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39. Jahrgang Heft 8 August 2018

Editorial
Prof. Dr. Frank Dörje, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker e. V. (ADKA), und Dr. Holger Knoth, Leitung ADKA-Projektgruppe „Stationsapotheker“


Originalarbeit
Mary Alhatem, Kamran Zaheer, Henrike Potthast und Peter Langguth, Mainz

Intakte Tabletten sind häufig von älteren Menschen, die an Dysphagie leiden, schwer zu schlucken. Dies gilt ebenfalls für pädiatrische Patienten, verbunden mit entsprechender Non-Compliance. Einige Patienten neigen dazu, die Tabletten vor der Einnahme zu zerkleinern, wodurch die Pharmakokinetik des Wirkstoffs, bedingt durch Veränderungen im Auflösungsverhalten der Arzneiform, modifiziert werden kann. In dieser Studie wurde untersucht, inwieweit intakte und zerkleinerte Tabletten in-vitro-ähnliches Auflösungsverhalten zeigen. Unter Anwendung von Biowaiver-Kriterien sollte dann auf zu erwartende Bioäquivalenz geschlossen werden. Nach der Durchführung von Auflösungsuntersuchungen an intakten und zerkleinerten Tabletten bei verschiedenen pH-Werten unter Verwendung von Metformin und Ibuprofen als BCS-Klasse-III- bzw. -IIa-Arzneistoffe stellte sich heraus, dass zerkleinerte und intakte Metformin-Tabletten als bioäquivalent angesehen werden können, während intakte und zerkleinerte Ibuprofen-Tabletten nur in vitro bioäquivalent sind und weitere In-vivo-Tests benötigt werden, um die Bioäquivalenz zu beweisen. Die Ergebnisse eines Ph.-Eur.-Zerfallstests deuten auf eine Beziehung zwischen der Zerfallszeit und der Ähnlichkeit der Auflösungsprofile von Fertigarzneimitteln in intaktem versus zerkleinertem Zustand hin: Je kürzer die Zerfallszeit, umso ähnlicher verhalten sich die Auflösungsgeschwindigkeiten von intakten und zerkleinerten Tabletten. Die Untersuchung der Auflösungsgeschwindigkeit von BCS-Klasse-IIa-Arzneistoffen in einem Medium mit einem pH = pKa ± 0,5 führt zu einer besseren Differenzierung gegebenenfalls vorhandener Unterschiede zwischen den verschiedenen Fertigarzneimitteln, deren In-vivo-Relevanz in zukünftigen Untersuchungen gezeigt werden sollte.

Schlüsselwörter: intakt, zerkleinert, Tabletten, in vitro, Metformin, Ibuprofen

Krankenhauspharmazie 2018;39:343–50.

Intact versus crushed tablets – Biopharmaceutic assessment of Metformin and Ibuprofen containing drug products

Tablet is a convenient dosage form, but due to difficulty in swallowing, some pediatric and geriatric patients prefer to chew the tablet or take it by crushing and dissolving it in water or with some semisolid food. Due to increased surface area, intact tablet may not be bioequivalent with its crushed form. In current study, we have measured the particle size distribution of crushed tablets as well as compared the dissolution profiles of intact and crushed tablets. Particle size distribution of crushed tablets was found to vary significantly in terms of coarser and finer fractions. Except early time point, drug release from coarser particles was almost identical with the drug release from finer particles. Dissimilar dissolution profiles of crushed and intact tablets were observed due to rapid drug release from crushed tablets. f2 statistic and comparison of MDT (mean dissolution time) suggest that crushed tablets are not bioequivalent to its crushed form. Administration of crushed tablets in order to avoid the barrier in administration of tablet may compromise the clinical effect besides altering the absorption in case of BCS class II and IV drugs.

Key words: bioequivalence, crushed tablet, intact tablet, particle size distribution



Übersicht
Dirk Keiner, Weimar

Im klinischen Alltag zeigen bei der Patientenversorgung CPOE- und CDS-Systeme häufig Warnmeldungen zu kardialen Risiken an. Dazu zählt auch eine durch Arzneimittelinteraktionen bedingte gefährliche Verlängerung der QT-Zeit. Viele Risikofaktoren für QT-Zeit-Verlängerungen sind identifiziert. Welche sind das? Anhand von Fallbeispielen werden Antworten und Hilfestellungen gegeben.

Schlüsselwörter: Medikationsmanagement, QT-Zeit-Verlängerung, Risikofaktoren

Krankenhauspharmazie 2018;39:336–42.

Medication management - tracking the QT prolongation risk

Alerts on patient care for cardiac risks often flash in everyday life. This includes a dangerous prolongation of QT time due to drug interactions. Many risk factors are identified. Which are they? Case studies will provide answers and assistance for medication management

Key words: medication management, Qtc-Prolongation, risk factors



Lillian Reiter, Oslo

In Norwegen soll mit dem Weiterbildungsprogramm Academic Detailing erreicht werden, dass Ärzte bei ihren Verordnungen evidenzbasierten, randomisierten und kontrollierten Studien und Leitlinien folgen. Dazu werden Ärzte von geschulten Mitarbeitern in ihrem Arbeitsumfeld besucht und in rund 20-minütigen Gesprächen zum Thema informiert. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit RELIS (Arzneimittelinformationszentrum), bei dem die Autorin seit 2013 als Apothekerin tätig ist, durchgeführt. In ersten Pilotprojekten zu NSAR und Antibiotika konnte gezeigt werden, dass die „Weiterbildungsbesuche“ größtenteils den gewünschten Effekt hatten.

Schlüsselwörter: Arzneimittelinformation, Allgemeinärzte, Leitlinien, Pilotprojekt

Krankenhauspharmazie 2018;39.351–4.

Academic Detailing in Norway

Norway is one of the first European countries to test Academic Detailing. The aim of this “educational” program is to improve prescribing of certain targeted drugs by changing the prescription habits of general practitioners to follow evidence-based medicine. Trained health care professionals are in short face to face visits updating general practitioners on the latest medical guidelines. The first two pilot projects were about NSAIDs and antibiotics and have been evaluated as (mainly) successful.

Key words: drug information, general practitioner, guidelines



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Projektgruppe Stationsapotheker der ADKA e. V.

Die ADKA-Projektgruppe „Stationsapotheker“ hat einen Patientenfall inklusive MC-Fragebogen zur Fortbildung und Qualitätssicherung entwickelt. Dieser dient zur Erkennung und Lösung von arzneimittelbezogenen Problemen. Evaluiert werden klinisch-pharmazeutisches Fachwissen und die fallbezogene klinisch-pharmazeutische Problemlösungskompetenz. Einen kommentierten Lösungsvorschlag werden Sie dann in einer der nächsten Ausgaben der Krankenhauspharmazie finden.

Krankenhauspharmazie 2018;39:355–8.



Serie
Sandra Däublin, Ludwigshafen, und Dr. Gesine Picksak, Hannover, für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Medikationsfehler durch uneindeutige Verlegungsberichte

Der Medikationsprozess ist ein komplexer Prozess. Zahlreiche Fehler treten bei der Verordnung und Applikation auf. Eine Möglichkeit, die Fehlerhäufigkeit zu reduzieren, ist die Einführung einer elektronischen Verordnungssoftware (CPOE), die allerdings neue Risiken und Fehlerquellen, wie in dem folgenden Medikationsfehler beschrieben, birgt.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Myokarditis durch Checkpoint-Inhibitoren

Eine Myokarditis als unerwünschte Wirkung einer Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren tritt mit einer Prävalenz von 1,14 % sowie im Median 34 Tage nach Therapiebeginn auf. Sie zeigt einen malignen Verlauf und spricht auf hochdosierte Glucocorticoide an. Dies ergaben Daten eines multizentrischen Registers in den USA.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Kein verlängertes Gesamtüberleben durch PD-L1-Inhibitor Atezolizumab

Eine Therapie mit dem PD-L1-Inhibitor Atezolizumab führte bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Urothelkarzinom zu keinem längeren Gesamtüberleben als eine klassische Chemotherapie. Für Atezolizumab sprach allerdings sein günstiges Sicherheitsprofil.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Effizienz eines künstlichen Pankreas zur Blutzuckerkontrolle

Die tägliche Überprüfung der Blutglucoselevel und das Spritzen von Insulin stellt für Diabetiker mitunter eine große Belastung dar. Abhilfe könnten artifizielle Pankreassysteme schaffen, die den Blutzucker messen und gleichzeitig die benötigte Insulinmenge berechnen. In einer Metaanalyse wurde überprüft, ob die Systeme effizienter sind als das herkömmliche Diabetesmanagement.



Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Ist Febuxostat bei Patienten mit kardiovaskulärer Vorbelastung sicher?

Febuxostat ist ein selektiver Xanthinoxidase-Hemmer, der seit 2009 für die Therapie der Gicht zugelassen ist. In einer randomisierten, doppelblinden Studie konnte nun die Nichtunterlegenheit von Febuxostat bezüglich der kardiovaskulären Sicherheit im Vergleich zu Allopurinol bei Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung bestätigt werden, die Gesamtsterblichkeit sowie die kardiovaskuläre Sterblichkeit waren unter Febuxostat aber signifikant erhöht.



Gerrit Seifert, Mainz
Vonoprazan verhindert das Wiederauftreten von Ulzera

Der Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) kann die Nebenwirkungen von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) zur Thromboseprävention vermindern. Vonoprazan hat sich hier in einer Phase-III-Studie als nicht unterlegen gegenüber Lansoprazol gezeigt.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Adjuvante Therapie risikoadaptiert zuschneiden

69 % der Frauen mit frühem Brustkrebs kann eine adjuvante Chemotherapie zusätzlich zur Hormontherapie erspart werden, weil die alleinige Hormontherapie nicht schlechter ist. Das wurde in der Studie TAILORx mit Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen Brustkrebspatientinnen in einem frühen Stadium gezeigt, die während der 54. Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) im Juni 2018 in Chicago vorgestellt wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Pembrolizumab in der Erstlinientherapie besser als Platin-haltige Chemotherapie

In einer großen randomisierten Phase-III-Studie konnte gezeigt werden, dass die Immuntherapie mit Pembrolizumab als Monotherapie in der Erstlinienbehandlung des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) effektiver ist als der derzeitige Therapiestandard aus Platin-haltiger Kombinationschemotherapie und zu einem signifikant längeren Gesamtüberleben führt. Die eingeschlossenen NSCLC-Patienten wiesen eine PD-L1-Expression von mindestens 1 % auf und hatten keine EGFR-Mutationen oder ALK-Translokationen. Die Studie wurde im Juni während des Kongresses der amerikanischen Onkologen (ASCO) vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Ausschreibungen

gestiftet von der B. Braun Melsungen AG

ADKA-Wettbewerb zur Förderung der Teilnahme am 24th Congress of the EAHP