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39. Jahrgang Heft 11 November 2018

Nachrufe
Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker ADKA e. V. Prof. Dr. Frank Dörje, Präsident Prof. Dr. Irene Krämer
Eine Leitfigur der Krankenhauspharmazie

In memoriam



Originalarbeit
Theresa Ludewig, Hamburg, Oliver Schöffski, Nürnberg, und Claudia Langebrake, Hamburg
Kooperation zwischen Ärzten und Krankenhausapothekern

Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen, die klinisch-pharmazeutische Visite inbegriffen, gelten als wesentliche Einflussfaktoren zur Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus. In Deutschland ist der Krankenhausapotheker jedoch noch nicht regelhaft Teil des multidisziplinären Behandlungsteams. Zudem sind der Verordnungs- und Bereitstellungsprozess der Arzneimittel häufig fehleranfällig. Zahlreiche Studien aus dem Ausland zeigen den nennenswerten Nutzen klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen, wohingegen aus Deutschland nur vereinzelte Untersuchungen existieren. Als maßgebliche, direkte Vorteile konnten die Wahrnehmung und Nutzung des Apothekers als Informationsquelle, die Kenntnis des Zustands des Patienten und der Behandlungsstrategie sowie der Schulungseffekt herausgestellt werden. Diese wirken hinsichtlich des Erkennens und der Reduktion arzneimittelbezogener Probleme wie unerwünschte Arzneimittelereignisse, Interaktionen und Überdosierungen. Weiterhin erkennbar ist der sich nach der Erstverordnung fortsetzende Kreislauf aus Validierungen durch den Krankenhausapotheker und ärztlichen Verordnungen. Eine aufgrund der Kontrollfunktion des Krankenhausapothekers möglicherweise leichtfertige ärztliche Verordnung wird als unwahrscheinlich und kalkulierbar bewertet. Ziel einer jeden Klinik sollte letztlich die Etablierung eines hinsichtlich der Kosten und des Nutzens ausgewogenen Gesamtkonzepts sein. Ein möglicher Ansatz basiert auf der Kombination elektronischer Systeme als Voraussetzung für einen lückenlosen Verordnungsprozess, in dem der Krankenhausapotheker mit uneingeschränktem Zugriff auf Patientendaten alle Verordnungen validiert. Überwiegend in Risikobereichen wird die klinisch-pharmazeutische Visite als direkte Diskussionsplattform zur Generierung des Zeitvorteils genutzt. Voraussetzungen hierfür sind unter anderem hinreichende Budgetvorgaben, optimierte Prozesse, die Akzeptanz des Krankenhausapothekers im Behandlungsteam und die entsprechende Kommunikationsfähigkeit als wesentliche Kompetenz der Krankenhausapotheker.

The clinical-pharmaceutical ward round – Cooperation between doctors and clinical pharmacists

Clinical pharmacy services including clinical-pharmaceutical ward rounds are an important factor to increase medication safety in hospitals. In German hospitals, the pharmacist is not yet a regular member of the multidisciplinary treatment team. In addition, the prescription and provision process of the medication is often error-prone. Numerous studies from abroad show a benefit of clinical pharmacy services, whereas in Germany only a couple of studies exist. As most important advantage, the use of the pharmacist as a source of information, the knowledge of the patient’s condition and the treatment strategy could be identified. These have the effect of recognizing and reducing drug-related problems such as adverse drug effects, drug-drug interactions and overdoses. Further recognizable is the continuing cycle of hospital pharmacist’s validation and physician’s prescriptions. A possible loss of quality of the physician’s prescriptions by the pharmacist’s control function is considered as improbable and the risk is estimated to be calculable. Ultimately, each hospital should aim for a balanced concept in terms of costs and benefits. One approach is based on electronic systems as a requirement for a closed-loop prescription process in which the pharmacist with unrestricted access to patient data validates all prescriptions. The clinical-pharmaceutical ward round is used as a discussion platform mainly in high-risk areas to generate time savings. Requirements are amongst others sufficient budget specifications, optimized processes, the acceptance of the ward pharmacist as a member of the treatment team and the corresponding ability to communicate as an essential competence of the pharmacists.

Key words: hospital pharmacist, clinical pharmacist, clinical-pharmaceutical ward round, clinical pharmacy services, drug-related problems, medication safety



Tilman Schöning, Heidelberg, und Irene Krämer, Mainz

In Ergänzung zum ADKA-Statement für den Einsatz von biosimilaren Antikörpern in der Onkologie werden nachfolgend konkrete Hinweise zur Auswahl und Anwendung von biosimilaren Antikörpern gegeben. Des Weiteren werden Empfehlungen zur Vorbereitung und Gestaltung des Entscheidungsprozesses in der Arzneimittelkommission eines Krankenhauses vorgestellt.

Main challenges in the selection of biosimilars in hospitals – guide to well-ordered decision-making

In addition to the ADKA statement on the use of biosimilar monoclonal antibodies (mAbs) in oncology, we present defined recommendations for selection and use of biosimilar mAbs. Moreover we highlight the preparation and finalization of the decision on listing biosimilar mAbs by the drug expert committees in hospitals.

Keywords: Biosimilars, selection, oncology, hospital, decision criterias, switching



Dr. Dorothea Strobach für den Ausschuss Arzneimittelinformation der ADKA
Erfahrungen und Beispielantwort

Im September 2017 hat der Ausschuss Arzneimittelinformation der ADKA den ersten „Ringversuch Arzneimittelinformation“ für Krankenhausapotheken organisiert. Ziel des Pilotprojekts war es, zu testen, wie sich ein aussagekräftiges Instrument der Qualitätssicherung für das Gebiet Arzneimittelinformation realisieren lässt. Erste Ergebnisse wurden als Poster und Kurzvortrag auf dem ADKA-Kongress in Stuttgart im Mai 2018 präsentiert. Alle Teilnehmer des Ringversuchs erhielten nach Abschluss der Auswertung ihr Ergebnis im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt aller Teilnehmer in den einzelnen Auswertungskategorien. Eine häufige Rückmeldung der teilnehmenden Apotheken war der Wunsch nach einer Musterantwort. Nachfolgend soll deshalb die Testfrage mit einer Musterantwort dargestellt und es soll auf weitere Rückmeldungen und Erfahrungen aus dem Pilotversuch eingegangen werden, die in die Fortführung des Ringversuchs einfließen werden.



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Projektgruppe Stationsapotheker der ADKA e. V.

Die ADKA-Projektgruppe „Stationsapotheker“ hat einen Patientenfall inklusive MC-Fragebogen zur Fortbildung und Qualitätssicherung entwickelt, der in der August-Ausgabe der Krankenhauspharmazie zu lesen war. Dieser dient zur Erkennung und Lösung von arzneimittelbezogenen Problemen. Evaluiert werden klinisch-pharmazeutisches Fachwissen und die fallbezogene klinisch-pharmazeutische Problemlösungskompetenz. Hier finden Sie nun einen kommentierten Lösungsvorschlag.



Analyse von CYP450-Wechselwirkungen
Der Artikel wurde unter Einbeziehung von Diskussionsbeiträgen von Dr. Jörg Brüggmann, Berlin, Prof. Dr. Christoph Hiemke, Mainz, und Dr. Jochen Weber, Bad Wildungen, erstellt.
Das Interaktionspotenzial der selektiven Immunsuppressiva

Immunsuppressiva werden bei Autoimmunkrankheiten und Organtransplantationen eingesetzt. Neben Glucocorticoiden und zytotoxischen Wirkstoffen finden selektive Immunsuppressiva Anwendung. Zu diesen gehören die Calcineurin-Inhibitoren (CNI) Ciclosporin und Tacrolimus sowie die mTOR-Inhibitoren Everolimus und Sirolimus. Wirksamkeit und Verträglichkeit der Wirkstoffe sind auch abhängig vom Metabolismus über das Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzym 3A4 (Tab. 1).



Serie
Dr. Gesine Picksak, Hannover, für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Neue Fehlerquelle: Elektronische Verordnungssoftware

Auch wenn die elektronische Verordnungssoftware für die Verschreibung selbst eine enorme Verbesserung darstellt, bringt diese leider nicht automatisch eine höhere Arzneimitteltherapiesicherheit mit sich, sondern birgt neue, bis dato so noch nicht aufgetretene Fehlerquellen. Durch die Verwechslung von zwei Wirkstoffen erhielt ein Patient eine nicht indizierte Therapie.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
24-Stunden-Blutdruckmessung kann Sterberate besser vorhersagen

In einer Kohortenstudie konnte eine ambulante Blutdruckmessung, durchgeführt über 24 Stunden, sowohl die Gesamt- als auch die kardiovaskuläre Mortalität besser vorhersagen als einzelne Blutdruckmessungen beim Arzt. Dabei war das Risiko für Patienten mit einer maskierten Hypertonie am deutlichsten ausgeprägt.



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Tenecteplase zeigt gute Ergebnisse bei ischämischem Schlaganfall

Bei Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall wird innerhalb von sechs Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eine mechanische Thrombektomie empfohlen. Wenn keine Kontraindikationen vorliegen, sollte in einem Zeitfenster von 4,5 Stunden auch systemisch mit Alteplase (rt-PA) behandelt werden. Eine randomisierte Vergleichsstudie zeigt nun, dass der modifizierte Plasminogenaktivator Tenecteplase sowohl häufiger eine Rekanalisierung des stenosierten Gefäßes erreicht als auch zu einem besseren funktionellen Ergebnis bei den Patienten führt als das Standardmedikament Alteplase.



Gerrit Seifert, Mainz
Nitrofurantoin oder Fosfomycin?

Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt werden neben anderen Antibiotika die beiden Wirkstoffe Nitrofurantoin und Fosfomycin verwendet. Die Anwendung von Nitrofurantoin über fünf Tage hat sich in dieser Studie im Vergleich zu der einmaligen Gabe von drei Gramm Fosfomycin als überlegen gezeigt.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Kein Effekt von Tamsulosin auf den Abgang von Harnleitersteinen

Bisherige Metaanalysen haben gezeigt, dass Alphablocker wie Tamsulosin zu höheren Abgangsraten von Harnleitersteinen führen. Mit der aktuellen Studie von Meltzer et al. liegt eine weitere klinische Studie vor, die einen solchen Effekt allerdings nicht nachweisen kann.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Nur wenige Patienten unter Opioiden profitieren von zusätzlichem (illegalem) Cannabis

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Winfried Häuser.

Bei Patienten mit chronischen starken Schmerzen und einer Opioid-Therapie hatte der Beigebrauch von Cannabis keinen Einfluss auf Schmerzstärke und benötigte Opiat-Dosis. Patienten, die zusätzlich Cannabis konsumierten, hatten insgesamt stärkere Schmerzen und eine geringere Selbstwirksamkeit unter anderem im Umgang mit den Schmerzen.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neue zielgerichtete Therapie verlangsamt das Wachstum von Krebszellen

In einer Phase-III-Studie wurde erstmals ein neues molekulares Ziel, nämlich die PIK3CA-Genmutation, eine häufige genetische Abnormalität bei Brustkrebs avisiert. Taselisib ist das erste Arzneimittel mit diesem Angriffspunkt und konnte in der SANDPIPER-Studie zeigen, dass es in Kombination mit Fulvestrant das Wachstum von Krebszellen bei fortgeschrittenem Brustkrebs um zwei Monate länger stoppen konnte als eine alleinige Fulvestrant-Therapie. Die Studie wurde während des 54. Jahreskongresses der amerikanischen Onkologen (ASCO) präsentiert.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Ausschreibung

Gestiftet von der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG

Zum neunten Mal verleiht die ADKA den Promotionspreis für Krankenhauspharmazie. Takeda stiftet diesen Preis im Rahmen ihrer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.



Mit den Ausbildungsprojektpreisen „Diplom“ und „PJ-Projekt“ des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. sollen herausragende Projekt- und Diplomarbeiten ausgezeichnet werden. 2019 werden die beiden Preise bereits zum achten Mal verliehen. Als Preis erhält der Ersteller der Arbeit einen Büchergutschein im Wert von 100 Euro sowie die Teilnahme am ADKA-Kongress 2019 in Berlin. Ersteller und Betreuer werden zusätzlich mit Urkunden ausgezeichnet.