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37. Jahrgang Heft 1 Januar 2016

Originalarbeit
Mareike Kunkel und Irene Krämer, Mainz

Nach fast 20 Jahren der Arzneimittelkommissionierung mit automatischer Auslagerung aus einem Lagerkanalsystem wurde in der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz ein neues, vollautomatisches Logistiksystem etabliert. Das neue System besteht aus den fünf Komponenten Rowa Vmax® Kommissionierautomat, der Rowa-Fördertechnik für Packungen und der Fördertechnik für Kommissionierbehältnisse (Fa. SSI Schäfer), dem automatischen Einlagerungssystem Rowa ProLog®, dem Rowa®-Box-Entstaplersystem für Kommissionierbehältnisse und dem Lagerverwaltungssystem Chicago::LVS mit Arbeitsplätzen für die Nachkommissionierung. Zur manuellen Kommissionierung von Artikeln, die nicht im Automaten liegen, wurden Handhelds eingeführt, die der Identifizierung der Artikel dienen und bei der Abgabe das Verfalldatum erfassen lassen. Die vollautomatische Einlagerung, vereinfachte Inventur und automatisierte Verfalldatenkontrolle sind von großem Vorteil im Logistikprozess. Zusammen mit der Handheld-gestützten manuellen Kommissionierung wird die Fehlerwahrscheinlichkeit auf ein Minimum reduziert. Das gut aufeinander abgestimmte vollautomatische Logistiksystem bringt einen Zugewinn an Sicherheit und Effizienz in der pharmazeutischen Logistik der Universitätsmedizin Mainz.

Schlüsselwörter: Pharmazeutische Logistik, Kommissionierautomat, automatische Ein- und Auslagerung, Lagerverwaltungssystem

Automatisation and optimisation of pharmaceutical logistics with the Rowa Vmax logistical system in the pharmacy of the University Clinic of Mainz

After almost 20 years of storing and dispensing using a stock channel system, the hospital pharmacy at the University Clinic of Mainz has implemented a new, fully automatic logistical system. The new system consists of 5 components: the Rowa Vmax storage and dispensing system, the Rowa conveyor system for packages and conveyor system for dispensing containers (Fa. SSI Schäfer), the automatic sorting system Rowa Prolog, the Rowa destacking system for dispensing containers, and the sorting system Chicago::LVS with a workstation for dispensing. Handheld scanners were introduced for the manual picking of products which are not stored in the automatic system, which can be used for the identification of products and to identify the expiration date when dispensing. The fully automatic storing, simplified inventory and automatic expiration date check are a large benefit to our logistic system. By using the handheld scanners the risk of error in manual dispensing has been reduced to a minimum. The entirety of the fully automatic logistic system allows for an increase in safety and efficiency in the pharmaceutical logistics at the University Clinic in Mainz.

Key words: Pharmaceutical logistic, automatic storage and picking system, inventory management system

Krankenhauspharmazie 2016;37:1–8.



Katja Wilke, Sina Helbig und Katja de With, Dresden

Die Anzahl an Krankenhäusern mit Antibiotic-Stewardship(ABS)-Aktivitäten zur Verbesserung und Sicherstellung einer rationalen Antiinfektiva-Verordnungspraxis steigt. Durch das multidisziplinäre ABS-Team werden Therapieoptimierungen, beispielsweise während proaktiver Antiinfektiva-Verordnungsanalysen oder Antiinfektiva-Visiten, empfohlen. Diese Empfehlungen, auch als ABS-Interventionen bezeichnet, verbessern die Verordnungsqualität hinsichtlich Auswahl, Dosis, Dosierungsintervall, Applikationsart und Anwendungsdauer der Antiinfektiva. Zur Dokumentation der ABS-Interventionen wurde ein Tool entwickelt (ABS-Doku-Tool), damit diese qualitätssichernde Maßnahme abgebildet werden kann. Die evidenzbasierte Kategorisierung des ABS-Doku-Tools wurde auf pharmazeutische ABS-Interventionen angewendet, anschließend deskriptiv ausgewertet und den Ergebnissen aus ADKA-DokuPIK gegenübergestellt. Mithilfe des ABS-Doku-Tools lassen sich die Empfehlungen zur Therapieoptimierung detailliert und differenziert abbilden. Es unterstützt das ABS-Team in der evidenzbasierten Darstellung der klinischen Tätigkeiten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung.

Schlüsselwörter: Antibiotic Stewardship, ABS, Interventionen, Dokumentation, Prozessqualität

Documentation of ABS-interventions in hospital

The number of hospitals with antibiotic stewardship (ABS) activities to improve and ensure rational use of antibiotics is rising. Therapy optimisation is suggested by the interdisciplinary ABS-team during proactive audit of antiinfective use. These recommendations, referred to as ABS-interventions, enhance quality of prescribing regarding choice of substance, dose, dosing interval, route of administration and duration of treatment. We developed an evidence-based tool for documentation of these quality-assuring activities and subsequently demonstrating the value of antibiotic stewardship programmes.

Key words: Antibiotic stewardship, ABS, antimicrobial stewardship, AMS, interventions, documentation, process quality

Krankenhauspharmazie 2016;37:9–17.



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Ute Blassmann und Alexandra Weber, München

Das Fallbeispiel illustriert die Folgen einer Ibuprofen-Überdosierung bei einer betagten Patientin mit Thromboembolieprophylaxe durch Dabigatran.

Krankenhauspharmazie 2016;37:18–20.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Der Artikel wurde unter Einbeziehung von Diskussionsbeiträgen von Dr. Jörg Brüggmann, Berlin, Prof. Dr. Christoph Hiemke, Mainz, und Dr. Jochen Weber, Bad Wildungen, erstellt.
Das Interaktionspotenzial der Reserve-Antikonvulsiva

Reserve-Antikonvulsiva (Antiepileptika) werden nur selten in Kombination eingesetzt oder sind speziellen Indikationen vorbehalten. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten dieser Substanzen zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen dargestellt.



Serie
Pamela Kantelhardt für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Selbsterstellter Medikationsplan führt zu Überdosierung

Ein COPD-Patient wendet laut eigenem, handschriftlichem Medikationsplan Onbrez® Breezhaler® 300 und Foster® Dosieraerosol drei- bis viermal täglich an. Laut des Arztbriefs seines Pulmologen soll er jedoch Onbrez® 300 einmal täglich (max. Dosierung) und Foster® drei- bis viermal täglich anwenden.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Überlebensvorteil für Hochrisikopatientinnen unter Therapie mit Bevacizumab

Eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab nach einer Standardchemotherapie führte bei Hochrisikopatientinnen, die an einem Ovarialkarzinom erkrankt waren, zu einem verbesserten Gesamtüberleben. Zu diesem Ergebnis kam eine weitere Auswertung der ICON7-Studie.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Beeinflusst eine Krebsbehandlung der Mutter die Kindesentwicklung?

Die Ergebnisse vor allem retrospektiver Studien deuten an, dass eine Krebsbehandlung einer werdenden Mutter die Entwicklung ihres ungeborenen Kindes nicht beeinflusst – sofern die Behandlung nach dem ersten Trimester erfolgt. Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie des Internationalen Netzwerks für Krebs, Unfruchtbarkeit und Schwangerschaft (International Network on Cancer, Infertility, and Pregnancy [INCIP]) liefert nun prospektive Daten.



Bettina Christine Martini, Legau
Ceftolozan/Tazobactam effektiver als Levofloxacin

Mit dem kombinierten Antibiotikum Ceftolozan/Tazobactam wurden in einer auf Nichtunterlegenheit angelegten Vergleichsstudie bei Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis bessere mikrobiologische Eradikationsraten erzielt als mit einer hoch dosierten Levofloxacin-Therapie.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Längeres Überleben und neue Behandlungsmethoden

Die Überlebenszeit von Patienten mit kolorektalem Krebs ist in den letzten zwanzig Jahren langsam, aber stetig, gestiegen. Diese Fortschritte lassen sich jedoch nicht allein auf die Chemotherapie zurückführen, sondern wurden auch durch bessere chirurgische und medizinische Möglichkeiten sowie eine bessere unterstützende Pflege möglich.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wirksamkeit und Sicherheit von Blutdrucksenkern

Bei Diabetikern mit Nierenerkrankung konnte keine blutdrucksenkende Therapie die Überlebenszeit verlängern. Allerdings erwiesen sich die Angiotensin-Konversionsenzyminhibitoren und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, allein oder in Kombination, als wirksamste Strategien gegen eine Nierenerkrankung im Endstadium. Bei ihrem Einsatz müssen Nutzen und mögliche Risiken gegeneinander abgewogen werden.



Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen
Zu häufige Diagnose im Zeitalter molekularer Testverfahren?

Zur Diagnose von Clostridium-difficile-Infektionen werden neben der klinischen Beurteilung immunologische und/oder molekulare Testverfahren eingesetzt. Wissenschaftler der University of California Davis School of Medicine hatten mit dieser Untersuchung das Ziel, den Krankheitsverlauf von symptomatischen Patienten, bei denen Clostridium-difficile-DNA, jedoch nicht das Toxin nachgewiesen wurde, zu analysieren und herauszufinden, ob diese Gruppe behandelt werden muss oder nicht.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Neurokinin-Rezeptorantagonist Rolapitant verhindert verzögertes Erbrechen

Rolapitant ist ein neuer Neurokinin-1(NK1)-Rezeptorantagonist. Seine Wirksamkeit in Kombination mit Granisetron und Dexamethason wurde in drei randomisierten doppelblinden Studien mit der Gabe von Granisetron und Dexamethason verglichen. Bei der zusätzlichen Einnahme von Rolapitant mussten sich die Patienten weniger häufig erbrechen und benötigten seltener eine antiemetische Notfallmedikation.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Erfolgreiche Rezidivprophylaxe mit Tinzaparin

Bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung und akuter, symptomatischer venöser Thromboembolie erwies sich das niedermolekulare Heparin Tinzaparin im Vergleich zu Warfarin in der Rezidivprophylaxe venöser Thromboembolien als überlegen. Dabei erhöhte die Behandlung mit Tinzaparin das Risiko für schwere Blutungen nicht, gleichzeitig wurde das Risiko für klinisch relevante, nicht schwerwiegende Blutungen signifikant gesenkt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau