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35. Jahrgang Heft 4 April 2014

Der Herausgeber interviewt


Übersicht
Cornelia Bruns, Bremen, und Ralph Heimke-Brinck, Erlangen
Erste Erfahrungen mit der Umsetzung

„Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich“ (René Descartes). Wie immer, wenn ein neues Gesetz oder eine neue Verordnung in Kraft tritt, gilt es, die neuen gesetzlichen Anforderungen zu verstehen, gegebenenfalls zu interpretieren und diese dann in der täglichen Praxis verantwortungsbewusst und den jeweiligen Rahmenbedingungen entsprechend umzusetzen. Aufruhr und Verunsicherung waren groß, als am 12. Juni 2012 die neue Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) in Kraft trat. Erhöhte qualitative und dokumentarische Anforderungen bei Rezeptur und Defektur gipfelten in der Aussage „Die Defektur ist tot“. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, ist es nun an der Zeit, die Auswirkungen und Erfahrungen der neu in der ApBetrO formulierten Anforderungen für uns Krankenhausapotheker zu reflektieren.

Schlüsselwörter: Apothekenbetriebsordnung, Umsetzung, pharmazeutische Zubereitungen, Arzneimittelqualität, Patientensicherheit

500 days of a new legal regulation: First experiences in implementation concerning extemporaneous preparations

As always when a new ordinance becomes effective, it is necessary to understand and to realise new legal requirements into daily practice, responsibly and according to the respective framework conditions. Coming into force on June 12th of 2012 uncertainty and disturbance were common in view of the new “Apothekenbetriebsordnung”. Increased quality and documentary requirements for extemporaneous formulation and documentation culminated in heretical statements. After the initial excitement has settled it is now time to consider the effects and experiences of newly formulated requirements in the field of hospital pharmacy.

Key words: Regulation of pharmacies, implementing, pharmaceutical preparations, quality, patient safety

Krankenhauspharmazie 2014;35:104–9.



Originalarbeit
Michael Baehr, Annika van der Linde, Rebecca König, Simone Melzer, Claudia Langebrake, Hamburg-Eppendorf, Christiane Groth-Tonberge und Martin J. Hug, Freiburg
Signifikante Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit
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Medikationsfehler sind weit verbreitet, kostenintensiv und können Patienten erheblichen Schaden zufügen. Die wesentlichen fehlerträchtigen Prozesse sind die Verschreibung, händische Übertragung, das Stellen und die Verabreichung der Medikation. Zur Fehlervermeidung werden verschiedene Strategien, wie die Einführung elektronischer Verordnungssysteme, der Einsatz klinischer Pharmazeuten, die Unit-Dose-Versorgung und die Barcode-Verifikation am Bett empfohlen. Die Effektivität der verschiedenen Strategien ist nicht ausreichend bekannt. Groth-Tonberge et al. untersuchten 2012 den Einfluss der elektronischen Verordnung auf die Arzneimitteltherapiesicherheit. Bei rund 3000 Arzneimittelgaben auf zwei unterschiedlichen Stationen wurden in Bezug auf zwölf selbst definierte Qualitätskriterien 56 % Abweichungen auf der Station, die papierbasiert verschrieb, entdeckt und 39 % Abweichungen bei der Station, die elektronisch verordnete, gefunden. Auf beiden Stationen wurden die Arzneimittel traditionell durch den Pflegedienst gestellt.

Ziel dieser Studie war es, die Effektivität eines papierlosen, geschlossenen elektronischen Versorgungsprozesses (CLMA) in Bezug auf die Arzneimitteltherapiesicherheit zu untersuchen. Der CLMA besteht aus elektronischer Verordnung, Validierung durch klinische Pharmazeuten, Unit-Dose-Versorgung und elektronischer Dokumentation der Applikation und ist im UKE realisiert.

Insgesamt wurden auf zwei Stationen des UKE 3111 Medikationen analysiert, wobei 95,6 % über die Unit-Dose-Versorgung der Apotheke und 4,4 %, überwiegend Bedarfsmedikation, manuell durch das Pflegepersonal gestellt wurden. Insgesamt wurden bei beiden Stationen 49 Abweichungen ermittelt. Das entspricht einer Fehlerrate von nur 1,6 %. Auf 2981 Medikationen aus der Unit-Dose-Versorgung entfielen 21 Abweichungen (0,7 %). Bei den 130 manuell gestellten Arzneimitteln wurden 28 Abweichungen registriert, was einer Fehlerrate von 21,5 % entspricht. Dieses Ergebnis zeigt einerseits, dass der papierlose, elektronische Arzneimittelversorgungsprozess der traditionellen stationären Arzneimittelversorgung signifikant überlegen ist, andererseits, dass die Unit-Dose-Versorgung eine wesentliche Rolle für die Fehlervermeidung spielt.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, papierloser Arzneimittelversorgungsprozess, Unit-Dose-Versorgung, CLMA

Significant improvement of medication safety by coupling of electronic prescription and unit-dose drug distribution

Medication errors are common, costly, and responsible for clinically important problems. The main error prone process steps are prescription, transcription, dispensing and administration. Different strategies are discussed to prevent medication errors like implementation of computerized physician order entry (CPOE), pharmacy validation, unit-dose supply and barcoding at point of care. The efficacy of each strategy is not exactly known. In 2012, Groth-Tonberge et al. investigated the influence of CPOE on medication safety. They checked more than 3,000 medications on two different wards with respect to twelve self-defined quality criteria and found 56 % discrepancies on the ward using a paper based prescription and 39 % discrepancies on the ward using a modern CPOE system. Both wards used a traditional ward stock drug supply.

The purpose of this study was to evaluate the efficacy of a paperless closed loop medication administration (CLMA) process including CPOE, pharmacy validation and unit-dose distribution to increase medication safety.

3,111 medications for oral use were checked just before administration on two different wards. 95.6 % referred to unit-doses delivered by the pharmacy, 4.4 % were manually dispensed by nursing staff (PRN medication etc.).

Overall 49 discrepancies were detected on both wards. This corresponds to an error rate of only 1.6 %. 21 deviations (0.7 %) referred to 2,981 unit-dose medications delivered by the pharmacy. In 130 manually dispensed medications 28 discrepancies were registered, corresponding to an error rate of 21.5 %. These results show that the paperless CLMA process is significantly superior to a traditional paper based ward stock supply, and that the unit-dose supply plays an important role in the prevention of medication errors.

Key words: Medication safety, closed loop of medication administration, unit-dose distribution

Krankenhauspharmazie 2014;35:110–7.



Bericht
Janine Zimmer, Leipzig
Bericht zur 3. LAUD-Doktorandentagung am 2. November 2013 in Leipzig

In Leipzig kamen am 2. November 2013 zahlreiche Doktoranden und eine stattliche Anzahl an Leitern aus den zahlreichen forschungsaktiven deutschen Universitätsklinika zur 3. LAUD-Doktorandentagung zusammen. Wie wichtig und vielseitig die Forschung von Pharmazeuten an den Universitätsklinika ist, wurde auf der diesjährigen Tagung unter dem Motto „Forschungsprojekte Pharmazie an Deutschlands Universitätsklinika – ein Update“ deutlich. Der Gastgeber, Dr. Roberto Frontini, Direktor der Apotheke am Universitätsklinikum Leipzig, führte die Veranstaltung in enger Kooperation mit Professor Thilo Bertsche von der Abteilung für Klinische Pharmazie an der Universität Leipzig durch. „Wir bündeln in Leipzig gemeinsam unsere Aktivitäten in Patientenversorgung, Forschung und Lehre, da lag es nahe, auch bei dieser Veranstaltung eng zusammenzuarbeiten“, so Frontini. Dies unterstrich auch Bertsche, der betonte, wie wichtig die gute Zusammenarbeit zwischen Klinikapotheke und Universität in Leipzig für wissenschaftliche Arbeiten ist.



Abstracts der Kurzvorträge der Tagung „Forschungsprojekte Pharmazie an Deutschlands Universitätsklinika – ein Update“ am 2. November 2013 in Leipzig

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf Seite 118 in dieser Ausgabe der Krankenhauspharmazie. Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Trockensaft löffelweise

Ungenügende Beratung und ein Missverständnis führten zur fehlerhaften Anwendung eines Trockensafts mit Gefahr einer Cefuroxim-Überdosierung.



ADKA intern
Berichtszeitraum: Januar bis Dezember 2013


Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Cave Interaktion mit Clarithromycin

Ältere Menschen, die zur Blutdrucksenkung einen Calciumkanalblocker einnehmen, sollten nicht gleichzeitig das Makrolidantibiotikum Clarithromycin erhalten. Clarithromycin ist ein starker CYP3A4-Inhibitor und hemmt den Abbau der Calciumkanalblocker. Die dadurch ausgelöste Hypotension kann die Niere akut schädigen. Die klinische Relevanz dieser Interaktion wurde jetzt in einer datenbankgestützten Kohortenstudie dokumentiert.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Kombination von PET, MRT und CT

Die heutige Diagnostik ist ohne die moderne Bildgebung kaum mehr vorstellbar. Jedes der Verfahren hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Daher werden zunehmend kombinierte Bildgebungen genutzt. Auf einer Informationsveranstaltung des Universitätsklinikums Tübingen wurden die einzelnen Verfahren erläutert und auf Chancen und Probleme bei der Kombination hingewiesen.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau