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37. Jahrgang Heft 5 Mai 2016

Editorial
Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Heidelberg


Originalarbeit
Marina Halle, Sindy Burjanko, Freiberg, und Frank Erdmann, Halle (Saale)
Eine kritische Analyse der Indikationsstellung und der Verordnungshäufigkeit – Möglichkeiten der pharmazeutischen Intervention

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) gehören weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln. Sie werden aber zu oft, häufig in zu hoher Dosierung und auch zu lange verordnet und es werden weiterhin steigende Verordnungszahlen verzeichnet. Dieser Trend wird auch zunehmend in Krankenhäusern beobachtet. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurden über einen Zeitraum von zwölf Wochen sämtliche PPI-Verordnungen auf einer neurologischen und einer internistischen Station bewertet. Untersucht wurde das Verordnungsverhalten, wie dieses durch das Alter des Patienten, durch die Multimorbidität und Polypharmazie beeinflusst wird und ob die Verordner den Empfehlungen der Leitlinien folgen. Dabei erfolgte die Bewertung der Verordnungen vor und nach einer pharmazeutischen Intervention. Diese Interventionsstudie sollte klären, inwieweit die pharmazeutische Betreuung Einfluss auf das Verordnungsverhalten nehmen kann.

Schlüsselwörter: Protonenpumpeninhibitor (PPI), kritische Verordnungsanalyse, pharmazeutische Intervention

Krankenhauspharmazie 2016;37:171–6.

Prescription of proton pump inhibitors – Influence of pharmaceutical interventions on prescription behaviour

Proton pump inhibitors (PPIs) are one of the most frequently prescribed classes of drug in the world. However, PPIs are often overused and overdosed and an increasing number of prescriptions is recorded. This trend is also observed in hospitals. We assessed all prescriptions of PPIs on a neurological and an internal medicine ward over a 12-week period. We examined whether physicians stick to medical guidelines and if prescription behaviour is affected by the age of the patients, their morbidity and co-medication. The survey was conducted before and after a pharmaceutical intervention. The intervention study should investigate whether pharmaceutical supervision can influence prescription behaviour.

Key words: Proton pump inhibitor (PPI), critical verification of drug prescription, pharmaceutical intervention



Grit Berger, Carsten Windmeier und Lars Hüter, Bad Berka
Eine ABS-Intervention

Die Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) ist der häufigste Auslöser einer pseudomembranösen Kolitis im Krankenhaus. Auslösende Arzneimittel sind vor allem Breitspektrumantibiotika, besonders Fluorchinolone. Bei einem Anstieg der nosokomialen Inzidenzdichte von CDAD in unserem Krankenhaus führten wir eine Antibiotic-Stewardship-Intervention durch, die aus Information der Mitarbeiter und der Einführung eines Sonderrezepts für Fluorchinolone in der Zentralklinik Bad Berka bestand. Nach Analyse von Verbrauchszahlen und CDAD-Fällen erfolgte eine Überwachung der Ausgabe von Fluorchinolonen über ein Sonderrezept. Analysiert wurden der Fluorchinolonverbrauch, der Gesamtverbrauch an Antibiotika sowie die nosokomiale Inzidenzdichte an CDAD in den Jahren 2012 bis 2014. Der Fluorchinolonverbrauch sank von 3,84 RDD (Recommended daily doses)/100 Patiententage (PT) im Jahr 2012 auf 1,29 RDD/100 PT im Jahr 2014 (p < 0,01). Die nosokomiale Inzidenzdichte von CDAD reduzierte sich von 0,52/1000 PT auf 0,32/1000 PT (p < 0,01). Die Reduktion des Fluorchinolonverbrauchs durch Einführung eines Sonderrezepts führte zu einer signifikanten Verminderung der nosokomialen CDAD in der Zentralklinik Bad Berka. Die Sonderrezeptregelung für Fluorchinolone wurde dauerhaft eingeführt.

Schlüsselwörter: Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö, Fluorchinolone, Sonderrezept

Krankenhauspharmazie 2016;37:177–9.

Less Clostridium difficile-associated diarrhea after reducing fluorquinolone prescription

Clostridium difficile-associated diarrhea (CDAD) is one of the most common causes of pseudomembranous colitis in hospital. Triggering drugs are especially broad spectrum antibiotics, in particular fluorquinolone antibiotics (FQ). After a rise of nosocomial infections with clostridium difficile in our hospital, we performed an antibiotic stewardship intervention by information of the staff and the introduction of a restriction order for FQ. After analyzing antibiotic usage and CDAD rate, the prescription of FQ was supervised by the staff of the hospital pharmacy by means of the restriction order. Analyzed were the usage of FQ, the usage of all antibiotics and the rate of CDAD from 2012 through 2014. FQ prescription was reduced from 3.84 recommended daily dosages (RDD)/100 patient days (PTD) in 2012 to 1.29 RDD/100 PTD in 2014 (p < 0.01). The nosocomial infection rate with clostridium difficile was also reduced from 0.52/1000 PTD in 2012 to 0.32/1000 PTD in 2014 (p < 0.01). Thus, the reduction of FQ consumption in our hospital via a restriction order led to a significant reduction of nosocomial CDAD. The use of the restriction order was maintained after the intervention in the Zentralklinik Bad Berka.

Key words: Clostridium difficile associated diarrhea, fluorquinolones, restriction order



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der trizyklischen Antidepressiva (TZA)

Für die Bewertung des pharmakokinetischen Interaktionspotenzials der trizyklischen Antidepressiva (TZA) ist die Affinität zu den beiden Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen 2C19 und 2D6 von maßgeblicher Bedeutung. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu den Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.



Serie
Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Elektronische Verordnungssoftware als Fehlerquelle

Durch die Verwechslung von liposomalem und konventionellem Amphotericin B und die daraus resultierende Überdosierung erleidet ein Kind schwere Nebenwirkungen. Der Fehler kam zustande, da in der elektronischen Verordnungssoftware die beiden Präparate nicht auf den ersten Blick unterscheidbar waren.



Adka intern
Dr. Matthias Fellhauer, Villingen-Schwenningen
Berichtszeitraum: Januar 2015 bis Dezember 2015


Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Verkürztes Impfschema zur Vorbeugung von Genitalwarzen

Die tetravalente Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) dient dazu, der Entstehung von Zervixkarzinomen und Genitalwarzen vorzubeugen. In einer groß angelegten bevölkerungsbezogenen Studie aus Dänemark sollte überprüft werden, ob zwei Dosen der Impfung für die Vorbeugung von Genitalwarzen ausreichend sind und inwieweit der zeitliche Abstand zwischen den beiden Impfungen Einfluss auf die Effektivität hat.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart



Dr. Claudia Becker, Zürich
Obstipation: Fortschritte in Diagnose und Therapie

Chronische Verstopfung ist ein weit verbreitetes Problem, das hohe Kosten für das Gesundheitssystem generiert. Stimulierende und osmotische Laxanzien, Sekretagoga sowie µ-Opioid-Rezeptorantagonisten sind Therapieoptionen mit nachgewiesener Wirksamkeit. Studien, welche die Wirksamkeit der neueren Laxanzien mit den herkömmlichen vergleichen, sind wünschenswert, fehlen aber noch weitestgehend.



Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Protonenpumpeninhibitoren begünstigen die Entstehung von Nierenerkrankungen

Analysen der populationsbasierten Langzeit-Beobachtungsstudie ARIC und des Pflegesystems Geisinger Health mit 10 482 beziehungsweise 248 751 Patienten kommen zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren mit einem höheren Risiko für rezidivierendes akutes Nierenversagen und chronische Nierenerkrankungen verbunden ist.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Auch Transplantationen mit zuvor eingefrorenem Stuhl sind wirksam

In einer kanadischen Nicht-Unterlegenheitsstudie wurde die Übertragung eingefrorenen und wieder aufgetauten Stuhls auf Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Clostridium-difficile-Infektion mit der Transplantation frischen Stuhls verglichen. Es zeigte sich, dass der aufgetaute Stuhl den Durchfall genauso wirksam wie der frische ausheilen konnte. Auch das Auftreten unerwünschter Wirkungen war in beiden Gruppen vergleichbar.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Nitrate vermindern die Alltagsaktivität

Patienten mit einer diastolischen Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, die mit Isosorbidmononitrat behandelt wurden, waren im Alltag weniger aktiv und hatten keine bessere Lebensqualität als Kontrollen unter Placebo.



Solvejg Langer, Stuttgart
Genetische Risikofaktoren und risikoreduzierendes Verhalten


Notizen
Bettina Christine Martini, Legau