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37. Jahrgang Heft 10 Oktober 2016

Editorial
Jürgen Bieberstein


Übersichten
Christina Haidas, Frankenthal
Ergebnisse einer Projektarbeit auf einer geriatrischen Station

Polypharmazie, Nierenfunktion und Compliance sind nur einige zentrale Themen der Geriatrie. Gerade bei älteren Patienten ist daher eine optimierte Arzneimitteltherapie erstrebenswert. Ziel der Projektarbeit im Rahmen der Weiterbildung zur Fachapothekerin für Klinische Pharmazie war eine Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch den Apotheker sowie die Ableitung einer Hilfestellung für die Ärzte auf Station. Bedingung war die Praxistauglichkeit für den Apotheker: Stationsarbeit auch bei begrenztem Zeitfenster. 100 kommunizierte Interventionen wurden nach Interventionsgründen, Empfehlungen sowie Umsetzungsrate ausgewertet. 39 % der Interventionen erfolgten aufgrund einer Interaktion. Bei den Empfehlungen dominierte die Umstellung auf ein anderes Arzneimittel (28 % der Empfehlungen). 87 % der Empfehlungen wurden durch den Arzt umgesetzt. Das Projekt wurde vonseiten der Ärzte sehr begrüßt. Für die Zukunft ist daher eine regelmäßige Vorstellung interessanter Fallbeispiele als interne Schulungsmaßnahme für die Ärzte geplant.

Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit, Geriatrie, Intervention, Umsetzung, Praxis

To which extent can pharmacists help to improve medication safety by being involved in medication reviews?

Polypharmacy, renal function and medicines adherence are some of the most important fields in geriatric medicine. Especially with regard to elderly patients, it is desirable to optimise medication. This study’s purpose was to improve medication safety through the pharmacist’s intervention and to develop a support scheme for physicians on the ward. A requirement was the feasibility for the pharmacist: working on the ward, even with a limited timeframe. 100 recommanded interventions were analysed in three categories: reasons for the intervention, recommendations and the rate of implementation. Drug interactions were the reason for 39 % of interventions. With regard to recommendations, a change of medication was most often advised (28 % of recommendations). The doctors followed 87 % of all recommendations. The project was well accepted by the doctors. Regular presentations of interesting cases are planned for the future as part of in-house training for physicians.

Keywords: medication safety, geriatric medicine, intervention, implementation, practical application

Krankenhauspharmazie 2016;37:430–5.



Elisabeth Engleder und Alexandra Pointinger, Linz
Ein Projekt in der Krankenhausapotheke des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Linz, Österreich

Hintergrund: Halbfeste Zubereitungen müssen bezüglich mikrobiologischer Qualität den Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs entsprechen. Verfallsdaten werden dabei häufig anhand von Daten aus der Fachliteratur (z. B. NRF) vergeben. Ziel dieser Arbeit war es, zu untersuchen, ob die mikrobiologische Qualität, auch über einen längeren Zeitraum als in der Literatur empfohlen, gegeben ist.

Methode: Es wurde eine Risikoanalyse nach „Failure Mode Effect Analysis“ unter Einbezug des Herstellungsprozesses und der Zusammensetzung der Rezepturen durchgeführt. Anhand der Risikoanalyse und Verfallsdaten, die intern länger als die Empfehlungen der Fachliteratur vergeben werden, wurden die mikrobiell gefährdetsten Produkte ausgewählt und nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs auf mikrobiologische Qualität geprüft. Chemisch-physikalische Aspekte wurden nicht berücksichtigt.

Ergebnisse: 14 Risiken wurden näher betrachtet und vier (29 %) so eingestuft, dass sie mit bereits durchgeführten Qualitätsmaßnahmen nicht minimiert werden können. Diese vier Risiken führten zur Produktauswahl (9 von 65; 14 %) für den Musterzug. Insgesamt wurden aus 31 Zubereitungen 279 Proben gezogen und Keimbildung überprüft. Bei keiner Probe konnte eine mikrobielle Verunreinigung festgestellt werden. Dieses Ergebnis wurde durch Einsendung von Proben an eine externe Behörde bestätigt.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser mikrobiologischen Endproduktkontrolle lassen vermuten, dass Verfallsdaten, die über die in der Literatur empfohlenen hinausgehen, zumindest unter mikrobiologischen Gesichtspunkten möglich sind.

Schlüsselwörter: Halbfeste Zubereitungen, mikrobiologische Qualität, Failure Mode Effect Analysis, Risikoanalyse

Semisolid formulations and adequate shelf lives from the microbiological point of view – A project carried out at the hospital pharmacy of the general hospital of Linz, Austria

Background: The microbiological quality of semisolid formulations has to comply with the requirements of the European pharmacopeia. Expiry dates are often defined with the help of specialist literature. We wanted to examine, whether microbiological quality persists beyond these recommended dates.

Method: The failure mode effect analysis was used to perform a risk evaluation of the production processes and the composition of semisolid formulations. Based on this risk analysis and given shelf lives – some are longer than recommended in the literature – products with highest potential for contamination were chosen for analysis. The products were evaluated for microbiological quality, physico-chemical stability was not taken into account.

Results: 14 potential risks were identified, 4 (29 %) of them could not be minimized through quality management actions. Based on those 4 risks, products for sampling were selected (9 of 65; 14 %). Drawn from 31 samples 279 analysis were carried out. All analysis were negative (no microbiological growth), a result which was verified by external testing.

Conclusion: The production process of semisolid formulations was validated through microbiological analysis and shelf lives, which are longer than literature-recommendations, were justified.

Key words: semisolid formulation, microbiological quality, failure mode effect analysis, risk analysis

Krankenhauspharmazie 2016;37:436–41.



Iris Weis, Traunstein
Jahresarbeit im Rahmen der Weiterbildung zur Fachapothekerin für klinische Pharmazie

Strukturiertes Management ist ein zentraler Faktor, um Projekte zum Erfolg zu führen – auch in der Krankenhausapotheke. In einer Jahresarbeit im Rahmen der Weiterbildung Klinische Pharmazie wird am Beispiel der Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems gezeigt, wie Methoden des Projektmanagements gezielt zum Einsatz kommen können.

Schlüsselwörter: Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Qualitätsmanagementsystem

Project management techniques for the implementation of a quality management system in a hospital pharmacy

Well-structured management is key to successful project leading – also in a hospital pharmacy. By means of the implementation of a quality management system it is demonstrated, how methods of project management can be applied in a focused manner.

This work has been written as a part of the continuing education in clinical pharmacy.

Key words: Project management, quality management, quality management system

Krankenhauspharmazie 2016;37:442–4.



Bericht
Carina Vetye-Maler, München und Buenos Aires

Schlechte Medikamentenspenden bedeuten Arzneimittelmüll für das Empfängerland: Es ist wichtig, dass Krankhausapotheker mithelfen beim Aufklären, wie man richtig spendet!

Schlüsselwörter: Arzneimittelspenden, Medikamente, Katastrophenhilfe

Krankenhauspharmazie 2016;37:445–51.



Qualitätsmanagementsystem
Elfriede Nusser-Rothermundt, Stuttgart
Teil 2: Risikobasiertes Auditmanagement

In Fortsetzung des Themenkomplexes Audits/Selbstinspektionen beleuchtet der zweite Teil die Auswirkungen des Trends zu risikobasiertem Denken auf das Durchführen von Audits/Selbstinspektionen in der Krankenhausapotheke.

Schlüsselwörter: Audit, Selbstinspektion, risikobasierter Ansatz, Krankenhausapotheke

Krankenhauspharmazie 2016;37:452–7.

QMS: Wie werden in der Apotheke Audits/Selbstinspektionen durchgeführt?

Teil 1. Selbstinspektion

Krankenhauspharmazie 2016;37:145–47.



Serie
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Potenziell tödliche Dosis Vincristin

Ein Neugeborenes soll aufgrund eines Hämangioendothelioms mit Vincristin behandelt werden. Das Zytostatikum wird von dem behandelnden Arzt statt mit 0,05–1,00 mg/m2/Woche streng i. v. mit einer Dosierung von 1 mg/m2/Tag für 5 Tage in der Apotheke angefordert.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Ursachen und Prävention

Ungefähr ein Viertel der Rehospitalisierungen könnte möglicherweise vermieden werden, wenn verschiedene Faktoren berücksichtigt würden. An erster Stelle für Verbesserungen stehen die Kommunikation zwischen den verschiedenen Heilberuflern sowie zwischen diesen und Patienten, eine sorgfältigere Beurteilung des Entlassungszustands der Patienten, eine kontinuierlichere Krankheitsüberwachung und eine bessere Unterstützung des Selbstmanagements der Patienten, schlussfolgern die Autoren einer amerikanischen Beobachtungsstudie.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Antithrombotische Behandlung beibehalten oder absetzen?

Ob Antikoagulanzien beziehungsweise Thrombozytenaggregationshemmer vor gastrointestinaler Endoskopie abgesetzt werden sollten, hängt vom Blutungsrisiko des Eingriffs sowie von der Substanzklasse ab. Eine Übersichtsarbeit gibt Hinweise auf die periinterventionelle Antikoagulation, moniert aber die noch relativ schlechte Evidenz für NOAK in dieser Situation.



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Erhöhtes Mortalitätsrisiko unter Antipsychotika

Erhalten Parkinson-Patienten antipsychotisch wirksame Arzneistoffe, ist dies mit einer Verdopplung des Mortalitätsrisikos verbunden. Auch die Auswahl des Antipsychotikums spielt hierbei eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer retrospektiven Studie, in der die Daten von jeweils über 7000 Parkinson-Patienten mit und ohne antipsychotische Medikation systematisch abgeglichen und ausgewertet wurden.



Solvejg Langer, Stuttgart
Erhöht ein höherer BMI das Risiko?


Simone Reisdorf, Erfurt
Primärprävention: Statine für alle?

In einer prospektiven Studie im 2 × 2-faktoriellen-Design wurde bei Menschen ohne Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems das Konzept der kardiovaskulären Primärprävention mittels „Polypill“ getestet: Die relativ gesunden Studienteilnehmer wurden vorsorglich entweder mittels Lipidsenkung oder dualer Blutdrucksenkung oder mit beiden Therapien oder nur mit Placebo behandelt. Das Ergebnis war zumindest hinsichtlich der Lipidsenkung überraschend: Sie verringerte in im Median 5,6 Jahren signifikant die Zahl der Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskulären Todesfälle, unabhängig vom jeweiligen Ausgangswert des LDL-Cholesterols. Die Daten wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.



Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Senkung von Blutdruck und Cholesterol erniedrigt Risiko

Die große HOPE-3-Studie wies nach, dass die Senkung von erhöhtem Blutdruck und Cholesterolspiegel auch bei Patienten ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis signifikant verringert.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Beitrag der Pflegekräfte bisher unterschätzt

Die Bedeutung einer strukturierten Antibiotikaberatung durch Experten ist heute allgemein anerkannt. Die Einbeziehung von Pflegekräften wurde dabei bisher vernachlässigt. Dabei sind sie kontinuierlich am Patienten tätig und nehmen klinische Veränderungen oft als Erste wahr.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart



Solvejg Langer, Stuttgart
Einfluss von Anticholinergika auf Kognition, Gehirnstoffwechsel und Gehirnatrophie

Anticholinerg wirksame Arzneistoffe (neben Parasympatholytika z. B. auch trizyklische Antidepressiva, sedierende Antihistaminika, Phenothiazin-Neuroleptika) können die kognitive Leistungsfähigkeit bei bisher nicht beeinträchtigten Personen negativ beeinflussen. In der vorliegenden Studie wurden unter Therapie unter anderem verminderte Gedächtnisleistungen, Glucose-Hypometabolismus im Gehirn und Gehirnatrophie gezeigt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Ausschreibungen
Prof. Dr. Roland Radziwill, Apotheke und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG

Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum 15. Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet. Mit diesem Preis soll ein innovatives Projekt der Krankenhauspharmazie gewürdigt werden. Der Innovationspreis ist mit 7500 Euro dotiert. Die Satzung finden Sie hier.



ADKA intern
Aufruf für Poster

„Der Apotheker als Wissensmanager – mehr Sicherheit für Arzt und Patient“ – dieses Leitthema steht über dem 5. Kongress für Arzneimittelinformation, der vom 3. bis . Februar 2017 in Köln stattfinden wird. Das umfangreiche Programm aus Plenarveranstaltungen, Workshops und Kurzvorträgen bietet für Experten wie Neueinsteiger vielfältige Gelegenheiten, sich mit den verschiedensten Aspekten der Arzneimittelinformation intensiv zu beschäftigen, Praxiserfahrungen auszutauschen und Neues kennenzulernen.