5-HT3-Rezeptorantagonisten bei moderat emetogenen Chemotherapien


Kosten-Minimierungsanalyse an deutschen Krankenhäusern

Angela Ihbe-Heffinger, München, Walther Kuhn, Bonn, Daniel Sattler, Stefan Wagenpfeil, Jutta Thödtmann und Rudolf Bernard, München

Fragestellung: Vergleich der Behandlungsmuster und der assoziierten direkten medizinischen Kosten beim Einsatz der 5-HT3-Rezeptorantagonisten Granisetron, Ondansetron und Tropisetron im Rahmen moderat emetogener Chemotherapien aus der Perspektive deutscher Krankenhäuser.
Methoden: Prospektive Beobachtungsstudie an acht deutschen Krankenhäusern unter konsekutivem Einschluss von 136 Brustkrebspatientinnen, die mit Epirubicin- und/oder Cyclophosphamid-haltigen Eintageschemotherapien behandelt wurden. Die Quantifizierung von Übelkeit und Erbrechen erfolgte über einen Zeitraum von fünf Tagen nach Applikation der Chemotherapie. Analyse und Vergleich der direkten medizinischen Kosten beinhaltete sowohl die Bezugs- und Applikationskosten der antiemetischen Prophylaxe und Therapie als auch die durch Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) im Krankenhaus induzierten Folgekosten.
Ergebnisse: Für die Prophylaxe der akuten Chemotherapie-induzierten Übelkeit und Erbrechen wurden 3 mg Granisetron, 5 mg Tropisetron oder 8 mg Ondansetron vor Beginn der Chemotherapie intravenös appliziert. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Chemotherapie erhielten 10 % der Tropisetron- und 81 % der Ondansetron-Patientinnen eine zweite, überwiegend oral applizierte prophylaktische Dosis, 30 % der Ondansetron-Patientinnen sogar eine dritte prophylaktische Dosis.
39 % der Granisetron-Patientinnen, 74 % der Tropisetron-Patientinnen und nahezu alle Ondansetron-Patientinnen erhielten zur Prophylaxe der verzögerten Form von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (Tag 2–5) einen 5-HT3-Rezeptorantagonisten in Tablettenform. Im Vergleich zur Prophylaxe der akuten Form war die Leitlinientreue für die Prophylaxe der verzögerten Form besonders schlecht ausgeprägt (71,2 % vs. 28,8 %). Die im Krankenhaus anfallenden durchschnittlichen medizinischen Kosten für das Management der akuten Form waren für Granisetron niedriger (24,9 ) als für Ondansetron (41,7 ) und Tropisetron (32,5 ). Die im klinischen Alltag erzielten Raten für die vollständige Kontrolle von Nausea und Emesis sind mit den bisher publizierten Daten vergleichbar (akutes/verzögertes Erbrechen 73–90 %/65–79 %; akute/verzögerte Übelkeit 43–56 %/22–40 %).
Schlussfolgerungen: Die vorliegenden Daten zeigen erstmals die tägliche klinische Praxis des Managements von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen an deutschen Krankenhäusern, stratifiziert nach dem Einsatz verschiedener 5-HT3-Rezeptorantagonisten. Der Einsatz von Granisetron war aus Krankenhausperspektive mit niedrigeren Kosten assoziiert als der Einsatz von Tropisetron oder Ondansetron, was einen geringeren Nachdosierungsbedarf und/oder ein höheres Maß an Leitlinientreue im Klinikalltag reflektiert. Möglicherweise sind die vorliegenden Daten ein Hinweis auf praxisrelevante Unterschiede zwischen den verschiedenen 5-HT3-Rezeptorantagonisten für einen Teil des untersuchten Patientenkollektivs. Ganz sicher aber zeigt die Untersuchung einen großen Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung von Leitlinien in den klinischen Alltag und unterstreicht deren ökonomisches Potenzial.
Schlüsselwörter: CINV, Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen, Kosten-Minimierung, Granisetron, Ondansetron, Tropisetron, 5-HT3-Rezeptorantagonisten
Krankenhauspharmazie 2006;27:134–43.

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