Suche / Archiv


Erweiterte Suche

37. Jahrgang Heft 9 September 2016

Der Herausgeber interviewt
Das Interview führte Dr. Matthias Fellhauer

Arzneimittelfälschungen sind weltweit zum Problem geworden. Der Handlungsbedarf wurde erkannt und die EU-Fälschungsschutzrichtlinie (Falsified medicines directive [FMD]) auf den Weg gebracht. Nach der inzwischen veröffentlichten delegierten Verordnung dürfen ab 2019 nur noch entsprechend gekennzeichnete Packungen in den Verkehr gebracht werden. Die Umsetzung gilt als gigantische Herausforderung für alle Beteiligten und als eines der bisher größten Infrastrukturprojekte der Arzneimittelversorgung. Auch die logistischen Abläufe in den Krankenhausapotheken werden sich verändern und mehr Personaleinsatz erfordern.



Originalarbeit
Frank Sperling, Dresden, Gregor Brasse und Drudea Lüssow, Berlin


Die Beta-Lactam-Antibiotika Meropenem, Piperacillin und Ceftazidim werden aufgrund ihres breiten Wirkungsspektrums in der Intensivmedizin zur Behandlung lebensbedrohlicher bakterieller Infektionserkrankungen eingesetzt. Aufgrund starker inter- und intraindividueller Schwankungen der Pharmakokinetik wird zur Verbesserung des therapeutischen Outcomes die Etablierung eines therapeutischen Drug-Monitorings empfohlen. Im Folgenden wird eine analytische HPLC-Methode beschrieben, mit deren Hilfe sich schnell und sicher die Serumkonzentrationen der drei Beta-Lactame im therapierelevanten Bereich von 2,5 µg/ml (Piperacillin: 6 µg/ml) bis 200 µg/ml bestimmen lassen. Die ermittelten Serumspiegel können dann als valide Basis für weitere Therapieentscheidungen genutzt werden.

Schlüsselwörter: Meropenem, Piperacillin, Ceftazidim, HPLC-DAD, Analytik, Validierung, Quantifizierung, therapeutisches Drug-Monitoring (TDM)

A method for determining the concentration of meropenem, piperacillin and ceftazidime in human serum using high performance liquid chromatography with diode array detection

Meropenem, piperacillin and ceftazidime are commonly used broad spectrum beta-lactam antibiotics in intensive care units. To improve the therapeutic outcome of the antimicrobial therapy of critically ill patients therapeutic drug monitoring is recommended. Therefore an analytical method was established measuring fluctuating serum levels during therapy.

A simple and sensitive high-performance liquid chromatography (HPLC) method with diode array detection (DAD) was developed and validated for simultaneous quantification of these antimicrobial agents. For sample preparation a sample amount of 250 µl serum was spiked with cefotaxime as an internal standard. Afterwards protein was precipitated using acetonitrile/methanol (1:1). The supernatant was transferred to HPLC. A Merck LiChrospher® 100 RP-18 (5 µm) x 125 mm analytical column with a gradient of acetonitrile and a pH 2.2 phosphoric acid solution was used for separation. Peaks of interest were detected via ultraviolet absorbance at 240, 298 and 310 nm respectively. The method developed shows a linear correlation between concentration and response over a concentration range of 2.5 (piperacillin: 6) to 200 µg/ml for each antibiotic in the serum samples. Validation has demonstrated the method to be accurate and precise too. No interferences with other common drugs except metamizole (dipyrone) and ceftazidime were detected. The method is currently used in the pharmacy department of the German Army Hospital in Berlin for therapeutic drug monitoring (TDM) of beta-lactams in critically ill patients.

Key words: meropenem, piperacillin, ceftazidime, HPLC, TDM

Krankenhauspharmazie 2016;37:388–98.



Martin Stalder, Delia Bornand, Stefanie Deuster, Herbert Plagge, Basel

In der Vergangenheit wurden Anbruchpackungen, die von den Stationen an die Spital-Pharmazie des Universitätsspitals Basel retourniert wurden, entsorgt. In dieser Arbeit haben wir untersucht, ob durch die Kontrolle und erneute Abgabe von retournierten Anbruchpackungen Einsparungen erzielt werden können. Dabei wurden zuerst die Rahmenbedingungen und das Vorgehen anderer Spitäler mit einer Literaturrecherche, Konsultation der Gesetze und Richtlinien sowie einer Umfrage bei Schweizer Spital-Apotheken evaluiert. Hieran schloss sich eine erste, zweimonatige Projektphase mit sechs Stationen an. Wir konnten eine Einsparung über CHF 8800 belegen, wofür aber ein Arbeitsaufwand von 20 Stunden nötig war. In einem zweiten Teil wurde das Vorgehen optimiert mit dem Ziel, den Aufwand unter möglichst geringem Verlust an Einsparungen zu senken. Auch wurden die kritischen Aspekte des Retourenprozesses identifiziert und durch Anpassungen die Arzneimittelsicherheit verbessert. So waren während weiteren zwei Monaten noch Einsparungen von CHF 6800 bei einem Arbeitsaufwand von nur sieben Stunden möglich. Die definierten Ziele mit einem hohen Einsparpotenzial bei gleichzeitig geringem Arbeitsaufwand konnten erreicht werden. Durch die Versorgung von sechs Stationen konnte bereits ein Ertrag von CHF 45 000 pro Jahr erzielt werden.

Schlüsselwörter: Anbruchpackungen, Retouren, Arzneimittellogistik

In the past drugs with partially used blister packaging returned from the wards to the Hospital Pharmacy of the University Hospital of Basel were discarded. In this study we investigated if savings are possible by visual inspecting and redispensing returned partially used drugs. First the processes in other hospitals were evaluated by searching literature and conducting a survey in Swiss hospital pharmacies. In a second phase applicable laws and guidelines were consulted to determine the legal and regulatory requirements.

In a first project phase lasting two months and involving six wards we achieved savings more than 8800 CHF with a 20 hour effort. In a second step the process was optimized. The aim was to reduce the effort while keeping the savings to the maximum extent possible. Also critical aspects of the return process were identified and the medication security was improved by adaption of the process. In the second step, during further two months savings of 6800 CHF were realized with a 7 hour effort.

Thus, the investigation showed that substantial savings of 45 000 CHF per year can be achieved by using little efforts to inspect and redispence drugs with partially used blister packaging.

Key words: drugs with partially used blister packaging, returned drugs, drug supply

Krankenhauspharmazie 2016;37:399–405.



Interview
Interview mit Anette Woermann, Chefapothekerin der Zentralapotheke der Marienhospital Gelsenkirchen GmbH; das Interview führte Dr. Jörg Brüggmann, Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung des Masterstudiengangs

Anette Woermann ist Absolventin des Masterstudiengangs „Krankenhauspharmazie“ der Dresden International University (DIU). Ihre von Wolfgang Kämmerer und Otto Roman Frey betreute Masterthesis „Pharmakoökonomische Überlegungen zur kontinuierlichen Infusion von Beta-Lactam-Antibiotika unter Serumspiegelkontrolle am Beispiel von Meropenem und Piperacillin/Tazobactam“ wurde mit Auszeichnung bewertet.

Krankenhauspharmazie 2016;37:406–7.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der Dopaminagonisten

Für das pharmakokinetische Interaktionspotenzial der Ergot-Dopaminagonisten ist das Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzym 3A4 von maßgeblicher Bedeutung. Bei den nichtergolinen Arzneistoffen ist CYP1A2 für den Metabolismus von Ropinirol von klinischer Relevanz. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu den beiden Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.



Serie
Pamela Kantelhardt für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Verordnung ohne Wirkstärke führt zu Unterdosierung

Ein Patient erhält stationär zweimal 150 mg Valproat anstelle von zweimal 500 mg. Die applizierten, geteilten Valproat-300-mg-Dragees liegen unretardiert mit magensaftresistentem Überzug vor. Diese wurden fehlerhaft behandelt: Sie wurden gemörsert und damit der Magenschutz zerstört. Eigentlich hätte der Patient ein Retardpräparat mit 500 mg erhalten sollen.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Welche Maßnahmen sind effektiv und ökonomisch?

Die Empfehlungen zum klinischen Sepsis-Management der Surviving Sepsis Campaign sollten unter ökonomischen Gesichtspunkten analysiert werden. Dazu wurde die „Number needed to treat“ für verschiedene Maßnahmen bestimmt, um herauszufinden wie viele Patienten behandelt werden müssen, um einen Patienten zu retten.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Matthias Trautmann, Stuttgart, und Prof. Dr. Stefan Schröder, Düren



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
PCSK9-Hemmer Evolocumab als Alternative zu Statinen

In der GAUSS-3-Studie wurden Evolocumab und Ezetimib bei Statin-intoleranten Patienten miteinander verglichen. Dabei wurde das LDL-Cholesterol unter einer Therapie mit Evolocumab wesentlich effektiver gesenkt als unter der Behandlung mit Ezetimib.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Bessere Abheilung durch Antibiotika

Sollen Hautabszesse, die mittels einer Drainage versorgt wurden, zusätzlich antibiotisch behandelt werden? Mit dieser Frage befasste sich eine US-amerikanische Studie, in der eine Placebo-Gabe mit einer Trimethoprim-Sulfamethoxazol-Therapie verglichen wurde.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Daratumumab plus Bortezomib/Dexamethason verlängert PFS deutlich

Mit der Kombinationstherapie aus Daratumumab, Bortezomib und Dexamethason konnte bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom eine bislang nicht erreichte Risikoreduktion für Progression oder Tod von 61 % im Vergleich zu Bortezomib/Dexamethason erreicht werden. Das sehr gute partielle und das komplette Ansprechen wurden durch die Dreierkombination im Vergleich zur Behandlung mit Bortezomib/Dexamethason allein mehr als verdoppelt. Dies zeigte die erste Zwischenanalyse der CASTOR-Studie, die in der Plenarsitzung bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago am 5. Juni 2016 präsentiert wurde.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason

Die Dreifachkombination aus Daratumumab, Lenalidomid und Dexamethason erreichte bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom eine Risikoreduktion für Progression oder Tod von 63 % im Vergleich zu Lenalidomid/Dexamethason. Diese Ergebnisse der ersten Zwischenanalyse der Phase-III-Studie POLLUX wurden auf dem 21. Jahreskongress der European Hematology Association (EHA) am 10. Juni 2016 in Kopenhagen vorgestellt.



Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Leitliniengerechte Therapie von Zahn, Mund- und Kieferinfektionen – Aktualisierung angezeigt

Für eine Reihe von in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde vorkommenden Infektionen wäre es wünschenswert, zeitnah die entsprechenden Leitlinien zu aktualisieren. Hierzu zählen beispielsweise die Leitlinie für odontogene Infektionen, die sich bereits in Überarbeitung befindet, und die Leitlinie für die Antibiotikatherapie von Infektionen im Kopf- und Halsbereich. Gerade bei Infektionen im Kopf- und Halsbereich kann es – abhängig von Vorerkrankungen der Patienten und der Ausbreitungstendenz der Infektion – durchaus zu schweren lokalen und systemischen Komplikationen kommen. Das Volumen valider neuer klinischer Daten divergiert von Indikation zu Indikation allerdings beträchtlich.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau