Übersicht Anne-Christine Gruber, Steffen Amann und Cornelia Vetter-Kerkhoff, München

Zugang zur Cochrane-Datenbank für alle ADKA-Mitglieder

Die ADKA finanziert ihren Mitgliedern den Zugang zur Cochrane-Datenbank. Wichtigster Bestandteil der Cochrane-Datenbank sind die Cochrane-Reviews. In diesen systematischen Übersichtsarbeiten zu unterschiedlichsten Therapiegebieten werden sämtliche relevanten Studien und andere Forschungsergebnisse zu einer therapeutischen Fragestellung zusammengefasst. Sie stellen somit den aktuellen, evidenzbasierten medizinischen Wissensstand dar. Die Reviews werden regelmäßig aktualisiert, sobald neue Studien zu einer therapeutischen Fragestellung erschienen sind oder eine Korrektur notwendig ist. Im Krankenhausapothekenalltag können sie einen schnellen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten bei bestimmten Erkrankungen geben und wertvolle Informationen für patientenindividuelle Therapieentscheidungen liefern. Auf diese Weise können Krankenhausapotheker davon bei der Arzneimittelinformation bei Anfragen aus ihren Kliniken profitieren. Außerdem können die Informationen zur Beurteilung des aktuellen Stellenwerts bestimmter Therapien herangezogen werden und unterstützen so die Erstellung von internen Leitlinien sowie Richtungsentscheidungen in der Arzneimittelkommission. Die Umsetzung der EAHP-Statements und ADKA-Thesen wird damit realisiert.

Schlüsselwörter: ADKA, Arzneimittelinformation, pharmazeutische Serviceleistungen, Cochrane-Bibliothek, systematische Übersichtsarbeiten, evidenzbasierte Medizin, EAHP-Statements, ADKA-Thesen

Krankenhauspharmazie 2015;36:411–4.

English abstract

Access to the Cochrane Library for all ADKA-members

The German Society of Hospital Pharmacists (ADKA) provides its members with free access to the Cochrane Library. The most important part of the Cochrane Library are the Cochrane Reviews – systematic reviews on many different therapeutic fields that summarize all relevant studies and research on a certain health problem. Hence, they represent the current evidence-based medical knowledge. The reviews are updated regularly when new studies have been published on a therapeutic issue or a correction is necessary. For the daily work of hospital pharmacies they can give a quick overview over the treatment options for certain diseases and provide valuable information for making patient-specific health decisions. That way, hospital pharmacists can benefit from the reviews when answering drug information enquiries. Moreover, the information can be used for assessing the therapeutic value of certain therapies and can support the creation of internal guidelines and formulary decisions in the Pharmacy and Therapeutics Committee. ADKA supports the implementation of the EAHP-Statements and also the ADKA-theses with this commitment.

Key words: The German Society of Hospital Pharmacists, drug information, clinical pharmacy services, Cochrane Library, Cochrane Reviews, evidence-based medicine, EAHP-statements, ADKA-theses

Originalarbeit Andreas Pospiech, Markus Zilker, Ulrike Holzgrabe, Petra Högger, Würzburg, und Josef Scheiber, Waldsassen

Mehr Sicherheit bei der Off-Label-Anwendung in der Pädiatrie

Viele Arzneimittel sind für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen, weshalb der Off-Label-Gebrauch in der Pädiatrie an der Tagesordnung ist. Dabei werden Arzneistoffe außerhalb der zugelassenen Indikation, in von der Zulassung abweichenden Dosierungen oder in veränderter Darreichungsform eingesetzt. Im Rahmen des Projekts „Personalisierte Medizin im Kindes- und Jugendalter“ wird vom Pharmazeutischen Institut der Universität Würzburg und der Firma BioVariance eine Datenbank erarbeitet, die verfügbare Informationen für die Off-Label-Anwendung, beispielsweise pharmakokinetische Studiendaten und Empfehlungen zur Off-Label-Dosis von Arzneistoffen, für unterschiedliche pädiatrische Altersgruppen bereitstellen soll. Die Datenbank soll Ärzten und Apothekern als schnelle und aktuelle Informationsquelle dienen und Ärzte bei der Festlegung der Dosis beim Off-Label-Einsatz unterstützen.

Schlüsselwörter: off Label, Pädiatrie, Datenbank, Dosis-Informationen, App-Version

Krankenhauspharmazie 2015;36:415–9.

Kongress Eva-Maria Lippke, Mainz

Pharmazeutische Fragestellungen zu Antiinfektiva-Zubereitungen – plausibel, qualitätsgesichert hergestellt und geprüft

Ein Seminar beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim beschäftigte sich mit der Zubereitung und Prüfung von Antiinfektiva. Sowohl für die patientenindividuelle Rezeptur als auch für defekturmäßige Zubereitungen müssen Plausibilitätsprüfungen durchgeführt und Herstellungsanweisungen/-protokolle erstellt werden. Für Defekturen fallen zudem Prüfanweisungen und -protokolle an.

Krankenhauspharmazie 2015;36:420–1.

Kongress Solvejg Langer, Stuttgart

Systemische Pilzinfektionen und ihre Therapie

Über systemische Pilzinfektionen und ihre Therapie sprachen Prof. Andreas Groll, Münster, und Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake, Hamburg, in einem Seminar beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim. Thema waren häufig auftretende Infektionen mit Candida- und Aspergillus-Arten sowie selten vorkommende Erreger wie Mucor oder Fusarium species.

Krankenhauspharmazie 2015;36:421–2.

Kongress Solvejg Langer, Stuttgart

Besondere Patienten brauchen besondere Arzneimittel – die antimikrobielle Therapie seltener Infektionen

Seltene Infektionen, häufig ein Mitbringsel aus dem Urlaub, waren das Thema eines Seminars beim 40. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA in Mannheim. Für deren Therapie erleben derzeit einige alte, fast vergessene Antibiotika ein Comeback.

Krankenhauspharmazie 2015;36:422–3.

Serie Elfriede Nusser-Rothermundt, Stuttgart

Welchen Spielraum gibt es bei der Dokumentation eines QMS in der Krankenhausapotheke?

Zur Beantwortung dieser Frage sollte zunächst der Begriff „QM-Dokumentation“ geklärt werden. Hierzu gibt es stark divergierende Vorstellungen, die davon abhängen, unter welchem Fokus der Begriff verwendet wird (z.B. GMP, ISO, Kammerhandbuch, ApoBetrO). In der Regel umfassen die sogenannten „dokumentierten Informationen“ Nachweise für Geltungsbereich, Qualitätspolitik und -ziele, Überwachung und Messung, Kompetenz der Mitarbeiter, Entwicklung, Rückverfolgbarkeit und Managementbewertung.

Schlüsselwörter:
Dokumentations-Anforderungen, QMS, Krankenhausapotheke, Spielraum

Krankenhauspharmazie 2015;36:424–7.

English abstract

Flexibility in the documentation of a quality management system in hospital pharmacies

The documentation of a quality management system (QMS) usually in cludes evaluation, measuring and monitoring of the QMS, responsibi-lity of staff members and the perview of the QMS. Requests on the docu-mentation can diverge in different guidelines and laws (e. g. the German Ordinance on the Operation of Pharmacies or GMP-Guidelines).

Key words: Documentation quality management system, f lexibility, hospi-tal pharmaciesAccess to the Cochrane Library for all ADKA-members

Serie Pamela Kantelhardt für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Medikationsfehler

Tropfen sind kein Saft!

Aufgrund einer fehlerhaften Umstellung einer oralen, flüssigen Valproat-Zubereitung auf eine 5-fach höher konzentrierte Valproat-Zubereitung ohne Umrechnung der Dosis erlitt ein pädiatrischer Patient bei Aufnahme ins Krankenhaus eine vorübergehende Schädigung.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Becker, Zürich

Tropenmedizin

Wirksamkeit und Sicherheit des RTS,S/AS01-Malaria-Impfstoffs mit oder ohne Auffrischungs-Impfung bei Säuglingen und Kleinkindern

Die Wirksamkeit des Malaria-Impfstoffs RTS,S/AS01 bei Kindern verschiedener Altersgruppen in den 12 Monaten nach der dritten Impfung ist bereits bekannt. Jetzt liegen neue Daten zur Langzeit-Wirksamkeit sowie zur Arzneimittelsicherheit aus der Follow-up-Studie vor. Der Impfschutz hielt bei einem Großteil der Kinder bis zu vier Jahre an. Allerdings war die Impfung nicht in jeder Altersklasse gleich effektiv und seine Wirksamkeit ließ mit der Zeit nach. Eine Auffrischungsimpfung nach 18 Monaten konnte die Wirksamkeit erhöhen.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Rezidivierende Clostridium-difficile-Infektion

Säurehemmer könnten häufig abgesetzt werden

Protonenpumpenhemmer erhöhen das Risiko für ein Rezidiv einer Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö. Das könnte vor allem in solchen Fällen vermieden werden, in denen die Säureblocker außerhalb einer evidenzbasierten Indikation verordnet wurden. Doch in der Praxis wird diese Empfehlung praktisch nie umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer kanadischen Studie.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Intestinales Mikrobiom

Restitution nach Antibiotika-Einnahme erst nach zwölf Monaten abgeschlossen

In einer Experimentalstudie mit gesunden Erwachsenen veränderte die zehntägige Einnahme von Ciprofloxacin oder Clindamycin im Vergleich zu Placebo die Mikrobiomzusammensetzung des Stuhls. Die Normalisierung erfolgte überwiegend in den Wochen zwei bis vier, die vollständige Restitution war aber erst nach zwölf Monaten abgeschlossen. Dies traf beispielsweise für die Bifidobakterien-Population nach Clindamycin-Einnahme zu.

Referiert & kommentiert Hardy-Thorsten Panknin, Berlin

Nosokomiale Harnwegsinfektionen

Web-basierte Datenerhebung aus internationalen Krankenhäusern

Nosokomiale Harnwegsinfektionen machen in fast allen Statistiken den größten Anteil aller krankenhauserworbenen Infektionen aus. Da sie oft mit oralen Antibiotika behandelt werden, sind nicht nur die verursachenden Harnwegserreger, sondern auch die mitbehandelte Darmflora der Patienten einem hohen Selektionsdruck ausgesetzt. Eine aktuelle internationale Erhebung zeigte, dass Harnwegsinfektionen aufgrund der Resistenzzunahme häufig mit unwirksamen Antibiotika behandelt werden.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Krebs bei Kindern

Weniger Spätfolgen durch angepasste Therapie

Die späte Sterblichkeit von an Krebs erkrankten Kindern hat in den letzten 30 Jahren abgenommen. Die ergab eine retrospektive Analyse der Childhood Cancer Survivor Study mit mehr als 34000 Patienten, die in der Plenarsitzung beim ASCO-Kongress am 31. Mai 2015 vorgestellt wurde. Bei Kindern, die ihre Krebserkrankung fünf Jahre überlebt hatten, sank die kumulative Gesamtsterblichkeit 15 Jahre nach der Diagnose von 10,7% in den Jahren 1970 bis 1974 auf 5,8% in den Jahren 1990 bis 1994.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Hepatitis C mit dekompensierter Leberzirrhose

Bestes Outcome bei niedrigem Bilirubin, hohem Albumin und Alter <65

Mit direkten antiviralen Agenzien werden auch bei Patienten mit Hepatitis C (HCV) und dekompensierter Zirrhose teils hohe Responseraten erzielt. Hier kommt es allerdings auf die Ausprägung des Leberschadens an und die Therapie muss individueller abgestimmt werden. Dies ist die Quintessenz aus mehreren Studien, die beim Kongress der European Association for the Study of the Liver (EASL) präsentiert wurden.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Hepatitis C mit kompensierter Leberzirrhose

Kombiniert und nicht zu kurz behandeln

Patienten mit Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV) können von einer Behandlung mit Interferon-freien kombinierten Therapieregimen profitieren, auch wenn sie bereits an Leberzirrhose leiden. Sechs Wochen Therapiedauer sind dafür aber zu kurz; das wurde beim 50th International Liver Congress in Wien deutlich.

Notizen Bettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ