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39. Jahrgang Heft 5 Mai 2018

Editorial


Übersicht
Hans-Peter Lipp, Tübingen
Pharmakogenomik als zunehmende interdisziplinäre Herausforderung

Im Rahmen pharmakogenomischer Analysen wird der Versuch unternommen, die Arzneimitteltherapie auf die individuellen Voraussetzungen eines Patienten besser abzustimmen. Bestimmen genetische Polymorphismen das metabolische Profil eines Arzneistoffs, so können unter Berücksichtigung der entsprechend vorhandenen Allele frühzeitig die Weichen hin zu einer angemessenen Dosierung gestellt werden. In der Onkologie spielen darüber hinaus eine Vielzahl von prädiktiven Markern mittlerweile eine entscheidende Rolle für die Individualisierung einer Therapie (Präzisionsmedizin), wobei mit dem Next Generation Sequencing (NGS) eine besonders große interdisziplinäre Herausforderung ansteht. Zwar spielt das therapeutische Drug Monitoring (TDM) im Rahmen einer Chemotherapie bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, es könnte aber bei der Einnahme von z. B. Tyrosinkinasehemmern absehbar an Bedeutung gewinnen. Krankenhausapotheker können als Experten auf dem Gebiet der Pharmakogenomik entscheidend dazu beitragen, dass die Vielzahl an Erkenntnissen richtig angewendet wird.

Schlüsselwörter: Pharmakogenomik, Polymorphismen, prädiktive Marker, Next Generation Sequencing, therapeutisches Drug Monitoring, Onkologie, Präzisionsmedizin

Krankenhauspharmazie 2018;39:166–76.

Precision medicine in clinical oncology pharmacogenomics as increasing interdisciplinary challenge

More individualization of pharmacotherapy is the primary target of pharmacogenomic analysis. If genetic polymorphisms have an important impact on the metabolic profile of a drug, the knowledge about patient’s allele composition will be important to select the correct dosage. In clinical oncology, predictive markers play a pivotal role for drug selection. In this context, next generation sequencing (NGS) is of growing interdisciplinary importance, whereas therapeutic drug monitoring (TDM) is playing a minor role during the use of cytotoxic drugs. However, TDM is of some concern in patients taking tyrosine kinase inhibitors continuously. Hospital pharmacists can play a decisive role in clinical pharmacogenomics because they are able to manage the multiplicity of details accurately.

Keywords: pharmacogenomics, polymorphisms, predictive markers, next generation sequencing, therapeutic drug monitoring, oncology, precision medicine



Dirk Keiner, Weimar
Erfahrungen aus der Praxis

Im Rahmen der Therapieoptimierung im klinischen Alltag gewinnt das Geschlecht immer mehr an Bedeutung. In zahlreichen Analysen werden immer öfter Geschlechterunterschiede bekannt wie im Ernährungsbericht, Drogenbericht oder Tabakatlas. In den Fachinformationen finden sich meist eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Eigene Kohortenstudien und Fallserien zeigen jedoch klinisch relevante Aspekte – das Geschlecht des Patienten darf daher nicht zum Gesundheitsrisiko werden.

Schlüsselwörter: Genderunterschiede, Arzneimitteltherapiesicherheit, Medikationsmanagement, Fentanyl, Metoprolol

Krankenhauspharmazie 2018;39:177–83.

Gender differences as risk factor for medication safety

In the context of therapy optimization in everyday clinical practice, gender is becoming increasingly important. In numerous analyzes, gender differences are becoming more and more common, as in the nutrition report, drug reports or tobacco atlas. Also in Summary of Product Characteristics are usually more similarities than differences. Nevertheless, there are clinically relevant aspects shown by own cohort and case studies. The gender of the patient must therefore not become a health risk.

Keywords: Gender differences, drug therapy safety, Medication management, fentanyl, metoprolol



Tanja Saußele, Stuttgart
Besondere Herausforderungen durch die Pharmakogenetik

In der klinischen Onkologie hat die Pharmakogenomik mittlerweile einen festen Stellenwert bei verschiedenen prädiktiven Biomarkern für die Therapieentscheidung. Bei der Einbeziehung der Pharmakogenetik von arzneimittelmetabolisierenden Enzymen in die Arzneimitteltherapie stehen wir derzeit noch vor besonderen Herausforderungen.

Schlüsselwörter: Pharmakogenetik, stratifizierte Medizin, Cytochrom P450, Codein, Tramadol, Tamoxifen

Krankenhauspharmazie 2018;39:184–6.



Aktuelles aus der Rezeptur
Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen

Neugeborene, die im Mutterleib Opioiden ausgesetzt waren, zeigen nach der Geburt mit einer Inzidenz von 55 bis 94 % Entzugssymptome [5]. Das Krankheitsbild wird als neonatales Abstinenz-Syndrom (NAS) bezeichnet. Die Schwere der Entzugssymptome wird mithilfe von Scores, beispielsweise dem Finnegan-Score, quantifiziert. Hierbei werden unterschiedliche Symptome wie die Art des Schreiens, die Schwere des Tremors, das Vorkommen von Krampfanfällen, die Höhe des Fiebers und die Atemfrequenz bewertet. Ab Überschreiten eines Schwellenwerts wird mit der medikamentösen Entzugstherapie begonnen [3, 9]. Im Folgenden werden mögliche Rezepturen zur Therapie des NAS vorgestellt.

Krankenhauspharmazie 2018;39:188–92.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial der nichtselektiven, nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR)

Die in Deutschland am häufigsten verordneten nichtselektiven, nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) sind Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Alle drei Arzneimittel sind Substrate des polymorph exprimierten Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzyms 2C9 (Tab. 1).



Serie
Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake, Hamburg und Dr. Gesine Picksak, Hannover, für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Stolpersteine bei der Dosierung eines Fertigarzneimittels in Pulverform

Eine Patientin soll Sevelamercarbonat als Pulver erhalten. Durch die Verkettung von mehreren Faktoren, beginnend bei Missverständnissen in der Kommunikation bis hin zur ungeeigneten Stärke und fehlender Dosierhilfe beim Fertigarzneimittel, kommt es zu einem Medikationsfehler.



Referiert & kommentiert, Aus der internationalen Literatur
Solvejg Langer, Stuttgart
Ausweg bei arzneimittelresistenter Epilepsie

Bei therapieresistenter Epilepsie kann ein Weg zur Anfallsfreiheit ein chirurgischer Eingriff sein, bei dem die anfallsauslösende Hirnregion entfernt oder abgetrennt wird. In einer Studie wurde nun belegt, dass dies auch für Kinder mit Epilepsie gilt.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Leicht erhöhtes Risiko auch unter neueren Präparaten

In einer dänischen Kohortenstudie wurde die Assoziation zwischen der Anwendung neuerer hormoneller Kontrazeptiva und dem Risiko untersucht, in der Folgezeit an Brustkrebs zu erkranken. Dieser zufolge sind alle hormonellen Kontrazeptiva mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert, darunter fallen auch kombinierte Präparate mit niedrigem Estrogen-Anteil sowie reine Gestagene und Levonorgestrel-haltige Spiralen.



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Keine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten durch Idalopirdin

Die Erkenntnis, dass die Blockade von 5-Hydroxytryptamin-6-Rezeptoren die Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion bei Patienten mit Alzheimer-Demenz verbessern kann, führte zur Entwicklung von spezifischen 5-HT6-Antagonisten wie Idalopirdin. In drei großangelegten Phase-III-Studien war Idalopirdin als Zusatz zu bestehender Therapie mit Acetylcholinesterasehemmern wie Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin jedoch nicht wirksamer als Placebo.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Solanezumab bei Alzheimer-Erkrankung nicht wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

Der monoklonale Antikörper Solanezumab gegen Amyloid-beta (Aβ) ist bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung nicht in der Lage, das Fortschreiten der kognitiven Störungen signifikant zu verbessern.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Zweitgenerations-TKI auf dem Weg in die Erstlinientherapie

Vor fast 15 Jahren wurden EGFR-zielgerichtete Therapien in Verkehr gebracht und haben seitdem tausenden Patienten zu einer Lebensverlängerung verholfen. Die Vertreter der zweiten Generation sind effektiver, können aber auch mehr Nebenwirkungen hervorrufen. Während des amerikanischen Krebskongresses (ASCO) wurde eine Studie vorgestellt, in der Dacomitinib, ein EGFR-Inhibitor der zweiten Generation, im Vergleich zu Gefitinib zu besseren Ansprechraten und einem längeren progressionsfreien Überleben führte.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


ADKA intern

Was ist 20 mal 20? Vom 1. bis 2. Februar 2019 findet in Köln der 6. Kongress für Arzneimittelinformation statt – und einige Ergebnisse auf diese Frage können Sie dort erleben. Auf dem Kongress werden wieder viele wichtige Themen der Arzneimittelinformation von kompetenten Referenten dargestellt und es gibt vom Anfänger bis zum Experten Gelegenheit, in Vorträgen und Workshops zu lernen und zu diskutieren.



Kongress
Abstracts der Poster und Kurzvorträge beim 43. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 3. bis 5. Mai 2018

Die Abstracts der Poster und Kurzvorträge sind in Wissenschaftliche Poster und Praxis-Poster getrennt und jeweils alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert (Stand: März 2018).