Seite 249 -250
Editorial Dr. Torsten Hoppe-Tichy

Europäische Vernetzung in der Corona-Pandemie

Seite 251 -261
Originalarbeit André Mohr, Judith Thiesen und Irene Krämer, Mainz

Entwicklung eines Inkompatibilitäten-reduzierenden Infusionsschemas und Infusionssystems für kinderonkologische Patienten

Pädiatrisch-onkologische Patienten erhalten umfangreiche Pharmakotherapien, bei denen unterschiedliche Arzneimittel über Einlumen-Portkatheter appliziert werden. Dabei besteht ein hohes Risiko für Inkompatibilitäten. Ziel dieser Arbeit war es, ein Maßnahmenbündel zur Vermeidung von Inkompatibilitäten bei pädiatrisch-onkologischen Patienten der Universitätsmedizin Mainz zu entwickeln.
Für 87 regelmäßig intravenös applizierte Arzneimittel wurde die Kompatibilität jeder möglichen Zweierkombination in „Trissel’s Clinical Pharmaceutics Database“, der ADKA-STABIL- und der STABILIS-Datenbank recherchiert. Die Ergebnisse (kompatibel, inkompatibel, unklar, kein Ergebnis) wurden in einer Kompatibilitätstabelle dargestellt. Darauf aufbauend wurden die AM in einem Inkompatibilitäten-reduzierenden Standardinfusionsschema sechs Infusionsleitungen anhand des pH-Werts, der Applikationsdauer und der medizinischen Indikation zugeordnet. Für in der Praxis beobachtete Inkompatibilitäten wurde ein spezifisches Meldeformular erstellt.
Die alphabetische Kompatibilitätstabelle aller Zweierkombinationen (n = 3741) zeigte in 1518 (41 %) Fällen Kompatibilität und in 230 (6 %) Fällen Inkompatibilität. Für 160 (4 %) Kombinationen waren die Daten inkonsistent und für die übrigen 49 % der Kombinationen konnten keine Kompatibilitätsdaten gefunden werden. In dem Standardinfusionsschema wurden die Arzneimittel den sechs Gruppen Bewässerung/Elektrolytlösungen/parenterale Ernährung (ohne Lipide), Antibiotika/Kurzinfusionen, Dauerinfusionen „sauer“, Dauerinfusionen „basisch“, Lipide/liposomale Produkte und Zytostatika und damit den Infusionsleitungen des eigens entwickelten Infusionssystems zugeordnet. Das Infusionssystem, Infusionsschema und die Kompatibilitätstabelle wurden der Station zur Praxiserprobung übergeben.
Zur systematischen Vermeidung von Inkompatibilitäten im Rahmen einer umfangreichen Infusionstherapie von pädiatrisch-onkologischen Patienten bedarf es einer interdisziplinären Arbeitsgruppe (Apotheker, Arzt, Pflege), die ein Maßnahmenbündel, bestehend aus einem Standardinfusionsschema mit passendem Infusionssystem sowie einer Kompatibilitätstabelle entwickelt und in der Praxis erprobt. Ein spezifisches Meldeformular für beobachtete Inkompatibilitätsreaktionen ermöglicht die weitere Optimierung des Infusionsschemas.
Schlüsselwörter: Infusionsmanagement, Portkatheter, Standardinfusionsschema, Kompatibilitätstabelle, Inkompatibilität, pädiatrische Onkologie
Krankenhauspharmazie 2020;41:251–61.

English abstract

Development of an incompatibility-reducing infusion scheme and infusion device for pediatric oncology patients

Numerous medicinal products (MP) are administered intravenously via a single lumen port catheter to pediatric oncology patients. These multiple concurrent infusions are associated with a high risk of incompatibility reactions. Here we describe the development of preventive measures to reduce such incompatibilities in pediatric oncology patients at the University Medical Center Mainz.

Information on the (in)compatibility of binary combinations of 87 regularly administered intravenous MP was searched in Trissel’s Clinical Pharmaceutics Database, ADKA-STABIL- and STABILIS®-database. Results (compatible, incompatible, ambiguous, no finding) were compiled in a compatibility chart. According to the compatibility information, the MP were assigned to six infusion lines in an incompatibility-reducing standard infusion scheme based on pH-value, the duration of administration and type of medication.

The compatibility chart of all binary combinations (n = 3741) showed compatibility in 1518 (41 %) cases and incompatibility in 230 (6 %) cases. We found conflicting information for 160 (4 %) combinations and no data for the remainder 49 % of combinations. The MP were assigned to six standard infusion lines, i. e. hydration/electrolyte solutions, parenteral nutrition (without lipids), antibiotics/intermittent infusions, continuous infusions “acidic”, continuous infusions “basic”, lipid emulsions/liposomal products, and cytostatic MP, and thereby assigned to the infusion lines of the specifically developed infusion device. The preventive measures and a specific case report form for observed incompatibility reactions were consigned to the ward for practical testing.

To systematically reduce the existing risk of incompatibility reactions during extensive infusion therapy in pediatric oncology patients an interdisciplinary team consisting of pharmacists, physicians and nursing staff should be in charge. This team will be able to establish and prove the appropriate measures, i. e. a standard infusion scheme to be used with a specific infusion device and a compatibility chart. A specific case report form for observed incompatibility reactions ensures the ongoing improvement of the infusion scheme.

Key words: preventive measure, intravenous administration, standard infusion scheme, compatibility chart, incompatibility, pediatric oncology unit

Seite 262 -266
Originalarbeit Roberto Frontini, Leipzig

Automated Dispensing Cabinets (ADCs) als Ergänzung der Unit-Dose-Belieferung

Eine sinnvolle Investition zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit

Technologie ist ein wichtiges Element zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) im Krankenhaus. Neben der digitalen, wissensunterstützten Arzneimittelverordnung hat sich die Scan-Technologie am Patientenbett bewährt. Durch die Einführung der Unit-Dose-Logistik und der damit verbundenen Technologie sind erhebliche Fortschritte in der Erhöhung der AMTS in deutschen Krankenhäusern gemacht worden. Einige Arzneimittel können aber durch die Unit-Dose-Versorgung nicht sinnvoll abgedeckt werden. Für diese eignen sich Automated Dispensing Cabinets (ADCs) als Ergänzung am besten. Studien haben gezeigt, dass ADCs die Rate der Medikationsfehler sowie den Zeitaufwand der Pflegekräfte reduzieren. Trotz der hohen Beschaffungskosten ist eine Amortisierung in fünf Jahren realistisch. Um die Akzeptanz und die gesteckten Ziele auf Station zu erreichen, muss die Einführung intensiv begleitet werden.
Schlüsselwörter: Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS), Arzneimittelschränke, automated dispensing cabinet (ADC), Arzneimittellogistik, Unit-Dose
Krankenhauspharmazie 2020;41:262–6.

English abstract

Automated dispensing cabinets (ADCs) as complement to unit-dose services. A sensible investment to improve medication safety.

Technology is an essential component of medication safety in hospitals. Computerized Physician Order Entry (CPOE) with Clinical Decision Support (CDS) as well as Bar-Code-Assisted Medication Administration (BCMA) are well known elements. The introduction of centralized unit-dose logistic in Germany contributed to better medication safety, but not all medications can be supplied in unit-dose systems. ADCs are the best complement to unit-dose systems. Studies demonstrated that ADCs improve the medication safety and reduce the work load of nurses. Despite the initial high costs amortisation in between 5 years is realistic. To achieve the goals of medication safety and large acceptance at ward level is important to intensively support the implementation.

Key words: Patient safety, automated dispensing cabinet, drugs supply, unit-dose

Seite 267 -272
Serie Holger Petri, Bad Wildungen

Interaktionscheck

Das Interaktionspotenzial der oralen Antikoagulanzien (OAK)

Zur pharmakologischen Stoffgruppe der oralen Antikoagulanzien (OAK) gehören Vitamin K-Antagonisten (VKA) und direkte orale Antikoagulanzien (DOAK). Bei der Auswahl eines OAK sind unter anderem pharmakokinetische Wechselwirkungsrisiken zu berücksichtigen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der oralen Antikoagulanzien zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen dargestellt.

Seite 273 -274
Serie Dipl.-Pharm. Tanja Schicksnus, Bad Pyrmont, und Dr. Gesine Picksak, AMTS-Beauftragte der ADKA

Medikationsfehler

Erstöffnungssicherungsschutz führt zu neuen Problemen bei der Lagerung

Auf Station fällt auf, dass auf einer Arzneimittelsekundärverpackung das Verfalldatum sowie Chargenbezeichnung fehlten. Beim Öffnen der Arzneimittelverpackung sind diese Informationen entweder durch die teilweise Zerstörung der Lasche nicht mehr zu lesen oder aber die Lasche war ganz von der Packung abgerissen worden. Dies führte zu einer extremen Unordnung im Arzneimittelschrank.

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Multiresistente Erreger

Säuresuppression begünstigt Kolonisation mit multiresistenten Erregern

Durch multiresistente Erreger (MRE) verursachte Infektionen nehmen weltweit an Bedeutung zu. Eine wichtige Ursache ist der unkritische Einsatz von Antibiotika. Weitere Risikofaktoren vonseiten der Patienten für eine Besiedlung mit MRE sind unter anderem eine geschwächte Immunabwehr, Multimorbidität, Pflegebedürftigkeit und Klinikaufenthalt in den letzten sechs Monaten. Auch eine Therapie mit Antazida steigert das Risiko einer Besiedlung mit MRE wie jetzt eine aktuelle Metaanalyse vermuten lässt.

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Maximilian Günther, Bonn

Antiemese bei Chemotherapie

Olanzapin plus Standardantiemese zur Prävention von Chemotherapie-induziertem Erbrechen

Das atypische Neuroleptikum Olanzapin wird als Zusatz zur antiemetischen Therapie bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Die vorliegende randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie zeigt, dass eine niedrige Olanzapin-Dosis von 5 mg täglich zur Prävention geeignet ist.

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Hyperlipidämie

Inclisiran senkt LDL-Cholesterol um die Hälfte

Die siRNA Inclisiran hemmt die PCSK9-Synthese in Hepatozyten und erhöht dadurch die Konzentration an LDL-Rezeptoren. Aus dem umfangreichen klinischen Entwicklungsprogramm wurden kürzlich die Ergebnisse zweier großangelegter Phase-III-Studien gemeinsam publiziert. Darin führte Inclisiran, subkutan mit nur vier Injektionen über eineinhalb Jahre verabreicht, zur Verringerung der LDL-Cholesterol-Spiegel um etwa 50 %. In den USA wurde der Zulassungsantrag für Inclisiran Ende 2019 eingereicht, auch in Europa ist dies bereits geschehen [1].

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Kohortenstudie

Rotaviren-Impfungen und Typ-1-Diabetes: kein signifikanter Zusammenhang

Es wird vermutet, dass eine Infektion mit Rotaviren ein Risikofaktor für die Entstehung von Typ-1-Diabetes ist. Die Impfung könnte sich daher günstig auf das Diabetes-Risiko auswirken. Eine retrospektive Kohortenstudie zeigt bei US-amerikanischen Kindern nach Rotaviren-Impfungen jedoch weder vermehrte noch verminderte Raten an Typ-1-Diabetes.

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

HIV-Infektion

Neue lang wirkende HIV-Therapeutika

Für viele Patienten ist die tägliche orale antiretrovirale Therapie eine wirksame und machbare Option. Lang wirkende Therapeutika könnten sich vor allem für Patienten eignen, die beispielsweise Schluckprobleme oder Angst vor Stigmatisierung haben oder die nicht jeden Tag Arzneimittel nehmen möchten. Aktuelle Entwicklungen wurden bei der virtuellen CROI (Conference on retroviruses and opportunistic infections) im März 2020 vorgestellt.

Seite 275 -281
Referiert und kommentiert Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Bluthochdruck

Renale Denervation senkt Hypertonus

Die katheterbasierte renale Denervation könnte sich zu einer Option für Patienten mit Bluthochdruck entwickeln. Dies lassen Daten aus der SPYRAL-HTN-OFF-MED-Studie vermuten, die die signifikante Überlegenheit der renalen Denervation gegenüber einer Scheinprozedur zeigen. Patienten hatten nach einer renalen Denervation einen signifikant niedrigeren Blutdruck als nach einer renalen Angiographie.

Seite 282
Notizen Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Gilteritinib bei akuter myeloischer Leukämie mit FLT3-Mutation

Seite 283 -286
Notizen Bettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ

Seite 287
ADKA intern Dr. Susan Bischoff und das Team der Apotheke der Charité Universitätsmedizin Berlin

Nachruf auf unsere ehemalige Kollegin Dr. Thekla Schwarz