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40. Jahrgang Heft 4 April 2019

Übersicht
Andreas Klemmer und Claus Franz Vogelmeier, Marburg
Aktuelle medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapiekonzepte

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine Erkrankung, die durch eine nicht vollständig reversible Obstruktion der Atemwege gekennzeichnet ist. Diese ist typischerweise progredient. Parallel dazu kommt es üblicherweise zur Zerstörung von Lungenparenchym im Sinne eines Emphysems. Die COPD ist mit zahlreichen anderen pulmonalen und extrapulmonalen Erkrankungen assoziiert, die prognostisch von Bedeutung sind. Die Obstruktion wird in kausalem Zusammenhang mit einer pathologischen Entzündungsreaktion gesehen, die durch die Inhalation von schädlichen Gasen und/oder Partikeln entsteht. Der in entwickelten Ländern mit Abstand wichtigste Auslöser ist Zigarettenrauch; aber auch Luftverschmutzung (Feinstaub, Abgase) oder Exposition gegenüber Biomasse, z. B. in der Landwirtschaft, sowie prä- und postnatale Ereignisse können zur Entstehung einer COPD beitragen. In den letzten Jahren wurde die COPD-Klassifizierung überarbeitet und berücksichtigt nun neben der Lungenfunktion auch die Symptome der Patienten und die Exazerbationshistorie. In den letzten Jahren wurden mehrere neue langwirkende Bronchodilatatoren für die Behandlung der COPD zugelassen; weiterhin sind eine Reihe von Kombinationspräparaten, bestehend aus langwirkenden Beta2-Sympathomimetika und langwirkenden Anticholinergika und kürzlich auch Dreifachkombinationen aus langwirkenden Beta2-Sympathomimetika, langwirkenden Anticholinergika und inhalierbaren Glucocorticoiden auf den Markt gekommen. Der Rauchentwöhnung kommt weiterhin eine entscheidende Bedeutung zu.

Schlüsselwörter: COPD, Obstruktion, Emphysem – Zigarettenrauch, Bronchodilatatoren, Dreifachkombination, Rauchentwöhnung

The chronic obstructive pulmonary disease (COPD): current pharmacological and non-pharmacological treatment concepts

The chronic obstructive pulmonary disease (COPD) is characterized by a not fully reversible airflow limitation that is usually progressive. At the same time, destruction of the lung parenchyma usually occurs and leads to the development of emphysema. The COPD is associated with other pulmonary and extrapulmonary disorders that may be prognostically important. The obstruction is associated with an inflammatory response resulting from the inhalation of harmful gases and/or particles. The by far most important trigger in developed countries is cigarette smoke; but also air pollution (fine dust, exhaust gases) or exposure to biomass, for example in agriculture, as well as pre- and postnatal insults can contribute to the development of COPD.

In recent years, the COPD classification has been revised and now takes into account not only the lung function but also the symptoms of the patients and the history of exacerbations. In recent years, several new long-acting bronchodilators have been approved for the treatment of COPD. Furthermore, a number of combination preparations consisting of long-acting beta-2-sympathomimetics and long-acting anticholinergics and recently triple combinations of long-acting beta-2-sympathomimetics, long-acting anticholinergics and inhalable corticosteroids have become available. Smoking cessation continues to be crucial.

Key words: COPD, obstruction, emphysema, cigarette smoke, bronchodilators, triple combination, smoking cessation

Krankenhauspharmazie 2019;40:183–93.



Alexander Kratzer, Ulrich Rothe, Frieder Kees und Christoph Dorn, Regensburg

Wegen der zeitabhängigen Wirksamkeit der Beta-Lactam-Antibiotika wird vermehrt empfohlen, diese Substanzen als verlängerte oder kontinuierliche Infusion zu verabreichen. Diese Applikationsweise setzt jedoch voraus, dass hinreichende Daten zur Stabilität der eingesetzten Wirkstoffe in Infusionslösungen zur Verfügung stehen. Da in der deutschen Fachinformation der Kombination Ceftolozan/Tazobactam (Zerbaxa®) lediglich Informationen zur Stabilität in Infusionslösung unter Kühlung (2 bis 8 °C) und Lichtschutz vorliegen, wurde eine Stabilitätsuntersuchung über 24 Stunden bei Raumtemperatur und ohne Lichtschutz durchgeführt. Ceftolozan/Tazobactam war in den untersuchten Konzentrationen (10/5 mg/ml und 20/10 mg/ml) und Infusionslösungen (NaCl 0,9 % und Glucose 5 %) über 24 Stunden stabil und eignet sich somit für eine verlängerte oder kontinuierliche Infusion. Durch eine pharmakokinetische Simulation wurde das Erreichen pharmakokinetischer/pharmakodynamischer (PK/PD) Zielparameter bei intermittierender bzw. kontinuierlicher Infusion verglichen. Die Simulation zeigt, dass durch eine kontinuierliche Infusion von Ceftolozan/Tazobactam das Erreichen der PK/PD-Zielparameter beider Wirkstoffe verbessert wird.

Schlüsselwörter: Ceftolozan/Tazobactam, kontinuierliche Infusion, Stabilität, PK/PD

Stability of ceftolozan/tazobactam in solution for infusion for prolonged or continuous application

Due to the time-dependent antibacterial action of beta-lactams it is increasingly recommended to administer these antibiotics as prolonged or continuous infusion. However, for this mode of application, data on the stability of the active ingredients in the infusion solution are required. Since the German product information of the combination ceftolozan/tazobactam (Zerbaxa®) provides data on the stability of the infusion solution only under conditions of cooling (2–8 °C) and light protection, a stability test was carried out for 24 h at room temperature and without protection from light. Ceftolozan/tazobactam at concentrations of 10/5 mg/ml and 20/10 mg/ml was stable at least for 24 h in the tested infusion solutions sodium chloride 0.9 % and glucose 5 %, and is therefore considered suitable for prolonged or continuous infusion. In a pharmacokinetic simulation the attainment of pharmacokinetic/pharmacodynamic (PK/PD) targets with intermittent or continuous infusion was compared. The simulation shows, that a continuous infusion of ceftolozan/tazobactam improves the PK/PD target attainment for both drugs.

Key words: ceftolozane/tazobactam, continuous infusion, stability, PK/PD

Krankenhauspharmazie 2019;40:195–200.



Serie
Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Die Tücken eines Messbechers

Flüssige Arzneiformen lassen sich nicht nur für Säuglinge und (Klein-)Kinder deutlich besser schlucken als Tabletten, sondern sind auch häufig geeigneter, um über die Magensonde appliziert zu werden. Hierbei bereitet die exakte Dosierung der flüssigen Arzneiformen mit den dem Arzneimittel beigefügten Messhilfen große Probleme [3]. Manchmal sind die Markierungen auf der Dosierhilfe verwirrend, die Messhilfen gänzlich ungeeignet für die abzumessenden Dosierungen oder die Angaben im Beipackzettel nicht sofort für jeden verständlich.



ADKA intern
Berichtzeitraum: Januar 2018 bis Dezember 2018


Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Dr. Maren Mundt, Duingen
Assoziation von PFS und Lebensqualität

Der Parameter progressionsfreie Überlebenszeit wird zunehmend als Endpunkt für Studien zur Wirkung von Krebstherapien verwendet. Argumentiert wird damit, dass die Studien mit dem Endpunkt Gesamtüberlebenszeit (OS) zu lange dauern. Ein systematischer Review ergab, dass progressionsfreie Überlebenszeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität nicht assoziiert sind. Die Schlussfolgerung: Klinische Studien sollten möglichst groß genug für die Messung des OS sein. Zumindest sollte die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Studienteilnehmer sorgfältig gemessen werden.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Fingolimod versus Interferon beta-1a bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren und schubförmiger multipler Sklerose (MS) ist eine immunmodulatorische Therapie mit Fingolimod über einen Zeitraum von zwei Jahren besser wirksam als eine Behandlung mit Interferon beta-1a. Allerdings hat Fingolimod mehr unerwünschte Arzneimittelwirkungen.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Checkpoint-Blockade erhöht Gesamtüberleben

Die zusätzliche Gabe von Atezolizumab zu einer zytostatischen Therapie mit nab-Paclitaxel erhöhte das Gesamtüberleben von Patientinnen mit metastasiertem triple-negativen Mammakarzinom. Dieser Benefit zeigte sich vor allem bei PD-L1-positiven Tumoren.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Frühzeitige oder späte Nierenersatztherapie bei septischem Schock?

Die Frage, wann man eine Nierenersatztherapie bei Patienten mit septischem Schock und akuter Nierenschädigung beginnen sollte, lässt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Die vorliegende Studie findet keinen Überlebensvorteil für einen frühen oder späten Beginn.



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Niedrig dosiertes Amitriptylin als Schmerzmittel?

Die vorliegende Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob die Monotherapie mit niedrig dosiertem Amitriptylin bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen eine Schmerzreduktion bewirken kann. Nach drei bzw. sechs Monaten war jedoch keine signifikante Verringerung der Rückenschmerzen feststellbar.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Kombination aus BRAF- und MEK-Hemmer zur Therapie des fortgeschrittenen Melanoms

Die Kombination aus dem BRAF-Inhibitor Encorafenib und dem MEK-Inhibitor Binimetinib führte bei Patienten mit einem BRF-V600 mutierten fortgeschrittenen Melanom zu besseren Therapieergebnissen als eine Monotherapie mit Vemurafenib oder eine Monotherapie mit Encorafenib. Der Benefit spiegelt sich in einem erhöhten progressionsfreien sowie in einem erhöhten Gesamtüberleben wider.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau