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36. Jahrgang Heft 4 April 2015

Editorial
Pamela Kantelhardt und Dr. Gesine Picksak


Schwerpunkt AMTS
Pamela Kantelhardt, Mainz
Was kann und muss der Apotheker zur Erhöhung der Sicherheit beitragen?

Um für Patienten im Krankenhaus die Sicherheit im Medikationsprozess zu erhöhen, ist der Apotheker als Fachmann für Arzneimittel gefragt. Er muss in allen Schritten im Medikationsprozess analysieren, welche Fehler und wo diese auftreten und sie durch sinnvolle, praxisnahe Maßnahmen, orientiert an den Prozessen und den inhärenten Fehlern, vermeiden. Im Medikationsprozess gibt es zahlreiche Schnittstellen, die mit besonderen Risiken, meist systemisch begründet, für den Patienten verbunden sind.

Typische Ursachen für Fehler sind: fehlende Kenntnis, unzureichende Kommunikation, Unachtsamkeit, Nichtbeachtung von Regeln/Standards, Arbeitsüberlastung und soziale Faktoren. Diese gilt es im Team interdisziplinär zu reduzieren, beispielsweise durch Schulungen sowie Erstellen und Abgabe von schriftlicher Information (Erhöhung von Kenntnis); Sicherstellen, dass notwendige Informationen alle relevanten Personen im Medikationsprozess erreichten (Kommunikation); Erstellen von praxisnahen Standards gemeinsam mit Betroffenen (Pflege und Ärzte) sowie Begleitung der Umsetzung in den Stationsalltag und Entwickeln eines Problemverständnisses für unterschiedliche Denkweisen des medizinischen Personals auf Station (Sensibilisierung und Erhöhung der Standardtreue bei praxisnahen Standards). Schulungen durchgeführt von Apothekern – für Ärzte, Pflegekräfte und Patienten – in strukturiertem Rahmen tragen zudem dazu bei, dass die Sicherheit erhöht werden kann. Ein zentraler Punkt ist die Erhöhung der Sensibilität gegenüber Risiken und Fehlerursachen. Nur durch Sensibilität gegenüber Risiken können diese und auch resultierende Fehler im Alltag erkannt werden. Dies bildet die Grundlage für ein besseres Verständnis für die Entstehung von Fehlern und ist die Grundlage einer non-punitiven Fehlerkultur.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Medikationsprozess, Schnittstellen

Patient safety within the medication process.

What hospital pharmacists might and should do to augment safety issues

Medication safety in hospitals might not be completely guaranteed. However, hospital pharmacists are in charge to increase those safety issues. Therefore it is necessary to carefully analyze the medication process, to identify potential medication errors and to uncover where they appear. Based on such analyses, targeted strategies are needed to reduce medication errors.

Risks for the patient safety are often caused at transition sites between different sectors and departments, as well as between different health care professionals. Especially at those sites at higher risk, where several people are involved, a hospital pharmacist should be included as the expert considering medication issues.

Frequent causes for medication errors are inadequate knowledge of the patient or the drug, inadequate communication between health care professionals, lack of attention and inadequate awareness of guidelines, ignoring of standard regulations, work overload as well as social issues. All those causes should be reduced together by all health care professionals. Strategies may include the setup of particular guidelines and regulations, trainings conducted by the hospital pharmacist, and an increase of information and adequate communication. One of the most important among such strategies is to increase the awareness and sensitivity for medication errors.

Key words: Medication safety, medication process, seamless-care, medication reconciliation

Krankenhauspharmazie 2015;36:163–7.

Hintergrund



Julia Podlogar, Münster, Philipp B. Müller, Iserlohn, und Hendrik Kloss, Münster

Begriffe wie Arzneimitteltherapiesicherheit und Schnittstellenproblematik sind derzeit in aller Munde. Den meisten Beteiligten im Gesundheitswesen ist mittlerweile bewusst, dass der Medikationsprozess ein Hochrisikobereich ist, bei dem die Fehlerquellen zahlreich sind und die möglichen Folgen fatal sein können. Studien zu Krankenhauseinweisungen und gar Todesfällen aufgrund von teilweise vermeidbaren unerwünschten Arzneimittelwirkungen bringen erschreckende Zahlen ans Licht [2, 3, 8]. Dennoch ist die Etablierung der Arzneimittelanamnese als pharmazeutische Dienstleistung zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus häufig an einzelne Pilotprojekte gebunden, bei denen die Initiative in aller Regel von der Krankenhausapotheke ausgeht [1, 5].

Schlüsselwörter: Pharmazeutische Arzneimittelanamnese, Arzneimitteltherapiesicherheit, Schnittstellenproblematik

Medication reconciliation as a pharmaceutical service.

Establishing new pharmaceutical services to increase the quality and safety of drug therapy in hospitals requires a high degree of motivation and personal initiative. One example for an innovative project initiated by a hospital pharmacy is the collection and review of a patient’s medication history by a clinical pharmacist at the time of hospital admission. Due to the specific pharmacological knowledge of clinical pharmacists, this method does not only reduce the workload of physicians and nurses, but contributes to an increased safety of drug therapy.

Keywords: medication reconciliation, safety of drug therapy, transitional care

Krankenhauspharmazie 2015;36:171–4.



Stefanie Amelung, Kim Green, Walter E. Haefeli, Torsten Hoppe-Tichy, Anette Lampert, Kristina Lohmann, Tanja Mayer, Alexander F.J. Send, Hanna M. Seidling und Marion Stützle für die AMTS-Gruppe des Universitätsklinikums Heidelberg

Seit über zehn Jahren unterstützt AiDKlinik® am Universitätsklinikum Heidelberg die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) durch die Bereitstellung von Informationen zur Verordnung und Anwendung von Arzneimitteln. AiDKlinik® ist nicht nur ein Nachschlagewerk mit allgemeinen, regulatorischen und AMTS-relevanten Informationen für in Deutschland vermarktete Humanarzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, sondern zusätzlich ein System zur klinischen Entscheidungsunterstützung (Clinical decision support system) mit individuell angepassten Meldungen, beispielsweise zu Wechselwirkungen, Doppelverordnungen oder Fehldosierungen. Einen besonderen Schwerpunkt legt AiDKlinik® auf die Sicherstellung der Informationsübermittlung an Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Patientenversorgung. So ermöglicht AiDKlinik® bei Klinikaufnahme eine automatisierte Umstellung der Medikation auf die Hausliste, unterstützt bei Klinikentlassung die Umstellung der Arzneimitteltherapie nach § 115c SGB V und ermöglicht die Integration der Klinikmedikation in den Arztbrief. Zusätzlich verbessert AiDKlinik® die Patienteninformation durch automatische Generierung eines multilingualen Medikationsplans mit laienverständlichen Arzneimittelinformationen und unterstützt die Rezeptschreibung als KBV-zertifizierte Software. Die Funktionalitäten, insbesondere die dynamische elektronische Entscheidungsstützung in Verbindung mit der elektronischen Verordnung, werden auch in Zukunft weiter ausgebaut.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Arzneimittelinformation, Clinical decision support system, computerized physician order entry

Medication safety at the university hospital Heidelberg supported by AiDKlinik®

For over ten years, AiDKlinik® has been providing information on the prescription and administration of drugs to improve medication safety at the University Hospital Heidelberg. Thereby, AiDKlinik® provides general, regulatory, and medication safety information on all medicinal products for human use, medical devices, and dietary supplements available in Germany. In addition, AiDKlinik® is a clinical decision support system (CDSS) generating customized alerts concerning for example interactions, duplicate orders, and dose errors. AiDKlinik® particularly focuses on the assurance of medication safety at the interfaces of care between inpatient and ambulatory care. Therefore, AiDKlinik® enables an automatic switch of patients’ home medication to medications available and appropriate for inpatient care at hospital admission. During hospital discharge, it supports the switch of patients’ drug therapy in accordance with paragraph 115c SGB V (Social Security Code, Vol. V) and the integration of the hospital medication list in the discharge letter. In addition, AiDKlinik® improves patient information with an automatic generated multilingual medication plan including comprehensible drug information for patients and supports ambulatory prescribing as a KBV-certified software. These functionalities will be continuously improved with a particular emphasis on dynamic alerting linked to electronic prescribing.

Key words: Medication safety, drug information, clinical decision support system, computerized physician order entry

Krankenhauspharmazie 2015;36:175–80.



Andrea Liekweg, Henry Beck, Philippe Bartels und Reinhard A. Bühner, Köln

Im Sinne der Arzneimitteltherapiesicherheit muss in einem Krankenhaus gewährleistet sein, dass das richtige Arzneimittel dem richtigen Patienten zur richtigen Zeit in der richtigen Form in bester pharmazeutischer Qualität zur Verfügung steht. Zudem muss allen am Prozess Beteiligten die notwendige Information zu den Präparaten zugänglich sein. Dies bezieht sich auf die korrekte Lagerung und auf die Anwendung am oder durch den Patienten. Die ersten Weichen für den sicheren Arzneimittelversorgungsprozess sollten bereits bei der Beschaffung von Arzneimitteln gestellt werden.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Logistik, Beschaffung, Einkauf, Arzneimittelinformation

The drug supply chain – pure procurement or contribution to drug therapy safety

To ensure drug therapy safety in hospitals it must be guaranteed that the correct drug is administered to the right patient, at the right time, in the right form and in the best pharmaceutical quality. In addition, the necessary information about the drugs must be accessible to all participants in the process at all times. This also refers to the correct storage and further to the administration to or by the patient. First steps for a safe drug supply chain can already be taken in the procurement.

Key words: Drug therapy safety, drug supply chain, drug procurement

Krankenhauspharmazie 2015;36:183–7.



Julia Reichhold und Judith Thiesen, Mainz

Die parenterale Gabe von Arzneimitteln birgt ein hohes Risiko für Medikationsfehler. Die qualitätsgesicherte, zentrale Herstellung von applikationsfertigen Injektionszubereitungen in der Krankenhausapotheke leistet hierbei einen wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit. Im folgenden Artikel wird eine Orientierungshilfe für Krankenhausapotheken geliefert. Am Beispiel der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz werden Produkte, Kriterien zur Auswahl geeigneter Produkte sowie praxisnahe Hinweise zur Herstellung und Qualitätskontrolle von Ready-to-administer-Injektionszubereitungen vorgestellt.

Schlüsselwörter: AMTS, Injektionszubereitungen, applikationsfertig, Perfusor, Spritzen, Herstellung, Qualitätskontrolle

Preparation of ready-to-administer parenterals in the hospital pharmacy

Administration of injection solutions is accompanied by a high risk of medication errors. Centralized, quality assured preparation of ready-to-administer injection solutions in a hospital pharmacy improves medication safety. In this paper guidance for hospital pharmacies preparing ready-to-administer injection solutions is provided. Products, criteria for selecting suitable products and practical advices for preparation and quality control of ready-to-administer injectables are presented.

Krankenhauspharmazie 2015;36:190–3.



Dzenefa Alihodzic, Michael Baehr und Claudia Langebrake, Hamburg

Die Qualität von Arzneimitteln ist ein wichtiger Aspekt der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Mit seinen Kenntnissen in der Arzneimittelherstellung und Qualitätskontrolle kann der Krankenhausapotheker die Arzneimittelqualität durch analytische Untersuchungsmethoden überprüfen. Hierbei spielen nicht nur die analytischen Kontrollen von Ausgangsstoffen, Rezeptur- und Defekturarzneimitteln eine Rolle, sondern auch Kompatibilitäts- und Stabilitätsprüfungen sind von großer Bedeutung. Im Rahmen dieses Artikels werden die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Analytik an Praxisbeispielen verdeutlicht.

Schlüsselwörter: Analytik, Arzneimitteltherapiesicherheit, Qualitätskontrolle

Analytics as the basis of safe drug manufacturing

The quality of drugs is an important aspect for medication safety. With his knowledge in pharmaceutical manufacturing and quality control the hospital pharmacist has the ability to evaluate the quality of medicines with the help of analytical methods. Not only the analytical testing of raw material, formulations and bulk ware plays a major role but also compatibility and stability tests are of great importance.

In this article the different applications of pharmaceutical analytics are being displayed using practical examples.

Key words: Pharmaceutical analytics, medication safety, quality control

Krankenhauspharmazie 2015;36:195–7.



Gesine Picksak, Hannover

Diverse Lieferschwierigkeiten sowie Einsparbemühungen der Krankenhäuser führen heutzutage häufig gezwungenermaßen zu einem (vorübergehenden) Hersteller- und damit Präparatewechsel in der Klinik. Würde von einem Herstellerwechsel abgesehen werden, könnten die Therapien auf Station nicht fortgeführt werden und ein Therapieabbruch wäre die Folge. Jede Medikationsumstellung (aut idem) birgt vielfältige Risiken, ebenso wie auch die notwendige Wirkstoffumstellung (aut simile) bei Lieferunfähigkeit aller Präparate eines Wirkstoffs.

Die Lagerung der Arzneimittel auf Station und in den Funktionsbereichen erfolgt meistens, wie historisch gewachsen, alphabetisch nach der Bezeichnung der Handelsnamen. Damit kann ein Wechsel des Handelspräparats oftmals schon bei einer einfachen, unproblematischen Aut-idem-Substitution durch die Änderung des Präparatenamens beim medizinischen Personal zu größeren Irritationen und daraus resultierenden Fehlern führen (siehe z. B. Medikationsfehler „Präparatewechsel führt zur falschen Behandlung“[1]).

Die Arzneimitteltherapiesicherheit und damit die Patientensicherheit sind bei diesen Umstellungen daher massiv gefährdet.

Schlüsselwörter: Arzneimittelsicherheit, Patientensicherheit, wirkstoffbezogene Arzneimittellagerung, Aut-idem-Substitution

Storage of drugs in hospital wards– efficient and safe?

Nowadays several supply problems as well as economization efforts of hospitals result in a change of the manufacturers and products in the clinic. Alternatively, therapies could not be continued and would have to be interrupted instead. Nonetheless, every change in medication – aut idem or aut simile – involves several risks.

The storage of drugs in wards and in functional areas – following historical habits – mostly takes place alphabetically according to the trade names. Therefore, a change of a drug, even in case of a simple, unproblematic aut-idem-substitution that is connected with another brand name, might cause great confusion among the medical staff which can result in mistakes. The safety of drug therapy reliability and additionally patient safety are heavily compromised by such rearrangements.

Key words: Drug safety, patient safety, storage of drugs in hospital, aut-idem-substitution

Krankenhauspharmazie 2015;36:198–203.



Annette Freidank und Carina Hohmann, Fulda

Information und Beratung eines Patienten stellen eine wichtige Aufgabe des Apothekers dar. Neben dem pharmazeutischen Fachwissen ist für ein erfolgreiches Beratungsgespräch eine gute zwischenmenschliche Kommunikation von besonderer Bedeutung; diese setzt sich aus verbalen und nonverbalen Anteilen zusammen. Anhand von Kasuistiken werden relevante Aspekte in der Beratung über Arzneimittel bei Erst- und Folgeverordnungen diskutiert. Das Thema Adhärenz ist vor allem bei Wiederholungsverordnungen von zentraler Bedeutung, deshalb werden verschiedene Einflussfaktoren wie soziale und ökonomische, systembezogene, krankheitsbezogene, therapiebezogene und patientenbezogene Faktoren näher erläutert. Somit können im ständigen Kontakt mit dem Patienten und in einer offenen Kommunikation arzneimittelbezogene Probleme zeitnah erkannt und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Schlüsselwörter: Adhärenz, arzneimittelbezogene Probleme, Kommunikation, Vier-Ohren-Modell

Patient counselling – more than only pharmaceutical expert knowledge

Patient counselling is an important aspect of pharmaceutical care. Both, pharmaceutical expert knowledge and interpersonal communication are very important for a successful consultation of a patient. Interpersonal communication is the process by which people exchange information through verbal and non-verbal messages. Based on case reports relevant aspects in the consultation of patients with a new or repeat prescription are discussed. Especially for long-term medication adherence is a very important aspect. Many factors are associated with adherence such as social and economic, condition-related, therapy-related, patient-related factors and health care system. Due to an ongoing patient care and an open communication drug-related problems can be detected early and solved quickly.

Key words: adherence, drug-related problems, communication, four ears model

Krankenhauspharmazie 2015;36:205–9.



Christian Degenhardt, Rüsselsheim

Betablocker stellen eine häufig verordnete, aber komplexe Substanzgruppe dar, die in der Therapie einer Reihe chronischer Erkrankungen Verwendung findet. Die vielfältigen Wirkungen sowie die zahlreichen Darreichungsformen und Dosierungen können eine sichere Arzneimitteltherapie erschweren. Mit den Fehlermeldeberichten in DokuPIK als Datenbasis werden fehleranfällige Fallkonstellationen besprochen und Vorschläge für eine Fehlervermeidung gegeben. Die dargestellten Beispiele betonen den Bedarf nach einer kompetenten Arzneimittelanamnese und nach klarer Kommunikation innerhalb der Fachgruppen im Gesundheitswesen ebenso wie direkt mit dem betroffenen Patienten.

Schlüsselwörter: Betablocker, arzneimittelbezogene Probleme, Medikationsfehler, DokuPIK

Medication errors in the therapy with beta-blockers

Beta-blockers are a frequently prescribed, yet complex group of drugs used in a variety of chronic diseases. Their diverse effects and numerous forms of products and dosages can impede a safe drug-therapy. Taking the error reports of DokuPIK as a data basis fault-prone constellations in the medications of beta-blockers are discussed and proposals for the prevention of errors are made. The given examples emphasize the need for competent medication reconciliation and clear communication between healthcare professionals as well as directly with the patient concerned.

key words: beta blockers, drug related problems, medication error, DokuPIK

Krankenhauspharmazie 2015;36:211–3.



Inga Leo-Gröning, Bad Vilbel

Das von der Apothekerkammer Nordrhein entwickelte Zertifikat-basierte Konzept ATHINA (Arzneimittel-Therapiesicherheit in Apotheken) gibt öffentlichen Apotheken das Rüstzeug für ein professionelles Medikationsmanagement an die Hand. Anhand eines Fallbeispiels wird illustriert, wie die Medikationsanalyse und Patientenberatung gemäß ATHINA durchgeführt werden.

Schlüsselwörter: Medikationsmanagement, öffentliche Apotheke, Medikationsplan

ATHINA – a new concept for drug safety

ATHINA (Arzneimittel-Therapiesicherheit in Apotheken, i.e. drug safety in pharmacies) is a certificate-based concept developed by the chamber of pharmacists of North-Rhine (part of North Rhine-Westphalia). It provides public pharmacies with the armamentarium for a professional medication management. By means of a case example, medication analysis and patient guidance according to ATHINA are illustrated.

Key words: Medication management, public pharmacy, medication plan

Krankenhauspharmazie 2015;36:216–8.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
„Was für Arzneimittel ich nehme? Von allem ein bisschen…“ Oder „Sind Schmerzmittel denn auch Arzneimittel?“

Fehlerhaft erstellte oder übertragene Medikationspläne, mangelnde Kenntnis der Medikation durch den Patienten bzw. unzureichend weitergegebene Informationen können Ursachen für Medikationsfehler sein. Eine pharmazeutische Arzneimittelanamnese kann das Auftreten von Medikationsfehlern verhindern oder zumindest die Möglichkeit bieten, bei aufgetretenen Problemen rechtzeitig einzugreifen.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Und schon wieder ist es passiert …

Aufgrund ungewöhnlicher Einnahmerhythmen kann es vorkommen, dass Hochrisikowirkstoffe versehentlich täglich statt einmal wöchentlich verschrieben, verabreicht und/oder eingenommen werden. Dies führt meist zu schwerwiegenden Nebenwirkungen oder sogar zum Tod.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Unsichtbarer Fehler

Notfallwagen/-koffer ermöglichen die schnelle und sichere Versorgung der Patienten im lebensbedrohlichen Notfall. Die richtige Versorgung ist allerdings nur dann sicher gestellt, wenn der Notfallwagen/-koffer komplett bestückt ist und keine notwendigen Präparate – wie in dem unten vorgestellten Fall die wirkstoffhaltige Trockensubstanz – fehlen.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Kopfrechnen – kein Problem?

Einem Patienten wurde die zehnfache Dosis Argatroban verabreicht, da sich die diensthabende Pflegekraft beim Zubereiten der Infusion verrechnet hatte. Daher sollten Hochrisikowirkstoff-Infusionslösungen in Standardkonzentrationen vorab durch die Krankenhausapotheke hergestellt und an die Stationen abgegeben werden, um dort zusätzliche Arbeitsschritte zu vermeiden.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Präparatewechsel führt zur falschen Behandlung

Jeder Präparatewechsel bzw. jede Medikationsumstellung (aut-idem oder auch aut-simile) birgt vielfältige Risiken. Trotz des möglicherweise vorhandenen Risikobewusstseins müssen häufig aufgrund von Einsparzwängen der Krankenhäuser oder aufgrund von Lieferschwierigkeiten (vorübergehend) Hersteller- und damit Präparatewechsel in der Klinik vorgenommen werden. Die Arzneimitteltherapiesicherheit und damit die Patientensicherheit sind bei diesen Umstellungen massiv gefährdet, wie die Fehleranalyse im Weiteren zeigt.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Ist teilen gleich teilen?

Die Verwendung nicht eindeutiger Formulierungen und komplizierter Fachsprache kann zu Missverständnissen beim Patienten führen. Um dadurch bedingte Medikationsfehler zu vermeiden, muss bei der Beratung von Patienten immer darauf geachtet werden, sich einer einfachen und unmissverständlichen Sprache zu bedienen.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Fußamputation infolge von Therapie mit einem Betablocker

Die Therapie mit Bisoprolol führte bei einem Patienten zur Amputation des Fußes, da vorliegende Kontraindikationen, in diesem Fall eine pAVK, nicht hinreichend beachtet wurden. Hinzu kam, dass der Patient starker Raucher war.



Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Eingeschränkte körperliche Kräfte verhindern Inhalation

Wer Inhalativa anwendet, gerät bei der Inhaliertechnik schnell ins Grübeln. Nur wer richtig inhaliert, bringt den Wirkstoff tief genug in die Bronchien ein, sodass er dort wirken kann. Aufgrund der Komplexität des Inhalationsvorgangs passieren bei Arzneimitteln, die inhaliert werden, häufig Fehler [1, 4].



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Adka intern
Pamela Kantelhardt und Dr. Gesine Picksak (Ausschuss Arzneimitteltherapiesicherheit)
Wie setze ich es im Alltag um?