Kardiale Dekompensation unter Abirateronacetat

Anamnese

Ein 71-jähriger Patient stellt sich aufgrund reduzierten Allgemeinzustandes mit Dyspnoe sowie hypertensiver Entgleisung und leichtem thorakalen Druckgefühl vor. Zudem zeigten sich Unterschenkel-Ödeme, eine Lungenstauung sowie laborchemisch eine Hypokaliämie und erhöhtes NT-proBNP mit 3100 pg/ml. Ein Prostata-Karzinom mit Metastasen in der Brustwirbelsäule (BWS) ist bekannt. Der Patient hatte bis zum vorigen Monat Prednisolon eingenommen, seitdem hatte er sich das Rezept nicht abgeholt.

Diagnose und Therapie

Kardiale Dekompensation NYHA IV bei Progress der bekannten koronaren Herzkrankheit (KHK) sowie Mineralocorticoid-Überschuss.

Aktuelle orale Medikation

ASS 100 mg 0-1-0-0
Metformin 850 mg 0-1-0-0
Furosemid 20 mg 0,5-0-0-0
Metamizol 500 mg 1-1-1-1
Ramipril 5 mg 1-0-0-0
Metoprolol 95 mg 1-0-1-0
Abirateronacetat 500 mg 2-0-0-0 (zwei Stunden nach dem Frühstück)

Pathomechanismus

Abirateronacetat ist ein Inhibitor der Androgen-Biosynthese und wird eingesetzt bei metastasierten Prostatakarzinomen. Der Wirkstoff hemmt selektiv das Enzym 17 α-Hydroxylase (auch CYP17), das in Hoden, Nebennieren und Prostata-Tumorgewebe für die Androgen-Biosynthese erforderlich ist. Abirateronacetat hemmt in allen betreffenden Organen die Umwandlung von Pregnenolon bzw. Progesteron in die Testosteron-Vorstufen Dehydroepiandrosteron bzw. Androstendion. Es kommt zur Akkumulation von Mineralocorticoiden wie 11-Deoxycorticosteron und Symptomen eines sekundären Hyperaldosteronismus wie arterielle Hypertonie, Ödembildung und Hypokaliämie. Diese Nebenwirkungen können durch die gleichzeitige Gabe eines Glucocorticoids reduziert werden, da die Ausschüttung des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) supprimiert wird.

Wichtige Hinweise – Lessons learned

  • Abirateronacetat ist indiziert zur Behandlung von metastasierten Prostatakarzinomen.
  • Die empfohlene Dosis beträgt 1000 mg als tägliche Einmalgabe.
  • Keine Einnahme gemeinsam mit Nahrungsmitteln, da dadurch die systemische Exposition mit Abirateron erhöht wird.
  • Aufgrund des zu erwartenden Mineralocorticoid-Überschusses muss Abirateronacetat zusammen mit niedrig dosiertem Glucocorticoiden (5-10 mg Prednison oder Prednisolon täglich) verabreicht werden.

Diesen Fall haben für Sie zusammengefasst
Dr. rer. nat. Barbara Pfistermeister, Prof. Dr. med. Harald Dormann, Prof. Dr. med. Andreas Blana, Dr. med. Anja Knüppel-Ruppert, Christine Schnitzer

Quellen

  1. Fachinformation Zytiga Stand Februar 2019
  2. "Männliche Sexualhormone und davon abgeleitete Pharmaka", Mutschler Arzneimittelwirkungen 11. Auflage

Kontakt

Klinikum Fürth
Studienzentrale der Zentralen Notaufnahme
Jakob-Henle-Straße 1
90766 Fürth

Falls Sie Fragen zu den Nebenwirkungen des Monats haben, schreiben Sie uns eine E-Mail an: zna-studienzentrale@klinikum-fuerth.de