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38. Jahrgang Heft 12 Dezember 2017

Übersicht
Axel Kramer und Günter Kampf, Greifswald
Eine Nutzen-Risiko-Bewertung

Alkoholische Hautantiseptika sind in Deutschland Mittel der Wahl für die präoperative Hautantiseptik. Inzwischen werden auch sterile Handelspräparate angeboten. Nachfolgend wird bewertet, ob der Gebrauch steriler Hautantiseptika einen zusätzlichen Nutzen hat. Das europäische Arzneibuch fordert für pharmazeutische Zubereitungen zur Anwendung auf intakter Haut keine Sterilität, sondern eine Risikobewertung der möglichen Kontamination durch den Hersteller sowie die Einhaltung definierter Grenzwerte für das Fertigprodukt. Alkohole weisen keine sporizide Wirkung auf. Deshalb wird für Standardzulassungen zur Hautantiseptik (Alkohol-Wasser-Gemische) für die Herstellung eine Sporenfiltration verlangt (Porenweite: 0,2 µm). Hersteller müssen durch Kontrollmechanismen sicherstellen, dass eine herstellungsbedingte intrinsische Kontamination nichtsteriler Hautantiseptika ausgeschlossen werden kann (cGMP). Die Untersuchung von mehr als 600 Primärverpackungen zeigte, dass bislang keine klinisch relevante Kontamination mit bakteriellen Sporenbildnern zu finden war. Die Daten aus der Surveillance in Deutschland legen nahe, dass es bislang keinen Hinweis auf eine systematische Erhöhung von postoperativen Wundinfektionen durch die Anwendung nichtsteriler Hautantiseptika gibt. Gemäß dem Stand der Technik hergestellte alkoholische Hautantiseptika sind in der Folge in Bezug auf das Risiko einer intrinsischen Kontamination als mikrobiologisch sicher und klinisch unbedenklich anzusehen.

Schlüsselwörter: Hautantiseptikum, Sterilität, Kontamination

Krankenhauspharmazie 2017;38:539–42.

Is the use of sterile skin antiseptics necessary for the preoperative treatment of skin? A risk-benefit-evaluation

In Germany alcohol-based skin antiseptics are standard for the preoperative treatment of skin. In the meantime, sterile preparations are offered. The review aims to assess, if the use of sterile skin antiseptics has an additional benefit. The European Pharmacopoeia does not require sterility for pharmaceutical preparations used on intact skin but a risk assessment for any possible contamination during production and to meet the acceptance criteria for microbiological quality. Alcohols have no sporicidal activity. That is why exempt standard formulations (alcohol-water-mixtures) for skin antisepsis have to be spore filtrated during production (pore size: 0.2 µm). Manufacturers have to establish control mechanisms to make sure that any intrinsic contamination during production of non-sterile skin antiseptics can be excluded (cGMP). A study on more than 600 primary packages revealed that no clinically relevant contamination with bacterial spores was found. Data from the German surveillance show that there is no indication that the use of non-sterile skin antiseptics results in a systematic increase of surgical site infections. Alcohol-based skin antiseptics have no relevant risk of an intrinsic contamination and can be considered as microbiologically safe as long as they are produced according to current standards.

Key words: Skin antiseptic, sterility, contamination



Hans-Peter Lipp, Tübingen

Mistelextrakte werden seit mehreren Jahrzehnten in der adjuvanten und palliativen Tumortherapie allein oder als Add-on-Therapeutika eingesetzt. Gemäß der anthroposophischen Medizin werden Zubereitungen aus Misteln, die von Apfelbäumen bzw. Eichen stammen, vor allem beim prämenopausalen Mamma- bzw. beim Prostatakarzinom empfohlen. Nach einer Vielzahl präklinischer Untersuchungsergebnisse zur antitumoralen Wirksamkeit und verschiedenen kleineren Studien zum supportiven Stellenwert der Präparate gelang es schließlich in einer Phase-III-Studie, das Gesamtüberleben beim fortgeschrittenen Pankreaskarzinom signifikant zu verbessern. Hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität geben die bisherigen Studienergebnisse eine gewisse Evidenz, dass Mistelextrakte sowohl zur Schmerzlinderung als auch zur Reduktion der Fatigue, der Schlaflosigkeit und des Körpergewichtsverlusts beitragen können. Auch wenn Mistelextrakte zu den bestuntersuchten Vertretern der komplementären und alternativen Medizin zählen, bietet das offene Design der zugrunde gelegten Studien immer wieder Anlass zur Kritik, sodass der Wunsch nach weiteren Vergleichsstudien bestehen bleibt.

Schlüsselwörter: Mistel, Komplementärmedizin, Krebspatienten, Studienlage, Lebensqualität

Krankenhauspharmazie 2017;38:543–50.

Mythical mistletoe – metaanalyses, further clinical trials and current overview to available Viscum album preparations

Since several decades, mistletoe extracts (VaL) have been used during adjuvant as well as palliative anticancer treatment as monotherapy or as add-on-therapeutics. Based on anthroposophical medicine, Viscum album-(VaL) containing formulations originally prepared from appletree or oak are recommended to be used in patients with premenopausal breast and prostate cancer, respectively. After a broad spectrum of preclinical study results and smaller clinical trials regarding the potential use of VaL-extracts for supportive care had been presented, interim analysis of a phase III trial revealed VaL-extracts to be associated with a significant increase of overall survival in advanced pancreatic cancer as well as an improvement of quality of Life (QoL). In addition, there is some evidence, that VaL may be beneficial to reduce pain, symptoms of fatigue, insomnia and loss of body weight in oncology patients. In conclusion, VaL extracts belong to the best examined congeners of complementary and alternative medicine. However, based on the fact that almost all randomized VaL-containing trials revealed a non-blinded study design, further comparative trials remain a challenge.

Key words: mistletoe, complementary medicine, cancer patients, clinical trials, quality of life



Bericht
Solvejg Langer, Stuttgart
ESCP-Symposium 2017 in Heidelberg

Die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis in der klinischen Pharmazie zu schließen – das war das Ziel des 46. ESCP-Symposiums, das vom 9. bis 11. Oktober in Heidelberg stattfand. In zahlreichen Plenarvorträgen, Workshops und Postern wurde das Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchtet, sodass man nach den drei Tagen diesem Ziel ein gehöriges Stück näher war.

Krankenhauspharmazie 2017;38:551–3.



Solvejg Langer, Stuttgart
Bericht zum 7. LAUD-Doktoranden- und Forschungstreffen in Heidelberg

Auf den ersten Blick hat ein Forschungstreffen sicher nichts mit dem Billy-Wilder-Klassiker mit Marilyn Monroe aus dem Jahr 1955 gemein – allerdings hatte Prof. Dr. Stefanie Swoboda in ihrer Begrüßung den Verdacht geäußert, dass es eventuell an eben jenem siebten Jahr liegen könne, dass die Vortragsanmeldungen eher schleppend vorangingen und sie daher zeitweise befürchtete, das Treffen in diesem Jahr ausfallen lassen zu müssen. Die Sorge hat sich dann glücklicherweise doch nicht bewahrheitet und so konnten die Teilnehmer in 15 spannenden Vorträgen die Arbeit von Kollegen kennenlernen und diskutieren.

Krankenhauspharmazie 2017;38:554–5.



Abstracts der Kurzvorträge der Tagung am 10. und 11. November 2017 in Heidelberg

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier in dieser Ausgabe der Krankenhauspharmazie. Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert.



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Annika van der Linde und Michael Baehr, Hamburg

Aufgrund einer unzureichenden Darstellung der Medikation innerhalb des bundeseinheitlichen Medikationsplans wird bei einem Patienten die falsche Dosis seiner antipsychotischen Therapie angeordnet. Durch pharmazeutische Intervention konnte die fehlerhafte Dosierung aufgedeckt und rechtzeitig korrigiert werden.



Serie
Den Bröseln auf der Spur

Schmelz-/Sublingual-/Buccaltabletten werden zwar in einem Blister wie andere orale Tabletten geliefert, dürfen aber nicht aus der Blisterfolie herausgedrückt, sondern sollen durch Aufziehen der Folie dem Blister entnommen werden.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Procalcitonin-Bestimmung verkürzt Antibiotikatherapie

Eine an der Procalcitonin-Bestimmung orientierte Therapieentscheidung führte im Vergleich zum Standardvorgehen zu einer kürzeren Antibiotika-Gabe bei Neugeborenen mit vermuteter Sepsis. Dies ergab die multizentrische, randomisierte kontrollierte Neonatal Procalcitonin Intervention Study (NeoPlns).



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Langzeitbehandlung mit Opioiden verschlechtert das Outcome

Die Therapie neuropathischer Schmerzen, wie sie im Rahmen einer Polyneuropathie auftreten können, erfordert häufig ein komplexes Schmerzregime und die Kombination mehrerer Wirkstoffe. Auch Opioide werden dabei immer wieder eingesetzt. In der vorliegenden Arbeit wurde der Frage nachgegangen, ob und in welcher Form die Langzeittherapie mit Opioiden das Krankheitsgeschehen von Patienten mit Polyneuropathie beeinflusst.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Prävention mit Acetylsalicylsäure senkt Risiko

Die Behandlung von Schwangeren mit einem hohen Präeklampsierisiko mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure resultierte im Vergleich zu Placebo in einer signifikant niedrigeren Erkrankungsrate.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Inzidenz von schweren Gesundheitsproblemen sinkt kontinuierlich

Die Behandlungsprotokolle in der Kinderonkologie sind oft sehr intensiv und fördern das Risiko lebenslanger Gesundheitsprobleme für die Überlebenden. Beim Rückblick auf die letzten Dekaden leben Kinder mit Krebs aufgrund der Fortschritte in der Behandlung und der Fürsorge nicht nur länger, sondern sie profitieren auch von der Reduzierung negativer Langzeiteffekte der Krebstherapie. Das konnte eine retrospektive Analyse, die während des amerikanischen Krebskongresses (ASCO) vorgestellt wurde, zeigen.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Länger progressionsfrei leben mit Olaparib

Keimbahnmutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen verursachen den größten Teil der vererbten Brust- und Eierstockkrebserkrankungen. Olaparib ist ein PARP-Inhibitor und zugelassen zur Therapie von Patienten mit einem fortgeschrittenen, rezidivierten Ovarialkarzinom mit einer BRCA-Mutation. Während der Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) wurde eine Studie vorgestellt, in der Olaparib seine Wirksamkeit auch bei HER2-negativem Brustkrebs mit BRCA-Mutationen in der Keimbahn nachweisen konnte.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Liquid biopsy – Bluttest zur Tumordiagnostik


Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


ADKA intern
Roland Bührer und Moritz Kanzler


Ausschreibung
Prof. Dr. Roland Radziwill, Apotheke, Ernährungszentrum und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG
Gestiftet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Zum 16. Mal wird der Innovationspreis von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH gestiftet. Mit diesem Preis soll ein innovatives Projekt der Krankenhauspharmazie gewürdigt werden. Der Innovationspreis ist mit 7500 Euro dotiert. Die Satzung steht im Internet unter www.krankenhauspharmazie.de > Archiv > Heft 9/2017.



Gestiftet von der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG

Zum achten Mal verleiht die ADKA den Promotionspreis für Krankenhauspharmazie. Takeda stiftet diesen Preis im Rahmen ihrer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.