Suche / Archiv


Erweiterte Suche

34. Jahrgang Heft 4 April 2013

Editorial
Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V.


Originalarbeit
Claudia Langebrake, Simone Melzer, Dorothee C. Dartsch und Michael Baehr, Hamburg

Logo_wiss-beg.eps

Die Unit-Dose-Arzneimittelversorgung im Krankenhaus ist in Deutschland immer mehr auf dem Vormarsch – insbesondere die damit verbundene klinisch-pharmazeutische Betreuung durch Apotheker auf den Stationen. Was klinische Pharmazeuten dabei leisten, wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht.

Dazu wurden pharmazeutische Interventionen (PIs), die im Rahmen des SMiT-Konzepts (Safe medication in time) erbracht wurden, erfasst und deskriptiv ausgewertet. Für die Dokumentation wurde entweder ein eigens entworfenes Formular für häufig wiederkehrende pharmazeutische Interventionen oder die Online-Datenbank ADKA-DokuPIK für komplexere Interventionen verwendet.

Insgesamt wurden 3809 pharmazeutische Interventionen bei 854 Stationsvisiten (entsprechend 4,5 PIs pro Stationsvisite) durchgeführt. Die meisten pharmazeutischen Interventionen pro Stationsvisite wurden in den Fachrichtungen Chirurgie (5,2), Innere Medizin (4,7) und Intensivmedizin (4,6) durchgeführt. In 297 Fällen wurden Arzneimittel von parenteraler auf orale Gabe umgestellt. Die Dosierung bei Niereninsuffizienz wurde 114-mal geprüft, woraufhin 71-mal eine Empfehlung zur Dosisanpassung gegeben wurde (62 %). Die Dauer der Therapie mit Antiinfektiva wurde 264-mal geprüft, woraufhin in 189 Fällen (72 %) eine Empfehlung zur Deeskalation oder zum Absetzen ausgesprochen wurde. Für die Überprüfung der Kalium- (n = 602) und der Vancomycin-Spiegel (n = 196) liegen die Empfehlungen zur Anpassung der jeweiligen Dosierungen mit 30 bzw. 27 % etwas niedriger. Insgesamt wurden 93 % der vorgeschlagenen pharmazeutischen Interventionen umgesetzt.

Durch das tägliche individuelle Monitoring der Arzneimittelverordnung im Krankenhaus leisten klinische Pharmazeuten im Rahmen der Unit-Dose-Versorgung einen wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit, zur Wirtschaftlichkeit und zum Qualitätsgewinn der Arzneimitteltherapie. Die hohe Umsetzungsrate der pharmazeutischen Interventionen zeigt eine sehr gute Kooperation mit Ärzten und Pflegekräften.

Schlüsselwörter: Pharmazeutische Interventionen, klinische Pharmazie, Unit-Dose-Arzneimittelversorgung

Clinical pharmacists’ activities within unit-dose drug distribution

Unit-dose drug distribution is increasingly used in Germany – especially the associated clinical pharmacy services on the ward. In this study, we evaluated the activities performed by clinical pharmacists at the University Medical Centre Hamburg-Eppendorf (UKE).

Pharmacists’ interventions (PIs), provided within the SMiT concept (Safe medication in time), were recorded and analysed descriptively. Documentation was done using either a custom prepared printed form for recurring pharmacists’ interventions or the online database ADKA-DokuPIK for complex interventions.

Altogether, 3809 pharmacists’ interventions were performed in 854 ward visits (4.5 PIs per ward visit). The most frequent pharmacists’ interventions per ward visit were performed in the fields of surgery (5.2), internal medicine (4.7) and intensive care medicine (4.6). In 297 cases, the route of administration was switched from parenteral to oral. Dosing in renal impairment was checked 114 times and in 71 cases (62 %) recommendations for dose adjustment were given. The length of antiinfective treatment was monitored 264 times, whereupon in 189 cases (72 %) deescalation or discontinuation was suggested. For the monitoring of potassium- (n = 602) or vancomycin-levels (n = 196), the recommendation rates for dose adjustment were lower with 30 % and 27 % respectively. Overall, 93 % of the suggested pharmacists’ interventions were implemented to treatment.

Clinical pharmacists provide an important impact for a safe, economic and high quality drug treatment by daily assessment of individual drug prescriptions as part of the unit-dose drug distribution. The high acceptance rate of the pharmacists’ interventions reflects an excellent collaboration with medical practitioners and nursing staff.

Key words: Pharmacists’ interventions, clinical pharmacy, unit-dose drug distribution

Krankenhauspharmazie 2013;34:178–85.



Claudia Mildner, Irene Krämer, Mainz für die Projektgruppe „Entlassungsmedikation“ des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz

Logo_wiss-beg.eps

Versorgungslücken bei der Krankenhausentlassung sind durch die geltenden rechtlichen Regelungen zur Arzneimittelversorgung programmiert. Patienten, niedergelassene Apotheken und weiterbetreuende Hausärzte beklagen unzureichende Informationen über die in Kliniken eingeleitete und im ambulanten Bereich weiterzuführende Arzneimitteltherapie. Der Umfang von Versorgungslücken und der Informationsgrad zur stationär initiierten Arzneimitteltherapie wurden in einer prospektiven Studie ohne/mit Intervention eines Krankenhausapothekers konsekutiv vergleichend an fünf Krankenhäusern bei 847 bzw. 618 Patienten untersucht. Mittels Fragebögen wurde die Zufriedenheit der Patienten, der betreuenden niedergelassenen Apotheken und der Hausärzte mit dem jeweiligen Entlassungsprozess ermittelt.

Durch Intervention des Krankenhausapothekers konnten sowohl Versorgungslücken als auch Informationslücken signifikant reduziert und die Informationsqualität signifikant verbessert werden. Für die weiterbetreuenden niedergelassenen Apotheken reduzierte sich der Beratungsaufwand hinsichtlich Einnahmegründen und Einnahmemodalitäten neu angeordneter Arzneimittel. Die befragten Ärzte bestätigten in der Interventionsphase einen signifikant verbesserten Informationsstand ihrer Patienten zur Arzneimitteltherapie.

Der Nutzen der Patientenberatung durch den Krankenhausapotheker ist somit sektorenübergreifend gegeben. Das an eine Patientenberatung durch den Krankenhausapotheker gekoppelte Mitgeben der Entlassmedikation schließt Informationslücken und überbrückt Versorgungslücken.

Schlüsselwörter: Versorgungslücken, Arzneimittelberatung, Information, Medikationsplan, Krankenhausapotheker

Close the gap – Reduction of supply and information gaps at the interface of inpatient and outpatient treatment through participation of the hospital pharmacist

As a result of valid legislation, medication gaps are inevitable at discharge from hospitals. At the interface of inpatient and outpatient treatment, the patients, community pharmacists and general physicians (GP) are not sufficiently informed about the manipulation of the drug therapy initiated in the hospital.

The rate of medication gaps and extent and quality of medication counseling without or with the involvement of a hospital pharmacist were investigated consecutively in a prospective comparative study at five different hospitals, observing 847 or 618 patients respectively. Perception of patients, community pharmacists and general practitioners (GP) with the different discharge management processes was analyzed by means of standardized questionnaires.

Medication and information gaps were significantly reduced by intervention of the hospital pharmacist. The quality of education significantly improved. In community pharmacies the necessity to educate patients about indication and method of administration of their newly prescribed drugs was reduced.

GPs reported significantly better information of their patients by the involvement of hospital pharmacists.

Patient counselling by a hospital pharmacist combined with the distribution of discharge medication is a suitable measure in order to bridge information and medication gaps.

Key words: medication gaps, counseling, information, medication schedule, hospital pharmacist

Krankenhauspharmazie 2013;34:187–96.



Berichte
Marianne E. Tippmann, Ober-Mörlen

… bot das am 10. November 2012 in Berlin ausgerichtete 14. Sanofi-Symposium für Krankenhausapotheker – auch diesmal unter der bewährten Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Direktor Apotheke und Materialwirtschaft der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, Wiesbaden. Die Agenda des breitgefächerten Programms reichte von gesetzlichen Neuerungen und deren potenziellen Auswirkungen auf den Arbeitsalltag bis hin zu pharmazeutisch-wissenschaftlichen Themen und bot den 125 Teilnehmern reichlich Diskussionsstoff für einen regen Austausch.



Dr. Dorit Stange, Hamburg
Bericht zur 2. LAUD-Doktorandentagung am 26. Oktober 2012 in Hamburg

Dass die Forschung in der Krankenhausapotheke immer mehr an Bedeutung gewinnt, wurde bereits bei der ersten erfolgreichen LAUD-Doktorandentagung 2011 in Erlangen gezeigt (siehe Krankenhauspharmazie 2012;33:25). Daher erstaunte es nicht, dass die Leitenden Apotheker der Universitätsklinika Deutschlands (LAUD) – einer Arbeitsgruppe im Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) – 2012 bei ihrer Jahrestagung in Pillnitz beschlossen haben, diese Veranstaltung einmal jährlich fortzuführen. Ziel der Tagung ist es, die wissenschaftlich tätigen Kollegen untereinander bekannt zu machen und eine Plattform für den Austausch zu bieten. Der hier vermittelte Überblick über den aktuellen Stand verschiedener Themen und Projekte an den unterschiedlichen Krankenhausapotheken in Deutschland soll dazu dienen, Kooperationen und Synergien bilden zu können. Darüber hinaus soll ein Rahmen geschaffen werden, um gemeinsame Interessen und Probleme bei der Forschung diskutieren zu können.



Abstracts der Kurzvorträge der Tagung „Klinisch-pharmazeutische Forschung in deutschen Universitätsapotheken“ am 26. Oktober 2012 in Hamburg

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf Seite 199 in dieser Ausgabe der Krankenhauspharmazie. Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit (Dr. Christian Degenhardt, Ulrike Georgi, Dr. Christian Heyde, Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Pamela Kantelhardt, Dr. Gesine Picksak, Dr. Jochen U. Schnurrer, Prof. Dr. Katja Taxis)
Plus und Gleich

Die fehlerhafte Dokumentation von Fentanyl-Pflastern führt zu Bestandsfehlern: Die Applikation von je einem – bei einem Patienten – applizierten Fentanyl-Pflaster à 25 µg sowie 50 µg wurde als ein 75-µg-Pflaster ausgetragen.



Aktuelles aus der Rezeptur
Dr. Björn Saager und Ulrike Bäßler-Gutowski, Zentralapotheke der Regio Kliniken GmbH, Agnes-Karll-Allee, 25337 Elmshorn, E-Mail: bjoern.saager@sana.de

Für die Initialtherapie superinfizierter Wunden kann eine Kombination des Antiseptikums Polihexanid mit einem Glucocorticoid sinnvoll sein. Nach Erwägungen zur Auswahl des Glucocorticoids in der Grundlage wird eine Herstellungsvorschrift für Mometasonfuroat 0,05 % in einem Polihexanid-Gel vorgeschlagen.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Simone Reisdorf, Erfurt
Bei Antikörpertherapie kardiale Risiken beachten

Herzinsuffizienz und Kardiomyopathien treten bei Brustkrebspatientinnen gehäuft auf, wenn sie mit Trastuzumab – allein oder kombiniert mit Anthracyclinen – behandelt werden. Dies ist das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenstudie aus den USA. Der Effekt wurde insbesondere bei jüngeren Patientinnen deutlich.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Unerwünschte Wirkungen am Auge

Eine Behandlung mit zielgerichteten onkologischen Arzneistoffen kann zu unerwünschten Wirkungen am Auge führen, da einige der Zielstrukturen nicht nur im Tumorgewebe, sondern auch am Auge exprimiert werden.



Elisabeth Höppe, München
Analyse von Neben- und Wechselwirkungen bei Krebspatienten

Systemische Antimykotika werden in der Onkologie und Hämatologie häufig eingesetzt und weisen zahlreiche potenzielle Interaktionen und unerwünschte Wirkungen auf. Eine prospektive Verlaufsstudie des Universitätsklinikums Freiburg hat die Häufigkeit von Neben- und Wechselwirkungen bei der Gabe gebräuchlicher systemischer Antimykotika bei Krebspatienten analysiert und hebt dadurch die Herausforderungen einer antimykotischen Therapie hervor.



Dr. Jutta Zwicker, Uhingen
ABS-Teams verkürzen Therapiedauer und fördern Sequenztherapie

Antibiotic-Stewardship-(ABS-)Teams haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Antibiotikatherapie. Die strukturierte Beurteilung und Umstellung der aktuellen Therapie führt zu einer Verkürzung der Therapiedauer und zu einer früheren Oralisierung.

 Mit einem Kommentar der referierenden Autorin, Dr. Jutta Zwicker, ABS-Fellow, Uhingen



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Empirische Therapie zu häufig initiiert?

Bis zu 46 % der Intensivpatienten erhalten eine empirische Antibiotika-Therapie, ohne dass eine entsprechende Infektion vorliegt, so das Ergebnis einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 119 Patienten einer Intensivstation in Jerusalem.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Kontinuierliche Infusion von Beta-Lactam-Antibiotika hat Vorteile

Mit einer kontinuierlichen Infusion von Beta-Lactam-Antibiotika werden bei Patienten mit Sepsis höhere Antibiotika-Plasmakonzentrationen und eine höhere klinische Heilungsrate erreicht als mit einer intermittierenden Gabe. Dies ergab eine prospektive, randomisierte, doppelblinde Studie, die auf fünf Intensivstationen in Australien und Hongkong durchgeführt wurde.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. W. V. Kern, Leiter Infektiologie Freiburg



Dr. Claudia Becker, Zürich
Schulungen durch den Apotheker verbessern Kenntnisse der Pflegekräfte

Eine Studie an der Universität Teheran (Iran) hat gezeigt, dass von einem Apotheker durchgeführte Schulungen des Pflegepersonals die Kenntnisse zur Sondenapplikation von Arzneimitteln signifikant verbessern. Derartige Studien können den „Mehrwert“ des Apothekers im eigenen Krankenhaus aufzeigen.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau