Suche / Archiv


Erweiterte Suche

34. Jahrgang Heft 6 Juni 2013

Editorial
Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg


Der Herausgeber Interviewt
Dr. Manfred Haber, Homburg/Saar
Interview mit den Mitgliedern des Ausschusses für Qualitätsmanagement Dr. Manfred Haber, Homburg, Dr. Elfriede Nusser-Rothermundt, Stuttgart, Sabine Steinbach, Trier, und Almut Weygand, Hannover Das Interview führte Dr. Matthias Fellhauer


Übersicht
Jörg Brüggmann, Berlin
Dosierung und Stabilität

Die Beachtung der Pharmakokinetik-Pharmakodynamik(PK/PD)-Indizes und deren Anwendung bei der Wahl der Dosierung sind für den klinischen Erfolg einer antibiotischen Therapie von wesentlicher Bedeutung. Vor dem Hintergrund, dass bei der Therapie schwerer Infektionen mit Vancomycin die minimale Plasmakonzentration zwischen 15 und 20 mg/l liegen soll, zeigt die pharmakokinetische Simulation der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve für einen nierengesunden Normpatienten, dass bei der häufig eingesetzten Standarddosierung von 1 g Vancomycin alle 12 Stunden diese hohen Talspiegel grundsätzlich nicht erreichbar sind. Nur durch die Verkürzung des Applikationsintervalls und gegebenenfalls gleichzeitiger Dosiserhöhung können Talspiegel von 15 bis 20 mg/l erzielt werden.

Für Linezolid werden bei einer Dosierung von 600 mg alle 12 Stunden hingegen die angestrebten Plasmakonzentrationen sicher erreicht. Die Talspiegel unterschreiten hier, berechnet für einen Normpatienten, den Breakpoint von 4 mg/l in einem nicht relevanten Ausmaß.

Beide Substanzen beziehungsweise Lösungen können in Abhängigkeit von den Herstellungs- und Lagerungsbedingungen zum Teil deutliche Verfärbungen aufweisen. Diese haben in den vorgegebenen Grenzen keinen Einfluss auf die Wirksamkeit, müssen aber zur Vermeidung von Unsicherheiten den Stationen bereits vor der Anwendung bekannt gemacht werden.

Schlüsselwörter:Vancomycin, Linezolid, PK/PD-Parameter, Plasmakonzentration, Dosierung, Stabilität, Verfärbungen

Pharmaceutical and therapeutic hints for applying of vancomycin and linezolid in clinical practice

The consideration of the relationship between PK/PD indices and the antibacterial effect is very important to optimize the therapeutic success.

Vancomycin dosages of 15–20 mg/kg (based on the actual body weight) given every 8–12 hours are required for patients with normal renal function to achieve trough concentrations within the therapeutic range. The calculated simulation of the plasma vancomycin concentration curve applying the pharmacokinetic software „Pharkin 3.0“ confirms this fact. The standard dosage of vancomycin given 1 g every 12 hours for patients with normal renal function produces basically trough concentrations of just 5–10mg/l, this is insufficient to treat severe infections.

In silico simulations, created for a normal patient, show that linezolid i. v. dosages of 600 mg twice daily reach constant trough concentrations of 4 mg/l.

Linezolid ready-to use solution may exhibit a yellow/brown colour which can intensify over time and if exposed to light. Vancomycin dry substance may show a pink/brown colour due to reactive phenol groups. Both effects do not adversely affect the potency considering the limits. The pharmaceutical companies are requested to inform about the current quality of the ordered batch.

Key words: Vancomycin, linezolid, PK/PD indices, plasma concentration, dosing, shelf life, colour changes

Krankenhauspharmazie 2013;34:275–9.



Originalarbeit
Mareike Kunkel und Irene Krämer, Mainz
Ein Vergleich zur Arzneimittelanamnese durch Chirurgen oder Anästhesisten
Logo_wiss-beg.eps

Internationale Literatur zeigt, dass Arzneimittelanamnesen durch Ärzte oder Pflegepersonal häufig unvollständig und fehlerhaft sind. In der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz wurde bei 244 Patienten eine pharmazeutische Arzneimittelanamnese durchgeführt und diese mit den Arzneimittelanamnesen durch Chirurgen und Anästhesisten verglichen. Ermittelt wurden die Übereinstimmungen mit der Referenzmedikation der pharmazeutischen Anamnese und daraus die Sensitivität der Angaben und weiterhin die Anzahl fehlender und zu viel angegebener Arzneimittel. Es wurden vom Stationsapotheker 1877 Arzneimittel erfasst. Die Sensitivität nahm jeweils von der Bezeichnung des Arzneimittels über die Stärke bis hin zur Dosierung ab. Die großen Spannweiten der Sensitivität weisen darauf hin, dass bei den Ärzten keine standardisierten Anamnese-Methoden angewandt wurden. Bei 13 % der Medikationen führten Diskrepanzen zu arzneimittelbezogenen Problemen, wovon 58 % der Patienten betroffen waren.

Schlüsselwörter: Arzneimittelanamnese, Diskrepanzen, arzneimittelbezogene Probleme

Pharmaceutical medication reconciliation in comparison to medication reconciliation by surgeon and anesthesiologist

International literature demonstrated that medication reconciliation at hospital admission obtained by physicians or nurses are often incomplete and deficient. In the Department of Cardiothoracic and Vascular Surgery a pharmacist acquired medication histories of 244 hospitalized patients. These were compared with the medication histories obtained by surgeons and anesthesiologists. All discrepancies, omissions and additions of drugs were identified and sensitivity calculated. 1,877 drugs were recorded by the pharmacist. Sensitivities decreased from drug name over strength to dosage. The maximum deviation of the sensitivity showed that there were no standardized medication history taking methods by the physicians. In 13 % of the medications, discrepancies led to drug related problems. 58 % of the patients were affected by those.

Key words: Medication reconciliation, medication history, drug related problem, discrepancy, hospital admission

Krankenhauspharmazie 2013;34:280–6.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Austausch eines Präparats mit Amitriptylin führt zu anticholinergen Nebenwirkungen.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht

Patienten, die mit einem akuten Infekt der unteren Atemwege in ein Krankenhaus aufgenommen werden, haben ein langfristig erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, wenn sie mit Clarithromycin behandelt werden. Das zeigte eine aktuelle Beobachtungsstudie aus Schottland.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Kontinuierliche Infusion bringt Vorteile bei Beta-Lactamen und Vancomycin

Die antibakterielle Wirkung von Antibiotika hängt von den pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Eigenschaften der jeweiligen Substanzklasse ab. Bei Beta-Lactamen und Vancomycin spielt die Zeitdauer, während der die Konzentrationen am Wirkort oberhalb des Hemmwerts des Erregers liegen, die entscheidende Rolle. Die Applikation dieser Antibiotika als Dauerinfusion kann daher klinisch vorteilhaft sein [1].

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene, Klinikum Stuttgart



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Wirkungsschwäche bei hoch virulenten Clostridium-difficile-Stämmen?

Die orale Gabe des Antibiotikums Fidaxomicin ist eine neue Therapieoption bei Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö. In klinischen Studien kam es nach einer Fidaxomicin-Therapie seltener zu Rezidiven als bei Therapie mit Vancomycin. Eine nachträgliche Auswertung der Zulassungsstudien zeigte, dass Patienten mit einer Infektion durch hoch virulente Clostridium-difficile-Stämme nicht in gleichem Maße von einer Fidaxomicin-Therapie profitieren wie Patienten mit anderen Erregervarianten.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene, Klinikum Stuttgart



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Ist eine Sanierung mit selektiver Darmdekontamination möglich?

Mit einem modifizierten Regime zur selektiven Darmdekontamination (SDD) lässt sich kurzfristig ein begrenzter Effekt vor allem auf die Rachen-Kolonisierung mit Carbapenem-resistenten Klebsiellen erzielen. Die intestinale Besiedlung wurde bei etwa zwei Drittel der Patienten über einen kurzen Zeitraum von etwa zwei Wochen beseitigt.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene, Klinikum Stuttgart



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Antiinfektiva bei Nierenersatzverfahren: Wie dosieren?

Entsprechend den Fortschritten in der Dialysetechnik sind auch die Antibiotika-Dosierungen zur Sicherstellung des Therapieerfolgs laufend neu zu überdenken und zu überprüfen. Bis zu einer aktuellen und angepassten evidenzbasierten Antibiotika-Therapie für Dialysepatienten ist es allerdings noch ein weiter Weg.



Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Erfahrungen aus Österreich und Deutschland

Die hohen Kosten der antiinfektiven Therapie in der Klinik und die wachsenden Probleme durch die rasante Ausbreitung multiresistenter Erreger angesichts fehlender Antibiotika-Neuentwicklungen erfordern zwingend eine beträchtliche Steigerung der Verordnungsqualität aufgrund einer verbreiterten objektiven Wissensbasis. Dies hat sich die Initiative Antibiotic Stewardship (ABS) zum Ziel gesetzt.



In eigener Sache
Aufruf für Beiträge zur neuen Rubrik „Der klinisch-pharmazeutische Fall“


Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Kongress
Abstracts der Kurzvorträge beim 38. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 30. Mai bis 1. Juni 2013

Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Abstracts der Poster beim 38. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 30. Mai bis 1. Juni 2013

Die Abstracts der Poster sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.