prostatakrebs ergänzten Selen, Frauen mit Brustkrebs nahmen zusätzlich noch Phytohormone. Mögliche Risiken schienen diesen Nutzern nicht bewusst zu sein. Pharmazeuten kommt angesichts dieser Situation eine Schlüsselrolle zu: Ihre Aufgabe ist es, nicht nur Patienten, sondern alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen in der Onkologie über die Grenzen und Risiken jeder Selbstmedikation aufzuklären und sie insbesondere auf das Fehlen evidenzbasierten Wissens über mögliche Risiken, Neben- oder Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln und mancher komplementärer und alternativer Verfahren hinzuweisen.

Schlüsselwörter: Onkologie, Selbstmedikation, Nahrungsergänzungsmittel, OTC-Arzneimittel, komplementäre und alternative Krebsmedizin (CAM)

Cancer patients’ use of dietary supplements and non prescription drugs

A survey of the Cancer Information Service, German Cancer Research Center

To evaluate the prevalence of self-medication among cancer patients in Germany, the National Cancer Information Service at the German Cancer Research Center conducted a telephone survey in 2010. Participants were 659 cancer patients using the service’s information hotline. At the time of the interview, 338 patients used drugs or supplements not prescribed by their physician, 321 callers denied any self medication. Vitamins, minerals and other dietary supplements were most common, followed by phytotherapeutics and homeopathic drugs and over-the-counter (OTC) drugs like laxatives or NSAIDs. The callers also named teas, juices or dietary food products and also enzymes, promoted as cancer cure or cure of symptoms and side effects. The highest prevalence of self medication was noted for women with breast cancer.

There were, however, substantial differences in the patterns of use: Some patients indicated that they had taken “an aspirin” or a laxative the evening before. Others told the interviewers, that they regularly took a multi-vitamin-multi-mineral nutrient and combined it with extra doses of vitamin A, C, E and zinc on the same day. Women with breast cancer added phytoestrogens, men with prostate cancer selenium and pomegranate. Most of them seemed not to be aware of any possible harm.

The task for pharmacists is obvious: They play a key role in informing patients and also other health professionals about the limits and risks of self medication and in pointing out the lack of evidence based knowledge on the unwanted side effects and interactions of most dietary supplements and some complementary and alternative cancer therapies.

Key words: Oncology, self medication, dietary supplements, non prescription drugs/OTC drugs, CAM (complementary and alternative cancer medication)

Krankenhauspharmazie 2013;34:2–6.



Christian Fries, Recklinghausen

Während eines Pilotprojektes wurde im Prosper-Hospital in Recklinghausen erprobt, inwieweit Patienten-Flyer dazu beitragen können, die Sicherheit und den Erfolg der Arzneimitteltherapie nach Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus zu verbessern. Die bisherigen Erfahrungen mit den eigens für die Patienten aufbereiteten Informationen sind sehr positiv. Weitere Patienten-Flyer, die verständlich über die nach dem Klinikaufenthalt weiterhin einzunehmenden Medikamente informieren, werden derzeit erarbeitet. Vor allem die Onkologie erscheint als wichtiges künftiges Einsatzgebiet.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Compliance, Entlassmanagement

Implementation of patient flyers for a safe and successful drug therapy

Patients are discharged from hospital daily. Missing information concerning the patient’s drug therapy after discharge from hospital can lead to medication errors and poor compliance. A pilot project at the Prosper-Hospital in Recklinghausen, Germany, investigated, whether patient flyers can contribute to a safe and successful drug therapy after patients’ discharge from hospital. Up to now, experiences with the patient flyers are very positive. They improve the patient’s compliance and thus contribute to the improvement of drug therapy safety. More flyers with clearly understandable information are currently developed.

Key words: Medication safety, compliance, discharge management.

Krankenhauspharmazie 2013;34:7–10.



Dorothea Strobach, München, und Sigrun Gundl, Salzburg (Österreich)
Änderungen in der internationalen Risikoklassifizierung für Arzneimittel in der Schwangerschaft

Die „Pregnancy Risk Categories“ der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA wurden als fünfstufiges Klassifizierungssystem zur Risikoeinschätzung für Arzneistoffe in der Schwangerschaft erstellt. Das System gilt als zu stark vereinfachend und dadurch als unsicher. Es wird derzeit grundlegend überarbeitet. In der neuen Version werden Einschätzungen in Form von kurzen Texten zur Verfügung stehen. Diese ermöglichen eine differenziertere Informationsübermittlung und damit eine bessere Risikoeinschätzung. Das alte fünfstufige System der FDA soll zukünftig nicht mehr verwendet werden.

Schlüsselwörter: Risikoklassifizierung, Arzneimittel, Schwangerschaft

From A to X – an easy rapid risk rating? Changes in the international risk rating for drug use in pregnancy

The Pregnancy Risk Categories of the American Food and Drug Administration had been implemented as a 5-step risk rating instrument for drug use in pregnancy. Today this classification system is judged to oversimplify matters and thereby rise uncertainty about the risk of drug use in pregnancy. The classification system is currently undergoing fundamental revision. The new system will give short verbal recommendations for substances which allow for a more specific information for each drug and thereby a better judgement of its risk during pregnancy. The former 5-step FDA Pregnancy Risk Categories should not be used any longer.

Key words: risk rating, pregnancy, drugs.

Krankenhauspharmazie 2013;34:11–12.



Fragen aus der Praxis
Ist eine zweimal tägliche Gabe pharmakologisch sinnvoll?

Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V., Ausschuss für Arzneimittelinformation

Protonenpumpenhemmer werden bei Patienten mit der Diagnose Refluxösophagitis standardmäßig einmal täglich gegeben und führen zu einer irreversiblen Hemmung der H+/K+-ATPase. Inwiefern eine zweimal tägliche Gabe pharmakologisch sinnvoll ist, wird in einer Frage der Sharing-Ebene aus der ADKA Arzneimittel-Info-Datenbank diskutiert.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Einführung am Beispiel der niederpotenten Neuroleptika

Interaktionen auf Ebene der Cytochrome sind für einen Großteil der pharmakokinetischen Variabilität von Arzneimitteln verantwortlich und häufiger Grund für ein unzureichendes Therapieansprechen oder schlechte Verträglichkeit der Medikamente. Das Wissen über das Verhalten von Wirkstoffen in Bezug auf Cytochrom-P450-Isoenzyme ist daher wichtig für das Verständnis von Wechselwirkungen. Mit dieser Übersicht startet eine Serie von Interaktionstabellen, die den Leser über Abbauwege sowie induzierende bzw. inhibierende Eigenschaften von pharmakologisch vergleichbaren Substanzen informiert. Zusätzlich werden mittelstarke bis starke Modulatoren relevanter Cytochrome in einer Abbildung aufgeführt. Der Betrachter kann sich so rasch einen Überblick über potenziell klinisch relevante Interaktionen in Zusammenhang mit der jeweiligen Arzneistoffgruppe verschaffen und gleichzeitig Wirkstoffalternativen identifizieren. Ziel der Serie ist, das Risiko für klinisch relevante pharmakokinetische Interaktionen zu minimieren und dadurch die Therapiesicherheit zu erhöhen. Den Auftakt bildet die Gruppe der niederpotenten Neuroleptika.



Serie
VKA präoperativ abgesetzt, Überbrückungstherapie vergessen

Bei einer Patientin wurde in der Ambulanz präoperativ Phenprocoumon abgesetzt. Eine Verordnung von niedermolekularem Heparin zur Überbrückungstherapie blieb jedoch versehentlich aus.



Aktuelles aus der Rezeptur

Für den Qualitätsnachweis Benzydamin-haltiger Zubereitungen als Defekturarzneimittel sind verschiedene Parameter bestimmbar: Gehalt, Brechungsindex, Dichte und Viskosität.



Ausschreibung
Gestiftet von der Firma Amgen GmbH


Gestiftet von der Bayer Vital GmbH


Gestiftet von der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG


Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH


ADKA intern
Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff, für die Mitarbeiter des Arzneimittelinformationsservice der Apotheke des Klinikums der Universität München
20 Jahre Arzneimittelinformationsservice im Klinikum der Universität München

1992 wurde in der Apotheke des damaligen Klinikums Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München die Abteilung für Arzneimittelinformation gegründet. Um die Patientensicherheit durch individualisierte Therapieentscheidungen auf Grundlage von evidenzbasierten Daten am „Point of Care“ zu erhöhen, werden seither Ärzten und Pflegekräften unabhängige, fachlich bewertete Informationen zur Verfügung gestellt. Qualitätsstandards für zertifizierte „Drug information centers“ aus USA und Großbritannien dienten als Vorbild.



Aufruf für Poster und Kurzvorträge

„Versorgungssicherheit und Arzneimittelqualität“ lautet das Thema des 38. Wissenschaftlichen Kongresses der ADKA vom 30. Mai bis 1. Juni 2013 in Dresden. In Plenarvorträgen, Seminaren, Workshops und Kurzvorträgen wird das Thema dargestellt, diskutiert und mit den Tagungsteilnehmern weiter erarbeitet.



Zum zweiten Mal verleiht der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. im Rahmen seines Wissenschaftlichen Kongresses 2013 in Dresden die Ausbildungsprojektpreise „Diplom“ und „PJ-Projekt“. Als Preis erhält der Ersteller der Arbeit einen Büchergutschein im Wert von 100 Euro sowie die Teilnahme am Wissenschaftlichen Kongress.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Claudia Becker, Zürich
Erfassung von Non-Compliance und nicht dokumentierter Komedikation

Im Universitätsklinikum Heidelberg wurde in einer Studie die Compliance von Patienten mit ihrer Arzneimitteltherapie untersucht und gleichzeitig ermittelt, wie viele Medikamente sie einnahmen, die nicht in ihrer Patientenakte dokumentiert waren. Dazu wurden die Patienten befragt und zusätzlich nahm man eine gaschromatographisch-massenspektrometrische Analyse des Urins vor. Während ihres stationären Aufenthalts waren 23 % der Patienten nicht compliant und 78 % nahmen nicht dokumentierte Medikamente ein.



Dr. Otto R. Frey, Heidenheim
Neue Dosisempfehlungen bei intermittierender Hämodialyse

In aktuellen Leitlinien [1, 2] werden Vancomycin-Talspiegel von > 10 mg/l, bei schweren Infektionen von 15 bis 20 mg/l empfohlen. Grundlage etablierter Dosisempfehlungen sind aber angestrebte Talspiegel von 5 bis 10 bzw. bis 15 mg/l. In der vorliegenden Arbeit wurde die herkömmliche Dosierungsstrategie bei Dialysepatienten mittels Monte-Carlo-Simulation bewertet, ein neues Dosierungsschema erarbeitet und validiert.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Keine Kontraindikation für eine Chemotherapie

Einer internationalen Beobachtungsstudie zufolge hat eine Chemotherapie während des zweiten oder dritten Trimenons keine gravierenden Folgen für das Neugeborene. Eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft sollte vermieden werden, da dies mit Nachteilen für den Säugling verbunden ist.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Sind lipidhaltige Emulsionen mit einem höheren Septikämierisiko assoziiert?

Lipidhaltige Emulsionen sind bekanntermaßen ein besonders gutes Nährsubstrat für Hospitalismuserreger wie Staphylokokken, gramnegative Enterobakteriaceae und Pilze. Eine aktuelle klinische Studie überprüfte, ob hieraus auch ein höheres Septikämierisiko resultiert.



Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
CSE-Hemmer in der Primärprävention?

Die Einnahme von CSE-Hemmern führt zu einer Senkung der LDL-Cholesterolkonzentration und zu einer Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse bei den betroffenen Patienten. Wie eine große Metaanalyse zeigte, ist die Einnahme von CSE-Hemmern selbst bei Patienten mit geringem Risiko mit einer Abnahme von Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden. Dies wirft die Frage auf, ob CSE-Hemmer in der Primärprävention eingesetzt werden sollten [3].



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Neues Staphylokokken-aktives Cephalosporinderivat

Am 23. August 2012 wurde mit Ceftarolin (ZinforoTM), einem Cephalosporin der Gruppe 5, erstmalig in Deutschland ein Beta-Lactam-Antibiotikum zugelassen, das eine hohe mikrobiologische Aktivität gegenüber Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-(MRSA-)Stämmen aufweist. Das neue Antibiotikum wurde bei einer von AstraZeneca veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der 23. Jahrestagung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft am 11. Oktober 2012 in Dresden vorgestellt.



Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Resistenzen bei gramnegativen Bakterien

Multiple Antibiotika-Resistenzen sind bei grampositiven Bakterien seit langem bekannt. Zunehmend werden sie aber auch bei gramnegativen Erregern zum Problem. Gramnegative Stäbchen (Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter spp.) sind immer öfter gegenüber Acylureidopenicillinen, Cephalosporinen der 3./4. Generation, Carbapenemen und Fluorchinolonen resistent. Vermittelt wird die Resistenz unter anderem durch Bildung von Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL) und Carbapenemasen. Themen eines wissenschaftlichen Symposiums im Rahmen des 11. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln waren Resistenzmechanismen und die Verbreitung multiresistenter gramnegativer Erreger sowie Präventionsmaßnahmen.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Kongress
Abstracts der Poster, vorgestellt beim 3. Kongress für Arzneimittelinformation der ADKA vom 11. bis 12. Januar 2013 in Köln

Die Abstracts der Poster sind alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert.