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37. Jahrgang Heft 3 März 2016

Übersicht
Hans-Peter Lipp, Yvette Nann und Eva Mohr, Tübingen
Dosieren wir richtig?

Aufgrund ihres großen Molekulargewichts sind polyvalente Immunglobuline und monoklonale Antikörper nach parenteraler Gabe kaum in der Lage, den Intravasalraum zu verlassen. Da bei adipösen Patienten die Größe des zentralen Kompartiments nicht proportional mit dem Körpergewicht steigt, wird seit Längerem diskutiert, weshalb entsprechende Präparate in ihrer Dosierungsanleitung nach Gewicht oder Oberfläche des Patienten dosiert werden. Es ist deshalb nachvollziehbar, wenn Neuzulassungen von monoklonalen Antikörpern in der Onkologie immer häufiger körpergewichtsunabhängige Absolutdosen vorsehen und deshalb vielmehr Surrogatparameter, wie Talspiegel oder definierte klinische Symptome, in die Überlegungen zu möglichen Dosissteigerungen einfließen.

Schlüsselwörter: Polyvalente Immunglobuline, monoklonale Antikörper, Dosierungsempfehlungen, Adipositas, Surrogatparameter

Dosage of polyvalent immunoglobulines and monoclonal antibodies in obese patients

Due to their high molecular weight, polyvalent immunglobulins and monoclonal antibodies are primarily distributed within the intravascular space. In case of obesity, a correlation between elevated body weight and any increase of the central compartment cannot be presupposed, which takes the routine practice to dose those products according to body weight or body surface area into question. As a consequence, it appears to be more sophisticated to consider defined surrogate parameters (e. g. trough levels in plasma) or the extent of clinical symptoms as reasons for any dose increase rather than body weight. In conclusion, it is comprehensible that newly marketed monoclonal antibodies are primarily used in fixed doses independent of the patient’s body weight.

Key words: Polyvalent Immunglobulins, monoclonal antibodies, dosage recommendations, obesity, surrogate parameters

Krankenhauspharmazie 2016;37:83–8.



Originalarbeit
Sonja Zeggel, Sophia Bayerl und Herbert Plagge, Basel
Aktuelle Situation in Schweizer Spitälern bei der Durchführung von Präparate-Evaluationen und Optimierung der Checkliste für die Beurteilung der pharmazeutischen Eigenschaften

Durch die Zunahme von Änderungen im Arzneimittel-Sortiment einer Spitalapotheke (z. B. durch Lieferengpässe, Marktrücknahmen) gewinnt die Verwendung einer Checkliste für die pharmazeutische Beurteilung und Dokumentation von Präparate-Evaluationen zunehmend an Bedeutung. Für eine eindeutige Nachvollziehbarkeit sollten die fachlich getroffenen Entscheidungen (z. B. in einer solchen Checkliste) unbedingt dokumentiert werden. Im Rahmen dieses Projekts wurde die aktuelle Situation in der deutschsprachigen Schweiz hinsichtlich der Durchführung von Präparate-Evaluationen mithilfe eines Fragebogens untersucht. Die im Unispital Basel bereits vorhandene Checkliste zum Vergleich der pharmazeutischen Eigenschaften verschiedener Präparate sollte in Zusammenarbeit mit Test-Spitälern optimiert werden.

Schlüsselwörter: Präparate-Evaluationen, Generika, Dokumentation, Checkliste, Fragebogen, Lieferengpässe

Improvement and a comparative research of drug evaluations in Swiss hospitals

Due to the increasing number of changes in the hospital drug formulary drug evaluations become more and more important. In this context the use of a special checklist is crucial for the pharmacists and is an important requirement for the documentation of the decisions made by him.

In our project we examined the current situation in the German-speaking part of Switzerland. The further objective of our project was the optimization of our checklist in collaboration with the other participating hospital pharmacists.

Key words: Drug evaluation, generics, checklist, documentation, drug shortages

Krankenhauspharmazie 2016;37:89–95.



Berichte
Dr. Albrecht Eisert, Aachen
Bericht zur 5. LAUD-Doktorandentagung am 28. November 2015

Am ersten Adventwochenende kamen zahlreiche forschungsinteressierte Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland ins Universitätsklinikum Aachen, unter ihnen zahlreiche Doktorandinnen, Doktoranden und forschungsaktive Betreuer. Es wurde ein Überblick über den aktuellen Stand verschiedener klinisch pharmazeutischer Projekte aus den Bereichen der Arzneimitteltherapiesicherheit, Antibiotic Stewardship, Psychiatrie und Onkologie gegeben. Der Erfahrungsaustausch und die interessanten Diskussionen dienten dazu, methodisches Vorgehen und interdisziplinäre Projekte näher zu beleuchten. Insgesamt waren 13 Standorte vertreten.

Krankenhauspharmazie 2016;37:96.



Abstracts der Kurzvorträge der Tagung „Forschung mit Fortschritt – Aktuelle Forschungsprojekte in den Apotheken der Universitätsklinika Deutschlands“ am 28. November 2015 in Aachen

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf Seite 96 in dieser Ausgabe der Krankenhauspharmazie. Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der Fibrate

Von den drei in Deutschland verfügbaren Fibraten werden Bezafibrat und Fenofibrat noch nennenswert verordnet. Gemfibrozil hat Bedeutung in der Erforschung pharmakokinetischer Interaktionen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Fibrate zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen dargestellt.



Serie
Pamela Kantelhardt und Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Verwechslung von Präparaten nach Herstellerwechsel

Aufgrund einer Look-alike-Verwechslung erhält ein Patient anstelle der 1%-Konzentration die 2%-Lösung Propofol. Nur durch die engmaschige anästhesiologische Überwachung bei der Narkoseeinleitung konnten Schäden beim Patienten verhindert werden.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wie wirksam ist Paracetamol?

Die frühe Verabreichung von Paracetamol zur Behandlung von durch eine Infektion ausgelöstem Fieber konnte die Anzahl der Tage, die betroffene Patienten auf einer Intensivstation verbringen mussten, nicht beeinflussen. Auch auf die Sterblichkeitsrate oder die Überlebenszeit innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von 90 Tagen zeigte Paracetamol keine signifikante Wirkung.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Hochdosierte Glucocorticoide nach Rückfall

Patienten mit schubförmig remittierender multipler Sklerose profitieren von hochdosierten oralen Glucocorticoiden über drei Tage ebenso wie von der bisher favorisierten Dreitagestherapie mit hochdosierten intravenösen Glucocorticoiden. Das zeigt eine randomisierte, doppelblinde Double-Dummy-Studie.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Langfristig mehr unerwünschte Ereignisse unter Intervalltherapie

Eine Langzeitanalyse einer randomisierten Studie zu Effekten einer intermittierenden versus einer durchgehenden Androgen-deprivierenden Behandlung beim metastasierten Prostatakarzinom ergab keine Unterschiede in der kumulativen 10-Jahres-Inzidenz bei Osteoporose sowie endokrinen oder kognitiven Ereignissen. Die Raten von ischämischen oder thrombotischen Zwischenfällen waren unter der intermittierenden Behandlung erhöht.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Orale Nachbehandlung mit Valaciclovir sinnvoll?

Enzephalitiden durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) sind durch einen akuten Beginn und eine hohe Mortalität gekennzeichnet. Langzeitfolgen bei Überlebenden sind Konzentrationsstörungen, rasche Ermüdbarkeit oder andere neuropsychologische Defizite. Eine aktuelle Studie untersuchte, ob eine orale Nachbehandlung mit Valaciclovir die Langzeitschäden günstig beeinflussen kann.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Procalcitonin gesteuertes ABS-Programm senkt den Antibiotikaverbrauch

In einer retrospektiven Beobachtungsstudie wurde analysiert, ob die Implementierung eines Procalcitonin-gestützten Antibiotic-Stewardship-Programms den Antibiotikaverbrauch senken kann. Insgesamt konnte der Verbrauch um über 20 % reduziert werden, insbesondere bei Cephalosporinen, Fluorchinolonen und Aminoglykosiden.

 Mit einem Kommentar von Priv.-Doz. Dr. med. Elisabeth Meyer, München



Solvejg Langer, Stuttgart
Diagnostik schwerer bakterieller Infektionen bei Säuglingen

In einer Studie wurde die Eignung des Biomarkers Procalcitonin zur Detektion von invasiven bzw. schwerwiegenden bakteriellen Infektion bei Säuglingen im Vergleich mit anderen Testmethoden untersucht. Bei der Bestimmung invasiver bakterieller Infektion war Procalcitonin beispielsweise dem C-reaktiven Protein überlegen, für den Nachweis schwerwiegender bakterieller Infektion liefern beide Test ähnliche Ergebnisse.



Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Kochsalzlösung oder gepufferte Elektrolytlösung?

Die klinische Studie SPLIT an 2278 Intensivpatienten kommt zu dem Ergebnis, dass Wirksamkeit und Verträglichkeit von Kochsalz- und gepufferten Elektrolytlösungen bei Intensivpatienten vergleichbar sind.



Dr. Claudia Becker, Zürich
Wirksamkeit einer Antibiotikaprophylaxe für Patienten mit Schluckstörungen nach einem Schlaganfall

In einer klinischen Studie wurde die Wirksamkeit einer siebentägigen Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Pneumonien bei Patienten mit Schluckstörungen nach einem Schlaganfall untersucht. Es konnte kein Vorteil einer solchen Intervention festgestellt werden.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Häufigere Infektionen durch Methicillin-empfindliche als durch resistente Erreger

In neonatologischen Intensivstationen in den USA sind invasive Infektionen durch Methicillin-sensiblen Staphyloccus aureus (MSSA) häufiger als solche durch Methicillin-resistenten (MRSA) und sie verursachen in Summe mehr Todesfälle, so das Ergebnis einer Studie, die im Oktober 2015 in JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde.

 Mit einem Kommentar von Priv.-Doz. Dr. med. Elisabeth Meyer, München



Dr. Jutta Zwicker, London
Herzschrittmacher ohne Elektroden

In der LEADLESS-II-Studie erfüllte der elektrodenlose Einkammer-Herzschrittmacher die vordefinierten Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkte. Langzeitdaten stehen noch aus.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Kombinationstherapie führt zu längerem Überleben

Für Patienten mit nicht resezierbaren oder metastasierten malignen Melanomen mit einer BRAF-V600E- oder einer BRAF-V600K-Mutation führt eine Kombinationstherapie aus dem BRAF-Inhibitor Dabrafenib (Tafinlar®) und dem MEK-Inhibitor Trametinib (Mekinist®) zu einem statistisch signifikant längeren Überleben im Vergleich zu einer Therapie mit dem BRAF-Inhibitor Vemurafenib (Zelboraf®) allein. Außerdem war die Lebensqualität der Patienten im Kombinationsarm besser. Das zeigten die Ergebnisse zweier Studien, die während des europäischen Krebskongresses 2015 in Wien vorgestellt wurden.



Notizen
Bettina Christine Martini,