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37. Jahrgang Heft 6 Juni 2016

Editorial
Dr. Jörg Brüggmann, Berlin
Der Krankenhausapotheker als Brückenbauer


Originalarbeit
Sebastian G. Wicha, Uppsala/Berlin, Anka C. Röhr, Otto R. Frey, Alexander Brinkmann, Heidenheim, und Charlotte Kloft, Berlin
Vorstellung der Web-Applikation TDMx

Therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) in der Antibiotikatherapie gewinnt vor dem Hintergrund steigender Resistenzentwicklung zunehmend an Bedeutung. Präklinische und klinische Studien haben prädiktive pharmakokinetische (PK)/pharmakodynamische (PD) Indizes und Breakpoints als PK/PD-Zielwerte generiert. Diese sind mit dem antibakteriellen Effekt, der Unterdrückung einer Resistenzentwicklung und/oder Reduktion der Toxizität des Arzneistoffs korreliert. Basierend auf diesem Wissen zur PK/PD-Beziehung können Methoden aus der Pharmakometrie genutzt werden, um für einen konkreten Patienten diese PK/PD-Zielwerte in der Praxis präziser zu erreichen: So kann (1) vor Therapiestart ein wahrscheinlich wirksames initiales Dosierungsschema berechnet, (2) während der Therapie die Präzision der Bestimmung der individuellen PK mittels Bayes-Schätzung erhöht sowie (3) gleichzeitig das Probenentnahmeschema optimiert werden. Um Pharmakometrie-basiertes TDM ans Krankenbett zu bringen, wurde die Web-basierte Open-Access-TDMx-Software entwickelt, um den TDM-Prozess mit pharmakometrischen Ansätzen zu unterstützen (www.TDMx.eu). Der vorliegende Artikel führt zunächst das Konzept eines Pharmakometrie-basierten TDM ein, erläutert danach Hintergrundinformationen zur PK/PD-Beziehung der Beta-Lactame und Aminoglykoside und stellt im Anschluss die TDMx-Software vor, abgerundet durch zwei klinische Fallbeispiele für die Meropenem- und Gentamicin-Therapie.

Schlüsselwörter: TDM, Pharmakometrie, Bayes-Schätzung, Carbapeneme, Aminoglykoside

Krankenhauspharmazie 2016;37:212–21.

Pharmacometrics-based therapeutic drug monitoring of antibiotics

Therapeutic drug monitoring (TDM) in the field of anti-infective therapy is gaining importance in the face of increasing resistance development of bacteria in order to optimise antibiotic dosing. Pre-clinical and clinical studies have generated predictive pharmacokinetic (PK)/pharmacodynamic (PD) indices and breakpoints being correlated with antibacterial killing, suppression of resistance development and/or reduction of the drugs toxicity. Based upon this PK/PD knowledge, pharmacometric approaches have evolved that can be used to increase the precision of PK/PD target attainment in clinical practice for the individual patient. In particular, they enable, (i) to calculate a likely effective initial dosing regimen, (ii) to increase the precision of determination of the individual PK by means of Bayesian estimation and (iii) to optimise sampling protocols. In order to translate pharmacometric-based PK/PD dosing strategies to the bedside, the TDMx software has been developed as an open-access, web-based tool to enhance the TDM process with pharmacometric techniques. The present article initially introduces the concept of pharmacometrics-based TDM, next provides background on the PK/PD of beta-lactams and aminoglycosides that are implemented into TDMx, and finally introduces the TDMx-software, enriched by two examples of meropenem and gentamicin therapy from clinical practice.

Key words: TDM, pharmacometrics, Bayesian, probability of target attainment, carbapenems, aminoglycoside



Berichte
Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen
Bericht vom 21. EAHP-Kongress 2016 in Wien

Unter dem Motto „Hospital pharmacists taking the lead – partnerships and technologies“ fand vom 16. bis 18. März der 21. Kongress der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) in Wien statt. 3534 Teilnehmer aus 73 Ländern (251 aus Deutschland) fanden einen perfekt organisierten Kongress im Austria Center Vienna vor und konnten neben einem abwechslungsreichen Kongress auch Kunst, Kultur und Österreichs Hauptstadt bei schönem Frühlingswetter genießen.

Krankenhauspharmazie 2016;37:222–5.



Annekathrin Fritsch, Hamburg

Das Gesundheitswesen befindet sich im Wandel und hält für die Klinikapotheken und ihre Mitarbeiter neue Herausforderungen bereit. Im Seminar „New and emerging roles for pharmacy staff“ auf dem EAHP-Kongress 2016 in Wien wurden verschiedene neue Rollen für Apotheker und ihr Team in der Patientenversorgung vorgestellt sowie nötige Werkzeuge und Technologien, die für die Bewältigung der neuen Aufgaben wichtig sind, beleuchtet. Des Weiteren berichteten die Referenten über die in ihren Häusern bereits erfolgreich erschlossenen, neuen Aufgabengebiete und deren effiziente Organisation in der täglichen klinischen Routine.

Krankenhauspharmazie 2016;37:226–7.



Stefanie Walk-Fritz, Heidelberg

Unter Clinical-Decision-Support-Systemen (CDSS) versteht man klinische Systeme zur Entscheidungsunterstützung. In ihrer einfachsten Form (basic CDSS) stellen die Systeme Wissen zur Verfügung, das den Anwender beim Prozess der Entscheidungsfindung unterstützt, allerdings muss der Nutzer die Informationen eigenständig mit den Patientendaten zusammenführen. In der weiterentwickelten Form (advanced CDSS) wird das Wissen aus Datenbanken zusätzlich mit Patientencharakteristika verknüpft. Algorithmen generieren dann patientenindividuelle Empfehlungen. Im Seminar „Clinical decision support systems: beneficial for everyone?“ auf dem 21. EAHP-Kongress in Wien gaben die beiden Referenten Priv.-Doz. Dr. med. Balthasar Hug vom Universitätsspital Basel, Schweiz, und Dr. Anne-Marie Scheepers-Hoeks vom Maastricht University Medical Centre, Niederlande, einen umfassenden Überblick über Nutzen und Risiken der Einführung von CDSS.

Krankenhauspharmazie 2016;37:227–8.



Serie
Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Trauen Sie Ihren Ohren … NICHT!

Immer wieder kommt es zu Verwechslungen von Arzneimitteln mit ähnlich klingenden Namen, sogenannten Sound-alikes. Begünstigt wird diese Verwechslung beispielsweise durch mündliche Verordnungen und fehlende Überprüfung bzw. Rückversicherung bei Unsicherheiten.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Therapeutische Fortschritte mit Stent-Retrievern

Die endovaskuläre Schlaganfalltherapie entwickelt sich mehr und mehr zur Erfolgsgeschichte. Bereits im Jahr 2002 wurde in der europäischen Union die systemische Lyse mit Alteplase (rt-PA) zugelassen. In einer aktuellen Metaanalyse konnte nun gezeigt werden, dass Patienten mit Schlaganfall davon profitieren, wenn zusätzlich zur Lyse mit rt-PA eine mechanische Rekanalisierung mittels eines Stent-Retrievers durchgeführt wird.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Was wurde erreicht?

Im Jahr 2016 feiert das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) sein 20-jähriges Bestehen. Für die Entwicklung und kontinuierliche Betreuung des Systems erhielt Prof. Petra Gastmeier von der Berliner Charité kürzlich den Hygienepreis der Robert-Koch-Stiftung. In einer aktuellen Übersichtsarbeit zieht ihr Team Bilanz und stellt die wichtigsten Ergebnisse dar.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart



Dr. Matthias Desch, Wien
HIV
Intravaginales Dapivirin reduziert HIV-1-Infektionsrisiko

Die Inzidenz von Infektionen mit dem Human-Immunodefizienz-Virus Typ 1 (HIV-1) ist in Teilen Afrikas mit über 5 % besonders hoch. Eine für den Anwender einfache Methode zur Präexpositionsprophylaxe wäre daher wünschenswert. Wie eine Studie mit afrikanischen Frauen zeigt, ist eine Reduktion des Infektionsrisikos durch die Anwendung eines Dapivirin-haltigen Vaginalrings möglich.



Bettina Christine Martini, Legau
Therapietreue mit Textnachrichten auf Mobilfunkgeräte verbessern?

Einer im JAMA Internal Medicine publizierten Metaanalyse zufolge könnte die Therapietreue bei chronisch Kranken durch Kurznachrichten auf das Mobiltelefon des Patienten kostengünstig und effektiv verbessert werden.



Dr. Dirk Keiner, Suhl
Schlaganfallrisiko bei Frauen mit Vorhofflimmern höher

Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Medizin wurden schon sehr früh in den 80er-Jahren in der Kardiologie ermittelt. Aus bisherigen Analysen ist ersichtlich, dass Frauen deutlich häufiger an Herzkrankheiten sterben als Männer. Einige Ursachen dafür sind bekannt. In einer Metaanalyse wurde nun gezeigt, dass bei Patienten mit Vorhofflimmern Frauen ein höheres Schlaganfallrisiko haben.

 Mit einem Kommentar von Dr. Dirk Keiner, Suhl



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Metaanalyse zum Einsatz von Colistin

Acinetobacter baumannii ist ein aerobes gramnegatives Stäbchenbakterium, das vor allem bei immunsupprimierten Patienten und Intensivpatienten nosokomiale Infektionen verursacht. Da der Erreger häufig multiresistent ist, kommen oft nur noch Reserveantibiotika wie Colistin als Therapieoption infrage. Eine Metaanalyse ergab jedoch, dass Colistin bezüglich Mortalität, Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation oder klinischer Heilung anderen Therapieregimen nicht überlegen ist.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart



Solvejg Langer, Stuttgart
Pink Viagra wenig wirksam


Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


ADKA Intern
ADKA


Aufruf für Poster

„Der Apotheker als Wissensmanager – mehr Sicherheit für Arzt und Patient“ – dieses Leitthema steht über dem 5. Kongress für Arzneimittelinformation, der vom 3. bis 4. Februar 2017 in Köln stattfinden wird. Das umfangreiche Programm aus Plenarveranstaltungen, Workshops und Kurzvorträgen bietet für Experten wie Neueinsteiger vielfältige Gelegenheiten, sich mit den verschiedensten Aspekten der Arzneimittelinformation intensiv zu beschäftigen, Praxiserfahrungen auszutauschen und Neues kennenzulernen.



Persönliches
Sabine Steinbach, Trier


Kongress
Abstracts der Poster und Kurzvorträge beim 41. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 2. bis 4. Juni 2016

Die Abstracts der Poster und Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert. (Stand: Februar 2016)