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40. Jahrgang Heft 5 Mai 2019

Editorial
Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake (Vorsitzende des Wissenschaftlichen Komitees der ADKA)


Übersicht
Werner Kropf, Klingenmünster

Die klassische Form der Parkinson-Krankheit kann heute zwar noch nicht geheilt werden, doch es steht eine Vielzahl an wirksamen Arzneimitteln bereit, die insbesondere die motorischen Symptome lindern können. Das Krankheitsgeschehen ist durch einen progredienten Untergang von vorwiegend dopaminergen Nervenzellen gekennzeichnet. Medikamente zielen darauf ab, die körpereigene Reserve zu nutzen oder die Dopamin-Funktionalität mittels Substitution zu verbessern. Da der beschriebene Zellverlust schleichend und über Jahre hinweg verläuft, sind immer wieder Prüfungen und Anpassungen der medikamentösen Therapie erforderlich. Daneben können sich zunehmend auch eine Reihe nichtmotorischer Symptome zeigen, die gleichwohl eine bedarfsgerechte Versorgung verlangen. Die Therapie berücksichtigt das Alter, die vorherrschende Symptomatik, die Komorbidität, die Lebensumstände sowie die Nebenwirkungen der Arzneimittel. Klinische Pharmazeuten sind aufgrund ihrer guten und breiten pharmakologischen Kenntnis eine Bereicherung für das multidisziplinäre Behandlungsteam und können zur Qualitätsverbesserung beitragen. Der vorliegende Beitrag stellt die aktuellen Empfehlungen zur Medikation zusammen und soll klinische Pharmazeuten ermutigen, sich in die interdisziplinäre Arbeit zur Optimierung der häufig vorkommenden, komplexen Medikationsregime einzubringen.

Schlüsselwörter: Parkinson, Pharmakotherapie, motorische Defizite, nicht-motorische Störungen, Levodopa, Dopaminagonisten, Medikation

M. Parkinson – A challenge in individual and multimodal treatment

Until today the classical IPS cannot be cured. However, there are numrous efficient drugs which are able to palliate the typical motoric symptoms. Parkinson’s disease is characterized by a gradual loss of dopaminergic cells mainly in the central nervous system. Drugs are used to support the body’s defences or to improve the functionality of dopamine as a substitute. As the loss of neurons presents itself in a long period of time it is necessary to check, evaluate and modify medication. Moreover, the IPS will show non-motoric symptoms which have to be taken into consideration and which must be supported by adequate medication. Decision-aiding factors for rational therapy as mentioned in the guidelines are the patient’s age, main symptoms, co-morbidity, circumstances of life and, finally the potential side effects of the medication used. Clinical pharmacists are certainly a great asset because of their pharmacological education and should therefore be part of the multidisciplinary team in order to contribute to the quality of treatment. The present paper summarizes the state-of-the-art knowledge about the complex medications used for IPS treatment and will encourage clinical pharmacists to perform services in medical management.

Key words: Morbus Parkinson, pharmacotherapy, motoric, non-motoric symptoms, medication, treatment

Krankenhauspharmazie 2019;40:227–39.



Gerrit Seifert, Irene Krämer, Mainz, Alessandra Rossi, Parma, und Wolfgang Kamin, Hamm

Hintergrund: Der Erfolg einer Inhalationstherapie hängt maßgeblich von den Aerosolcharakteristika der genutzten Druckluftvernebler ab. Die entsprechenden Parameter wurden bei 13 modernen und aktuell in Deutschland verfügbaren Druckluftverneblern in vitro, unter standardisierten Bedingungen untersucht. Vier der Geräte sind laut Herstellerangaben besonders für die Therapie von pädiatrischen Patienten geeignet. Methoden: Die Untersuchungen wurden unter Verneblung von Natriumfluorid (NaF) gemäß Euronorm EN 13 544–1:2007 + A1 (Aug. 2009) mittels Atemzugsimulator (Simulation eines Erwachsenenmanövers) und Next-Generation-Impaktor durchgeführt. Für alle Druckluftvernebler wurde der Aerosol-Output (AO), die Aerosol-Output-Rate (AOR), der mittlere Durchmesser der generierten Aerosolpartikel (MMAD) mit geometrischer Standardabweichung (GSD), der Feinpartikelanteil (Fine particle fraction, FPF < 5 µm und < 3 µm), die gesamte lungengängige Dosis < 5 µm (Total respirable delivered dose < 5 µm, RDD < 5 µm) und die Rate der lungengängigen Dosis < 5 µm (Respirable dose delivery rate < 5 µm, RDDR < 5 µm) experimentell bestimmt bzw. berechnet. Ergebnisse: Der AO betrug minimal 1,9 mg bis maximal 6,6 mg NaF; entsprechend variierte die AOR zwischen 0,4 und 1,7 mg NaF/min. Die erzeugten Aerosole hatten einen MMAD von 2,1 bis 6,8 µm, eine FPF < 5 µm von 33,1 % bis 86,8 % und eine FPF < 3 µm von 18,4 % bis 67,2 %. Die GSD streute zwischen 2 und 2,5 µm. Die berechnete RDD < 5 µm lag im Bereich zwischen 0,61 und 5,28 mg NaF und die berechnete RDDR < 5 µm entsprechend zwischen 0,26 und 1,18 mg NaF/min. Schlussfolgerung: Die mit den verschiedenen Verneblern unter standardisierten Bedingungen erzeugten Aerosole variierten deutlich nach Art und Menge. Mithilfe der Untersuchungsergebnisse können die behandelnden Ärzte einen geeigneten Vernebler für spezielle Patientenbedürfnisse auswählen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass alle Messungen mit demselben Atemvolumen und derselben Atemfrequenz und mit NaF als Modellsubstanz erfolgten.

Schlüsselwörter: Druckluftvernebler, Feuchtinhalation, Aerosolcharakteristika, Sinuspumpe, Kaskadenimpaktor

Aerodynamic performance of jet nebulizers marketed in Germany

Background: Aerosol characteristics play a major role for successful inhalation therapy. We tested 13 recent jet nebulizers, which are currently marketed in Germany, under standardized in vitro conditions. Four jet nebulizers are especially designed for pediatric use.

Methods: Sodium fluoride solution was aerosolized and measured according to Euro norm EN 13 544–1 : 2007 + A1 (Aug. 2009). The measurements were performed using a sinus pump breathing simulator (adult breathing pattern) as well as a next generation cascade impactor (NGI). The following parameters were analyzed: Total aerosol output (AO), aerosol output rate (AOR), mass median aerodynamic diameter (MMAD) with geometric standard deviation (GSD), fine particle fraction (FPF < 5 µm and < 3 µm), total respirable delivered dose < 5 µm (RDD< 5 µm), and respirable dose delivery rate < 5 µm (RDDR< 5 µm).

Results: The AO and AOR varied between 1.9 to 6.6 mg NaF and 0.4 to 1.7 mg NaF/min, respectively. The MMAD ranged from 2.1 µm to 6.8 µm, and the FPF < 5 µm (FPF < 3 µm) varied between 33.1 % (18.4 %) and 86.8 % (67.2 %). GSD spread from 2 to 2.5 µm. RDD< 5 µm and RDDR< 5 µm were calculated and varied substantially between 0.61 to 5.28 mg NaF and 0.26 to 1.18 mg NaF/min, respectively.

Conclusion: The aerosol performance of 13 tested nebulizers, characterized by the quantity and quality of generated aerosols, showed significant differences. Being aware of such results, caregivers can choose an appropriate nebulizer for an individual patient.

Key words: Jet nebulizer, aerodynamic performance, sinus pump breathing simulator, next generation cascade impactor

Krankenhauspharmazie 2019;40:241–9.



Der klinisch-pharmazeutische Fall
Marina Merker und Heiko Baumann, Karlsruhe

Ein mit einem Pulverinhalator therapierter COPD-Patient muss nach Atemversagen intubiert und kontrolliert beatmet werden. Da der Pulverinhalator nun nicht mehr eingesetzt werden kann, werden die Arzneimittel am Intensivrespirator verabreicht.

Krankenhauspharmazie 2019,40:251–2.



Serie
Holger Petri, Bad Wildungen
Das Interaktionspotenzial hormoneller Kontrazeptiva

Sexualhormone als Substrate des Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzyms 3A4 können in Kombination mit CYP3A4-Induktoren in ihrer kontrazeptiven Wirksamkeit beeinträchtigt sein. Das in kombinierten hormonellen Kontrazeptiva (KHK) am häufigsten eingesetzte Estrogen Ethinylestradiol hat selbst das Potenzial, durch Hemmung von CYP-Isoenzymen die Plasmaspiegel anderer Arzneimittel zu erhöhen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der hormonellen Kontrazeptiva zu den CYP-Enzymen unter Berücksichtigung der Art ihrer Anwendung dargestellt.



Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit
Aufgepasst und hingeschaut!

Als Beinahe-Fehler werden Ereignisse bezeichnet, die rechtzeitig durch aufmerksames Mitdenken entdeckt und daher ohne Folgen für die Patienten bleiben, aber das Potenzial hatten, die Patienten zu schädigen. Um einen solchen Beinahe-Fehler geht es im Folgenden.



Referiert & kommentiert: Aus der internationalen Literatur
Solvejg Langer, Stuttgart
Raus aus dem Off mit Levodopa zur Inhalation

Bei länger andauernder Levodopa-Therapie kommt es zum Wearing-off und damit zu Akinesien. Um diesen Off-Zustand möglichst schnell wieder in einen On-Zustand zu verwandeln, braucht es schnellwirksame Arzneimittel. Getestet wurde nun eine inhalierbare Levodopa-Formulierung.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Prophylaxe mit Pantoprazol

In einer randomisierten Studie bei erwachsenen Patienten, die in einer Intensivstation behandelt werden und ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen hatten, wurde Pantoprazol mit Placebo verglichen. Die Mortalität nach 90 Tagen und die Anzahl der klinisch wichtigen Ereignisse (gastrointestinale Blutung, Infektion mit Clostridium difficile, Myokardinfarkt) waren zwischen den beiden Therapiegruppen nicht unterschiedlich.



Dr. Miriam Neuenfeldt, Stralsund
Nutzen einer Schilddrüsenhormon- Substitutionstherapie fraglich

Die Substitutionsnotwendigkeit bei subklinischer Hypothyreose wird unterschiedlich beurteilt. Unter Berücksichtigung der aktuellsten Daten wurde daher erneut eine Metaanalyse zu den Effekten einer Substitutionstherapie bei Erwachsenen mit latenter Schilddrüsenunterfunktion durchgeführt.



Maximilian Günther, Bonn
Erhaltungstherapie mit Olaparib

Bisher wird Olaparib in der Rezidivtherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms eingesetzt. Die vorliegende randomisierte Doppelblindstudie zeigt, dass der Einsatz von Olaparib auch in der Erhaltungstherapie bei einem neu diagnostizierten, fortgeschrittenen Ovarialkarzinom von Vorteil ist.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Metaanalyse sieht keinen Benefit

Eine aktuelle Metaanalyse bewertet den Nutzen eines PSA-Screenings sehr zurückhaltend. Zwar kann mithilfe des Screenings innerhalb von zehn Jahren die Prostatakarzinom-bezogene Mortalität marginal gesenkt werden, die Gesamtmortalität aber nicht.



Solvejg Langer, Stuttgart
Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?

Bei einer vaginalen Geburt nach vorangegangenem Kaiserschnitt treten Komplikationen häufiger auf als bei einem weiteren elektiven Kaiserschnitt. Allerdings ist die Rate insgesamt niedrig und ein vorangegangener Kaiserschnitt kein Ausschlusskriterium für eine vaginale Geburt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Kongress
Abstracts der Poster und Kurzvorträge beim 44. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA vom 9. bis 11. Mai 2019

Die Abstracts der Poster und Kurzvorträge sind in Wissenschaftliche Poster und Praxis-Poster getrennt und jeweils alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert (Stand: Februar 2019). Kurzvorträge und Beiträge der geführten Postertour sind gekennzeichnet. Kurzvorträge: Postertour: