Editorial Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff und Dr. Steffen Amann, München

Ein Jahrzehnt Kongress für Arzneimittelinformation

Übersicht Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Klinische Studien kritisch lesen

Wissen, worauf es ankommt

Nicht alle klinischen Studien sind tatsächlich aussagekräftig. Deshalb ist eine kritische Bewertung notwendig. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Aspekte vor, auf die Leser von randomisierten kontrollierten Studien achten sollten.
Schlüsselwörter: Critical appraisal, randomisierte kontrollierte Studien, Intention-to-treat-Analyse, Verblindung, Effektmaße
Krankenhauspharmazie 2017;38:63–8.

English abstract

Critical appraisal of clinical trials

Critical appraisal of clinical trials is necessary to determine if the trial yields valid results and if these results can be applied to the respective clinical question. This article presents the main aspects a critical reader has to consider.

Key words: Critical appraisal, randomized controlled trials, intention-to-treat, blinding, effect size

Übersicht Ute Blassmann und Daniela Stelzer, München

Das 1×1 für ein wissenschaftliches Poster

Das Poster ist eine beliebte Form, um wissenschaftliche Projekte zu präsentieren. Ziel des Posters ist es, wissenschaftliche Informationen prägnant und übersichtlich vorzustellen, auszutauschen und Diskussionen anzuregen. Rückmeldungen zu einem Poster können für eine weitere Untersuchung des präsentierten Themas oder zur Vorbereitung einer Veröffentlichung der vorgestellten Ergebnisse hilfreich sein. Im Rahmen der Posterpräsentation steht der Autor für Fragen und Diskussionen direkt am Poster zur Verfügung. Die Präsentation von Ergebnissen als Poster schließt einen mündlichen Vortrag jedoch nicht aus. Verbreitet sind Kurzvorträge von ausgewählten Postern oder die Vorstellung des Posters vor einer Posterjury. Durch Inhalt und Gestaltung soll das Projekt so attraktiv transportiert werden, dass der Betrachter davon angesprochen und die Hauptaussage klar dargestellt wird. Hinter der Erstellung eines Posters steckt damit viel mehr als die reine Wiedergabe der Informationen aus dem zugehörigen Abstract. Dieser Artikel soll Tipps und Tricks zur Gestaltung und Erstellung eines Posters anbieten.
Schlüsselwörter: Poster, Präsentation, Kongress
Krankenhauspharmazie 2017;38:69–72.

English abstract

The basics for a scientific poster

Posters are a common way to present scientific research. The objective of a poster is the concise and clear presentation of scientific content, which should lead to professional exchange and discussions. Comments on the poster can be useful for further research, as well as the preparation of a scientific paper. During the scientific poster sessions, the author is available for questions and discussions. However, the presentation of a poster may involve an additional oral presentation, for example short presentations of selected posters or the presentation of the poster in front of a poster jury.

Design and content of a poster have to rise the interest of the viewer and convey the main results. Therefore, a scientific poster is much more than just a reproduction of the abstract. This article offers tips and tricks for the design and preparation of a scientific poster.

Key words: poster, presentation, congress

Übersicht Sigrun Gundl, Salzburg

Änderungen der internationalen Risikoklassifizierung für Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit

Eine klare Einteilung von Arzneistoffen während Schwangerschaft und Stillzeit in Kategorien wie „erlaubt“ oder „nicht erlaubt“ würden sich viele Apotheker und Ärzte wünschen. Leider reicht ein so einfaches System für eine evidenzbasierte Risikobewertung nicht aus. Das in den USA jahrelang verwendete Klassifizierungssystem der FDA (A, B, C, D, X) wurde deshalb in den letzten Jahren grundlegend überarbeitet. Künftig soll durch die exakte Angabe der Datenlage zu Schwangerschaft und Stillzeit in standardisierter Kurzform eine bessere Risikoeinschätzung der Arzneimittel gegeben sein.
Schlüsselwörter: Risikoklassifizierung, Arzneimittel, Schwangerschaft, Stillzeit
Krankenhauspharmazie 2017;38:72–6.

English abstract

Changes in the international risk rating for drugs used during pregnancy and breastfeeding

Implementing a clear classification of drugs used in pregnancy and breastfeeding into categories such as “recommended” or “not recommended” would be welcomed by doctors and pharmacists. However, such a simple system would not be able to reflect evidence-based information of the used drugs. For many years, the FDA’s American risk rating system (A, B, C, D, X) was used worldwide. This system was edited in recent years. Henceforth, a more standardized information reflecting current knowledge of drugs used in pregnancy and breastfeeding should be given to ensure adequate and improved risk assessment.

Key words: risk assessment, pregnancy, drugs, breast feeding


Übersicht Dzenefa Alihodzic, Stefan Kluge und Claudia Langebrake, Hamburg-Eppendorf

Wenn dem Blut der Sauerstoff ausgeht …

Bisherige Erkenntnisse und Besonderheiten der Pharmakotherapie bei erwachsenen ECMO-Patienten

Die Zahl kritisch kranker Patienten, die extrakorporale Lungenunterstützungsverfahren wie eine ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) erhalten, steigt immer weiter. Da es sich bei der ECMO um keine kausale Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung handelt, ist nicht nur die geeignete Arzneimittelauswahl, sondern auch die optimale Dosierung von höchster Relevanz, um die Überlebenschancen dieser Patienten zu verbessern. Jedoch gibt es bisher nur wenige valide klinische Daten über die Pharmakokinetik von Arzneistoffen unter ECMO. Relevante Veränderungen der Arzneistoffexposition bei ECMO-Patienten können durch verschiedene Parameter verursacht werden: So stellen physikochemische Eigenschaften der Arzneistoffe Schlüsselfaktoren dar, die das Verhalten eines Arzneistoffs im ECMO-Kreislauf durch Adsorptionsvorgänge beeinflussen können. Ebenso spielen die Materialeigenschaften und gegebenenfalls das Priming des ECMO-Kreislaufs eine Rolle. Pathophysiologische Veränderungen bei kritisch kranken Patienten, die in Veränderungen des Verteilungsvolumens und/oder der Clearance resultieren, können darüber hinaus zu klinisch relevanten Veränderungen in der Pharmakokinetik von Arzneistoffen führen. Um das Verhalten von Arzneistoffen unter ECMO besser charakterisieren zu können, sind weitere klinische Studien mit populationspharmakokinetischen Analysen notwendig, die sich vor allem auf Arzneistoffe mit größerer Lipophilie und Plasmaproteinbindung (PPB) fokussieren. So können valide Daten zur optimalen Dosierung gewonnen werden.
Schlüsselwörter: ECMO, Pharmakokinetik, ARDS
Krankenhauspharmazie 2017;38:77–85.

English abstract

When the blood runs out of oxygen ... – Previous findings and characteristics of pharmacotherapy in adult ECMO patients

The number of critically ill patients receiving extracorporeal membrane oxygenation (ECMO) is steadily increasing. As ECMO does only represent a supportive treatment, the management of the underlying disease, e.g. the choice of the most appropriate drug and optimal dose is essential for patient outcome. Unfortunately, there are only few valid clinical data available about pharmacokinetic behaviour of drugs in ECMO patients so far.

Drug exposure in ECMO patients can be influenced by a variety of parameters: Physicochemical properties of drugs play an important role due to adsorption processes in the ECMO circuit. Additionally, different materials and a possible priming of the ECMO circuit may have an impact. Pathophysiological changes of critically ill patients resulting in altered volume of distribution and/or clearance may additionally lead to relevant changes in the pharmacokinetics of important drugs.

To better characterise the influence of ECMO on drugs and to give recommendations for optimal drug dosing, clinical trials with population pharmacokinetic analyses are necessary, especially for those drugs with both high lipophily and high plasma protein binding.

Key words: ECMO, pharmacokinetics, ARDS


Übersicht Lillian Reiter, Oslo

Arzneimittelinformation in Norwegen – Blick über den Tellerrand

Seit über 20 Jahren bietet RELIS (regionales Arzneimittelinformationszentrum) produzentenunabhängige Arzneimittelinformation für Angehörige von Heilberufen in Norwegen an. Diese vom norwegischen Staat finanzierte Arzneimittelinformation ist kostenlos für den Fragesteller.
Schlüsselwörter: Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, evidenzbasierte Dokumentation, Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungsmeldungen
Krankenhauspharmazie 2017;38:85–9.

English abstract

Drug information in Norway

RELIS is an norwegian drug information network that has provided drug information for health care professionals free of charge for over 20 years. RELIS is funded by the norwegian government.

Key words: adverse reactions, interactions, evidence-based documentation, medicines during pregnancy and lactation, adverse drug reaction reports



Serie Dr. Gesine Picksak für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Medikationsfehler

Überdosierung durch Ungeduld bei elektronischer Verordnung

Eine elektronische Verordnungssoftware wird in der Regel als Möglichkeit betrachtet, Fehler zu minimieren. Wird diese aber nicht korrekt bedient, kann sie auch zur Fehlerquelle werden.

Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Zytostatika-induziertes Erbrechen

Olanzapin verbessert die Wirkung einer antiemetischen Therapie

Die zusätzliche Gabe des Antipsychotikums Olanzapin verbessert die Wirkung einer antiemetischen Therapie bei Zytostatika-induziertem Erbrechen. Zu diesem Ergebnis kam eine US-amerikanische Phase-III-Studie, in der die Effektivität einer zusätzlichen Gabe von Olanzapin bei hoch-emetogenen Therapien untersucht wurde.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Antidepressiva

Bei Kindern und Jugendlichen häufig ohne Nutzen

Bei der Behandlung von schweren Depressionen bei Kindern und Jugendlichen scheinen Antidepressiva einer Metaanalyse zufolge keinen klaren Vorteil zu bieten. Eine Ausnahme könnte Fluoxetin sein.

Referiert & kommentiert Solvejg Langer, Stuttgart

Gastroenteritis

Apfelsaft oder Elektrolytlösung?

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Becker, Offenburg

Schmerztherapie

Wirksamkeit, Verträglichkeit und Dosierung einer Opioid-Therapie für Schmerzen im unteren Rücken

Ein Review-Artikel fasst Studienergebnisse zum kurzfristigen Einsatz von Opioiden bei der Behandlung von chronischen Schmerzen im unteren Rücken zusammen. Eine Therapie mit Opioiden in Dosierungen von 40 bis 240 mg Morphin-Äquivalenten zeigte keinen klinischen Effekt. Über die Hälfte der Studienteilnehmer schied vorzeitig wegen fehlender Wirksamkeit oder unerwünschten Wirkungen aus den Studien aus. Untersuchungen zum Langzeitgebrauch oder zum Einsatz bei akuten Rückenschmerzen gibt es nicht.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Fortgeschrittenes Lungenkarzinom

Längeres Überleben mit Atezolizumab als mit Docetaxel

Der PD-L1-Antikörper Atezolizumab verlängert bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) das Gesamtüberleben (OS) signifikant um 4,8 Monate im Vergleich zur Behandlung mit Docetaxel. Die Wirkung war bei Patienten mit und ohne PD-L1-Expression nachweisbar. Dies ergab die erste und größte Phase-III-Studie mit einem PD-L1-Antikörper, deren Ergebnisse bei der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) am 9. Oktober 2016 in Kopenhagen vorgestellt wurden [1].

Referiert & kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC)

Länger leben mit Pembrolizumab

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs und hoher PD-L1-Expression können schon in der Erstlinientherapie mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab ein längeres progressionsfreies und Gesamtüberleben sowie bessere Ansprechraten erreicht werden als mit einem Platin-Doublet. Das zeigten die Ergebnisse der Phase-III-Studie KEYNOTE-024, die im Rahmen eines Presidential Symposiums am 9. Oktober 2016 auf der Jahrestagung der European Society of Medical Oncology (ESMO 2016) in Kopenhagen präsentiert wurden. Zeitgleich wurden die Daten online im New England Journal of Medicine publiziert [3].

Notizen Bettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FdA, BfArM und AkdÄ

Kongress

Der Apotheker als Wissensmanager – mehr Sicherheit für Arzt und Patient

Abstracts der Poster, vorgestellt beim 5. Kongress für Arzneimittelinformation der ADKA vom 3. bis 4. Februar 2017 in Köln.

Die Abstracts der Poster sind in Wissenschaftliche Poster und Best Practice Poster jeweils alphabetisch nach Autorennamen (Erstautor) sortiert.