EditorialRudolf Bernard, Dr. Torsten Hoppe-Tichy

Das Rückgrat der ADKA

ÜbersichtNina Hasait, Alexandra Wiench, Michael Baehr und Claudia Langebrake, Hamburg

Der Ileostomapatient und seine Arzneimitteltherapie

Arzneimittelresorptionsprobleme bei Ileostomapatienten. Was tun?

Daten zur Arzneimittelresorption bei Ileostomapatienten sind rar, nicht zuletzt, weil jedes Stoma individuell ist und dadurch allgemeine Aussagen schwierig zu treffen sind. In der Praxis bleiben mögliche Resorptionsprobleme oft unerkannt, unbehandelt oder werden eventuell falsch behandelt. Aus diesem Grund wurde im Rahmen der vorliegenden Projektarbeit eine Strategie entwickelt, um im Stationsalltag Aussagen über die Resorption von Arzneistoffen bei Ileostomapatienten zu treffen. Für 114 häufig eingesetzte Arzneistoffe sind Eigenschaften zu deren Resorptionsverhalten sowie der Zeit bis zum Erreichen des maximalen Plasmaspiegels (tmax) erfasst worden. Anhand dieser Daten kann postuliert werden, dass es bei 63% der untersuchten Arzneistoffe mit einer tmax zwischen 0,5 und 2 Stunden zu keinen Resorptionsproblemen kommen sollte. Für 91% aller untersuchten Arzneistoffe konnten Alternativen (zerkleinern/mörsern/lösen/suspendieren und/oder Austausch der Arzneiform, Umstellung innerhalb der Arzneistoffgruppe) ermittelt werden, um eine schnellere und damit verbesserte Resorption zu erreichen. Mit diesem Ansatz wird eine individuelle Anpassung der Arzneimitteltherapie möglich gemacht und eine Grundlage für die Optimierung des pharmazeutischen Beratungs- und Betreuungskonzepts von Ileostomapatienten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) geschaffen. Weiterführende Untersuchungen zum Einfluss der Integration eines klinischen Pharmazeuten in das interdisziplinäre Team auf die Arzneimitteltherapiesicherheit bei Ileostomapatienten sind geplant.

Schlüsselwörter: Ileostoma, Arzneimittelresorptionsprobleme, Arzneimitteltherapiesicherheit

Krankenhauspharmazie 2015;36:229–48.

FlaggeEnglish abstract

The ileostomy patient and his drug therapy – Drug absorption problems of patients with an ileostomy. What to do?

Drug malabsorption is a major obstacle in the treatment of ileostomy patients. But data on pharmacokinetics of ileostomy patients is rare, because each stoma is unique and generalizations are difficult to make. Due to the lack of knowledge, absorption problems often remain undetected, untreated or are treated incorrectly.

As part of the present project work, a strategy for the daily routine on the ward was developed to evaluate statements about drug absorption of ileostomy patients. For 114 commonly used drugs, data regarding the characteristics of their absorption behaviour as well as their time to reach maximum plasma concentration (tmax) was put together. Based on this data, it can be postulated that 63% of the investigated drugs, those with tmax between 0.5 and 2 hours, should not have any absorption problems. For 91% of all investigated drugs, alternatives could be determined in order to achieve faster and thus more complete absorption with the following options: to crush/to pestle, to solve/to suspend and/or replacement of the dosage form, conversion within the drug group. The approach allows an individual adjustment of drug therapy. At the University Medical Center Hamburg Eppendorf (UKE) the approach also serves as a basis for the optimisation of pharmaceutical care for ileostomy patients. Further investigations on the influence of clinical pharmacists as part of the interdisciplinary team are planned.

Key words: ileostomy, drug absorption problems, medication safety

BerichtJulia Franke, Dresden, für den ADKA-Ausschuss Pharmakoökonomie und Management

Haben Sie schon einmal etwas von der ISPOR gehört?

ISPOR steht für International Society for Pharmacoeconomics and Outcomes Research. Diese Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Wissenschaft auf den Gebieten der Pharmakoökonomie/Gesundheitsökonomie zu fördern und deren Übergang von der Forschung hin zur Anwendung durch Entscheidungsträger im Gesundheitswesen zu unterstützen. ISPOR hat neben amerikanischen und asiatischen Tagungen auch ein jährliches europäisches Treffen. Die letzte Zusammenkunft fand mit über 4500 vor allem europäischen, aber auch amerikanischen, asiatischen und afrikanischen Teilnehmern vom 8. bis 12. November 2014 in Amsterdam statt.

Krankenhauspharmazie 2015;36:249–50.

BerichtIrene Krämer, Mainz

Forschung mit Fortschritt – Aktuelle Forschungsprojekte in den Apotheken der Universitätsklinika …

Bericht zur 4. LAUD-Doktorandentagung am 1. Adventswochenende 2014 in Mainz

Am 1. Adventswochenende fanden sich knapp 50 Teilnehmer zur 4. LAUD-Doktoranden-Forschungstagung in Mainz ein, unter ihnen zahlreiche Doktorandinnen, Doktoranden und forschungsaktive Betreuer aus ganz Deutschland. Alle arbeiten mit großem Erfolg an Forschungsprojekten in deutschen Universitätsklinika. So präsentierten 20 Teilnehmer ihr Forschungsprojekt in einem Kurzvortrag, wobei keiner dem anderen in klinischer Relevanz, Qualität und Erfolg nachstand.

Krankenhauspharmazie 2015;36:251.

Bericht

Kurzvorträge der 4. LAUD-Forschungstagung

Abstracts der Kurzvorträge der Tagung „Forschung mit Fortschritt – Aktuelle Forschungsprojekte in den Apotheken der Universitätsklinika Deutschlands“ am 29. November 2014 in Mainz

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf Seite 251 in dieser Ausgabe der Krankenhauspharmazie. Die Abstracts der Kurzvorträge sind alphabetisch nach Autornamen (Erstautor) sortiert.

SerieHolger Petri, Bad Wildungen

Analyse von CYP450-Wechselwirkungen – kleiner Aufwand, große Wirkung

Das Interaktionspotenzial der Acetylcholinesterase-Hemmer (Antidementiva)

Für die Bewertung des pharmakokinetischen Interaktionspotenzials der Acetylcholinesterase-Hemmer (Antidementiva) Donepezil, Galantamin und Rivastigmin ist die Affinität zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen 2D6 und 3A4 von maßgeblicher Bedeutung. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der drei Substanzen zu den beiden Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.

SerieAusschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Medikationsfehler

Sich ähnlich sehen, aber nicht gleich wirken ...

Das sogenannte Corporate Design kann Arzneimittelverwechslungen begünstigen. Im vorliegenden Fall wurde einem Patienten ein falsches Antibiotikum verabreicht, da neben gleichem Packungsdesign auch noch ein ähnlich klingender Wirkstoffname vorlag.

ADKA internDr. Matthias Fellhauer, Villingen-Schwenningen, Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff, München, Pamela Kantelhardt, Mainz, Constanze Rémi MSc, München, Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake, Hamburg, Dr. Norbert Ohem, Frankfurt (Oder), Prof. Dr. Roland Radziwill, Fulda, Dr. Le Hang Pelzl, Heidelberg,
Dr. Christoph Sturm, Dachau, Dr. Tilman Schöning, Heidelberg, Freia Feldmann, Potsdam, Dr. Karen Heidorn, Rostock, Dr. Sanjiv Sarin, Andernach, Sabine Steinbach MSc, Trier, Dr. Swantje Eisend, Kiel

Berichte der ADKA-Ausschüsse

Berichtszeitraum: Januar 2014 bis Dezember 2014

Referiert & kommentiertDr. Jutta Zwicker, London

Herzinsuffizienz

Angiotensin-Neprilysin-Hemmung – Paradigmenwechsel in der Therapie?

In der PARADIGM-HF-Studie reduzierte LCZ696 bei Patienten mit Herzinsuffizienz die Rate der Krankenhauseinweisungen und die Sterblichkeit signifikant im Vergleich zu Enalapril. Die Zulassung des Arzneimittels wird in Europa noch dieses Jahr erwartet. Da die Studienteilnehmer stark selektiert waren, bleibt abzuwarten, ob sich die Erwartungen an das Präparat in der klinischen Praxis erfüllen werden.

Referiert & kommentiertDr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Medizinische Interventionen

Hohe Patientenerwartung fördert Überversorgung

Patienten bzw. Laien haben häufig zu hohe Erwartungen an eine medizinische Intervention, so das Ergebnis einer systematischen Literaturrecherche. Auch Ärzte sind nicht immer optimal über die aktuelle Evidenz von Maßnahmen informiert – lassen sich sogar von den Wünschen ihrer Patienten beeinflussen. Das führt in manchen Fällen zu einer teuren Überversorgung.

Referiert & kommentiertDr. Danielle A. Stegmann, Stuttgart

Antibiotikaresistenz in der Intensivmedizin

Bescheidene Unterschiede verschiedener Dekontaminationsmethoden

Zwei Dekontaminationsmethoden zur Prophylaxe nosokomialer Atemwegserkrankungen zeigten im Cross-over-Vergleich lediglich geringe Unterschiede. Beide Interventionen konnten allerdings die Zahl der gramnegativ verursachten Bakteriämien sowie die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Intensivstation reduzieren. Dies zeigte eine Cluster-randomisierte Studie an 16 Intensivstationen in den Niederlanden.

Referiert & kommentiertDr. Claudia Becker, Zürich

Interaktionen

Plötzlicher Herztod unter Trimethoprim-Sulfamethoxazol und Spironolacton

Eine Beobachtungsstudie untersuchte das Risiko eines plötzlichen Herztods bei Patienten mit einer Spironolacton-Therapie innerhalb von 14 Tagen nach Verordnung von verschiedenen Antibiotika. Dabei war das Herztod-Risiko unter gleichzeitiger Therapie mit Spironolacton und Trimethoprim-Sulfamethoxazol am höchsten. Spironolacton und Trimethoprim-Sulfamethoxazol bergen beide ein Hyperkaliämie-Risiko.

Referiert & kommentiertDr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Nichtkleinzelliger Lungenkrebs

Afatinib verlängert Überleben bei Patienten mit del19-Mutation

Bei Lungenkrebs-Patienten mit einer del19-EGFR-Mutation kann durch die Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Afatinib (Giotrif®) das Gesamtüberleben verbessert werden. Bei Patienten mit Leu858Arg-EGFR-Mutationen ist dieser Effekt nicht nachzuweisen. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass durch verschiedene EGFR-Mutationen unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst werden, die in künftigen Studien getrennt ausgewertet werden sollten [1].

NotizenBettina Christine Martini, Legau

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