Suche / Archiv


Erweiterte Suche

36. Jahrgang Heft 3 März 2015

Übersicht
Hans-Peter Lipp und Wieland Gfrörer, Tübingen
Aktuelle galenische, klinisch-pharmakokinetische, regulatorische und physikalisch-chemische Aspekte im Überblick


Bis vor Kurzem stand das Breitspektrum-Triazolantimykotikum Posaconazol ausschließlich als oral applizierbare Suspension handelsüblich zur Verfügung. Inzwischen ist der Wirkstoff auch als Tablette und intravenös applizierbare Darreichungsform erhältlich. Die galenische Weiterentwicklung als Tablette gelang mithilfe der Hot-Melt-Extrusion-Technologie (HMET). Sie bietet den Vorteil, dass Posaconazol 300 mg ab Tag 2 einmal täglich verabreicht werden kann und bei fast allen Patienten mit durchschnittlichen Plasmakonzentrationen von über 0,5 µg/ml verbunden ist, unabhängig davon, ob gleichzeitig Protonenpumpenhemmer eingenommen werden oder eine Einnahme nüchtern erfolgt. Die parenterale Darreichungsform sieht dieselbe Dosierung vor wie die Tablette, das heißt initial zweimal 300 mg an Tag 1, gefolgt von einmal täglich 300 mg Posaconazol an den Folgetagen. Die Infusion sollte über einen zentralvenösen Katheter erfolgen, dabei ist eine Endkonzentration von etwa 1,2 mg/ml (z. B. 300 mg Posaconazol in 250 ml NaCl 0,9 %) über einen längeren Zeitraum ausreichend physikalisch-chemisch stabil. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss mit einer sukzessiven Anreicherung des solubilisierenden Hilfstoffs Sulfobutylether-Cyclodextrin (SBECD) gerechnet werden, insbesondere wenn keine Dialyseverfahren zum Einsatz kommen. Die klinisch-toxikologische Bedeutung einer SBECD-Anreicherung beim Menschen ist allerdings noch weitgehend unklar.

Schlüsselwörter: Posaconazol, neue Darreichungsformen, HMET, SBECD, physikalisch-chemische Stabilität

Novel galenic formulations containing posaconazole – Current aspects regarding clinical-pharmacokinetics, regulatories and physico-chemical stability

Meanwhile, the triazole antifungal drug posaconazole is available as suspension, tablet as well as intravenous formulation. The novel solid oral formulation is based on Hot Melt Extrusion Technology (HMET) and offers several advantages compared to the conventional suspension including (1) once daily dosing during maintenance, (2) improved bioavailability with trough levels exceeding 0.5 mg/l and (3) no relevant drug interaction with proton pump inhibitors or concomitant food intake. The intravenous formulation contains sulfobutylether cyclodextrine (SBECD) as solubilizing adjuvant which, however, accumulates in patients with moderate to severe renal dysfunction without concomitant dialysis. Physico-chemical stability data indicate that the posaconazole containing i. v. concentrate can be safely added to NaCl 0.9 % 250 ml, however, i. v. infusion should be routinely administered via a central venous access. Regarding both novel formulations, dosage recommendations do not differ from each other irrespective whether prophylaxis or treatment of fungal diseases is intended which simplifies every day clinical practice and may improve patients’ adherence.

Key words: Posaconazole, novel formulations, HMET, SBECD, physico-chemical stability

Krankenhauspharmazie 2015;36:113–22.



Originalarbeit
Susan Raths, Olav Götz, Greifswald, Karen Heidorn, Rostock, und Steffen Fleßa, Greifswald
Prozessoptimierung durch Lagerautomation

In den letzten Jahren zeigt sich der Trend zur Schließung von Krankenhausapotheken ungebrochen. Ein Erklärungsansatz dafür ist die Abnahme der Krankenhausbetten in Deutschland. Auch die Einschätzung, dass externe Dienstleister die Versorgung eines Hauses deutlich effizienter sicherstellen können, dürfte einen entscheidenden Einfluss darstellen. Insbesondere im Hinblick auf die logistische Organisation scheint es derzeit Optimierungspotenzial zu geben. Im Rahmen einer empirischen Studie wurde der Einsatz von Automationstechnik auf Prozessstrukturen und Prozesszeiten der Kommissionierung als ein mögliches Instrument zur Effizienzsteigerung untersucht.

Schlüsselwörter: Automation, Kommissionierung, Krankenhausapotheke, Prozessmanagement, Prozessanalyse

Drug and medical device picking in a hospital pharmacy of a university hospital – Process optimization by warehouse automation

In recent years, the trend towards closure of hospital pharmacies is unabated. One explanation is the decrease in the number of hospital beds in Germany. The assessment that external service providers can ensure the supply of a house much more efficiently, appears to be a decisive factor, too. Particularly within the logistic processes there seems to be some potential for optimization. In an empirical study the influence of automation on process structures and process times of picking was investigated. The results are particularly based on process observations and time measurements. The automation as a possible instrument to increase efficiency will be examined by comparing manual and automated picking.

Key words: automation, picking, hospital pharmacy, process management, process analysis

Krankenhauspharmazie 2015;36:123–30.



Kongress
Solvejg Langer und Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart

Der 4. Kongress für Arzneimittelinformation (Köln, 9./10. Januar 2015) bot in zahlreichen Workshops die Möglichkeit, an den Erfahrungen von Kollegen zu partizipieren und Anregungen für die eigene Tätigkeit zu gewinnen. Wir stellen hier eine kleine Auswahl von Workshops vor.

Krankenhauspharmazie 2015;36:131–2.



Solvejg Langer, Stuttgart

Neben zahlreichen Plenar- und Kurzvorträgen hatten die Teilnehmer des 4. Kongresses für Arzneimittelinformation in Köln die Möglichkeit, verschiedene Workshops zu besuchen. Der Geriatrie und ihren Herausforderungen widmeten sich Dr. Achim Gowin und Jacqueline Menchini aus Konstanz.

Krankenhauspharmazie 2015;36:133.



Solvejg Langer, Stuttgart

Beim 4. Kongress für Arzneimittelinformation in Köln berichteten Dr. Dr. Berend Feddersen und Constanze Rémi vom SAPV-Team der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München in ihrem Workshop über ihre tägliche Arbeit in der Palliativversorgung.

Krankenhauspharmazie 2015;36:134.



Bericht
Steffen Amann, München

Die European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) hat in einem 18-monatigen Prozess die EAHP-Statements entwickelt und veröffentlicht. Diese liegen nun in einer deutschen Übersetzung vor und sollen zur fachlichen Diskussion den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt werde. Die Diskussion ist auch mit anderen Vertretern der Gesundheitsberufe wünschenswert, um so die Interdisziplinarität aus der Entstehungsphase fortzusetzen. Ebenfalls weiterentwickelt wurden die Basel-Statements der International Pharmaceutical Federation (FIP) aus 2008.

Krankenhauspharmazie 2015;36:135–6.



The European Statements of Hospital Pharmacy


Carina Hager, Ludwigshafen

Der erste Workshop „Die Krankenhausapotheke – Fit für die Zukunft/Der Krankenhausapotheker als Manager“ fand am 16. und 17. Januar 2015 in der Berliner Geschäftsstelle der ADKA statt. Die Leitung des Workshops übernahm das durch den ADKA-Workshop „Prozessoptimierung“ bereits bekannte Team aus Frau Iska Papke und Herrn Ralf König der Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Berufsberatung AG. Beide Moderatoren verfügen über langjährige Erfahrung in der Beratung von Klinikkonzernen und überzeugen im Besonderen durch ihre fundierten Kenntnisse über die im Apothekenalltag zu berücksichtigenden Besonderheiten. So verwunderte es nicht, dass sich ein Drittel der Teilnehmer bereits aus dem Workshop Prozessoptimierung kannte und die Erwartungen an die Referenten bei diesem spannenden und wichtigen Thema entsprechend hoch waren.

Krankenhauspharmazie 2015;36:142.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der H1-Antihistaminika (Antiallergika)

Für die Bewertung des pharmakokinetischen Interaktionspotentials der H1-Antihistaminika ist die Affinität zum Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzym 3A4 von maßgeblicher Bedeutung. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu diesem Cytochrom-P450-Isoenzym dargestellt.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Scheinbare Berg- und Talfahrt

Bei einer Gentamicin-Therapie sollten aufgrund der engen therapeutischen Breite die Serumspiegel, vorzugsweise als Talspiegel, des Antibiotikums überwacht werden, um oto- und nephrotoxische Nebenwirkungen zu vermeiden.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Hardy-Thorsten Panknin,
Ein vermeidbarer Grund für die Aufnahme auf die Intensivstation

In einer englischen Studie wurden Behandlungsfehler untersucht und deren Häufigkeit und Folgen überprüft. Darunter fielen unter anderem Medikationsfehler, nosokomiale Infektionen oder Komplikationen bei Routineuntersuchungen, wobei Stationsärzten weniger Fehler unterliefen als Chef- und Assistenzärzten.

 Mit einem Kommentar von Hardy-Thorsten Panknin



Simone Reisdorf, Erfurt
Ticagrelor-Gabe schon im Krankenwagen bessert nicht die Reperfusionsrate

Bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt ist eine duale Thrombozytenhemmung indiziert. In einer Studie von Montalescot und Kollegen wurde untersucht, ob die Patienten hinsichtlich der Reperfusionsrate von einer besonders frühen Gabe des P2Y12-Rezeptor-Antagonisten Ticagrelor – bereits im Ambulanzwagen – profitieren. Dies war nicht der Fall, andererseits wurde aber die Zahl der Stentthrombosen reduziert, und das Blutungsrisiko wurde durch die frühe Gabe nicht erhöht.

 Mit einem Kommentar von Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Therapieresistenz gegen Enzalutamid und Abirateron

Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom, bei denen in zirkulierenden Tumorzellen die Splice-Variante 7 des Androgenrezeptors nachgewiesen wurde, sprechen auf eine Behandlung mit Enzalutamid oder Abirateron sehr viel schlechter an als Patienten, die diese Variante nicht aufweisen.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Ramucirumab plus Docetaxel verlängert Gesamtüberleben


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Exemestan versus Tamoxifen in der adjuvanten Therapie

Bei Frauen in der Prämenopause mit hormonempfindlichem frühem Mammakarzinom und supprimierter Ovarialfunktion senkt eine adjuvante Therapie mit dem Aromatasehemmer Exemestan (z. B. Aromasin®) das Risiko eines Rezidivs signifikant besser als mit dem selektiven Estrogenrezeptormodulator (SERM) Tamoxifen (z. B. Nolvadex®) . Dies ergab eine kombinierte Analyse der beiden Phase-III-Studien TEXT (Tamoxifen and exemestane trial) und SOFT (Suppression of ovarian function trial) mit insgesamt 5 738 Frauen, die 2014 beim ASCO Annual Meeting in Chicago vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurden.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau