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36. Jahrgang Heft 8 August 2015

Übersicht
Anne-Christine Gruber, Steffen Amann und Cornelia Vetter-Kerkhoff, München

Die ADKA finanziert ihren Mitgliedern den Zugang zur Cochrane-Datenbank. Wichtigster Bestandteil der Cochrane-Datenbank sind die Cochrane-Reviews. In diesen systematischen Übersichtsarbeiten zu unterschiedlichsten Therapiegebieten werden sämtliche relevanten Studien und andere Forschungsergebnisse zu einer therapeutischen Fragestellung zusammengefasst. Sie stellen somit den aktuellen, evidenzbasierten medizinischen Wissensstand dar. Die Reviews werden regelmäßig aktualisiert, sobald neue Studien zu einer therapeutischen Fragestellung erschienen sind oder eine Korrektur notwendig ist. Im Krankenhausapothekenalltag können sie einen schnellen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten bei bestimmten Erkrankungen geben und wertvolle Informationen für patientenindividuelle Therapieentscheidungen liefern. Auf diese Weise können Krankenhausapotheker davon bei der Arzneimittelinformation bei Anfragen aus ihren Kliniken profitieren. Außerdem können die Informationen zur Beurteilung des aktuellen Stellenwerts bestimmter Therapien herangezogen werden und unterstützen so die Erstellung von internen Leitlinien sowie Richtungsentscheidungen in der Arzneimittelkommission. Die Umsetzung der EAHP-Statements und ADKA-Thesen wird damit realisiert.

Schlüsselwörter: ADKA, Arzneimittelinformation, pharmazeutische Serviceleistungen, Cochrane-Bibliothek, systematische Übersichtsarbeiten, evidenzbasierte Medizin, EAHP-Statements, ADKA-Thesen

Access to the Cochrane Library for all ADKA-members

The German Society of Hospital Pharmacists (ADKA) provides its members with free access to the Cochrane Library. The most important part of the Cochrane Library are the Cochrane Reviews – systematic reviews on many different therapeutic fields that summarize all relevant studies and research on a certain health problem. Hence, they represent the current evidence-based medical knowledge. The reviews are updated regularly when new studies have been published on a therapeutic issue or a correction is necessary. For the daily work of hospital pharmacies they can give a quick overview over the treatment options for certain diseases and provide valuable information for making patient-specific health decisions. That way, hospital pharmacists can benefit from the reviews when answering drug information enquiries. Moreover, the information can be used for assessing the therapeutic value of certain therapies and can support the creation of internal guidelines and formulary decisions in the Pharmacy and Therapeutics Committee. ADKA supports the implementation of the EAHP-Statements and also the ADKA-theses with this commitment.

Key words: The German Society of Hospital Pharmacists, drug information, clinical pharmacy services, Cochrane Library, Cochrane Reviews, evidence-based medicine, EAHP-statements, ADKA-theses

Krankenhauspharmazie 2015;36:411–4.



Originalarbeit
Andreas Pospiech, Markus Zilker, Ulrike Holzgrabe, Petra Högger, Würzburg, und Josef Scheiber, Waldsassen

Viele Arzneimittel sind für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen, weshalb der Off-Label-Gebrauch in der Pädiatrie an der Tagesordnung ist. Dabei werden Arzneistoffe außerhalb der zugelassenen Indikation, in von der Zulassung abweichenden Dosierungen oder in veränderter Darreichungsform eingesetzt. Im Rahmen des Projekts „Personalisierte Medizin im Kindes- und Jugendalter“ wird vom Pharmazeutischen Institut der Universität Würzburg und der Firma BioVariance eine Datenbank erarbeitet, die verfügbare Informationen für die Off-Label-Anwendung, beispielsweise pharmakokinetische Studiendaten und Empfehlungen zur Off-Label-Dosis von Arzneistoffen, für unterschiedliche pädiatrische Altersgruppen bereitstellen soll. Die Datenbank soll Ärzten und Apothekern als schnelle und aktuelle Informationsquelle dienen und Ärzte bei der Festlegung der Dosis beim Off-Label-Einsatz unterstützen.

Schlüsselwörter: off Label, Pädiatrie, Datenbank, Dosis-Informationen, App-Version

Improved safety in off-label use in pediatrics

As many drugs are not approved in children and adolescents, off-label drug use is common in pediatrics. Off-label drug use is defined as use outside the approved indication, used deviating from the approved dosages or dosage forms. As part of the project “Personalisierte Medizin im Kindes- und Jugendalter”,a database was developed which will provide all available data concerning off-label drug use for example pharmacokinetic data and recommendations for off-label dosing for different pediatric age groups. The database is intended to serve physicians and pharmacists as a quick and timely source of information and to support physicians in determining the dose for off-label use.

Key words: off-label, pediatrics, database, dosing information, app-version

Krankenhauspharmazie 2015;36:415–9.



Kongress
Eva-Maria Lippke, Mainz

Ein Seminar beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim beschäftigte sich mit der Zubereitung und Prüfung von Antiinfektiva. Sowohl für die patientenindividuelle Rezeptur als auch für defekturmäßige Zubereitungen müssen Plausibilitätsprüfungen durchgeführt und Herstellungsanweisungen/-protokolle erstellt werden. Für Defekturen fallen zudem Prüfanweisungen und -protokolle an.

Krankenhauspharmazie 2015;36:420–1.



Solvejg Langer, Stuttgart

Über systemische Pilzinfektionen und ihre Therapie sprachen Prof. Andreas Groll, Münster, und Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake, Hamburg, in einem Seminar beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim. Thema waren häufig auftretende Infektionen mit Candida- und Aspergillus-Arten sowie selten vorkommende Erreger wie Mucor oder Fusarium species.

Krankenhauspharmazie 2015;36:421–2.



Solvejg Langer, Stuttgart

Seltene Infektionen, häufig ein Mitbringsel aus dem Urlaub, waren das Thema eines Seminars beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim. Für deren Therapie erleben derzeit einige alte, fast vergessene Antibiotika ein Comeback.

Krankenhauspharmazie 2015;36:422–3.



Qualitätsmanagementsystem
Elfriede Nusser-Rothermundt, Stuttgart

Zur Beantwortung dieser Frage sollte zunächst der Begriff „QM-Dokumentation“ geklärt werden. Hierzu gibt es stark divergierende Vorstellungen, die davon abhängen, unter welchem Fokus der Begriff verwendet wird (z. B. GMP, ISO, Kammerhandbuch, ApoBetrO). In der Regel umfassen die sogenannten „dokumentierten Informationen“ Nachweise für Geltungsbereich, Qualitätspolitik und -ziele, Überwachung und Messung, Kompetenz der Mitarbeiter, Entwicklung, Rückverfolgbarkeit und Managementbewertung.

Schlüsselwörter: Dokumentations-Anforderungen, QMS, Krankenhausapotheke, Spielraum

Flexibility in the documentation of a quality management system in hospital pharmacies

The documentation of a quality management system (QMS) usually includes evaluation, measuring and monitoring of the QMS, responsibility of staff members and the perview of the QMS. Requests on the documentation can diverge in different guidelines and laws (e. g. the German Ordinance on the Operation of Pharmacies or GMP-Guidelines).

Key words: Documentation quality management system, flexibility, hospital pharmacies

Krankenhauspharmazie 2015;36:424–7.



Serie
Pamela Kantelhardt für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Tropfen sind kein Saft!

Aufgrund einer fehlerhaften Umstellung einer oralen, flüssigen Valproat-Zubereitung auf eine 5-fach höher konzentrierte Valproat-Zubereitung ohne Umrechnung der Dosis erlitt ein pädiatrischer Patient bei Aufnahme ins Krankenhaus eine vorübergehende Schädigung.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Claudia Becker, Zürich
Wirksamkeit und Sicherheit des RTS,S/AS01-Malaria-Impfstoffs mit oder ohne Auffrischungs-Impfung bei Säuglingen und Kleinkindern

Die Wirksamkeit des Malaria-Impfstoffs RTS,S/AS01 bei Kindern verschiedener Altersgruppen in den 12 Monaten nach der dritten Impfung ist bereits bekannt. Jetzt liegen neue Daten zur Langzeit-Wirksamkeit sowie zur Arzneimittelsicherheit aus der Follow-up-Studie vor. Der Impfschutz hielt bei einem Großteil der Kinder bis zu vier Jahre an. Allerdings war die Impfung nicht in jeder Altersklasse gleich effektiv und seine Wirksamkeit ließ mit der Zeit nach. Eine Auffrischungsimpfung nach 18 Monaten konnte die Wirksamkeit erhöhen.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Säurehemmer könnten häufig abgesetzt werden

Protonenpumpenhemmer erhöhen das Risiko für ein Rezidiv einer Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö. Das könnte vor allem in solchen Fällen vermieden werden, in denen die Säureblocker außerhalb einer evidenzbasierten Indikation verordnet wurden. Doch in der Praxis wird diese Empfehlung praktisch nie umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer kanadischen Studie.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Restitution nach Antibiotika-Einnahme erst nach zwölf Monaten abgeschlossen

In einer Experimentalstudie mit gesunden Erwachsenen veränderte die zehntägige Einnahme von Ciprofloxacin oder Clindamycin im Vergleich zu Placebo die Mikrobiomzusammensetzung des Stuhls. Die Normalisierung erfolgte überwiegend in den Wochen zwei bis vier, die vollständige Restitution war aber erst nach zwölf Monaten abgeschlossen. Dies traf beispielsweise für die Bifidobakterien-Population nach Clindamycin-Einnahme zu.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Web-basierte Datenerhebung aus internationalen Krankenhäusern

Nosokomiale Harnwegsinfektionen machen in fast allen Statistiken den größten Anteil aller krankenhauserworbenen Infektionen aus. Da sie oft mit oralen Antibiotika behandelt werden, sind nicht nur die verursachenden Harnwegserreger, sondern auch die mitbehandelte Darmflora der Patienten einem hohen Selektionsdruck ausgesetzt. Eine aktuelle internationale Erhebung zeigte, dass Harnwegsinfektionen aufgrund der Resistenzzunahme häufig mit unwirksamen Antibiotika behandelt werden.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Weniger Spätfolgen durch angepasste Therapie

Die späte Sterblichkeit von an Krebs erkrankten Kindern hat in den letzten 30 Jahren abgenommen. Die ergab eine retrospektive Analyse der Childhood Cancer Survivor Study mit mehr als 34 000 Patienten, die in der Plenarsitzung beim ASCO-Kongress am 31. Mai 2015 vorgestellt wurde. Bei Kindern, die ihre Krebserkrankung fünf Jahre überlebt hatten, sank die kumulative Gesamtsterblichkeit 15 Jahre nach der Diagnose von 10,7 % in den Jahren 1970 bis 1974 auf 5,8 % in den Jahren 1990 bis 1994.



Simone Reisdorf, Erfurt
Bestes Outcome bei niedrigem Bilirubin, hohem Albumin und Alter < 65

Mit direkten antiviralen Agenzien werden auch bei Patienten mit Hepatitis C (HCV) und dekompensierter Zirrhose teils hohe Responseraten erzielt. Hier kommt es allerdings auf die Ausprägung des Leberschadens an und die Therapie muss individueller abgestimmt werden. Dies ist die Quintessenz aus mehreren Studien, die beim Kongress der European Association for the Study of the Liver (EASL) präsentiert wurden.



Simone Reisdorf, Erfurt
Kombiniert und nicht zu kurz behandeln

Patienten mit Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV) können von einer Behandlung mit Interferon-freien kombinierten Therapieregimen profitieren, auch wenn sie bereits an Leberzirrhose leiden. Sechs Wochen Therapiedauer sind dafür aber zu kurz; das wurde beim 50th International Liver Congress in Wien deutlich.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau