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38. Jahrgang Heft 5 Mai 2017

Editorial
Dr. Jörg Brüggmann, Berlin


Originalarbeit
Moritz Vitt, Nele Will, Angela Goerke, Michael Löbering, Hamburg, Joanne Laukart, Greifensee (Schweiz), Michael Baehr, Claudia Langebrake, Hamburg
Ein Vergleich zur DAC-Methode

Das Quantos®-Dosiersystem ermöglicht das Abfüllen kleiner Pulvermengen in verschiedene Behältnisse. Obwohl es bereits zum Portionieren gefährlicher Stoffe und/oder in der präklinischen Entwicklung genutzt wird, gibt es nur wenige Daten für die Kapselherstellung in einer Apotheke. Deshalb soll die Exaktheit und Anwendbarkeit von Quantos® im Vergleich zur manuellen Kapselbefüllung nach der DAC-Methode in einer Klinikapotheke evaluiert werden. Pro Verfahren wurden jeweils drei Stärken Hydrochlorothiazid- und Spironolacton-Kapseln hergestellt und die dafür benötigte Zeit gemessen. Der Gehalt wurde quantitativ mit UV/Vis-Spektroskopie analysiert und gemäß Arzneibuch evaluiert (Ph. Eur. 2.9.5/6 und 40). Mit Ausnahme einer Charge bestanden alle hergestellten Kapseln die Prüfungen auf Gleichförmigkeit der Masse und des Gehalts (bezogen auf die Mittelwertabweichung). Bei Quantos® waren die Standardabweichungen geringer als bei der Herstellung nach DAC-Methode (1,91–3,35 % vs. 3,20–7,84 %). Bei fast allen Kapsel-Chargen konnten nur etwa 90 % des deklarierten Gehalts wiedergefunden werden, obwohl die verwendeten Verreibungen fast 100 % enthielten. Quantos®-Chargen bestanden die Prüfung 2.9.40 häufiger (bezieht den Sollgehalt mit ein). Die Produktionszeit mit Quantos® war neunmal so lang wie bei der DAC-Methode. Mit beiden Methoden lassen sich Kapseln in vergleichbarer Qualität herstellen. Das Quantos®-System erlaubt eine genauere Befüllung der Kapseln und eine GMP-gerechte Dokumentation. Jedoch ist die Handhabung für den routinemäßigen Einsatz für die Kapselrezeptur noch optimierbar. Der Gehalt von 90 % liegt am ehesten an unzureichender Entleerung und/oder Adhäsion der Wirkstoffe an die Kapselhüllen. Diese Erkenntnis hat Folgen für die gängige Praxis der Kapselentleerung im stationären Bereich.

Schlüsselwörter: Kapselherstellung, Dosiergenauigkeit, Gleichförmigkeit einzeldosierter Arzneiformen

Krankenhauspharmazie 2017;38:220–7.

Evaluation of the Quantos® powder dosing system for capsule manufacturing in a hospital pharmacy

The Quantos® powder dosing system (Mettler Toledo, Germany) allows the filling of small amounts of powders and liquids into different containers. Although it is already used for handling of hazardous substances and/or preclinical drug development, very few experience exists for the routine manufacturing of capsules in a hospital pharmacy.

Therefore the accuracy and practicability of Quantos® as compared to the manual capsule filling (MAN) method in a hospital pharmacy should be evaluated.

Different batches of hydrochlorothiazide and spironolactone capsules, at three dosage levels each, were produced using standard triturations. Quantification of the active ingredients was done by UV/Vis-spectroscopy and evaluation according to the standard examinations for capsules of the European Pharmacopeia (Ph. Eur. 2.9.5/6 and 40) was performed. The time required for each production step was measured.

With the exception of one, all batches passed the examinations for uniformity of mass and content (in relation to arithmetic mean) with a lower standard deviation for Quantos® vs. MAN (1,91–3,35 % vs. 3,20–7,84 %). Almost all batches contained about 90 % of the declared dosage, although the content of the used triturations was almost 100 %. As a consequence, according to Ph. Eur. 2.9.40, which additionally refers to the desired value, Quantos® batches passed more often than MAN. The overall production time with Quantos® was nine times longer as compared to MAN.

With both methods, capsules with comparable quality can be produced. The Quantos® system was able to fill the capsules more precisely and permits documentation according to the GMP requirement. However, this limits its usefulness for the daily clinical routine production of capsules.

The recovery rate of about 90 % might be due to the incomplete emptying of the capsules before quantification. This finding also has major implications for the common practice of emptying capsules on the wards.

Key words: capsule manufacturing, dosing accuracy, uniformity of dosage units



Bericht
Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen
Bericht vom 22. EHAP-Kongress 2017 in Cannes

Vom 22. bis 24. März fand in Cannes (Frankreich) der 22. Kongress der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) unter dem Titel Hospital pharmacists – catalysts for change statt. Insgesamt 3583 Besucher aus 74 Ländern (180 aus Deutschland) trafen sich im Palais des Festivals an der französischen Riviera und konnten sich in Keynotes, Satelliten-Veranstaltungen, Seminaren, Workshops und einer großen Industrieausstellung fortbilden und mit Kollegen austauschen.

Krankenhauspharmazie 2017;38:228–32.



Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart

Über 80 Teilnehmer folgten der Einladung zum 18. Sanofi-Symposium für Krankenhausapotheker, das am 12. November 2016 in Berlin stattfand. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Augsburg, wurde das Thema Entlassmanagement gemäß GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (§ 39 Abs. 1a SGB V) von mehreren Referenten aus verschiedenen Perspektiven erörtert. ADKA-Präsident Rudolf Bernard gab einen Überblick zur Situation der Krankenhauspharmazie in Deutschland, und in zwei pharmakotherapeutischen Vorträgen wurden Updates zu neuen Behandlungsmöglichkeiten für Hochrisikopatienten mit Fettstoffwechselstörungen und zur Hämostaseologie präsentiert.

Krankenhauspharmazie 2017;38:233–6.



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Le Hang Pelzl, Torsten Hoppe-Tichy, Matthias Karck, Heidelberg
CK-Erhöhung als mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkung

Der vorliegende Fall beschreibt eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ceftolozan/Tazobactam in der Langzeittherapie bei einem Patienten mit einer Becker-Muskeldystrophie-Erkrankung.

Krankenhauspharmazie 2017;38:237–9.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial klassischer Antipsychotika

Der Abbau klassischer Antipsychotika (syn. first-generation antipsychotics, FGA) über Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzyme ist in unterschiedlichem Ausmaß von CYP2D6 und 3A4 abhängig. Obwohl über Jahrzehnte im klinischen Gebrauch, sind Kenntnisse über den genauen Metabolisierungsweg bei einzelnen Substanzen nicht vorhanden oder beruhen auf Ergebnissen aus In-vitro-Untersuchungen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten dieser Wirkstoffgruppe zu den CYP-Enzymen dargestellt.



Serie
Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Depotpräparat täglich – Viel hilft viel?

Einem Patienten wird statt der Haloperidol-Injektionslösung täglich ein Depotpräparat verabreicht. Als Folge zeigte der Patient extrapyramidale Störungen.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Präoperative Chlorhexidin-Spülung reduziert postoperative Pneumonien

Große Thorax- und abdominalchirurgische Eingriffe sind mit einem erhöhten postoperativen Pneumonierisiko assoziiert. Als Ursache werden unter anderem Mikroaspirationen im Rahmen der Intubation und Nachbeatmung angesehen. Durch präoperative antiseptische Mundspülungen soll das Risiko eines Erregereintrags in die Atemwege reduziert werden. In einer retrospektiven Literaturanalyse wurde die wissenschaftliche Evidenz für diese Maßnahme geprüft.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Matthias Trautmann, Stuttgart



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Antipsychotika verschlechtern die Symptome eines Delirs

Palliativmedizinisch betreute Delirium-Patienten sollten keine Antipsychotika erhalten, so das Ergebnis einer kontrollierten Studie. Im Vergleich zu Placebo verschlechterten Haloperidol und Risperidon die Symptome und erhöhten die Rate extrapyramidaler Störungen. Unter Haloperidol verkürzte sich im Vergleich zu Placebo auch die Überlebenszeit.



Claudia Bruhn, Schmölln
Verkürzung der Antibiotikatherapie nicht empfehlenswert

Wegen des Risikos einer Resistenzentwicklung sollten Antibiotika Kindern nur wenn unbedingt notwendig und dann auch nur so kurz wie möglich verabreicht werden. In einer US-amerikanischen Studie wurde kürzlich untersucht, ob eine Behandlung mit Amoxicillin plus Clavulansäure bei Kindern mit Otitis media unter 2 Jahren auch dann noch vergleichbar wirksam ist, wenn man die standardmäßig zehntägige Behandlungsdauer halbiert. Das Kriterium der Nichtunterlegenheit dieses Regimes wurde jedoch in der Studie nicht erreicht.



Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen
Hat das Alter der Blutkonserve Einfluss auf die Mortalität der Patienten?

Üblicherweise werden Erythrozytenkonzentrate bis zu 42 Tage gelagert bevor sie transfundiert werden. Ob die Mortalität von transfusionsbedürftigen Patienten im Krankenhaus durch Verwendung von frischeren Erythrozytenkonzentraten gesenkt werden kann, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten häufig kontrovers beurteilt. Die INFORM-Studie, die zwischen April 2012 und Oktober 2015 an sechs Krankenhäusern (Kanada, USA, Australien, Israel) durchgeführt wurde, widmete sich dieser Fragestellung.



Solvejg Langer,
Rote Blutzellen von Männern bevorzugt


Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Künstliche Blutzellen bieten bequeme, tragbare Alternative zu Bluttransfusionen


Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Kongress

Abstracts der Poster und Kurzvorträge beim 42. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 11. bis 13. Mai 2017

Die Abstracts der Poster und Kurzvorträge sind in Wissenschaftliche Poster und Praxis-Poster getrennt und jeweils alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert. (Stand: März 2017)